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Oberon Christoph Martin Wieland

Part 2 out of 5

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Da� eine warme Hand sein starres Herz ber�hre.
Und, wie vom Tod erweckt, erhob er sich und sah
Die Sch�ne abermahl zu seiner Seite stehen,
Die keiner Sterblichen in seinen Augen gleicht,
Und dreymahl sch�ner, wie ihm d�ucht,
Und holder als er sie zum ersten Mahl gesehen.

61
Stillschweigend schauten sie einander beide an,
Mit Blicken, die sich das unendlich st�rker sagten,
Was ihre Lippen noch nicht auszusprechen wagten.
Ihm ward in ihrem Aug' ein Himmel aufgethan,
Wo sich in eine See von Liebe
Die Seele taucht. Bald wird das �berma� der Lust
Zum Schmerz: er sinkt im Drang der unaufhaltbar'n Triebe
In ihren Arm, und dr�ckt sein Herz an ihre Brust.

62
Er f�hlt der Nymfe Herz an seinem Busen schlagen,
Der Gl�ckliche! wie schnell, wie stark, wie warm!
Und--pl�tzlich h�rt es auf zu tagen,
Auf schwarzen Wolken rollt des Donners Feuerwagen,
Laut heulend bebt der St�rme wilder Schwarm;
Von unsichtbarer Macht wird schnell aus seinem Arm
Im Wirbelwind die Nymfe fortgerissen
Und in die Flut des nahen Stroms geschmissen.

63
Er h�rt ihr �ngstlich Schrey'n, will nach--o H�llenpein!
Und kann nicht! steht, entseelt vor Schrecken,
Starr wie ein Bild auf einem Leichenstein.
Vergebens strebt er, keicht, und ficht mit Arm und Bein;
Er glaubt in Eis bis an den Hals zu stecken,
Sieht aus den Wellen sie die Arme bittend strecken,
Und kann nicht schreyn, nicht, wie der Liebe Wuth
Ihn spornt, ihr nach sich st�rzen in die Flut.

64
Herr! ruft ihm Scherasmin, da er sein banges Schnauben
Vernimmt, erwacht, erwacht! ein b�ser Traum
Schn�rt euch die Kehle zu.--Fort, Geister, macht mir Raum,
Schreyt H�on, wollt ihr mir auch ihren Schatten rauben?
Und w�thend f�hrt er auf aus seinem Traumgesicht;
Noch klopft von Todesangst umfangen
Sein stockend Herz, er starrt ins Tageslicht
Hinaus, und kalter Schwei� liegt auf den bleichen Wangen.

65
Das war ein schwerer Traum, ruft ihm der Alte zu:
Ihr lagt vermuthlich wohl zu lange auf dem R�cken?
Ein Traum? seufzt Siegwins Sohn mit minder wilden Blicken,
Das war's! allein ein Traum, der meines Herzens Ruh
Auf ewig raubt!--"Das wolle Gott verwehren,
Mein bester Herr!--Sag' mir im Ernste, (spricht
Der Ritter ernstvoll) glaubst du nicht
Da� Tr�ume dann und wann der Zukunft uns belehren?

66
Man hat Exempel, Herr,--und wahrlich, seit ich euch
Begleite, l�ugn' ich nichts, erwiedert ihm der Alte.
Doch, wenn ich euch die reine Wahrheit gleich
Gestehen soll, so sag' ich frey, ich halte
Nicht viel von Tr�umen. Fleisch und Blut
Hat, wenigstens bey mir, sein Spiel so oft ich tr�ume:
Die� wu�ten unsre Alten gut,
Und lehrten's uns im wohl bekannten Reime.

67
Inzwischen, wenn ihr mir den Inhalt eures Traums
Vertrautet, k�nnt' ich euch vielleicht was bessers reimen.
Das will ich auch, spricht H�on, ohne S�umen.
Kaum r�thet noch den Gipfel jenes Baums
Der Morgenstrahl. Wir haben Zeit zum Werke.
Nur reiche mir zuvor den Becher her,
Damit ich meine Geister st�rke:
Es liegt mir auf der Brust noch immer zentnerschwer.

68
Inde� der wundervolle Becher
Den Ritter labt, sieht ihn der Alte, still,
Als einer an, dem's nicht gefallen will,
Den wackern Sohn des braven Siegwins schw�cher,
Als einem Manne ziemt, zu sehn.
Ey (denkt er bey sich selbst, kopfsch�ttelnd) im Erwachen
Noch so viel Werks aus einem Traum zu machen!
Doch, weil's nun so ist, mag's zum Fr�hst�ck immer gehn!


Vierter Gesang.

1
Der Paladin beginnt nun seine Traumgeschichte
Wie folget: Was du auch, mein guter Scherasmin,
Von dem, was ich dir itzt berichte,
Im Herzen denken magst, so ist's doch kein Gedichte,
Da� ich, Gott sey es Dank! noch stets an Leib und Sinn,
So wie du hier mich siehst, ein reiner J�ngling bin.
Nie hat vor diesem Tag in meinem ganzen Leben
Mein unbefangnes Herz der Liebe Raum gegeben.

2
Es waren zwar der sch�nen Jungfrauen viel
An meiner Mutter Hof, und an Gelegenheiten,
Die einen Knaben leicht zur T�ndeley verleiten,
Gebrach es nicht, zumahl beym Pf�nderspiel:
Da gab's wohl manchmahl auch ein Strumpfband aufzul�sen;
Allein der sch�nste Fu� lie� meine Fantasey
In stolzer Ruh; und w�r's Genevrens Fu� gewesen,
Es war ein Fu�, mehr dacht' ich nicht dabey.

3
Da� ich von Kindheit an so viele offne Busen
Und blo�e Schultern sah, mocht' auch mit Ursach' seyn.
Gewohnheit gleicht in diesem St�ck Medusen,
Und f�r das Sch�nste selbst verkehrt sie uns in Stein.
Allein, was half mir's, frey geblieben
Zu seyn bis in mein zweymahl zehntes Jahr?
Auch meine Stunde kam! Ach, Freund! mein Schicksal war
Im Traum zum ersten Mahl zu lieben.

