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Oberon Christoph Martin Wieland

Part 4 out of 5

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Denn beide, hatte gleich das Elend ihre Bl�the
Halb abgestreift, verriethen durch Gestalt
Und Sinnesart, wo nicht ein k�niglich Gebl�te,
Doch sichrer einen Werth, dem selbst die Allgewalt
Des Gl�cks nichts rauben kann vom reinen Vollgehalt
Der innern angebornen G�te.

33
Schon dreymahl wechselte der Tag sein herbstlich Licht,
Seit diese Freystatt sie in ihrem Schoo�e heget,
Und beide k�nnen noch sich des Gedankens nicht
Entschlagen, da� der Greis, der sie so freundlich pfleget,
Kein wahrer Greis, da� er ein Schutzgeist ist,
Vielleicht ihr Oberon selbst, der ihres Fehls vergi�t,
Und, da sie schwer genug (d�ucht sie) daf�r geb��et,
Bald wieder gl�cklich sie zu machen sich entschlie�et.

34
Nun schwindet zwar allm�hlich dieser Wahn,
Und ach! mit ihm stirbt auch, nicht ohne Schmerzen,
Die Hoffnung die er n�hrt; doch schmiegen ihre Herzen
Sich an ein Menschenherz nur desto st�rker an.
Es war so sanft das Herz des guten Alten,
So zart sein Mitgef�hl, sein innrer Sinn so rein,
Unm�glich konnten sie sechs Tage um ihn seyn
Und l�nger sich vor ihm verborgen halten.

35
Der junge Mann, im Drang der Dankbarkeit
Und des Vertrau'ns, (zumahl da ihn zu fragen
Sein Wirth noch immer s�umt) er�ffnet ungescheut
Ihm seinen Nahmen, Stand, und was, seit jener Zeit,
Da er zu Montlery des Kaisers Sohn erschlagen,
Bis diesen Tag mit ihm sich zugetragen;
Durch welchen Auftrag Karl den Tod ihm zugedacht,
Und wie er gl�cklich ihn mit Oberons Schutz vollbracht;

36
Und wie in einem Traum die Liebe sich entsponnen,
Die ihn beym ersten Blick mit Rezia vereint;
Wie er mit ihr aus Babylon entronnen,
Und das Verbot, das sein erhabner Freund
Ihm auferlegt, und wie, so bald er dessen
In einem Augenblick von Liebesdrang vergessen,
Die ganze Natur sich gegen sie emp�rt
Und ihres Sch�tzers Huld in Rache sich verkehrt.

37
Wohl, spricht der edle Greis, wohl dem, den sein Geschick
So liebreich, und zugleich so streng, als dich, erziehet,
Den kleinsten Fehltritt ihm nicht straflos �bersiehet,
Wohl ihm! denn ganz gewi�, das reinste Erdengl�ck
Erwartet ihn. Auf Herzen wie die euern
Z�rnt Oberon nicht ewig. Glaube mir,
Mein Sohn, sein Auge schwebt unsichtbar �ber dir;
Verdiene seine Huld, so wird sie sich erneuern!

38
Und wie verdien' ich sie? mit welchem Opfer still'
Ich seinen Zorn? fragt H�on rasch den Alten;
Ich bin bereit, es sey so schwer es will!
Was kann ich thun?--Freywillig dich enthalten,
Antwortet ihm Alfons; was du ges�ndigt hast
Wird dadurch nur geb��t.--Der junge Mann erbla�t.
Ich f�hl' es, spricht der Greis mit sanft err�thender Wange;
Allein, ich wei� von wem ich es verlange!

39
Ein edles Selbstgef�hl ergreift den jungen Mann:
"Hier hast du meine Hand!" Mehr ward kein Wort gesprochen.
Und wohl ihm, der, nach mehr als hundert Wochen,
Sich selbst das Zeugni� geben kann,
Er habe sein Gel�bde nicht gebrochen!
Es war der sch�nste Sieg den H�on je gewann.
Doch hat er oft die Furcht vorm Alten zu err�then,
Oft Rezia's standhaftem Ernst vonn�then.

40
Nichts unterh�lt so gut (versichert ihn der Greis)
Die Sinne mit der Pflicht im Frieden,
Als flei�ig sie durch Arbeit zu erm�den;
Nichts bringt sie leichter aus dem Gleis
Als m��'ge Tr�umerey. Um der zuvor zu kommen,
Wird unges�umt, so bald der Tag erwacht,
Die scharfe Axt zur Hand genommen,
Und Holz im Hain gef�llt bis in die dunkle Nacht.

41
Noch eine H�tte f�r Amanden aufzurichten,
Und Dach und W�nde wohl mit Leim und Moos zu dichten,
Dann zum Kamin, der immer lodern mu�,
Und f�r den Herd, den n�thigen �berflu�
Von fettem Kien und klein gespaltnen Fichten
Hoch an den W�nden aufzuschichten,
Die� und viel andres giebt dem Prinzen viel zu thun:
Allein es hilft ihm Nachts auch desto besser ruhn.

42
Zwar Anfangs will es ihm nicht gleich nach Wunsch gelingen,
Die Holzaxt statt des Ritterschwerts zu schwingen;
Die ungewohnte Hand greift alles schwerer an,
Und in der halben Zeit h�tt' es ein Knecht gethan.
Doch t�glich nimmt er zu, denn �bung macht den Meister;
Und f�hlt er dann und wann sich dem Erliegen nah,
So wehet der Gedank', es ist f�r Rezia,
Sein Feuer wieder an, und st�rkt die matten Geister.

43
Indessen H�on sich im Wald erm�det, pflegt
Der edle Greis, der mit noch festem Tritte
Die schwere Last von achtzig Jahren tr�gt,
Der Ruhe nicht; nur da� er von der H�tte
Sich selten weit entfernt. Kein heitrer Tag entflieht,
Der nicht in seinem lieben Garten
Ihn die� und das zu thun besch�ftigt sieht.
Amandens Sorge ist des kleinen Herds zu warten.

44
Da s�he man (wiewohl, wenn Engel nicht
Mit stillem Blick ihr Ebenbild umweben,
Wer sieht sie hier?) mit heiterm Angesicht,
Auf dem die Sorgen nur wie leichte W�lkchen schweben,
Die K�nigstochter gern sich jeder niedern Pflicht
Der kleinen Wirthschaft untergeben:
Auch was sie nie gekannt, viel minder je gethan,
Wie schnell ergreift sie es, wie steht ihr alles an!

45
Oft sch�rzt sie, ohne mindsten Harm
Da� ihre zarte Haut den sch�nen Schmelz verliere,
Beym Wassertrog, vor ihrer H�ttenth�re,
Den schlanken schwanenwei�en Arm.
Die Freud' (ihr s��er Lohn) den v�terlichen Alten
Und den geliebten Mann in einem Stand zu halten,
Der von dem Dr�ckendsten der Armuth sie befreyt,
Veredelt, w�rdigt ihr des Tagwerks Niedrigkeit.

46
Und sieht sie dann (auch Er ist jener Engel einer)
Der heil'ge Greis, der von der Arbeit kehrt,
Und segnet sie: o dann ist ihre Freude reiner
Und inniger, als w�rd' ihr dreymahl mehr verehrt
Als sie zu Bagdad lie�. Wenn dann bey Sternenlichte
Die Nacht sie alle drey am Feuerherd vereint,
Und auf Amandens lieblichem Gesichte,
Das halb im Schatten steht, die Flamme wiederscheint:

47
Dann ruht, mit stillem liebevollen
Entz�ckten Blick, der junge Mann auf ihr,
Und seine Seele schwillt, und s��e Thr�nen rollen
Die dunkle Wang' herab. Tief schweiget die Begier!
Sie ist ein �berirdisch Wesen
Das ihm zum Trost erscheint--er ist begl�ckt genug
Da� er sie lieben darf, und o! in jedem Zug,
In jedem keuschen Blick, da� er geliebt ist, lesen!

48
Oft sitzen sie, der fromme freundliche Greis
In ihrer Mitt', Amanda seine rechte
In ihrer linken Hand, und h�ren halbe N�chte
Ihm zu, von seiner langen Lebensreis'
Ein St�ck, das ihm lebendig wird, erz�hlen.
Vom Antheil, den die warmen jungen Seelen
An allem nehmen, wird's ihm selber warm dabey,
Dann werden unvermerkt aus zwey Geschichten drey.

49
Zuweilen, um den Geist des Tr�bsinns zu beschw�ren,
Der, wenn die Flur in dumpfer Stille trau'rt,
Im Schneegew�lk mit Eulenfl�geln lau'rt,
L��t H�on seine Kunst auf einer Harfe h�ren,
Die er von ungef�hr in einem Winkel fand,
Lang' ungebraucht, verstimmt, und kaum noch halb bespannt:
Doch scheint das schnarrende Holz von Orfeus Geist beseelet,
So bald sich Rezia's Gesang mit ihm verm�hlet.

50
Oft lockte sie ein heller Wintertag,
Wenn fern die See von strenger K�lte rauchte,
Der blendend wei�e Schnee dicht auf den Bergen lag,
Und itzt die Abendsonn' ihn wie in Purpur tauchte,
Dann lockte sie der wundersch�ne Glanz
Im reinen Strom der kalten Luft zu baden.
Wie m�chtig f�hlten sie sich dann gest�rkt! wie ganz
Durchheitert, neu belebt, und alles Grams entladen!

51
Unmerklich schl�pfte so die Winterzeit vorbey.
Und nun erwacht aus ihrem langen Schlummer
Die Erde, kleidet sich aufs neu
In helles Gr�n; der Wald, nicht mehr ein stummer
Ver�deter Ruin, wo nur die Pfeiler stehn
Der pr�cht'gen Laubgew�lb' und hohen Schatteng�nge
Des Tempels der Natur, steht wieder voll und sch�n,
Und Laub dr�ckt sich an Laub in lieblichem Gedr�nge.

52
Mit Blumen decket sich der Busen der Natur,
Aufbl�hend lacht der Garten und die Flur;
Man h�rt die Luft von Vogelsang erschallen;
Die Felsen stehn bekr�nzt; die flie�enden Krystallen
Der Quellen rieseln wieder rein
Am frischen Moos herab; den immer dichtern Hain
Durchschmettert schon, im lauen Mondenschein,
Die stille Nacht hindurch, das Lied der Nachtigallen.

53
Amanda, deren Ziel nun immer n�her r�ckt,
Sucht gern die Einsamkeit, sucht stille dunkle Steige
Im Hain sich aus, und dicht gew�lbte Zweige.
Da lehnt sie oft, von Ahnungen gedr�ckt,
An einem bl�h'nden Baum, und freuet sich des Webens
Und Sumsens und Gedr�ngs und allgemeinen Lebens
In seinem Schoo�--und dr�ckt mit vorempfundner Lust
Ein lieblich Kind im Geist an ihre Brust;

54
Ein lieblich Kind, das ihre Mutterliebe
Mit jedem s��en Reitz verschwenderisch begabt,
Sich schon voraus an jedem zarten Triebe,
Der ihm entkeimt, sich schon am ersten L�cheln labt,
Womit es ihr die Leiden alle danket
Die sie so gern um seinetwillen trug,
Sich labt an jedem sch�nen Zug
Worin des Vaters Bild sanft zwischen ihrem schwanket.

55
Allm�hlich wird der wonnigliche Traum
Von sch�chternen Be�ngstigungen
Und stillem Gram, den sie vor H�on kaum
Verbergen kann und doch verbirgt, verdrungen.
Ach Fatme, denkt sie oft, und Thr�nen stehen ihr
Im Auge, w�rest du in dieser Noth bey mir!
Getrost, o Rezia! Das Schicksal, das dich leitet,
Hat dir zu helfen l�ngst die Wege vorbereitet!

56
Titania, die Elfenk�nigin,
Sie hatte seit dem Tag, da Trotz und Widersinn
So unvermuthet sie um Oberons Herz betrogen,
Sich in die� nehmliche Gebirg zur�ckgezogen.
Mit dem Gemahl, der ihr durch einen Schwur entsagt,
Den unterm unbegrenzten Bogen
Des himmlischen Azurs kein Geist zu brechen wagt,
Mit seiner Lieb' und ihm war all' ihr Gl�ck entflogen.