4
Ja, Scherasmin, nun hab' ich sie gesehn,
Sie, von den Sternen mir zur Siegerin erkohren;
Gesehen hab' ich sie, und, ohne Widerstehn,
Beym ersten Blick mein Herz an sie verloren.
Du sprichst, es war ein Traum? Nein, Mann! ein Hirngespenst
Kann nicht so tiefe Spuren graben!
Und wenn du tausendmahl mich einen Thoren nennst,
Sie lebt, ich hatte sie, und mu� sie wieder haben.

5
O h�ttest du den holden Engel doch
Gesehn wie ich!--Zwar, wenn ich mahlen k�nnte,
Ich stellte sie dir hin, so gl�hend wie sie noch
Vor meiner Stirne schwebt, und bin gewi�, sie brennte
Dein altes Herz zu einer Kohle aus.
O da� nur etwas mir geblieben w�r', das Leben
Von ihr empfing! ach! nur der Blumenstrau�
An ihrer Brust! was wollt' ich nicht drum geben!

6
Denk dir ein Weib im reinsten Jugendlicht,
Nach einem Urbild von dort oben
Aus Rosengluth und Lilienschnee gewoben;
Gieb ihrem Bau das feinste Gleichgewicht;
Ein stilles L�cheln schweb' auf ihrem Angesicht,
Und jeder Reitz, von Majest�t erhoben,
Erweck' und schrecke zugleich die l�sterne Begier:
Denk alles, und du hast den Schatten kaum von ihr!

7
Und nun, sanft angelockt von ihren s��en Blicken,
Die� holde Weib, das nur die Luftgestalt
Von einem Engel schien, an meine Brust zu dr�cken,
Zu f�hlen, wie ihr Herz in meines �berwallt,
Ist's m�glich, da� ich vor Entz�cken
Nicht gar verging?--Nun komm, und sprich mir kalt,
Es war ein Traum! Wie schal, wie leer und todt ist neben
So einem Traum mein vorigs ganzes Leben!

8
Noch einmahl, Scherasmin, es war kein Schattenspiel
Im Sitz der Fantasie aus Weindunst ausgegohren!
Ein unbetr�gliches Gef�hl
Sagt mir, sie lebt, sie ist f�r mich geboren.
Vielleicht war's Oberon, der sie erscheinen lie�.
Ist's Wahn: o la� ihn mir! die T�uschung ist so s��!
Doch, nichts von Wahn! Kann solch ein Traum betr�gen,
O so ist alles Wahn! so kann die Wahrheit l�gen!

9
Der Alte wiegt sein zweifelreiches Haupt,
Wie wenn man euch ein Wunderding erz�hlet,
Wovon ihr nichts im Herzen glaubt,
Wiewohl euch Grund es wegzul�ugnen fehlet.
Was denkst du? fragt der Ritter.--Das ist's just
Was mich verlegen macht, versetzt der Unverliebte:
Ich h�tte freylich wohl zu manchem Einwurf Lust;
Allein was h�lf's am End', als da� ich euch betr�bte?

10
Nur, vor der Hand, weil euer f�rstlich Wort
Euch einmahl gegen Karl verbindet,
So, d�cht' ich, setzten wir den Zug nach Bagdad fort.
Vielleicht da� unterwegs der Zauber wieder schwindet;
Vielleicht da� Oberon dabey sein bestes thut,
Und unversehens sich die Traumprinzessin findet.
Inzwischen, lieber Herr, thut euch die Hoffnung gut,
So hofft! Man macht dabey zum mindsten rothes Blut.

11
Weil die� der Knappe spricht, steht mit gesenkter Stirne
Der Ritter da; denn pl�tzlich hatte sich
In seinem liebeskranken Hirne
Die Scene umgekehrt. Ach, spricht er, t�usche mich
Nicht auch mit falschem Trost! Feindselige Gestirne
Sind �ber mir. Was kann ich hoffen? Sprich!
Der Sturm, der sie von meiner Brust gerissen,
L��t, leider, mich zu viel von meinem Schicksal wissen.

12
Entrissen ward sie mir! Noch streckt sie aus der Flut
Die Arme gegen mich--noch stockt vor Angst mein Blut--
Und ach! wie an den Grund mit Ketten
Geschmiedet, stand ich da, ohnm�chtig sie zu retten!
Das war im Traum, spricht Scherasmin: wof�r
Euch ohne Noth mit schwarzer Ahnung gr�men?
Ein Traum l��t nie von Art. Das beste, glaubet mir,
Ist's, sich daraus nur was uns freut zu nehmen.

13
Da� euch im Traum ein wohl gewogner Geist
Die k�nft'ge K�nigin von euerm Herzen weist,
Das hat er gut gemacht! So etwas l��t sich glauben,
Und kurz, wir nehmen's nun f�r bare Wahrheit an.
Allein den Strom, den Wirbelwind, die Schrauben
An Hand und Fu�, die hat der Traum hinzu gethan.
Mir selbst ist oft in meinen j�ngern Jahren,
Wenn mich der Alp gedr�ckt, dergleichen widerfahren.

14
Da, zum Exempel, l�uft ein schwarzer Zottelb�r,
Indem ich wandeln geh', der Himmel wei� woher,
Mir in den Weg; ich greif' im Schrecken nach dem Degen
Und zieh', und zieh'--umsonst! Ein pl�tzlich Unverm�gen
Strickt jede Sehne mir in allen Gliedern los;
Zusehens wird der B�r noch siebenmahl so gro�,
Sperrt einen Rachen auf so gr��lich wie die H�lle;
Ich flieh' und �ngst'ge mich, und kann nicht von der Stelle.

15
Ein andermahl, wenn ihr von einem Abendschmaus
Nach Haus zu gehen tr�umt, bey einem alten Gaden
Vorbey; auf einmahl knarrt ein kleiner Fensterladen,
Und eine Nase guckt heraus
So lang als euer Arm. Ihr sucht, halb starr vor Schrecken,
Ihr zu entfliehn, und vorn und hinten stehn
Gespenster da, die ins Gesicht euch sehn,
Und feur'ge Zungen weit aus langen H�lsen recken.

16
Ihr dr�ckt in Todesangst euch seitw�rts an die Wand
Die gegen�ber steht--und eine d�rre Hand
F�hrt durch ein rundes Loch euch eiskalt �bern R�cken,
Und sucht an euch herum, euch da und dort zu zwicken.
Ein jedes Haar auf euerm Kopfe kehrt
Die Spitz' empor, zur Flucht ist jeder Weg verwehrt,
Die Gasse wird zusehens immer enger,
Stets frostiger die Hand, die Nase immer l�nger.

17
Dergleichen, wie gesagt, begegnet oft und viel;
Allein, am End' ist's doch ein blo�es Possenspiel,
Das Nachtgespenster sich in unserm Sch�del machen;
Die Nase sammt der Angst verschwindet im Erwachen.
Ich d�cht' an euerm Platz dem Ding nicht weiter nach,
Und hielte mich an das, was mir der Zwerg versprach.
Frisch auf! Mir ahnet was! Es m��te �bel enden,
Wenn wir die Dame nicht in Bagdad wiederf�nden.

18
Bey diesem Worte springt der Ritter, angeweht
Von frischem Muth, empor, als h�tt' ihm nichts getr�umt.
Der Morgenluft entgegen wiehernd, steht
Sein Renner schon gesattelt und gez�umet.
Er schwingt sich auf, und wie er aus dem Feld
Zur�cke schaut, verschwunden ist das Zelt:
In einem Wink erhob sich's aus dem Rasen,
In einem Wink war alles weggeblasen.

19
Sie zogen nun dem Lauf des hohen Eufrats nach,
Von Palmen und Geb�sch vorm Sonnenstrahl geborgen,
Durchs sch�nste Land der Welt, stillschweigend, keiner sprach
Ein Wort, wiewohl's an Stoff zum Reden nicht gebrach;
Denn jeder war vertieft in andre Sorgen.
Die reine Luft, der angenehme Morgen,
Der V�gel Lustgesang, des Stromes stiller Lauf,
Weckt beider Fantasie aus leisem Schlummer auf.

20
Der Ritter sieht in ihrem Zauberspiegel
Nichts sehenswerth als das geliebte Bild.
Er mahlt die G�ttin sich auf seinen blanken Schild,
Erklimmt auf ihrer Spur des Taurus schroffsten H�gel,
Steigt, sie erfragend, bis in Merlins furchtbars Grab,
Bek�mpft die Riesen und die Drachen,
Die um das Schlo�, worin sie schmachtet, wachen,
Und k�mpfte sie der ganzen H�lle ab.

21
Indessen er, in eingebildeter Wonne,
Die schwer errungne Braut an seinen Busen dr�ckt,
Sieht unvermerkt ans Ufer der Garonne,
Wo er als Kind den ersten Strau� gepfl�ckt,
Von Eufrats Ufern weg der Alte sich verz�ckt.
Nein, denkt er, nirgends scheint doch unsers Herrgotts Sonne
So mild als da, wo sie zuerst mir schien,
So lachend keine Flur, so frisch kein andres Gr�n!

22
Du kleiner Ort, wo ich das erste Licht gesogen,
Den ersten Schmerz, die erste Lust empfand,
Sey immerhin unscheinbar, unbekannt,
Mein Herz bleibt ewig doch vor allen dir gewogen,
F�hlt �berall nach dir sich heimlich hingezogen,
F�hlt selbst im Paradies sich doch aus dir verbannt;
O m�chte wenigstens mich nicht die Ahnung tr�gen,
Bey meinen V�tern einst in deinem Schoo� zu liegen!

23
In solcher Tr�umerey schwind't unvermerkt der Raum
Der sie von Bagdad trennt, bis itzt die Mittagshitze
In einen Wald sie treibt, der vor der Gluth sie sch�tze.
Noch ruhten sie um einen alten Baum,
Wo dichtes Moos sich schwellt zum weichen Sitze,
Und Oberons Pokal erfrischt den trocknen Gaum;
Als, eben da er sich zum dritten Mahle f�llet,
Ein gr��liches Geschrey in ihre Ohren br�llet.

24
Sie springen auf. Der Ritter fa�t sein Schwert
Und fleugt dahin, woher die Zetert�ne schallen!
Und sieh! ein Sarazen zu Pferd,
Von einem L�wen angefallen,
K�mpft aus Verzweiflung noch, ersch�pft an Kraft und Muth,
Mit matter Faust. Schon taumelt halb zerrissen
Sein Ro�, und w�lzt mit ihm in einem Strom von Blut
Sich um, und hat vor Angst die Stange durchgebissen.

25
Grimmschnaubend st�rzt der L�w' auf seinen Gegner los,
Aus jedem Blick schie�t eine Feuerflamme.
Indem f�hrt H�ons Stahl ihm seitw�rts in die Wamme.
Der Thiere F�rst, den solch ein Gru� verdro�,
Erwiedert ihn mit einer langen Schramme,
Nach der des Ritters Blut aus tausend Quellchen flo�:
H�tt' Angulaffers Ring nicht �ber ihm gewaltet,
Ihn h�tt' auf Einen Zug der L�w' entzwey gespaltet.

26
Herr H�on rafft, was er an Kraft vermag,
Zusammen, (denn sein Tod blitzt aus des L�wen Blicke)
Und st��t sein kurzes Schwert mit Macht ihm ins Genicke.
Vergebens schwingt sich noch der Schweif zu einem Schlag,
Von dem, wofern der Ritter nicht zur�cke
Gesprungen w�r', er halb zerschmettert lag;
Vergebens dr�uet noch die f�rchterliche Tatze;
Ein Streich von Scherasmin erlegt ihn auf dem Platze.

27
Der Sarazen (den reichen Steinen nach,
Die hoch auf seinem Turban blitzen,
Ein Mann von Wichtigkeit) schien noch vor Angst zu schwitzen.
Die Ritter f�hren ihn am Arme ganz gemach
Den R�umen zu, in deren Schirm sie lagen;
Man reicht zur St�rkung ihm den goldnen Becher dar,
Und auf Arabisch spricht der Alte: Herr, f�rwahr,
Ihr habt dem Gott der Christen Dank zu sagen!