57
Zu sp�t beweint sie nun die eitle, rasche That
Des Augenblicks; f�hlt mit besch�mten Wangen
Die Gr��e ihrer Schuld, den schweren Hochverrath
Den sie an ihm und an sich selbst begangen.
Vergebens k�mpft ihr Stolz der st�rkern Z�rtlichkeit
Entgegen!--Ach! sie fl�ge himmelweit,
Und w�rfe gern, um ihr Vergehn zu b��en,
In Thr�nen sich zu des Erz�rnten F��en.

58
Was h�lf' es ihr? Er schwor, in Wasser noch in Luft,
Noch wo im Bl�thenhain die Zweige Balsam regnen,
Noch wo der hagre Greif in ewig finstrer Gruft
Bey Zaubersch�tzen wacht, ihr jemahls zu begegnen!
Vergebens k�m' ihn selbst die sp�te Reue an;
Auf ewig fesselt ihn der Schwur den er gethan.
Ihn auszus�hnen bleibt ihr keine Pforte offen!
Denn von der einz'gen, ach! was ist von der zu hoffen?

59
Sie ist auf ewig zu. Denn nur ein liebend Paar,
Wie keines ist, wie niemahls eines war
Noch seyn wird, schlie�t sie auf. Von schwachen Adamskindern
Zu hoffen eine Treu', die keines Sturmwinds Sto�
Ersch�ttert, eine Treu', die keine Probe mindern,
Kein Reitz bet�uben kann? Unm�glich! Hoffnungslos
Sinkt in der fernsten Zukunft dunkeln Schoo�
Ihr thr�nenschwerer Blick; nichts kann ihr Elend mindern!

60
Verha�t ist ihr nunmehr der Elfen Scherz, der Tanz
Im Mondenlicht, verha�t in seinem Rosenkleide
Der sch�ne May. Ihr schm�ckt kein Myrtenkranz
Die Stirne mehr. Der Anblick jeder Freude
Rei�t ihre Wunden auf. Sie flattert durch das Leer
Der weiten Luft im Sturmwind hin und her,
Find't nirgends Ruh, und sucht mit tr�bem Blicke
Nach einem Ort, der sich zu ihrer Schwermuth schicke.

61
Zuletzt entdeckt sich ihr im gro�en Ocean
Die� Eiland. Aufgeth�rmt aus schwarzen ungeheuern
Ruinen, lockt es sie durch seine Schw�rze an
Den irren Flug dahin zu steuern.
Es stimmt zu ihrem Sinn. Sie taumelt aus der Luft
Herab, und st�rzet sich in eine finstre Gruft,
Um ungest�rt ihr Daseyn wegzuweinen,
Und, unter Felsen, selbst, wo m�glich, zu versteinern.

62
Schon siebenmahl, seitdem Titania
Die� traurige Leben f�hrt, verj�ngte sich die Erde
Ihr unbemerkt. Als wie auf einem Opferherde
Liegt sie auf einem Stein, den Tod erwartend, da;
Der Tag geht auf und sinkt, die holde Schattensonne
Beleuchtet zauberisch die Felsen um sie her;
Vergebens! str�mten auch die Quellen aller Wonne
Auf einmahl �ber sie, ihr Herz blieb wonneleer.

63
Das einz'ge, was ihr noch, mit einem Traum des Schattens
Von Trost, ihr ewig Leid vers��t,
Ist, da� vielleicht der Zustand ihres Gattens
Dem ihren gleicht, und Er vielleicht noch h�rter b��t.
Gewi�, noch liebt er sie! und o! wofern er liebet,
Er, durch sich selbst verdammt zum Sch�pfer ihrer Pein
Und seiner eignen Qual, wie elend mu� er seyn!
So elend, da� sie gern ihm ihren Theil vergiebet!

64
Doch, da f�r jede Seelenwunde,
Wie tief sie brennt, die Zeit, die gro�e Tr�sterin,
Den wahren Balsam hat: so kam zuletzt die Stunde
Auch bey Titania, da ihr verdumpfter Sinn
Sich allgemach entw�lkt, ihr Herz geduld'ger leidet,
Und ihre Fantasie in Gr�n sich wieder kleidet;
Sie giebt den Schmeicheley'n der Hoffnung wieder Raum,
Und was unm�glich schien wird itzt ihr Morgentraum.

65
Auf einmahl grauet ihr vor diesen d�stern Schl�nden,
Worin sie einst sich gern gefangen sah;
Schnell mu� aus ihrem Aug' ein Theil der Klippen schwinden,
Und ein Elysium steht bl�hend vor ihr da.
Auf ihren leisen Ruf erschienen
Drey liebliche Sylfiden, die ihr dienen;
Ein schwesterliches Drey, das ihren Gram zerstreut,
Und der Verla�nen, mehr aus Lieb' als Pflicht, sich weiht.

66
Das Paradies, das sich die Elfenk�nigin
In diese Felsen schuf, war eben das, worin
Alfonso schon seit drey�ig Jahren wohnte;
Und, ihm unwissend, war's die Grotte, wo sie thronte,
Woraus ihm, durchs Geb�sch vom Nachtwind zugef�hrt,
Der liebliche Gesang, gleich Engelsstimmen, hallte;
Sie war's, die ungesehn bey ihm vor�ber wallte,
Wenn er an seiner Wang' ein geistig Weh'n versp�rt.

67
Auch unsre Liebenden, vom Tag an, da die Wogen
An dieses Eiland sie getragen, hatte sie
Bemerkt, und t�glich sp�t und fr�h
Erkundigung von ihnen eingezogen.
Oft stand sie selbst, wenn jene sich allein
Vermeinten, ungesehn, sich n�her zu belehren;
Und was sie h�rt' und sah gab ihr den Zweifel ein,
Ob sie vielleicht das Paar, das sie erwartet, w�ren.

68
Je l�nger sie auf ihr Betragen merkt,
Je mehr sie sich in ihrer Hoffnung st�rkt.
Sind H�on und Amanda die getreuen
Probfesten Seelen nicht, die Oberon begehrt,
So mag sie ihrer nur auf ewig sich verzeihen!
Von nun an sind sie ihr wie ihre Augen werth,
Und sie beschlie�t, mit ihren kleinen Feen
Dem edlen jungen Weib unsichtbar beyzustehen.

69
Die Stunde kam. Von dumpfer Bangigkeit
Umher getrieben, irrt Amanda im Geb�sche,
Das um die H�tten her ein liebliches Gemische
Von Wohlgeruch zum Morgenopfer streut.
Sie irret fort, so wie der schmale Pfad sich windet,
Bis sie sich unvermerkt vor einer Grotte findet,
Die ein Geweb von Efeu leicht umkr�nzt,
Auf dessen dunkelm Schmelz die Morgensonne gl�nzt.

70
Alfonso hatte oft vordem hinein zu gehen
Versucht, und allemahl vergebens; eben die�
War seinem alten Freund, war H�on selbst geschehen,
So oft er, um des Wunders sich gewi�
Zu machen, es versucht. Sie hatten nichts gesehen:
Sie f�hlten nur ein seltsam Widerstehen,
Als sch�be sich ein unsichtbares Thor,
Indem sie mit Gewalt eindringen wollten, vor.

71
Schnell �berfiel sie dann ein wunderbares Grauen;
Sie schlichen leise sich davon,
Und keiner wollte sich der Probe mehr getrauen.
Man wei� nicht, ob Amanda selbst es schon
Zuvor versucht; genug, sie konnte dem Gedanken,
Die erste, der's gegl�ckt, zu seyn,
Nicht widerstehn; sie schob die Efeuranken
Mit leichter Hand hinweg, und--ging hinein.

72
Kaum sah sie sich darin, so kam ein heimlich Zittern
Sie an; sie sank auf einen weichen Sitz
Von Rosen und von Moos. Itzt f�hlt sie, Blitz auf Blitz,
Ein schneidend Weh Gebein und Mark ersch�ttern.
Es ging vorbey. Ein angenehm Ermatten
Erfolgte drauf. Es ward wie Mondesschein
Vor ihrem Blick, der stets in tiefre Schatten
Sich taucht', und, sanft sich selbst verlierend, schlief sie ein.

73
Itzt d�mmern liebliche verworrene Gestalten
In ihrem Innern auf, die bald vor�ber fliehn,
Bald wunderbar sich in einander falten.
Ihr d�ucht, sie seh' drey Engel vor ihr knien,
Und ihr verborgene Mysterien verwalten,
Und eine Frau, geh�llt in rosenfarbnem Licht,
Steh' neben ihr, so oft der Athem ihr gebricht
Ein B�schel Rosen ihr zum Munde hin zu halten.

74
Zum letzten Mahl beklemmt ihr h�her schlagend Herz
Ein kurzer sanft ged�mpfter Schmerz;
Die Bilder schwinden weg, und sie verliert sich wieder.
Doch bald, erweckt vom Nachklang s��er Lieder
Der halb verweht aus ihrem Ohr entflieht,
Schl�gt sie in ihrem Traum die Augen auf, und sieht
Die Drey nicht mehr, sieht nur die K�nigin der Feen
In Rosenglanz sanft l�chelnd vor ihr stehen.

75
Auf ihren Armen liegt ein neu geboren Kind.
Sie reicht's Amanden und verschwebet
Vor ihren Augen, wie im Morgenwind
Ein W�lkchen schmilzt aus Blumenduft gewebet.
Im gleichen Nu entwacht Amanda ihrem Traum,
Und streckt die Arme aus, als wollte sie den Saum
Des rosigen Gewandes noch erfassen;
Umsonst! sie greift nach Luft, sie ist allein gelassen.

76
Doch, einen Pulsschlag noch, und wie unnennbar gro�
Ist ihr Erstaunen, ihr Entz�cken!
Kaum glaubt sie dem Gef�hl, kaum traut sie ihren Blicken!
Sie f�hlt sich ihrer B�rde los,
Und zappelnd liegt auf ihrem sanften Schoo�
Der sch�nste Knabe, frisch wie eine Morgenros'
Und wie die Liebe sch�n! Mit wonnevollem Beben
F�hlt sie ihr Herz sich ihm entgegen heben.

77
Sie f�hlt's, es ist ihr Sohn!--Mit Thr�nen inniger Lust
Gebadet, dr�ckt sie ihn an Wange, Mund, und Brust,
Und kann nicht satt sich an dem Knaben sehen.
Auch scheint der Knabe schon die Mutter zu verstehen.
La�t ihr zum mindsten den Genu�
Des s��en Wahns! Er schaut aus seinen hellen Augen
Sie ja so sprechend an--und scheint nicht jeden Ku�
Sein kleiner Mund dem ihren zu entsaugen?

78
Sie h�rt den stillen Ruf--wie leise h�rt
Ein Mutterherz!--und folgt ihm unbelehrt.
Mit einer Lust, die, wenn sie neiden k�nnten,
Die Engel, die auf sie herunter sahn,
Die Engel selbst beneidensw�rdig nennten,
Legt sie an ihre Brust den holden S�ugling an.
Sie leitet den Instinkt, und l��t nun an den Freuden
Des zartsten Mitgef�hls ihr Herz vollauf sich weiden.

79
Indessen hat im ganzen Hain umher
Ihr H�on sie gesucht, zwey �ngstlich lange Stunden,
Und, da er nirgends sie gefunden,
F�hrt ihn zuletzt sein irrer Fu� hierher.
Er n�hert sich der unzugangbar'n Grotte;
Nichts h�lt ihn auf, er kommt--o welch ein Augenblick!
Und sieht das holde Weib, mit einem Liebesgotte
An ihrer Brust, vertieft, verschlungen in ihr Gl�ck.

80
Ihr, denen die Natur, beym Eingang in die� Leben,
Den �berschwenglichen Ersatz
F�r alles andre Gl�ck, den unverlierbar'n Schatz,
Den alles Gold der Aureng-Zeben
Nicht kaufen kann, das beste in der Welt
Was sie zu geben hat, und was ins be�re Leben
Euch folgt, ein f�hlend Herz und reinen Sinn gegeben,
Blickt hin und schaut--Der heil'ge Vorhang f�llt!


Neunter Gesang.

1
Es ist nun Zeit, uns auch nach Fatmen umzuschauen,
Die wir, seit Rezia mit H�on sich ins Meer
Gest�rzt, im Schiff, allein und alles Trostes leer
Gelassen, Tag und Nacht das Schicksal ihrer Frauen
Beweinend, und ihr eignes freylich auch.
Denn ach! sie weint, sie schreyt, sie rauft ihr Haar vergebens;
Er ist verweht, mit einem einzigen Hauch
Verweht, der ganze Bau der Ruhe ihres Lebens.

2
Was soll nun aus ihr werden, so allein
In einem Schiff, von z�gellosen S�hnen
Des rauhen Meers umringt, die ihren Jammer h�hnen,
Mit frechen Augen schon, berauscht in feurigem Wein,
Verschlingen ihren Raub--was wird ihr Schicksal seyn?
Zum Gl�ck erbarmet sich der schutzberaubten Sch�nen
Ein unverhoffter Sturm, der in der zweyten Nacht
Die See zum Tummelplatz emp�rter Wogen macht.

3
Die Pinke treibt, inde� ein allgemeines Zagen
Das Volk entnervt, auf ungewissem Meer
Herum gejagt, bald west--bald s�dw�rts hin und her;
Bis, da der Winde Wuth in sieben schrecklichen Tagen
Ersch�pft ist, an den Strand von Tunis sich verschlagen
Der Hauptmann sieht. Den Zufall, der ihn sehr
Zur Unzeit �berrascht, in Vortheil zu verwandeln,
Beschlie�t er Fatmen hier als Sklavin zu verhandeln.

4
Denn Fatme, die kaum vier und drey�igmahl
Den May sein Blumenkleid entfalten
Gesehn, war eine aus der Zahl
Der lange bl�henden Gestalten,
Die nicht so leicht verwittern noch veralten,
Und die mit Reitzen von Gewicht,
Viel Feu'r im Blick, viel Gr�bchen im Gesicht,
Euch f�r den Rosenglanz der Jugend schadlos halten.

5
Des K�nigs G�rtner kam durch Zufall auf den Platz,
Wo alles das um hundert Sultaninen
Zu kaufen war. Es schien Bemerkung zu verdienen.
Er trat hinzu, besah's und fand es sey ein Schatz.
Sein grauer Kopf ward nicht zu Rath gezogen.
Es fehlte, d�nkt ihn, nichts in seinem Gulistan
Als eben die�. Das Gold wird hurtig vorgewogen,
Und Fatme duldet still was sie nicht �ndern kann.

6
Inde� verfolgt mit stets gewognem Winde
Der treue Scherasmin den anbefohlnen Lauf.
Kaum nahm Massiliens Port ihn wohlbehalten auf,
So setzt er sich zu Pferd, und eilt so schnell, als st�nde
Sein Leben drauf, zum Kaiser nach Paris.
Er hatte schon den M�rt'rerberg erstiegen
Und sah im Morgenroth die Stadt noch schlummernd liegen,
Als pl�tzlich sich sein Kopf an einen Zweifel stie�.

7
"Halt, sprach sein Geist zu ihm, und eh' wir weiter traben,
Bedenke wohl was du beginnst, mein Sohn!
Zwar sollte das dein weiser Sch�del schon
Zu Askalon erwogen haben,
Obgleich der Wind, der dort in H�ons Segel blies,
Dir wenig Zeit zum �berlegen lie�.
Doch, wenn wir ehrlich mit einander sprechen wollen,
Du h�ttest damahls dich ganz anders str�uben sollen.

8
"Denn, unter uns gesagt, es ist doch offenbar
Kein Menschensinn in dieser Ambassade.
Den Kaiser, der vorhin uns nie gewogen war,
Erbittert sie gewi� im h�chsten Grade.
Am Ende w�r' es nur ums reiche K�stchen Schade!
Denn, wahrlich, mit der Hand voll Ziegenhaar,
Und mit den Z�hnen da, Gott wei� aus welchem Rachen,
Wird deine Excellenz sehr wenig Eindruck machen.

9
"Ja, wenn Herr H�on selbst, mit stattlichem Geleite
Von Reisigen, Trabanten und so fort,
Und mit der Tochter des Kalifen an der Seite
Herein geschritten w�r', und h�tte selbst das Wort
Gef�hrt, und mit geh�rigen Grimassen,
Wie einem Ritter, Duc und Pair
Geziemt, auf rothem Sammt, von goldnen Quasten schwer,
Die Sachen �berreicht--da wollt' ich's gelten lassen!

10
"Da kommt des Aufzugs Pracht, die Fei'rlichkeit, der Glanz
Der Sultanstochter, an der Hand des stolzen Gatten,
Kurz, jeder Umstand kommt dem andern da zu Statten,
Und tr�gt das Seine bey, die Sache rund und ganz
Zu machen. Karlen bleibt nichts weiter einzuwenden,
Er hat den Glauben in den Augen und in H�nden;
Der Ritter hat sein Wort gehalten als ein Mann,
Und fordert frey was ihm kein Recht versagen kann.

11
"Das alles geht auf einmahl in die Br�che,
Freund Scherasmin, wenn du nicht kl�ger bist
Als der dich abgeschickt. Wohlan, was Raths? was ist
Zu thun?--Das beste w�r', auf allen Fall, er schliche
Mit seinem K�stchen sich ganz sachte wieder ab
Eh' jemand ihn bemerkt, und ritt' im gro�en Trab
Geraden Wegs nach Rom, dem Freyport aller Frommen,
Wo hoffentlich sein Herr inzwischen angekommen."

12
So sprach zu Scherasmin sein be�rer Genius:
Und da er ihm nach langem �berlegen
Nichts kl�gers, wie ihn d�nkt, entgegen
Zu setzen hatte, war sein endlicher Entschlu�,
Der guten Stadt Paris das Schulterblatt zu weisen,
Und sporenstreichs nach Rom zu seinem Herrn zu reisen.
Er �bersteigt die Alpen, langet an,
Und gleich sein erster Gang ist--nach dem Lateran.

13
Allein, umsonst erm�det er mit Fragen
Nach seinem Herrn den Schweizer, der die Wach'
Am Thore hat, umsonst das ganze Vorgemach,
Kein Mensch kann ihm ein Wort von Ritter H�on sagen.
Vergebens rennet er die Stadt von Haus zu Haus
Und alle Kirchen und Spit�ler fragend aus,
Und schildert ihn vom Fersen bis zur Scheitel
Den Leuten vor,--all' seine M�h ist eitel.

14
Vier ewige Wochen lang, und dann noch zwey dazu,
Verweilt er sich in stets betrognem Hoffen,
L��t keinen Tag sich selbst noch andern Ruh
Mit Forschen, ob sein Prinz denn noch nicht eingetroffen;
Und, da kein Warten hilft, beginnt er �berlaut
Den gro�en Schwur des Baskenvolks zu fluchen,
Und schw�rt, so weit der Himmel blaut,
In einem Pilgerkleid den Ritter aufzusuchen.

15
Was konnt' er anders thun? Sein Geld war aufgezehrt,
Und eine Perle nur vom K�stchen anzugreifen,
(Das billig hundertfachen Werth
In H�ons Augen hat, weil's Oberon ihm verehrt)
Eh lie� er sich den Balg vom Leibe streifen!
Von einem Pilgersmann wird weder Gold begehrt
Noch Silbergeld; er kann mit Muschelschalen
Und Litaney'n die halbe Welt bezahlen.

16
So bettelt nun zwey Jahre lang und mehr
Der treue unverdro�ne Alte
Sich durch die Welt, die L�nge und die Quer',
Und macht an jedem Port, auf jeder Insel Halte,
Fragt �berall vergebens seinem Herrn
Und seiner Dame nach--bis ihn zuletzt sein Stern,
Und ein geheimer Trieb, der seine Hoffnung sch�ret,
Nach Tunis vor die Th�r des alten G�rtners f�hret.

17
Er setzt sich dort auf eine Bank von Stein,
Um, m�d' und schwach von langem Fasten,
Im Schatten da ein wenig auszurasten,
Und eine Sklavin bringt ihm etwas Brot und Wein.
Sie sieht dem Mann im braunen Pilgerkleide
Erstaunt ins Aug', und er der Sklavin ebenfalls,
Und, sich mit einem Schrey des Schreckens und der Freude
Erkennend, fallen sie einander um den Hals.

18
Bist du es, Fatme? ruft an ihrer nassen Wange
Der Pilger freudig aus; ist's m�glich?--Ach! schon lange
Lie� Scherasmin die Hoffnung sich vergehn!
Ist's m�glich da� wir uns zu Tunis wieder sehn?
Was f�r ein Wind hat euch in diese Heidenlande
Verweht? Und wo ist H�on und Amande?
Ach, Scherasmin, schreyt Fatme laut, und bricht
In Thr�nen aus--Sie sind--Ich Arme!--Frage nicht!

19
Was sagst du? ruft der Alte--Gott verh�te!
Was sind sie? Sprich!--"Ach, Scherasmin, sie sind -!"
Mehr bringt sie nicht heraus! Das stockende Gebl�te
Erstickt die Red' in ihrer Brust--Sie sind?--
O Gott! schluchzt Scherasmin, und weinet wie ein Kind
An Fatmens Hals--In ihrer vollen Bl�the!
Das ist zu hart! Allein mir schwante lang' vorher
Nichts gutes! Fatme--ach, die Probe war zu schwer!

20
So bald die gute Frau zum kl�glichen Berichte
Nur wieder Athem hat, erz�hlt sie St�ck f�r St�ck,
Von seiner Abreis' an bis auf den Augenblick
Der Schreckensnacht--da, beym auffackelnden Lichte
Der Blitze, Rezia durch alles Volk, das dichte
Auf H�on dr�ngt, sich st�rzt, den Arm in Liebeswuth
Um den Geliebten schlingt und in die wilde Flut
Ihn mit sich rei�t,--die traurige Geschichte.

21
Drauf sitzen sie wohl eine Stunde lang
Beysammen, sich recht satt zu klagen und zu weinen,
Und beide sich, aus treuem Liebesdrang,
Zum Preis des sch�nsten Paares zu vereinen,
Das je die Welt geziert. Nein, ruft sie vielmahls, nie,
Nie werd' ich eine Frau, wie diese, wieder sehen!
Noch ich, ruft Scherasmin in gleicher Melodie,
Je einem F�rstensohn wie Er zur Seite stehen!

22
Zuletzt, nachdem er sich wohl dreymahl sagen lassen
Wie alles sich begab, geht ihm ein schwacher Schein
Von Glauben auf, und l��t ihn Hoffnung fassen,
Sie k�nnten beide doch vielleicht gerettet seyn.
Je mehr er es bedenkt, je minder geht ihm ein,
Da� Oberon auf ewig sie verlassen.
In allem dem, was er f�r sie gethan,
War Absicht, wie ihn d�ucht, und ein geheimer Plan.

23
Bey diesem schwachen Hoffnungsschimmer,
Der wie ein fernes Licht in tiefer Nacht ihm scheint,
Entschlie�t er sich, von Fatmen nun sich nimmer
Zu trennen, und, mit ihr durch gleichen Schmerz vereint,
Des Schicksals Aufschlu� hier in Tunis abzuwarten.
Durch ihren Vorschub tauscht er Pilgerstab und Kleid
Mit einem Sklavenwamms und einem Grabescheid,
Und dient um Tagelohn im k�niglichen Garten.

24
Indessen Fatme und der wackre Scherasmin
Die Blumenfelder, die sie bauen,
Wie ihrer Lieben Grab, mit Thr�nen oft bethauen;
Sieht H�on, seit sein pr�fend Schicksal ihn
In jene Einsied'ley voll Anmuth und voll Grauen
Verbannt, nicht ohne Gram den dritten Fr�hling bl�hn.
Unm�glich kann er noch sein Heldenherz entw�hnen,
Ins Weltget�mmel sich mit Macht zur�ck zu sehnen.

25
Der kleine H�onnet, das sch�nste Mittelding
Von m�tterlichem Reitz und v�terlicher St�rke,
Das je am Hals von einer G�ttin hing,
Und wahrlich doch zu anderm Tagewerke
Bestimmt, als mit der Axt auf seiner Schulter einst
Ins Holz zu gehn, vermehrt nur seinen Kummer.
Auch dich, o Rezia, in N�chten ohne Schlummer,
Belauscht dein Engel oft, wenn du im Stillen weinst.