28
Mit schelem Auge nimmt der Held' aus H�ons Hand
Den Becher voll, und wie er an der Lippen Rand
Ihn bringt, versiegt der Wein, und gl�hend wird der Becher
In seiner Faust, der innern Schalkheit R�cher!
Er schleudert ihn laut br�llend weit von sich,
Und stampft, und tobt, und l�stert f�rchterlich.
Herr H�on, dem es graut ihm l�nger zuzuh�ren,
Zieht sein geweihtes Schwert, den Helden zu bekehren.

29
Allein, der Schalk, der �bermannt sich h�lt,
Hat keine Lust zur Gegenwehr zu stehen;
Wie ein gejagter Strau� l�uft er ins nahe Feld,
Wo beide Pferd' im Grase weiden gehen.
Risch schwingt er sich auf H�ons Klepper, fa�t
Ihn bey der M�hn', und mit verh�ngten Z�geln
Rennt er davon, in solcher Angst und Hast,
Als s��' er zwischen Sturmwindsfl�geln.

30
Das Abenteu'r war freylich �rgerlich;
Allein was half's, dem Lecker nachzulaufen?
Zum Gl�cke war ein Ding, das einem Maulthier glich,
Im n�chsten Dorf um wenig Geld zu kaufen.
Das arme Thier, durchsichtiger als Glas,
Schien kaum belebt genug, bis Bagdad auszureichen;
Doch d�ucht's dem Alten noch auf dessen R�ckgrat ba�
Als seinem Herrn zu Fu�e nachzukeichen.

31
So setzten beide nun nach dem gew�nschten Port
Den ritterlichen Zug so gut sie konnten fort.
Der Sonnenwagen schwebt schon an des Himmels Grenzen,
Auf einmahl sehen sie, von fern im weiten Thal,
Gekr�nt mit Th�rmen ohne Zahl,
Der St�dte K�nigin im Abendschimmer gl�nzen,
Und, durch ein Paradies von ewig frischem Gr�n,
Den breiten Strom des schnellen Tigers fliehn.

32
Ein wundersam Gemisch von Schrecken und Entz�cken,
Geheime Ahnungen, und fremde Schauer dr�cken
Des Ritters Herz, da ihm der Schauplatz auf sich thut,
Wo mehr sein Wort und angestammter Muth
Als Karls Gebot, ihn treibt ein Wagst�ck zu bestehen,
Wovon kaum m�glich ist ein besser Ziel zu sehen
Als j�hen Tod. Gewi� war immer die Gefahr,
Doch schien sie nie so gro� als da sie nahe war.

33
Er sieht mit ihren goldnen Zinnen,
Gleich einer G�tterburg, in furchtbar stolzer Pracht
Der Emirn Burg, den Thron, der Asien zittern macht,
Und spricht zu sich: Und Du, was gehst du zu beginnen?
Er stutzt. Doch bald st�rkt wieder seine Sinnen
Des Glaubens Muth, der ihn so weit gebracht,
Und eine Stimme scheint ihm leise zuzugehen,
Er werde die er liebt in jenen Mauern sehen.

34
Auf, ruft er, Scherasmin, spann alle Segel auf!
Du siehst das Ziel von meinem langen Lauf;
Wir m�ssen Bagdad noch vor dunkler Nacht erreichen.
Nun geht's im sch�rfsten Trott, da� Ro� und Reiter keichen.
Der Knapp' gie�t seinem Thier mitleidig etwas Wein
Aus Oberons Becher auf die Zunge:
Da, spricht er, trink, du guter treuer Junge,
Der Becher trocknet nicht f�r deines gleichen ein.

35
Er hatte Recht. Kaum saugt des Maulthiers Zunge
So lechzend als ein ausgebrannter Stein
Den s��en Thau des Zaubergoldes ein,
So schie�t mit allbelebendem Schwunge
Ein Feuerstrom durch Adern und Gebein;
Von neuer Kraft gespannt, erfrischt an Herz und Lunge,
L�uft's, einem Windspiel gleich, mit ihm davon,
Und eh' der Tag erlischt sind sie in Babylon.

36
Noch irrten sie in seinen ersten Gassen
Unkundig in der D�mm'rung hin und her,
Als Fremde, die sich blo� vom Zufall leiten lassen:
Da kam des Wegs von ungef�hr
An ihrem Stab ein M�tterchen gegangen,
Mit grauem Haar und l�ngst verwelkten Wangen.
He Mutter, seyd so gut, schreyt Scherasmin sie an,
Und weiset uns den Weg zu einem Han.

37
Die Alte bleibt gest�tzt auf ihre Kr�cke stehen,
Und hebt ihr wankend Haupt, die Fremden anzusehen.
Herr Fremdling, spricht sie drauf, von hier ist's ziemlich weit
Zum n�chsten Han; doch, wenn ihr m�de seyd
Und wenig euch gen�gt, so kommt in meine H�tte;
Da steht euch Milch und Brot, und eine gute Sch�tte
Von frischem Stroh zu Dienst, und Gras f�r euer Vieh;
Ihr ruhet aus, und zieht dann weiter morgen fr�h.

38
Mit gro�em Dank f�r ihr gastfreundliches Erbieten
Folgt H�on nach. Ihm d�ucht kein Lager schlecht,
Wo Freundlichkeit und Treu' der offnen Th�re h�ten.
Die neue Baucis macht in Eil die Streu zurecht,
Wirft Quendel und Orangenbl�then
Aus ihrem G�rtchen drauf, tr�gt fette Milch voll Schaum
Und saft'ge Pfirschen auf, und Feigen frisch vom Baum,
Beklagend, da� ihr j�ngst die Mandeln nicht geriethen.

39
Dem F�rsten d�nkt, er hab' in seiner Lebenszeit
Nie so vergn�glich Mahl gehalten.
Was der Bewirthung fehlt, ersetzt der guten Alten
Vertrauliche Geschw�tzigkeit.
Die Herren, spricht sie, kommen eben
Zu einem gro�en Fest.--"Wie so?"--Ihr wi�t es nicht?
Es ist das einz'ge doch was man in Bagdad spricht;
Die Tochter unsers Herrn wird morgen ausgegeben.