26
Tief f�hlt ihr beid' in dieser Jugendbl�the,
Da� Abgeschiedenheit euch unnat�rlich ist,
F�hlt Kraft zu edlerm Thun in eurer Brust, vermi�t
Des Heldensinns, der unbegrenzten G�te
Gleich unbegrenzten Kreis!--Umsonst bem�hn sie sich
Die Thr�ne, die dem abgewandten Aug' entschlich,
Dem alten Vater zu verhehlen;
Ihr L�cheln t�uscht ihn nicht, er liest in ihren Seelen.

27
Und ob ihm diese Welt gleich nichts mehr ist, doch stellt
Er sich an Ihren Platz, in das was sie verloren,
Was ihnen zugeh�rt, wozu sie sich geboren
Empfinden--f�hlt aus Ihrer Brust, und h�lt
Die Thr�ne f�r gerecht, die sie vor ihm aus Liebe
Verbergen, tadelt nicht die unfreiwilligen Triebe,
Und frischt sie nur, so lang' als ihren Lauf
Das Schicksal hemmt, zu stillem Hoffen auf.

28
An einem Abend einst--das Tagwerk war vollbracht,
Und alle drey, (Amande mit dem Knaben
Auf ihrem Schoo�) um an der herrlichen Pracht
Des hellgestirnten Himmels sich zu laben,
Sie sa�en vor der H�tt' auf einer Rasenbank,
Versenkten sich mit ahnungsvollem Grauen
In dieses Wundermeer, und blickten stillen Dank
Zu ihm, der sie erschuf--gen Himmel aufzuschauen:

29
Da fing der fromme Greis, mit mehr ger�hrtem Ton
Als sonst, zu reden an von diesem Erdenleben
Als einem Traum, und vom Hin�berschweben
Ins wahre Seyn.--Es war, als wehe schon
Ein Hauch von Himmelsluft zu ihm her�ber,
Und trag' ihn sanft empor indem er sprach.
Amanda f�hlt's; die Augen gehn ihr �ber,
Ihr ist's, als s�he sie dem Halbverschwundnen nach.

30
Mir, fuhr er fort, mir reichen sie die H�nde
Vom Ufer jenseits schon--Mein Lauf ist bald zu Ende;
Der eurige beginnet kaum, und viel,
Viel Tr�bsal noch, auch viel der besten Freuden,
(Oft sind's nur St�rkungen auf neue gr��re Leiden)
Erwarten euch, inde� ihr unvermerkt dem Ziel
Euch n�hert. Beides geht vor�ber,
Und wird zum Traum, und nichts begleitet uns hin�ber;

31
Nichts als der gute Schatz, den ihr in euer Herz
Gesammelt, Wahrheit, Lieb' und innerlicher Frieden,
Und die Erinnerung, da� weder Lust noch Schmerz
Euch je vom treuen Hang an eure Pflicht geschieden.
So sprach er vieles noch; und als sie endlich sich
Zur Ruh begaben, dr�ckt' er, wie sie d�nkte,
Sie w�rmer an sein Herz, und eine Thr�ne blinkte
In seinem Aug', indem er schnell von ihnen wich.

32
In eben dieser Nacht, von dunkeln Vorgef�hlen
Der Zukunft aufgeschreckt, erhob Titania
Die Augen himmelw�rts--und alle Rosen fielen
Von ihren Wangen ab, indem sie stand, und sah
Und las. Sie rief den lieblichen Gespielen,
Mit ihr zu sehen, was in diesem Nu geschah,
Und wie zu ungl�ckschwangern Z�gen
Amandens Sterne schon sich an einander f�gen.

33
Und, dicht in Schatten eingeschleiert, fliegt
Sie schnell dem Lager zu, wo zwischen Mandelb�umen
(Der Knabe neben ihr) die K�nigstochter liegt,
Aus ihrem Schlaf von ahnungsvollen Tr�umen
Oft aufgest�rt. Titania ber�hrt
Die Brust der Schl�ferin (damit die Unruh schweige
Die in ihr klopft) mit ihrem Rosenzweige,
Und raubt den Knaben weg, der nichts davon versp�rt.

34
Sie kommt zur�ck mit ihrem sch�nen Raube,
Und spricht zu ihren Grazien: Ihr seht
Das grausame Gestirn, das ob Amanden steht!
Eilt, rettet dieses Kind in meine sch�nste Laube,
Und pfleget sein, als w�r's mein eigner Sohn.
Drauf zog sie aus dem Kranz um ihre Stirne
Drey Rosenknospen aus, gab jeder holden Dirne
Ein Kn�spchen hin, und sprach: Hinweg, es d�mmert schon!

35
Thut wie ich euch gesagt, und alle Tag' und Stunden
Schaut eure Rosen an; und wenn ihr alle drey
Zu Lilien werden seht, so merket dran, ich sey
Mit Oberon vers�hnt und wieder neu verbunden.
Dann eilet mit Amandens Sohn herbey,
Denn mit der meinen ist auch ihre Noth verschwunden.
Die Nymfen neigten sich und flohn
In einem W�lkchen schnell hinweg mit H�ons Sohn.

36
Kaum war der Morgen aufgegangen,
So sucht mit bebendem unruhigem Verlangen
Amanda ihren Freund, der seine Lagerstatt,
Fern von Alfons und ihr, in einem Felsen hat.
So hastig eilt sie fort, da� sie (was nie geschehen
Seitdem sie Mutter war) vor lauter Eil' vergi�t,
Nach ihrem Sohn, der noch ihr Schlafgeselle ist,
Und ruhig (glaubt sie) schl�ft, vorher sich umzusehen.

37
Sie findet ihren Mann, im Garten irrend, auf,
Und beide nehmen auf der Stelle,
Was sie besorgen sich verbergend, nach der Zelle
Des alten Vaters ihren Lauf.
Wie klopft ihr Herz, indem sie seinem Lager
Sich langsam nahn! Er liegt, die H�nde auf sein Herz
Gefaltet, athemlos, sein Antlitz bleich und hager,
Doch edel jeder Zug, und rein, und ohne Schmerz.

38
Er schlummert nur, spricht Rezia, und legt
Die Hand, so leicht da� sie ihn kaum ber�hret,
Auf seine Hand--und, da sie kalt sie sp�ret
Und keine Ader mehr sich regt,
Sinkt sie in stiller Wehmuth auf den blassen
Erstarrten Leichnam hin; ein Strom von Thr�nen bricht
Aus ihrem Aug' und badet sein Gesicht:
O Vater, ruft sie aus, so hast du uns verlassen!

39
Sie rafft sich auf, und sinkt an H�ons Brust,
Und beide werfen nun sich bey der kalten H�lle
Der reinsten Seele hin, in ehrfurchtsvoller Stille,
Und s�ttigen die schmerzlich s��e Lust
Zu weinen,--dr�cken oft, um endlich wegzugehen,
Auf seine Hand der Liebe letzten Zoll,
Und bleiben immer, nie gefehlter Regung voll,
Bey dem geliebten Bild, als wie bezaubert, stehen.

40
Es war als s�hen sie auf seinem Angesicht
Die D�mmerung von einem neuen Leben,
Und wie von reinem Himmelslicht
Den Widerschein um seine Stirne weben,
Der schon zum geist'gen Leib den Erdenstoff verfeint,
Und um den stillen Mund, der eben
Vom letzten Segen noch sich sanft zu schlie�en scheint,
Ein unverg�ngliches kaum sichtbar's L�cheln schweben.

41
Ist dir's nicht auch (ruft H�on, wie entz�ckt,
Amanden zu, indem er aufw�rts blickt)
Als fall' aus jener Welt ein Strahl in deine Seele?
So f�hlt' ich nie der menschlichen Natur
Erhabenheit! noch nie die� Erdenleben nur
Als einen Weg durch eine dunkle H�hle
Ins Reich des Lichts! nie eine solche St�rke
In meiner Brust zu jedem guten Werke!

42
Zu jedem Opfer, jedem Streit
Nie diese Kraft, nie diese Munterkeit
Durch alle Pr�fungen mich m�nnlich durchzuk�mpfen!
La� seyn, Geliebte, da� der Tr�bsal viel
Noch auf uns harrt--sie n�hert uns dem Ziel!
Nichts soll uns muthlos sehn, nichts diesen Glauben d�mpfen!
So spricht er, sich mit ihr von diesem heiligen Ort
Entfernend--und ihn nimmt das Schicksal gleich beym Wort.

43
Denn, wie sie Hand in Hand nun wieder
Hervor gehn aus der Zell', und ihre Augenlieder
Erheben--Gott! was f�r ein Anblick stellt
Sich ihren Augen dar! In welche fremde Welt
Sind sie versetzt! Verschwunden, ganz verschwunden
Ist ihr Elysium, der Hain, die Blumenflur.
Versteinert stehn sie da. Ist's m�glich? Keine Spur,
Sogar die St�tte wird nicht mehr davon gefunden!

44
Sie stehn an eines Abgrunds Rand,
Umringt, wohin sie schaudernd sehen,
Von �berhangenden gebrochnen Felsenh�hen;
Kein Gr�schen mehr, wo einst ihr Garten stand!
Vernichtet sind die lieblichen Geb�sche,
Der dunkle Nachtigallenwald
Zerst�rt! Nichts �brig, als ein gr��liches Gemische
Von schroffen Klippen, schwarz, und �d', und ungestalt!

45
Zu welchen neuen Jammerscenen
Bereitet sie die� grause Schauspiel vor?
Ach, rufen sie, und heben, schwer von Thr�nen,
Den kummervollen Blick zum heil'gen Greis empor:
"Ihm wurde die� Gebirg in Fr�hlingsschmuck gekleidet,
Die� Eden Ihm gepflanzt; um Seinetwillen nur
Genossen wir's; und Schicksal und Natur
Verfolgen uns aufs neu', so bald er von uns scheidet!"

46
Ich bin gefa�t, ruft Rezia, und schlingt
Ein Ach zur�ck das ihrer Brust entsteiget.
Ungl�ckliche! der Tag, der all die� Ungl�ck bringt,
Hat dir noch nicht das schrecklichste gezeiget!
Sie eilt dem Knaben zu, den sie vor kurzem, s��
Noch schlummernd, (wie sie glaubt) verlie�!
Er ist ihr letzter Trost; des Schicksals h�rtsten Schl�gen
Geht sie getrost, mit ihm auf ihrem Arm, entgegen.

47
Sie fliegt dem Lager zu, wo er
An ihrer Seite lag, und, wie vom Blitz getroffen,
Schwankt sie zur�ck--der Knab' ist weg, das Lager leer.
"Hat er sich aufgerafft? Fand er die Th�re offen
Und suchte sie? O Gott! wenn er verungl�ckt w�r'?
Entsetzlich!--Doch vielleicht hat um die H�tte her,
(So denkt sie zwischen Angst und Hoffen)
Vielleicht im Garten nur der Kleine sich verloffen?"

48
Im Garten? ach! der ist nun felsiger Ruin!
Sie st�rzt hinaus, und ruft mit bebenden Lippen
Den Knaben laut beym Nahmen, suchet ihn
Ringsum, mit Todesangst, in H�hlen und in Klippen.
Der Vater, den ihr Schreyn herbey gerufen, spricht
Umsonst den Trost ihr zu, woran's ihm selbst gebracht:
"Er werde sich gewi� in diesen Felsgewinden
Gesund und frisch auf einmahl wieder finden."

49
Zwey Stunden schon war alle ihre M�h
Vergeblich. Ach! umsonst, laut rufend, irren sie
Tief im Gebirg umher, besteigen alle Spitzen,
Durchkriechen alle Felsenritzen,
Und lassen sich, um wenigstens sein Grab
Zu finden, kummervoll in jede Kluft hinab:
Ach! keine Spur von ihm entdeckt sich ihrem Blicke,
Und von den Felsen hallt ihr eigner Ton zur�cke.

50
Das Unbegreifliche des Zufalls, da� ein Kind
Von seinem Alter sich verliere,
An einem Ort, wo weder wilde Thiere
Noch Menschen (wilder oft als jene) furchtbar sind,
Mehrt ihre Angst; doch n�hrt es auch ihr Hoffen:
"Es kann nicht anders seyn, er hat sich nur verloffen,
Und schlief vielleicht auf irgend einem Stein
Vom Wandern m�d', in seiner Unschuld ein."

51
Aufs neue wird der ganze Felsenr�cken,
Wird jeder Winkel, jeder Strauch
Der ihn vielleicht versteckt, durchsucht mit Falkenblicken.
Die Unruh treibt sogar, wie unwahrscheinlich auch
Die Hoffnung ist ihn dort lebendig aufzusp�ren,
Sie bis zum Strand herab, wo, unter dem Gemisch
Von aufgeth�rmtem Sand und sumpfigem Geb�sch,
Sie endlich unvermerkt einander selbst verlieren.

52
Auf einmahl schreckt Amandens Ohr
Ein ungewohnter Ton. Ihr d�ucht, es glich dem Schalle
Von Stimmen. Doch, weil's wieder sich verlor,
Und sie bey einem Wasserfalle,
Der mit bet�ubendem Get�se �bern Rand
Von einem hohen Felsenbogen
Herunter st�rzt, sich ziemlich nah befand,
Glaubt sie, sie habe sich betrogen.

53
Ihr schwanet nichts von gr��erer Gefahr,
Ihr einziger Gedank' ist ihres Sohnes Leben:
Und pl�tzlich, da sie kaum um einen H�gel, neben
Dem Wasserfall, herum gekommen war,
Sieht sie, best�rzt, von einer rohen Schaar
Schwarzgelber M�nner sich umgeben,
Und hinter einem hohen Riff
Erblickt sie in der Bucht ein ankernd Ruderschiff.

54
Sie hatten kurz zuvor, um Wasser einzunehmen,
Vor Anker hier gelegt, und waren noch damit
Besch�ftigt: als, mit schnell gehemmtem Schritt,
Auf einmahl eine Frau vor ihre Augen tritt,
Gemacht beym ersten Blick die sch�nsten zu besch�men.
Erstaunen schien sie alle schier zu l�hmen,
An diesem �den Ort, den sonst der Schiffer fleucht,
Ein junges Weib zu sehn, die einer G�ttin gleicht.

55
Der Sch�nheit Anblick macht sonst rohe Seelen milder,
Und Tieger schmiegen sich zu ihren F��en hin:
Doch diese f�hlen nichts. Ihr stumpfer R�ubersinn
Berechnet sich den Werth der sch�nsten Frauenbilder
(Von Marmor oder Fleisch, gleich viel!) mit kaltem Blut
Blo� nach dem Marktpreis, just wie andres Kaufmannsgut.
Hier, ruft der Hauptmann, sind zehn tausend Sultaninen
Mit Einem Griff, so gut wie hundert, zu verdienen.

56
Auf, Kinder, greifet zu! So ein Gesicht wie die�
Gilt uns zu Tunis mehr als zwanzig reiche Ballen:
Der K�nig, wie ihr wi�t, liebt solche Nachtigallen;
Und dieser wilden hier gleicht von den Sch�nen allen
In seinem Harem nichts. Ihr reicht Almansaris,
Die K�nigin, so sch�n sie ist, gewi�
Das Wasser kaum. Wie wird der Sultan brennen!
Der Zufall h�tt' uns traun! nicht besser f�hren k�nnen.

57
Inde� der Hauptmann die� zu seinem Volke sprach,
Steht Rezia, und denkt zwey Augenblicke nach
Was hier zu w�hlen ist. "Sind diese Leute Feinde,
So hilft die Flucht mir nichts, da sie so nahe sind:
Vielleicht da� Edelmuth und Bitten sie gewinnt.
Ich geh' und rede sie als Freunde,
Als Retter an, die uns der Himmel zugesendet.
Vielleicht ist's unser Gl�ck, da� sie hier angel�ndet."

58
Die� denkend, geht, mit unschuldsvoller Ruh
Im offnen Blick, und mit getrosten Schritten,
Das edle sch�ne Weib auf die Korsaren zu:
Allein sie bleiben taub bey ihren sanften Bitten.
Die Sprache, die zu allen Herzen spricht,
R�hrt ihre eisernen entmenschten Seelen nicht.
Der Hauptmann winkt; sie wird umringt, ergriffen,
Und alles l�uft und rennt, die Beute einzuschiffen.

59
Auf ihr erb�rmliches Geschrey,
Das durch die Felsen hallt, fliegt H�on voller Schrecken
Den Wald herab, zu ihrer H�lf' herbey.
Ganz au�er sich, so bald ihm was es sey
Die B�ume l�nger nicht verstecken,
Ergreift er in der Noth den ersten knot'gen Stecken
Der vor ihm liegt, und st�rzt, wie aus der Wolken Schoo�
Ein Donnerkeil, auf die Barbaren los.

60
Sein holdes Weib zu sehn, die mit blutr�nst'gen Armen
Sich zwischen R�ubertatzen str�ubt,
Der Anblick, der zu Tiegerwuth ihn treibt,
Macht bald den Eichenstock in seiner Faust erwarmen.
Die Streiche fallen hageldicht
Auf K�pf' und Schultern ein mit st�rzendem Gewicht.
Er scheint kein Sterblicher; sein Auge spritzet Funken,
Und sieben Mohren sind schon vor ihm hingesunken.

61
Best�rzung, Scham und Grimm, von einem einz'gen Mann
Den sch�nen Raub entrissen sich zu sehen,
Spornt alle andern an, auf H�on los zu gehen,
Der sich, so lang' er noch die Arme regen kann,
Unb�ndig wehrt; bis, da ihm im Gedr�nge
Sein Stock entf�llt, die �berlegne Menge
(Wiewohl er rasend schl�gt und st��t und um sich bei�t)
Ihn endlich �bermannt und ganz zu Boden rei�t.

62
Mit einem Schrey gen Himmel sinkt Amande
In Ohnmacht, da sie ihn erw�rgt zu sehen glaubt.
Man schleppt sie nach dem Schiff, inde� das Volk am Strande
Auf den Gefallnen st�rmt, und tobt und Rache schnaubt.
Ihm einen schnellen Tod zu geben,
W�r's auch der blutigste, d�ucht sie Gelindigkeit:
Nein, ruft der Hauptmann aus, um desto l�ngre Zeit
Der Tode grausamsten zu sterben, soll er leben!

63
Sie schleppen ihn tief in den Wald hinein,
So weit vom Strand, da� auch sein lautstes Schreyn
Kein Ohr erreichen kann, und binden ihn mit Stricken
Um Arm und Bein, um Hals und R�cken,
An einen Baum. Der Ungl�cksel'ge blickt
Zum Himmel auf, verstummend und erdr�ckt
Von seines Elends Last; und laut frohlockend fahren
Mit ihrem sch�nen Raub nach Tunis die Barbaren.


Zehnter Gesang.

1
Schon sinkt der Tag, und trauernd wirft die Nacht
(Ach! nicht vertraulich mehr in s��er Herzensf�lle
Von Liebenden und Freunden zugebracht)
Mitleidig ihre tr�bste H�lle
Ums �de Eiland her, wo aus der tiefen Stille
Nun keinen Morgen mehr der Freude Lied erwacht;
Nur ein Verlassener von allem was er liebet
Der Pflichten schrecklichste durch stilles Dulden �bet.

2
Ihn h�rt Titania, in ein Gew�lk verh�llt,
Tief aus dem Wald herauf in langen Pausen �chzen,
Sieht den Ungl�cklichen in stummer Angst verlechzen,
Und wendet sich von ihm. Denn, ach! vergebens schwillt
Ihr zartes Herz von innigem Erbarmen.
Ein st�rk'rer Zauber st��t mit unaufhaltbar'n Armen
Sie weg von ihm; und wie sie �berm Strand
Dahin schwebt, blinkt vor ihr ein Goldreif aus dem Sand.

3
Amanda hatte ihn, im Ringen mit den S�hnen
Des Raubes, unvermerkt vom Finger abgestreift.
Die Elfenk�nigin, indem sie ihn ergreift,
Erkennt den Talisman, dem alle Geister fr�hnen.
Bald, ruft sie freudig, ist das Ma� des Schicksals voll!
Bald werden wieder dich die Sterne mir vers�hnen,
Geliebter! Dieser Ring verband uns einst; er soll
Zum zweyten Mahl zu meinem Herrn dich kr�nen!

4
Inzwischen hatte man im Schiff, mit gro�er M�h,
Amanden, die in Ohnmacht lag, ins Leben
Zur�ck gerufen. Kaum begonnte sie
Die schweren Augen trostlos zu erheben;
So fiel vor ihr der Hauptmann auf die Knie,
Und bat sie, sich dem Gram nicht l�nger zu ergeben:
Dein Gl�ck ist's, sprach er, blo�, wovon ich Werkzeug bin;
In wenig Tagen bist du unsre K�nigin.

5
Besorge nichts von uns, wir sind nur dich zu sch�tzen
Und dir zu dienen da: dich, Sch�nste, zu besitzen
Ist nur Almansor werth, der dir an Reitzen gleicht.
Er wird beym ersten Blick in deinen Fesseln liegen;
Und, glaube meinem Wort, du wirst ihn mit Vergn�gen
Zu deinen F��en sehn. Der Hauptmann spricht's, und reicht
(Um allen Argwohn, den sie hegen mag, zu stillen)
Ein reiches Tuch ihr dar, sich ganz darein zu h�llen.

6
Der ist des Todes, (f�hrt er fort,
Mit einem Blick und Ton, der alles Volk am Bord
Erzittern macht) der je des Frevels sich verw�get
Und seine Hand an diesen Schleier leget!
Betrachtet sie von diesem Augenblick
Als ein Juwel, das schon Almansorn angeh�ret.
Er sagt's, und zieht, damit sie ungest�ret
Der Ruhe pflegen kann, kniebeugend sich zur�ck.

7
Amanda, ohne auf des R�ubers Wort zu h�ren,
Bewegungslos, bet�ubt von ihrem Ungl�ck, sitzt,
Die H�nde vor der Stirn, die Arme aufgest�tzt
Auf ihre Knie', mit starren, thr�nenleeren,
Erloschnen Augen da. Ihr Jammer ist zu gro�
Ihn auszusprechen, ihn zu tragen
Ihr starkes Herz zu zart. Ach! diesen letzten Sto�
Ertr�gt sie nicht! Sie sinkt, doch sinkt sie ohne Klagen.

8
Sie schaut nach Trost sich um, und findet keinen; leer
Und hoffnungslos, und Nacht, wie ihre Seele,
Ist alles, alles um sie her;
Die ganze Welt verkehrt in eine M�rderh�hle!
Sie starrt zum Himmel auf--auch Der
Hat keinen Trost, hat keinen Engel mehr!
Am Abgrund der Verzweiflung, wo sie schwebet,
Steht noch der Tod allein, der sie im Sinken hebet.

9
Mitleidig reicht er ihr die abgezehrte Hand,
Der letzte, treuste Freund der Leidenden! Sie steiget
Hinab mit ihm ins stille Schattenland,
Wo aller Schmerz, wo aller Jammer schweiget;
Wo keine Kette mehr die freye Seele reibt,
Die Scenen dieser Welt wie Kindertr�ume schwinden,
Und nichts aus ihr als unser Herz uns bleibt:
Da wird sie alles, was sie liebte, wiederfinden!

10
Wie ein verblutend Lamm, still duldend, liegt sie da,
Und seufzt dem letzten Augenblick entgegen:
Als, in der stillen Nacht, sich ihr Titania
Trost bringend naht. Ein unsichtbarer Regen
Von Schlummerd�ften st�rkt der sch�nen Dulderin
Matt schlagend Herz, und schl�ft den �u�ern Sinn
Unmerklich ein. Da zeigt sich ihr im Traumgesichte
Die Elfenk�nigin in ihrem Rosenlichte.

11
Auf! spricht sie, fasse Muth! Dein Sohn und dein Gemahl
Sie athmen noch, sind nicht f�r dich verloren.
Erkenne mich! Wenn du zum dritten Mahl
Mich wieder siehst, dann ist, was Oberon geschworen,
Erf�llt durch eure Treu'. Ihr endet unsre Pein,
Und wie Wir gl�cklich sind, so werdet Ihr es seyn.
Mit diesem Wort zerflie�t die G�ttin in die L�fte,
Doch wehen, wo sie stand, noch ihre Rosend�fte.

12
Amand' erwacht, erkennt an ihrem Duft
Und Rosenglanz, die nur allm�hlich schwanden,
Die g�ttergleiche Frau, die in der Felsengruft,
Gleich unverhofft, ihr ehmahls beigestanden.
Ger�hrt, besch�mt von diesem neuen Schutz,
Ergreift ihr Herz mit dankbarlichem Beben
Die� Pfand von ihres Sohns und ihres H�ons Leben,
Und beut mit ihm nun jedem Schicksal Trutz.