40
"Des Sultans Tochter? Und an wen?"
Der Br�utigam ist einer von den Neffen
Des Sultans, F�rst der Drusen, reich und sch�n,
Und auf dem Schachbret soll ihn keiner �bertreffen;
Mit Einem Wort, ein Prinz, den alle Welt
Der sch�nen Rezia vollkommen w�rdig h�lt.
Und doch--gesagt im engesten Vertrauen--
Sie lie�e lieber sich mit einem Lindwurm trauen.

41
Das nenn' ich wunderlich, versetzt der Paladin,
Ihr werdet's uns so leicht nicht glauben machen.
"Ich sag' es noch einmahl, eh' die Prinzessin ihn
So nahe kommen l��t, umarmt sie einen Drachen,
Da bleibt's dabey!--Mir ist von langer Hand
Das Wie und Wann der Sache wohl bekannt.
Zwar hab' ich reinen Mund gar hoch versprechen m�ssen;
Doch, gebt mir eure Hand, so sollt ihr alles wissen.

42
"Es wundert euch vielleicht, wie eine Frau, wie ich,
Zu solchen Dingen kommt, die selbst dem F�rstenstamme
Verborgen sind und sonsten m�nniglich?
So wisset denn, ich bin die Mutter von der Amme
Der sch�nen Rezia, bey der sie alles gilt,
Wiewohl schon sechzehn volle Jahre
Verflossen sind, seit Fatme sie gestillt;
Nun merkt ihr leicht, woher ich manchmahl was erfahre.

43
"Man wei�, da� schon seit Jahren der Kalif,
Auf seine Tochter stolz, nicht selten
An Festen, die er gab, sie mit zur Tafel rief,
Wo sch�ner M�nner viel sich ihr vor Augen stellten.
Allein auch das wei� Stadt und Land,
Da� keiner je vor ihr besonders Gnade fand;
Sie schien sie weniger mit m�dchenhaftem Grauen
Als mit Verachtung anzuschauen.

44
"Indessen ward geglaubt, sie k�nne Babekan
(So hei�t der Prinz, den sich zum Tochtermann
Der Sultan auserw�hlt) vor allen andern leiden.
Nicht, da� beym Kommen oder Scheiden
Das Herz ihr h�her schlug; ihn nicht mit Flei� zu meiden
War wohl das h�chste, was er �ber sie gewann:
Allein, sie war doch sonst f�r niemand eingenommen;
Die Liebe, dachte man, wird nach der Hochzeit kommen.

45
"Jedoch, seit einem Zwischenraum
Von wenig Wochen, hat sich alles umgekehret.
Seitdem kann Rezia den armen Prinzen kaum
Vor Augen sehn. Ihr ganzes Herz emp�ret
Sich, wenn sie nur von Hochzeit reden h�ret;
Und, was unglaublich ist, so hat ein blo�er Traum
Die Schuld daran."--Ein Traum? ruft H�on ganz in Feuer;
Ein Traum? ruft Scherasmin, welch seltsam Abenteuer!

46
Ihr tr�umte, f�hrt die Alte fort,
Sie werd' in Rehgestalt an einem wilden Ort
Von Babekan gejagt. Sie lief, von zwanzig Hunden
Verfolgt, in Todesangst herab von einem Berg;
Ihm zu entfliehen war die Hoffnung schon verschwunden!
Da kam ein wundersch�ner Zwerg
In einem Fa�ton, den junge L�wen zogen,
In vollem Sprung entgegen ihr geflogen.

47
Der Zwerg in seiner kleinen Hand
Hielt einen bl�h'nden Lilienst�ngel,
Und ihm zur Seite sa� ein fremder junger Fant,
In Ritterschmuck, sch�n wie ein barer Engel;
Sein blaues Aug' und langes gelbes Haar
Verrieth, da� Asien nicht sein Geburtsland war;
Doch, wo er immer hergekommen,
Genug, ihr Herzchen ward beym ersten Blick genommen.

48
Der Wagen hielt. Der Zwerg mit seinem Lilienstab
Ber�hrte sie; stracks fiel die Rehhaut ab:
Die sch�ne Rezia, auf ihres Retters Bitten,
Stieg in den Wagen ein, und setzt' err�thend mitten
Sich zwischen ihn und den, dem sich ihr Herz ergab,
Wiewohl noch Lieb' und Scham in ihrem Busen stritten.
Der Wagen fuhr nun scharf den Berg hinan,
Und stie� vor einen Stein, und sie erwachte dran.

49
Weg war ihr Traum, doch nicht aus ihrem Herzen
Der J�ngling mit dem langen gelben Haar.
Stets schwebt sein Bild, die Quelle s��er Schmerzen,
Bey Tag und Nacht ihr vor, und seit der Stunde war
Der Drusenf�rst ihr unertr�glich.
Sie konnt' ihn ohne Zorn nicht h�ren und nicht sehn.
Man gab sich alle M�h die Ursach' auszusp�hn;
Umsonst, sie blieb geheim und stumm und unbeweglich.

50
Nur ihre Amm' allein, von der ich, wie gesagt,
Die Mutter bin, wu�t' endlich Weg' zu finden,
Das seltsame Geheimni�, das sie nagt,
Aus ihrer Brust heraus zu winden.
Allein ihr wi�t, ob mit vern�nft'gen Gr�nden
Ein Schaden heilbar ist, der heimlich uns behagt?
Die arme Dame war sich selber gram, und wollte
Da� Fatme dennoch stets dem �bel schmeicheln sollte.

51
Indessen kam der Tag, vor dem so sehr ihr graut,
Stets n�her. Babekan, um bey der spr�den Braut
In be�re Achtung sich zu schwingen,
Lie� wenig unversucht; nur wollte nichts gelingen.
Sie war bekanntlich stets den Tapfern sehr geneigt,
Er hatte sich noch nie in diesem Licht gezeigt:
La�, sprach er zu sich selbst, uns eine That vollbringen,
Der Unempfindlichen Bewundrung abzuzwingen!