13
Ach! w��te sie, was ihr (zu ihrem Gl�cke)
Verborgen bleibt, wie trostlos diese Nacht
Ihr ungl�cksel'ger Freund, mit siebenfachem Stricke
An einen Eichenstamm gebunden, zugebracht,
Wie br�ch' ihr Herz!--Und Er, vor dessen Augenblitze
Nichts dunkel ist, der gute Schutzgeist, weilt?
Er steht, am Quell des Nils, auf einer Felsenspitze,
Die, ewig unbew�lkt, die reinsten L�fte theilt.

14
Den ernsten Blick dem Eiland zugekehrt,
Wo H�on schmachtet, steht der Geisterf�rst, und h�rt
Sein �chzen, das aus tiefer Ferne
Zu ihm her�ber bebt,--schaut nach dem Morgensterne,
Und h�llt sich seufzend ein. Da n�hert, aus der Schaar
Der Geister, die theils einzeln, theils in Ringen,
ihn �berall begleiten und umschwingen,
Sich einer ihm, der sein Vertrauter war.

15
Erblassend, ohne Glanz, naht sich der Sylfe, blickt
Ihn schweigend an, und seine Augen fragen
Dem Kummer nach, der seinen K�nig dr�ckt;
Denn Ehrfurcht h�lt ihn ab die Frage laut zu wagen.
Schau auf, spricht Oberon. Und mit dem Worte weist
In einer Wolke, die mit ausgespanntem Fl�gel
Vor�ber f�hrt, sich dem best�rzten Geist
Des armen H�ons Bild als wie in einem Spiegel.

16
Versunken in der tiefsten Noth,
An seines Herzens offnen Wunden
Verblutend, steht er da, verlassen und gebunden
Im �den Wald, und stirbt den langen Martertod.
In diesem hoffnungslosen Stande
Schwellt seine Seele noch das z�rnende Gef�hl:
"Verdient' ich das? verdiente das Amande?
Ist unser Elend nur den h�hern Wesen Spiel?

17
"Wie untheilnehmend bleibt bey meinem furchtbarn Leiden,
Wie ruhig alles um mich her!
Kein Wesen f�hlt mit mir; kein Sandkorn r�ckt am Meer
Aus seinem Platz, kein Blatt in diesen Laubgeb�uden
F�llt meinetwegen ab. Ein scharfer Kiesel w�r'
Um meine Bande durchzuschneiden
Genugsam--ach! im ganzen Raum der Zeit
Ist keine Hand, die ihm dazu Bewegung leiht!

18
"Und doch, wenn meine Noth zu wenden
Dein Wille w�r', o Du, der mich dem Tod so oft
Entrissen, wenn ich es am wenigsten gehofft,
Es w�rden alle Zweig' in diesem Wald zu H�nden
Auf deinen Wink!"--Ein heil'ger Schauder blitzt
Durch sein Gebein mit diesem Himmelsfunken;
Die Stricke fallen ab; er schwankt, wie nebeltrunken,
In einen Arm, der ihn unsichtbar unterst�tzt.

19
Es war der Geist, dem Oberon die Geschichte
Des treuen Paars im Bilde sehen lie�,
Der diesen Dienst ihm ungesehn erwies.
Der Sohn des Lichts erlag dem kl�glichen Gesichte.
Ach! rief er, inniglich betr�bt,
Und sank zu seines Meisters F��en,
So strafbar als er sey, kannst du, der ihn geliebt,
Vor seiner Noth dein gro�es Herz verschlie�en?

20
Der Erdensohn ist f�r die Zukunft blind,
Erwiedert Oberon: wir selbst, du wei�t es, sind
Des Schicksals Diener nur. In heil'gen Finsternissen,
Hoch �ber uns, geht sein verborgner Gang;
Und, willig oder nicht, zieht ein geheimer Zwang
Uns alle, da� wir ihm im Dunkeln folgen m�ssen.
In dieser Kluft, die mich von H�on trennt,
Ist mir ein einzigs noch f�r ihn zu thun verg�nnt.

21
Fleug hin, und mach' ihn los, und trag' ihn auf der Stelle,
So wie er ist, nach Tunis, vor die Schwelle
Des alten Ibrahim, der, nahe bey der Stadt,
Die G�rten des Serai's in seiner Aufsicht hat.
Dort leg' ihn auf die Bank von Steinen,
Hart an die H�ttenth�r, und eile wieder fort:
Doch h�te dich ihm sichtbar zu erscheinen,
Und mach' es schnell, und sprich mit ihm kein Wort.

22
Der Sylfe kommt, so rasch ein Pfeil vom Bogen
Das Ziel erreicht, bey H�on angeflogen,
L�st seine Bande auf, beladet sich mit ihm,
Und tr�gt ihn, �ber Meer und L�nder, durch die L�fte
Bis vor die Th�r des alten Ibrahim;
Da sch�ttelt er von seiner starken H�fte
Ihn auf die Bank, so sanft als wie auf Pflaum.
Dem guten Ritter d�ucht was ihm geschieht ein Traum.

23
Er schaut erstaunt umher, und sucht sich's wahr zu machen:
Doch alles was er sieht best�tigt seinen Wahn.
Wo bin ich? fragt er sich, und f�rchtet zu erwachen.
Indem beginnt, nicht fern von ihm, ein Hahn
Zu kr�hn, und bald der zweyte und der dritte;
Die Stille flieht, des Himmels goldnes Thor
Er�ffnet sich, der Gott des Tages geht hervor,
Und alles lebt und regt sich um die H�tte.

24
Auf einmahl knarrt die Th�r, und kommt ein langer Mann
Mit grauem Bart, doch frisch und roth von Wangen,
Ein Grabscheit in der Hand, zum Haus heraus gegangen;
Und beide sehn zugleich, was keiner glauben kann,
Herr H�on seinen treuen Alten
In einem Sklavenwamms--der gute Scherasmin
Den werthen Herrn, den er f�r todt gehalten,
In einem Aufzug, der nicht gl�ckweissagend schien.

25
Ist's m�glich? rufen alle beide
Zu gleicher Zeit--"Mein bester Herr!"--"Mein Freund!"
"Wie finden wir uns hier?"--Und, au�er sich vor Freude,
Umfa�t der alte Mann des Prinzen Knie, und weint
Auf seine Hand. Ihn herzlich zu umfangen
B�ckt H�on sich zu ihm herunter, hebt
Ihn zu sich auf, und k��t ihn auf die Wangen.
Gott Lob, ruft Scherasmin, nun wei� ich da� ihr lebt!

26
Was f�r ein guter Wind trug euch vor diese Schwelle?
Doch zum Erz�hlen ist der Ort hier nicht geschickt;
Kommt, lieber Herr, mit mir in meine Zelle,
Eh' jemand hier beisammen uns erblickt.
Auf allen Fall seyd ihr mein Neffe Hassan, (fl�stert
Er ihm ins Ohr) ein junger Handelsmann
Von Halep, der die Welt zu sehn gel�stert,
Und Schiffbruch litt, und mit dem Leben nur entrann.

27
Ja, leider! blieb mir nichts, seufzt H�on, als ein Leben
Das keine Wohlthat ist!--Das wird sich alles geben,
Erwiedert Scherasmin, und schiebt sein K�mmerlein
Ihm hurtig auf, und schlie�t sich mit ihm ein.
Da, spricht er, nehmet Platz; bringt dann auf einem Teller
Das beste, was sein kleiner Vorrathskeller
Vermag, herbey, Oliven, Brot und Wein,
Und setzt sich neben ihn, und hei�t ihn fr�hlich seyn.

28
Mein bester Herr, da� wir, nach allen Streichen
Die uns das Gl�ck gespielt, so unvermuthet hier
Zu Tunis, vor der H�ttenth�r
Des G�rtners Ibrahim uns finden, ist ein Zeichen,
Da� Oberon ganz unvermerkt und still
Uns alle wiederum zusammen bringen will.
Noch fehlt das Beste; doch, zum Pfande f�r Amanden,
Ist wenigstens die Amme schon vorhanden.

29
Was sagst du? ruft Herr H�on voller Freuden.
Demselben Ibrahim, dem ich bedienstet bin,
Dient sie als Sklavin hier, erwiedert Scherasmin.
Wie wird das gute Weib die Augen an euch weiden!
Drauf f�ngt er ihm Bericht zu geben an,
Was er in all' der Zeit gelitten und gethan,
Und was ihn, unverrichter Sachen,
Bewogen, von Paris sich wieder wegzumachen.

30
Und wie er ihn zu Rom im Lateran gesucht,
Und, seiner dort viel Wochen ohne Frucht
Erwartend, unvermerkt sein Bi�chen Geld verzettelt,
Darauf, mit Muscheln ausstaffiert,
Sich durch die halbe Welt als Pilger durchgebettelt,
Bis ihn sein guter Geist zuletzt hierher gef�hrt,
Wo Fatme, die er unverhofft gefunden,
Auf be�re Zeit mit ihm zu harren sich verbunden.

31
Zum Gl�ck ist immer unversehrt
(Setzt er hinzu) das K�stchen mitgezogen,
Das euch der sch�ne Zwerg zu Askalon verehrt;
Denn, wie ich sehe, Horn und Becher sind entflogen.
Verzeiht mir, lieber Herr! ich traf den wunden Ort;
Es war nicht h�bsch an mir so frey heraus zu platzen:
Die Freude, da� ich euch gefunden, macht mich schwatzen;
Allein, ihr kennt mein Herz, und weiter nun kein Wort!

32
Der edle F�rstensohn dr�ckt seinem guten Alten
Die Hand, und spricht: Ich kenne deine Treu',
Sollst alles wissen, Freund! ich will dir nichts verhalten;
Allein, vor allem, steh in Einem Ding mir bey.
Das K�stchen, das du mir erhalten,
Ist an Juwelen reich. Denkst du nicht auch, es sey
Am besten angewandt, mir eilends Pferd und Waffen
Und ritterlichen Schmuck in Tunis anzuschaffen?

33
Es sind zw�lf Stunden kaum, seit eine R�uberschaar
Amanden mir entri�, mir, der am �dsten Strande
Allein mit ihr und unbewaffnet war.
Sie f�hren sie vielleicht in diese Mohrenlande,
Nach Marok oder Fez, gewi� nach einem Platz,
Wo Hoffnung ist, sie theuer zu verkaufen:
Allein kein Harem soll mir meinen h�chsten Schatz
Entziehen, sollt' ich auch die ganze Welt durchlaufen.

34
Der Alte sinnt der Sache schweigend nach.
"Die Gegend, wo ihr euch mit Rezia befunden,
Ist also wohl nur wenig Stunden
Von hier entfernt?"--Nicht da� ich w��te, sprach
Der junge F�rst; vielleicht sind's tausend Stunden:
Mich trug, unendlich schnell, ich wei� nicht wer,
(Doch wohl ein Geist) aus einem Wald hierher,
Wo mich das R�ubervolk an einen Baum gebunden.

35
Das hat, ruft jener aus, kein andrer Arm gethan
Als Oberons. Ich selber, spricht der Ritter,
Ich trau' ihm's zu, und nehm's als ein Versprechen an,
Er werde mehr noch thun. So bitter
Die Trennung ist, so schreckenvoll das Bild
Des holden Weibs in wilden R�uberklauen;
Die� neue Wunder, Freund, erf�llt
Mein neu belebtes Herz mit Hoffnung und Vertrauen.

36
Der m��te ja ganz herzlos, ganz von Stein,
Und ohne Sinn, und g�nzlich unwerth seyn
Da� sich der Himmel seinetwegen
Bem�he, (h�tt' er auch von dem die H�lfte nur
Erfahren, was mir widerfuhr)
Wer Kleinmuth und Verdacht zu hegen
Noch f�hig w�r'. Es geh' durch Feuer oder Flut
Mein dunkler Weg, ich halte Treu' und Muth.

37
Nur, lieber Scherasmin, wenn's m�glich ist, noch heute
Verschaffe mir ein Schwert und einen Gaul.
Zu lang' entbehr' ich beides!--an der Seite
Der Liebe zwar--doch itzt, in dieser Weite
Von Rezia, d�ucht mir mein Herzblut stehe faul
Als wie ein Sumpf, bis ich die sch�ne Beute
Den Helden abgejagt. Ihr Leben und mein Gl�ck,
Bedenk' es, h�ngt vielleicht an einem Augenblick.

38
Der Alte schw�rt ihm zu, es soll' an ihm nicht liegen
Des Prinzen Ungeduld noch heute zu vergn�gen.
Doch unverhofft h�lt seines Eifers Lauf
Am ersten Abend schon ein leidiger Zufall auf.
Denn H�on f�hlte von so viel Ersch�tterungen,
Die Schlag auf Schlag gefolgt, auf einmahl sich bezwungen,
Und brachte, matt und gl�hend, ohne Ruh,
Die ganze Nacht in Fiebertr�umen zu.

39
Die Bilder, die ihm stets im Sinne lagen,
Beleben sich; er glaubt mit einem Schwarm
Von Feinden sich ergrimmt herum zu schlagen;
Dann sinkt er kraftlos hin, und dr�ckt im kalten Arm
Die Leiche seines Sohns; bald k�mpft er mit den Fluten,
H�lt die versinkende Geliebte nur am Saum
Des Kleides noch; bald, selbst an einen Baum
Gebunden, sieht er sie in R�uberarmen bluten.

40
Ersch�pft von Grimm und Angst st�rzt er aufs Lager hin
Mit starrem Blick. Dem treuen Scherasmin
Kommt seine Wissenschaft in dieser Noth zu Statten.
Denn dazumahl war's eines Knappen Amt
Die Heilkunst mit der Kunst der Ritterschaft zu gatten.
Ihm war sie schon vom Vater angestammt,
Und viel geheimes ward auf seinen langen Reisen
Ihm mitgetheilt von Rittern und von Weisen.

41
Er eilt, so bald der sch�ne Morgenstern
Am Himmel bleicht, (inde� bey dem geliebten Herrn
Als W�rterin sich Fatme emsig zeiget)
Den G�rten zu, worin noch alles ruht und schweiget;
Sucht Kr�uter auf, von deren Wunderkraft
Ein Eremit auf Horeb ihn belehret,
Und dr�ckt sie aus, und mischet einen Saft,
Der binnen kurzer Frist dem st�rksten Fieber wehret.

42
Ein sanfter Schlaf beginnt schon in der zweyten Nacht
Auf H�ons Stirne sich zu senken.
Mit liebevoller Treu' gepfleget und bewacht,
Und reichlich angefrischt mit k�hlenden Getr�nken,
F�hlt er am vierten Tag so gut sich hergestellt,
Um sich, so bald der Mond die laue Nacht erhellt,
In einem G�rtnerwamms, womit man ihn versehen,
Mit Scherasmin im Garten zu ergehen.

43
Sie hatten in den Rosenb�schen,
Nah an der H�tte, noch nicht manchen Gang gethan,
So kommt die Amme (die, was neues aufzufischen,
Sich oft dem Harem naht) mit einer Zeitung an,
Die kr�ft'ger ist als irgend ein Laudan
Des Kranken Blut und Nerven zu erfrischen:
Es sey, versichert sie, beynahe zweifelsfrey
Da� Rezia nicht fern von ihnen sey.

44
Wo ist sie? wo? ruft H�on mit Entz�cken
Und Ungeduld, auffahrend--Hurtig! sprich!
Wo sahst du sie?--Gesehn? erwiedert Fatme, ich?
Das sagt' ich nicht; allein, ich lasse mich zerst�cken
Wenn's nicht Amanda ist, die diesen Abend hier
Gelandet. H�ret nur, was die Minute mir
Die J�din Salome, die eben
Vom innern Harem kam, f�r ganz gewi� gegeben.

45
Kurz, sprach sie, vor der Abendzeit
Lie� auf dem hohen Meer sich eine Barke sehen;
Sie flog daher mit Vogelsschnelligkeit,
Die Segel schien ein frischer Wind zu bl�hen.
Auf einmahl st�rzt aus wolkenlosen H�hen
Zickzack ein feur'ger Strahl herab,
Und mit dem ersten Sto�, den ihm ein Sturmwind gab,
Sieht man das ganze Schiff in voller Flamme stehen.

46
An L�schen denkt kein Mensch in solcher Noth.
Das Feuer tobt. Vom f�rchterlichsten Tod
Umschlungen, springt aus seinem Flammenrachen
Wer springen kann, und wirft sich in den Nachen.
Der Wind macht bald sie von dem Schiffe los,
Treibt sie dem Ufer zu; doch, eine Viertelstunde
Vom Strand, ergreift den Kahn ein neuer Wirbelsto�,
Und st�rzt ihn um, und alles geht zu Grunde.

47
Die Leute schrey'n umsonst zu ihrem Mahom auf,
Arbeiten, mit der angestrengten St�rke
Der Todesangst, umsonst sich aus der Flut herauf:
Nur eine einz'ge Frau, die sich zum Augenmerke
Der Himmel nahm, entrinnet der Gefahr,
Wird auf den Wellen, wie auf einem Wagen,
Ganz unversehrt, und unbenetzt sogar,
Dem nahen Ufer zugetragen.

48
Von ungef�hr stand mit Almansaris
Der Sultan just auf einer der Terrassen
Des Schlosses, die hinaus ins Meer sie sehen lie�,
Erwartungsvoll den Ausgang abzupassen.
Ein sanfter Zefyr schien die Frau herbey zu wehn.
Doch, um sich nicht zu viel auf Wunder zu verlassen,
Winkt itzt Almansaris, und hundert Sklaven gehn
Bis an den Hals ins Meer, der Sch�nen beyzustehn.

49
Man sagt, der Sultan selbst sey an den Strand gekommen,
Und habe sie, von einem Idschoglan,
Der aus dem strudelnden Schaum bis zur Terra�' hinan
Sie auf dem R�cken trug, selbst in Empfang genommen.
Man konnte zwar nicht h�ren was er sprach,
Doch schien er ihr viel h�fliches zu sagen,
Und, weil's an Zeit und Freyheit ihm gebrach,
Sein Herz ihr, wenigstens durch Blicke, anzutragen.

50
Wie dem auch sey, die� ist gewi�,
(F�hrt Fatme fort) da� sich Almansaris
Der sch�nen Schwimmerin gar freundlich und gewogen
Bewiesen hat, und ihr viel sch�nes vorgelogen,
Wiewohl der Fremden seltner Reitz
Ihr gleich beym ersten Blick Almansors Herz entzogen;
Und da� sie ein Gemach bereits
Im Sommerhaus der K�nigin bezogen.

51
Angst, Freude, Lieb' und Schmerz, mahlt, w�hrend Fatme spricht,
Sich wechselsweis' in H�ons Angesicht.
Da� es Amanda sey, scheint ihm, je mehr er denket,
Je minder zweifelhaft. Es zeigt sich sonnenklar,
Da� Oberon, wiewohl noch unsichtbar,
Die Z�gel seines Schicksals wieder lenket.
Wohlan denn, Freunde, rathet nun,
Was meinet ihr? was ist nunmehr zu thun?

52
Dem Sultan mit Gewalt Amanden zu entrei�en,
Das w�rde Roland selbst nicht wagen gut zu hei�en,
Erwiedert Scherasmin; wiewohl es rathsam ist,
Uns insgeheim, auf alles was geschehen
Und nicht geschehen kann, mit Waffen zu versehen.
Doch vor der Hand versuchen wir's mit List!
Wie, wenn ihr, da ihr euch doch nicht des Grabens sch�met,
Bey Ibrahim als G�rtner Dienste n�hmet?

53
Gesetzt, er macht auch Anfangs Schwierigkeit,
Er sieht euch sch�rfer an, und sch�ttelt
Sein weises Haupt; mir ist daf�r nicht leid:
Ein sch�ner Diamant hat manches schon vermittelt.
La�t diese Sorge mir, Herr Ritter! Zwischen heut
Und morgen sehn wir euch, trotz aller Schwierigkeit,
Zu einem G�rtnerschurz betitelt;
Das weit're �berla�t dem Himmel und der Zeit.

54
Der Vorschlag d�ucht dem Ritter wohl ersonnen,
Und wird nun unges�umt und kl�glich ausgef�hrt.
Der alte Ibrahim ist bald so gut gewonnen,
Da� er den Paladin zum Neffen adoptiert,
Zu seinem Schwestersohn, der von Damask gekommen,
Und in der Blumenzucht besonders viel gethan;
Kurz, H�on wird zum G�rtner angenommen,
Und tritt sein neues Amt mit vielem Anstand an.


Eilfter Gesang.

1
Die Hoffnung, die ihr schimmerndes Gefieder
Um H�on wieder schwingt, Sie, die er einzig liebt,
Bald wieder sein zu sehn, die goldne Hoffnung giebt
Ihm bald den ganzen Glanz der sch�nsten Jugend wieder.
Schon der Gedanke blo�, da� sie so nah ihm ist,
Da� dieses L�ftchen, das ihn k�hlet,
Vielleicht Amandens Wange kaum gek��t,
Vielleicht um ihre Lippen kaum gespielet;

2
Da� diese Blumen, die er bricht
Und mahlerisch in Kr�nz' und Str�u�e flicht,
Um in den Harem sie, wie �blich ist, zu schicken,
Vielleicht Amandens Locken schm�cken,
Ihr sch�nes Leben vielleicht an ihrer lieblichen Brust
Verduften,--der Gedank' erf�llt ihn mit Entz�cken;
Das sch�ne Roth der Sehnsucht und der Lust
F�rbt wieder seine Wang' und strahlt aus seinen Blicken.

3
Die hei�e Tageszeit vertritt das Amt der Nacht
In diesem Land, und wird verschlummert und vertr�umet.
Allein, so bald der Abendwind erwacht,
Fragt H�on, den die Liebe munter macht,
Schon alle Schatten an, wo seine Holde s�umet?
Er wei�, die Nacht wird hier mit Wachen zugebracht;
Doch darf sich in den G�rten und Terrassen
Nach Sonnenuntergang nichts m�nnlichs sehen lassen.

4
Die Damen pflegen dann, beym sanften Mondesglanz
Bald paarweis', bald in kleinen Rotten,
Die bl�henden Alleen zu durchtrotten;
Und ziert die F�rstin selbst den sch�nen Nymfenkranz,
Dann k�rzt Gesang und Saitenspiel und Tanz
Die tr�ge Nacht; drauf folgt in stillen Grotten
Ein Bad, zu dem Almansor selbst (so scharf
Gilt hier des Wohlstands Pflicht) sich niemahls n�hern darf.

5
Amanden (die, wie unser Ritter glaubte,
Im Harem war) zu sehn, blieb keine M�glichkeit,
Wofern er nicht sich um die D�mm'rungszeit
Im Garten l�nger s�umt als das Gesetz erlaubte.
Er hatte dreymahl schon die unruhvollste Nacht
In einem Busch an dem vorbey zu gehen
Wer aus dem Harem kam gen�thigt war, durchwacht,
Gelauscht, geguckt, und ach! Amanden nicht gesehen!

6
Fu�f�llig angefleht von Fatme, Ibrahim
Und Scherasmin, ihr und sein eignes Leben
So offenbar nicht in Gefahr zu geben,
Wollt' er, wiewohl der Sonnenwagen ihm
Zu schnell hinab gerollt, am vierten Abend (eben
Zur h�chsten Zeit) sich noch hinweg begeben,
Als pl�tzlich, wie er sich um eine Hecke dreht,
Almansaris ganz nahe vor ihm steht.

7
Sie kam, gelehnt an ihrer Nymfen eine,
Um, lechzend von des Tages strengem Brand,
Im frischen Duft der Pomeranzenhaine
Sich zu ergehn. Ein leichtes Nachtgewand,
So zart als h�tten Spinnen es gewebet,
Umschattet ihren Leib, und nur ein goldnes Band
Schlie�t's um den Busen zu, der durch die d�nne Wand
Mit sch�ner Ungeduld sich durchzubrechen strebet.

8
Nie wird die Bildnerin Natur
Ein g�ttlicher Modell zu einer Venus bauen
Als diesen Leib. Sein reitzender Kontur
Flo� wellenhaft, dem feinsten Auge nur
Bemerklich, zwischen dem Genauen
Und �berfl�ssigen, so weich, so lieblich hin,
Schwer war's dem k�ltsten Josefssinn,
Sie ohne L�sternheit und Sehnsucht anzuschauen!