52
Nun setzte seit geraumer Zeit
Ein ungeheures Thier das ganze Land in Schrecken:
Es fiel bey hellem Tag in D�rfer und in Flecken,
Und w�rgte Vieh und Menschen ungescheut.
Man sagt, es habe Drachenfl�gel,
Und Klauen wie ein Greif und Stacheln wie ein Igel,
Sey gr��er als ein Elefant,
Und wenn es schnaube, fahr' ein Sturm durchs ganze Land.

53
Seit Menschendenken war kein solches Thier erschienen,
Auch stand ein gro�er Preis auf dessen Kopf gesetzt;
Allein weil jedermann den seinen h�her sch�tzt,
Hat niemand Lust das Schu�geld zu verdienen.
Nur Babekan hielt's des Versuches werth,
Durch eine k�hne That der Sch�nen Stolz zu d�mpfen.
Er geht im Pomp zum Sultan, und begehrt
Verg�nstigung, den L�wen zu bek�mpfen.

54
Und als ihm's der, wiewohl nicht gern, gew�hrt,
Bestieg er heute fr�h vor Tag sein bestes Pferd,
Und ritt hinaus. Was weiter vorgegangen
Ist unbekannt. Genug, er kam, zu gutem Gl�ck,
Auf einem fremden Gaul, ganz leise, sonder Prangen
Und ohne eine Klau' vom Ungeheu'r zur�ck.
Man sagt, er habe stracks, so bald er heim gekommen,
Sich hingelegt und Bezoar genommen.

55
Bey allem dem sind nun mit unerh�rter Pracht
Die Zubereitungen zum Hochzeitfest gemacht;
Unfehlbar wird es morgen vor sich gehen,
Und Rezia sich in der n�chsten Nacht
In Babekans verha�ten Armen sehen.--
Eh' die� geschieht, fuhr H�on rasch heraus,
Eh' soll das gro�e Rad der Sch�pfung stille stehen!
Der Ritter und der Zwerg sind, glaubt mir, auch vom Schmaus.

56
Die Alte wundert sich des Wortes, und betrachtet
Genauer, was sie erst nicht sonderlich geachtet,
Des Fremden blaues Aug' und langes gelbes Haar,
Und seinen Ritterschmuck, und da� er nur gebrochen
Arabisch sprach, und da� er sch�ner war
Als je ein Mann, der in die Augen ihr gestochen:
Das rasche Wort, das er gesprochen,
Und diese �hnlichkeit! es d�ucht ihr sonderbar.

57
Wo kam er her? warum? wer ist er? zwanzig Fragen
Zu diesem Zweck, die schon auf ihrer Zunge lagen,
Erstickte H�ons Ernst. Er that als w�re Ruh
Ihm noth, und legte sich auf seiner Streu zurechte.
Die Alte w�nscht, da� ihm was s��es tr�umen m�chte,
Und trippelt weg, und schlie�t die Th�re nach sich zu.
Allein wurmstichig war die Th�r und hatte Spalten,
Und Vorwitz juckt das Ohr der guten Alten.

58
Sie schleicht zur�ck, und dr�ckt so fest sie kann
Ihr lauschend Ohr an eine Ritze,
Und horcht mit offnem Mund und h�lt den Athem an.
Die Fremden sprachen laut, und, wie es schien, mit Hitze;
Sie h�rte jedes Wort; nur, leider! war kein Sinn
F�r eine alte Frau von Babylon darin:
Doch kann sie dann und wann, zum Trost in diesem Leiden,
Den Nahmen Rezia ganz deutlich unterscheiden.

59
Wie wundervoll mein Schicksal sich entspinnt!
(Rief H�on aus) Wie wahr hat Oberon gesprochen,
Schwach ist das Erdenvolk und f�r die Zukunft blind!
Karl denkt, er habe mir gewi� den Hals gebrochen;
Auf mein Verderben zielt sein Auftrag sichtlich ab,
Und blindlings thut er blo� den Willen des Geschickes:
Der sch�ne Zwerg reckt seinen Lilienstab,
Und leitet mich im Traum zur Quelle meines Gl�ckes.

60
Und da� (spricht Scherasmin) die Jungfrau, die im Traum
Das Herz euch nahm, gerade die Infante
Des Sultans ist, die Karl zu eurer Braut ernannte;
Da� alles so sich schickt, und da� auch Sie im Traum,
Wie ihr in sie, in Euch entbrannte,
So etwas glaubte man ja seinen Augen kaum!
Und doch, spricht H�on, hat's die Alte nicht erfunden;
Den Knoten hat das Schicksal selbst gewunden.

61
Nur wie er aufzul�sen sey,
Da liegt die Schwierigkeit!--Mich sollte das nicht plagen,
Erwiedert Scherasmin: Herr, darf ich ungescheut
Euch meine schlechte Meinung sagen?
Ich macht' es kurz und schnitt' ihn frisch entzwey.
Dem Junker linker Hand lie�' ich den Luftpa� frey
Und dem Kalifen seine Z�hne,
Und hielte mich an meine Dulcimene.

62
Bedenkt's nur selbst, in ihrer Gegenwart
Die Ceremonie mit Kopfab anzufangen,
Hernach vier Backenz�hn' und eine Hand voll Bart
Dem alten Herren abverlangen,
Und vor der Nas' ihm gar sein einzig Kind umfangen,
Bey Gott! das hat doch wahrlich keine Art!
Das Schicksal kann unm�glich wollen
Da� wir das Ziel uns selbst so grob verr�cken sollen.

63
Zum Gl�ck, da� Oberon das beste schon versah.
Das Hauptwerk ist doch wohl, dem Hasen
Von Br�utigam das Fr�ulein wegzublasen;
Und dazu hilft die sch�ne Rezia
Gewi� uns selbst, so bald sie von der Alten
Berichtet ist, das gelbe Haar sey da.--
Mir liegt indessen ob, zwey frische Klepper, nah
Beym Garten des Serai's, zur Flucht bereit zu halten.