9
Es war in jedem Theil, was je die Fantasie
Der Alkamenen und Lysippen
Sich als das Sch�nste dacht' und ihren Bildern lieh;
Es war Helenens Brust, und Atalantens Knie,
Und Leda's Arm, und Erigonens Lippen.
Doch bis zu jenem Reitz erhob die Kunst sich nie,
Der stets, so bald dazu die Lust in ihr erwachte,
Sie zur Besiegerin von allen Herzen machte.

10
Der Geist der Wollust schien alsdann
Mit ihrem Athem sich den L�ften mitzutheilen,
Die um sie s�uselten. Von Amors sch�rfsten Pfeilen
Sind ihre Augen voll, und wehe dann dem Mann,
Der mit ihr k�mpfen will! Denn, k�nnt' er auch entgehen
Dem feurig schmachtenden Blick, der ihn so lieblich kirrt,
Wie wird er diesem Mund voll Lockungen, wie wird
Er seinem L�cheln widerstehen?

11
Wie dem Sirenenton der zauberischen Stimme,
Der des Gef�hls geheimste Saiten regt?
Der in der Seele Schoo� die s��e T�uschung tr�gt,
Als ob sie schon in Wollustseufzern schwimme?
Und wenn nun, eh' vielleicht die Weisheit sich's versah,
Verr�th'risch jeder Sinn, zu ihrem Sieg vereinigt,
Den letzten Augenblick der Trunkenheit beschleunigt:
O sagt, wer w�re dann nicht seinem Falle nah?

12
Doch, ruhig! Fern ist noch und ungewi� vielleicht
Der Schiffbruch, der uns itzt fast unvermeidlich d�ucht.
Zu fliehen--sonst auf alle F�lle
Das kl�gste--ging in diesem Augenblick
Nicht an--sie war zu nah--wiewohl an H�ons Stelle
Ein wahrer G�rtner doch geflohen w�r'. Zum Gl�ck,
Hilft, falls sie fragt, ein Korb mit Blumen und mit Fr�chten,
Den er im Arme tr�gt, ihm eine Antwort dichten.

13
Nat�rlich stutzt die sch�ne K�nigin,
In ihrem Wege hier auf einen Mann zu treffen.
Was machst du hier? fragt sie den Paladin
Mit einem Blick, der jedem andern Neffen
Des alten G�rtners t�dtlich war.
Doch H�on, unterm Schirm gesenkter Augenlieder,
L��t auf die Kniee sich mit edler Ehrfurcht nieder,
Und stellt den Blumenkorb ihr als ein Opfer dar.

14
Er hatte, (spricht er) blo� es ihr zu �berreichen,
Die Zeit vers�umt, die allen seines gleichen
Die G�rten schlie�t. Hat er zu viel gethan,
So mag sein Kopf den raschen Eifer b��en.
Allein die G�ttin scheint in einen mildern Plan
Vertieft, inde� zu ihren F��en
Der sch�ne Frevler liegt. Sie sieht ihn g�tig an,
Und scheint mit M�he sich zum Fortgehn zu entschlie�en.

15
Den sch�nsten J�ngling, den sie jemahls sah--und sch�n
Wie Helden sind, mit Kraft und W�rde--fremde
Der Farbe nach--in einem G�rtnerhemde--
Die� schien ihr nicht nat�rlich zuzugehn.
Gern h�tte sie mit ihm sich n�her eingelassen,
Hielt' nicht der strenge Zwang des Wohlstands sie zur�ck.
Sie winkt ihm endlich weg; doch scheint ein Seitenblick,
Der ihn begleitet, viel, sehr viel in sich zu fassen.

16
Sie schreitet langsam fort, stillschweigend, dreht sogar
Den sch�nen Hals, ihm hinten nachzusehen,
Und z�rnt, da� er dem Wink so schnell gehorsam war.
War er, den Blick, der ihn erkl�rte, zu verstehen,
Zu bl�de? Fehlt's vielleicht der reitzenden Gestalt
An Seele? Tr�gt das ungeduld'ge Feuer
In seinem Auge? Macht Gefahr ihn kalt?
Wie, oder sucht' er hier ein andres Abenteuer?

17
Ein andres?--Dieser Zweifel h�llt
Ihr pl�tzlich auf, was sie sich selber zu gestehen
Err�thet. Unruhvoll, verfolgt von H�ons Bild,
Irrt sie die ganze Nacht durch Lauben und Alleen,
Horcht. Jedem L�ftchen das sich regt
Entgegen, jedem Blatt, das an ein andres schl�gt:
Still! spricht sie zur Vertrauten, la� uns lauschen!
Mir d�ucht, ich h�rte was durch jene Hecke rauschen.

18
Es ist vielleicht der sch�ne G�rtner, spricht
Die schlaue Zof': er ist, wofern mich alles nicht
An ihm betr�gt, der Mann sein Leben dran zu setzen,
Um hier, im Hinterhalt, an einen Busch gedr�ckt,
Mit einem Anblick sich noch einmahl zu ergetzen,
Der ihn ins Paradies verz�ckt.
Wie wenn wir ihn ganz leise �berraschten,
Und auf der frischen That den sch�nen Frevler haschten?

19
Schweig, N�rrin, spricht die Haremsk�nigin;
Du faselst, glaub' ich, gar im Traume?
Und gleichwohl richtet sie geraden Wegs zum Baume,
Woher das Rauschen kam, die leichten Schritte hin.
Es war ein Eidechs nur gewesen,
Der durchs Gestr�uch geschl�pft.--Ein Seufzer, halb erstickt,
Halb in den Strau�, den sie zum Munde hielt, gedr�ckt,
Bekr�ftigt was Nadin' in ihrem Blick gelesen.

20
Unmuthig kehrt sie um, und mit sich selbst in Zwist,
Bei�t sich die Lippen, seufzt, spricht etwas, und vergi�t
Beym dritten Wort schon was sie sagen wollte,
Z�rnt, da� Nadine nicht die rechte Antwort giebt,
Und nicht err�th, was sie errathen sollte;
Die sch�ne Dame ist, mit Einem Wort--verliebt!
Sogar ihr Blumenstrau� erf�hrt's--wird, ohn' ihr Wissen,
Zerknickt, und, Blatt f�r Blatt, verzettelt und zerrissen.

21
Drey Tage hatte nun das �bel schon gew�hrt,
Und war, durch Zwang und Widerstand gen�hrt,
Mit jeder Nacht, mit jedem Morgen schlimmer
Geworden. Denn, so bald der Abendschimmer
Die bunten Fenster mahlt, verl��t sie ihre Zimmer,
Und streicht, nach Nymfen-Art, mit halb entbundnem Haar,
Durch alle Garteng�ng' und Felder, wo nur immer
Den Neffen Ibrahims zu finden m�glich war.

22
Allein, vergebens lauscht' ihr Blick, vergebens pochte
Ihr Busen Ungeduld: der sch�ne G�rtner lie�
Sich nicht mehr sehn, was auch die Ursach' hei�en mochte.
Ungl�ckliche Almansaris!
Dein Stolz erliegt. Wozu dich selbst noch l�nger qu�len,
(Denkt sie) und was dich nagt Nadinen, die gewi�
Es lange merkt, aus Eigensinn verhehlen?
Verheimlichung heilt keinen Schlangenbi�.

23
Sie w�hnt, sie suche Trost an einer Freundin Busen;
Doch was sie n�thig hat ist eine Schmeichlerin.
In dieser Hofkunst war Nadine Meisterin.
Der Saft von allen Pompelmusen
In Afrika erfrischte nicht so gut
Der wollustathmenden Sultanin g�hrend Blut,
Als dieser Freundin Rath und z�rtliches Bem�hen,
Den Mann, den sie begehrt, bald in ihr Netz zu ziehen.

24
Um Mitternacht und bey verschlo�nen Th�ren
Ihn in den Theil des Harems einzuf�hren
Worin Almansaris ganz unumschr�nkt befahl,
Schien nicht so schwierig, seit der Sultan, ihr Gemahl,
Der Leidenschaft zur sch�nen Zoradinen
(Wie sich die junge Fremde hie�
Die durch ein Wunder j�ngst an diesem Strand erschienen)
Ganz �ffentlich und frey sich �berlie�.

25
Die Amme hatte sich im Schlie�en nicht betrogen;
Es war Amanda selbst, die aus der R�uber Macht
Titania durch einen Blitz gezogen
Und unverletzt an diesen Strand gebracht.
Ihr wi�t, was sich begab als sie ans Land gekommen;
Wie ihr Almansor stracks sein fl�chtig Herz geweiht,
Und wie mit neidischer verstellter Z�rtlichkeit
Almansaris sie aufgenommen.

26
Der Sultan war vielleicht der allersch�nste Mann
Auf den die Sonne je geschienen,
Und wu�te dessen sich so siegreich zu bedienen,
Da� ihm noch nie ein weiblich Herz entrann.
Zum ersten Mahl bey dieser Zoradinen
Verlor er seinen Ruhm. F�r Sie ist nur Ein Mann
Auf Erden; Sie hat keine Augen, keinen
Gedanken, keinen Sinn, als nur f�r diesen Einen.

27
Die W�rde ohne Stolz, die edle Sicherheit,
Die anstandvolle, unterstellte
Gleichg�ltigkeit und ungezwungne K�lte,
Womit sie ihn, der hier befehlen kann, so weit
Von sich zu halten wei�, da� er, wie sehr er brennet,
Ihr kaum durch einen stummen Blick
Zu klagen wagt,--die� alles sieht und nennet
Almansaris der Buhlkunst Meisterst�ck.

28
Gewohnt, des Sultans Herz nach ihrer Lust zu drehen,
Zu herrschen �ber ihn, im Harem unbeschr�nkt
Zu herrschen, k�nnte sie den Zepter ungekr�nkt
Von dieser Fremden aus der Hand sich spielen sehen?
Zwar leiht sie ihrem Ha� ein l�chelndes Gesicht,
Und thut als zweifle sie an Zoradinen nicht;
Doch �berall ist's in des Harems Mauern
Verborgner Augen voll, die all ihr Thun belauern.

29
Allein, seitdem des sch�nen G�rtners Reitz
Mit Amors sch�rfstem Pfeil ihr stolzes Herz durchdrungen,
Hat Lustbegier die Eifersucht verschlungen.
Ihr Ehrgeitz weicht nun einem s��ern Geitz,
Dem Geitz nach seinem Ku�. Ihn wieder zu besiegen
Ist nun ihr einz'ger Stolz. Mag doch die ganze Welt
Zu Zoradinens F��en liegen,
Wenn Sie nur den sie liebt in ihren Armen h�lt!

30
Sie selbst bef�rdert nun den Anschlag--Zoradinen,
Entfernt von ihr, in einem andern Theil
Des Harems, den Almansor schon in Eil'
F�r sie bereiten lie�, anst�nd'ger zu bedienen:
Der Fremden wahrer Stand, wiewohl sie ihn noch nicht
Gestanden, mache die� zu einer Art von Pflicht;
Beym ersten Anblick k�nn' es keinem Aug' entgehen,
Sie sey gewohnt nichts �ber sich zu sehen.

31
Indem Almansaris, mit lust'ger H�flichkeit,
Auf diese Weise sich in ihren eignen Zimmern
Von einer Zeugin, die ihr l�stig ist, befreyt,
L��t, ohne sich um sie, und wie sie sich die Zeit
Vertreiben kann und will, im mindesten zu k�mmern,
Almansor, der nun ganz sich seiner Liebe weiht,
Ihr freyen Raum, Entw�rfe auszubr�ten,
Wozu im Harem ihr sich hundert H�nde bieten.

32
Unm��ig gr�mt inde� der sch�ne G�rtner sich,
Da� ihm--der schon seit mehr als sieben Tagen
Die Mauern, wo Amanda trau'rt, umschlich,
(Denn da� sie trau'rt, das kann sein eignes Herz ihm sagen)
Das holde Weib auch durch ein Gitter nur
Zu sehn, nur ihres leichten Fu�es Spur,
(Er w�rd' ihn, o gewi�! aus tausenden erkennen!)
Die unmitleidigen Gestirne noch mi�g�nnen.

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Er wirft sich unmuthsvoll bey seinen Freunden hin:
"K�nnt ihr, wenn ihr mich liebt, denn keinen Weg ersinnen,
Nur einen einz'gen Mund im Harem zu gewinnen,
Der meinen Nahmen nur und da� ich nah ihr bin

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