64
Herr Scherasmin, (versetzt der Ritter) wie es scheint,
Entfiel euch, da� ich Karln mein Ehrenwort gegeben,
Dem, was er mir gebot, buchst�blich nachzuleben?
Da geht kein Jot davon, mein Freund!
Was draus entstehen kann, das mag daraus entstehen!
Mir ziemt es nicht so was voraus zu sehen.
Im Fall der Noth (erwiedert Scherasmin)
Mu� doch zuletzt der Zwerg uns aus dem Wasser ziehn.

65
Allm�hlich schlummert der Alte unter diesen
Gespr�chen ein. Von H�ons Augen bleibt
Der s��e Schlaf die Nacht hindurch verwiesen.
Gleich einem Kahn auf hohen Wogen, treibt
Sein ahnend Herz mit ungeduldigem Schwanken
Auf ungest�m sich w�lzenden Gedanken:
So nah dem Port; so nah, und doch so weit!
Es ist ein Augenblick, und d�ucht ihm Ewigkeit.


F�nfter Gesang.

1
Auch dich, o Rezia, floh, auf deinen weichen Schwanen,
Der s��e Schlaf. Du sahst in Klippen dich
Verfangen, woraus dir einen Pfad zu bahnen
Unm�glich schien. Verha�t und f�rchterlich
Ist dir das festliche Roth am morgend�mmernden Himmel,
Verha�t der Tag, der dich an Hymens Altar winkt.
Lang' w�lzt sie seufzend sich um, bis endlich, vom innern Get�mmel
Der Seele bet�ubt, ihr Haupt herab zum Busen sinkt.

2
Sie schlummert ein, und, ihren Muth zu st�tzen,
Webt Oberen ein neues Traumgesicht
Vor ihre Stirn. Sie glaubt, bey Mondeslicht,
In einer Laube der G�rten des Harems zu sitzen,
In Fantasieen der Liebe versenkt.
Ein s��es Weh, ein lieblich banges Sehnen
Hebt ihre Brust, ihr Auge schwimmt in Thr�nen,
Indem sie hoffnungslos an ihren J�ngling denkt.

3
Die Unruh treibt sie auf. Sie l�uft, mit hastigen Schritten
Und suchendem Blick, durch Busch und Blumengefild,
Eilt athemlos zu allen gr�nen H�tten,
Zu allen Grotten hin; ihr Auge, z�rtlich wild
Und thr�nenvoll, scheint das geliebte Bild
Von allen Wesen zu erbitten:
Oft steht sie �ngstlich still, und lauscht
Wenn nur ein Schatten wankt, nur eine Pappel rauscht.

4
Zuletzt, indem sie sich nach einer Stelle wendet
Wo durch der B�sche Nacht ein heller Mondschein bricht,
Glaubt sie--o Wonne! wenn kein falsches Schattenlicht
Ihr gern betrognes Auge blendet--
Zu sehen was sie sucht. Sie sieht und wird gesehn;
Sein Feuerblick begegnet ihren Blicken.
Sie eilt ihm zu, und bleibt, in schauerndem Entz�cken,
Wie zwischen Scham und Liebe, zweifelnd stehn.

5
Mit offnen Armen fliegt er ihr entgegen.
Sie will entfliehn, und kann die Kniee nicht bewegen.
Mit M�h verbirgt sie noch sich hinter einen Baum,
Und in der s��en Angst zerplatzt der sch�ne Traum.
Wie gerne h�tte sie zur�ck ihn rufen m�gen!
Sie z�rnt sich selbst und dem verha�ten Baum;
Vergebens suchet sie sich wieder einzuwiegen,
Ihm nachzusinnen bleibt ihr einziges Vergn�gen.

6
Die Sonne hatte bald den dritten Theil vollbracht
Von ihrem Lauf, und immer war's noch Nacht
Bey Rezia; so gro� war ihr Ergetzen,
Den angenehmen Traum noch wachend fortzusetzen.
Doch da sie gar zu lang' kein Lebenszeichen giebt,
Naht endlich Fatme sich dem goldnen Bette, schiebt
Den Vorhang weg, und findet mit Erstaunen
Die Dame wach, und in der besten aller Launen.

7
Ich hab' ihn wieder gesehn, o Fatme, w�nsche mir Gl�ck,
Ruft Rezia, ich hab' ihn wieder gesehen!--
Das w�re! spricht die Amm', und sucht mit schlauem Blick
Herum, als d�chte sie den Vogel auszusp�hen.
Das Fr�ulein lacht: "Ey, ey, wie ist dein Witz so dick!
Man d�chte doch, das sollte sich verstehen!
Ich sah ihn freylich nur im Traum; allein
Er mu� gewi� hier in der N�he seyn.

8
"Mir ahnt's, er ist nicht fern, und sprich mir nichts dagegen,
Wenn du mich liebst!"--So schweig' ich!--"Und warum?
Was w�re denn am Ende so verwegen
An meiner Hoffnung? Sprich! wie sollt' ich sie nicht hegen?"
Die Amme seufzt und bleibt noch immer stumm.
"Was �bersteigt der Liebe Allverm�gen?
Der L�wenb�ndiger, der mich besch�tzt, ist sie;
Und retten wird sie mich, begreif' ich gleich nicht wie.

9
"Du schweigst? du seufzest? Ach! zu wohl nur, gute Amme,
Versteh' ich was dein Schweigen mir verhehlt!
Du hoffest nichts f�r meine Flamme!
Ich selbst, ich hoffe nur weil be�rer Trost mir fehlt.
Die Stunde naht; schon klirren meine Ketten,
Und mein Verderben ist gewi�;
Ein Wunder nur, o Fatme, kann mich retten,
Ein Wunder nur! wo nicht--so kann es die�!"

10
Bey diesem Worte zieht mit feur'gem Blicke
Sie aus dem Busen einen Dolch hervor.
"Siehst du? Die� macht mir Muth! die� hebt mich so empor!
Mit diesem hoff' ich alles vom Geschicke!"
Die Amme schwankt an ihren Stuhl zur�cke,
Wird leichenbla�, und zittert wie ein Rohr.
Ach! ist die� alles, so erbarme
Sich Gott!--ruft sie, und weint und ringt die Arme.

11
Das Fr�ulein dr�ckt die Hand ihr auf den Mund:
Still, spricht sie, fasse dich! und steckt in ihren Busen
Den Dolch zur�ck. Du wei�t, im weiten Erdenrund
Ist nichts mir so verha�t als dieser F�rst der Drusen.
Eh' Der mich haben soll, eh' soll ein giftiger Molch
In meine Brust die scharfen Z�hne schlagen!
Kommt mein Geliebter nicht, den Raub ihm abzusagen,
Was bleibt mir �brig als mein Dolch?

12
Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen,
So h�rt man am Tapetenth�rchen pochen,
Das aus dem Schlafgemach in Fatmens Kammer f�hrt.
Sie geht, und kommt nach einer kleinen Weile
So schnell zur�ck, da� sie vor lauter Eile
Und Freudentrunkenheit den Athem fast verliert.
"Nun sind wir aller Noth entbunden!
Triumf! Prinzessin, Triumf! der Ritter ist gefundener

13
Im Nachtgewand, das wie ein Nebel kaum
Den sch�nen Leib umwallt, f�hrt jene aus den Lacken
Und f�llt entz�ckt der Amme um den Nacken:
"Gefunden? Wo? wo ist er? O mein Traum,
So logst du nicht?"--Die Amme, selbst vor Freuden
Ganz au�er sich, hat kaum noch so viel Sinn,
Die wonnetaumelnde halb nackte Tr�umerin
In gro�er Eil' ein wenig anzukleiden.

14
Herein gerufen wird sodann
Die Alte, selbst ihr M�hrchen zu erz�hlen.
Die gute Mutter f�ngt beym Ey die Sache an,
Und l��t es nicht am kleinsten Umstand fehlen;
Kein Zug, kein Wort das ihrem Gast entrann,
Wird im Gem�hlde weggelassen.
Er ist's, er ist's! wir haben unsern Mann,
Ruft Fatme aus; es kann nicht besser passen!

15
Die Alte wird von neuem ausgefragt,
Mu� drey--und viermahl wiederhohlen
Was er gethan, gesagt und nicht gesagt;
Mu� immer wieder ihn vom Haupt bis zu den Sohlen
Abschildern, Zug f�r Zug--wie gelb und lang sein Haar,
Wie gro� und blau sein sch�nes Augenpaar;
Und immer ist noch etwas nachzuhohlen
Das in der Eil' ihr ausgefallen war.

16
Inde� sich so um zwanzig Jahre j�nger
Die Alte schwatzt, entspannt der hohe Lockenbau
Der sch�nen Braut sich unter Fatmens Finger.
Mit Perlen, gl�nzender als Thau,
Wird schneckengleich ihr schwarzes Haar durchflochten,
Ohr, Hals und G�rtel schm�ckt so schimmerndes Gestein,
Da� ihren Glanz im Sonnenschein
Die Augen kaum ertragen mochten.

17
Vollendet stellt nunmehr, von ihrer Nymfenschaar
Zum Fest geschm�ckt und br�utlich angekleidet,
Gleich einer Sonne sich die K�nigstochter dar,
Und lieblich wie ein Reh, das unter Rosen weidet.
Kein Auge sah sie ungeblendet an,
Wiewohl sie jetzt nur M�dchenaugen sahn:
Nur sie allein schien nichts davon zu wissen,
Wie neben ihr die Sterne schwinden m�ssen.

18
Das Feuer, das aus ihren Augen strahlt,
Die Ungeduld, das lauschende Verlangen
Das ihre Lippen schwellt und ihre zarten Wangen
Mit ungewohntem Purpur mahlt,
Setzt ihre Jungfrau'n in Erstaunen.
Ist die� die widerspenst'ge Braut,
(Beginnen sie einander zuzuraunen)
Der gestern noch so sehr vor diesem Tag gegraut?

19
Indessen sammeln sich die Emirn und Wessire,
Geschm�ckt zum Fest, im stolzen Hochzeitsahl.
Ger�stet steht das k�nigliche Mahl,
Und, bey Trompetenklang, tritt aus der goldnen Th�re
Des heiligen Palasts, von Sklaven aller Art
Umflossen, der Kalif mit seinem grauen Bart.
Der Drusenf�rst, noch etwas bla� von Wangen,
Kommt stattlich hinter ihm als Br�utigam gegangen.

20
Und gegen�ber thut die Th�r von Elfenbein
Sich aus dem Harem auf, und, sch�ner als die Frauen
In Mahoms Paradies, tritt auch die Braut herein.
Ein Schleier zwar, gleich einem silbergrauen
Gew�lke, wehrt dem Engelsangesicht
Den vollen Glanz allblendend zu enth�llen;
Und dennoch scheint ein �berirdisch Licht
Bey ihrem Eintritt stracks den ganzen Sahl zu f�llen.

21
Dem Drusen schwillt und sinket wechselsweis'
Sein Herz, indem sein Aug' an ihren Reitzen hanget:
Er sucht im ihrigen was er zu sehn verlanget;
Allein, ein Blick, so kalt wie Alpeneis,
Ist alles was er sieht. Doch, dem Beth�rten schmeichelt
Die Eitelkeit, die Selbstbetr�gerin,
Da� Rezia den spr�den Blick nur heuchelt:
O (denkt er) all der Schnee schmilzt �ber Nacht dahin!

22
Ob er zu viel gehofft soll kein Geheimni� bleiben.
Doch, ohne jetzt unn�thig zu beschreiben,
Wie drauf, nachdem der Imam das Gebet
Gesprochen, man beym Schall der Pauken und der Zinken
Zur Tafel sich gesetzt, erst Seine Majest�t,
Dann rechter Hand die Braut, der Br�utigam zur linken,
Und hundert Dinge, die von selber sich verstehn,
Ist's Zeit, auch wieder uns nach H�on umzusehn.

23
Der hatte, wie ihr euch erinnert, seine Nacht,
Von Ungeduld erhitzt, von Ahnungen umgaukelt,
Auf seiner Streue nicht viel sanfter zugebracht,
Als einer, den der Sturm in einem Mastkorb schaukelt.
Kaum aber hat dem Tag in seine goldne Bahn
Aurorens Rosenhand die Pforten aufgethan,
So senkt sich nebelgleich ein Dunst von Mohn--und Flieder-
Und Lilienduft auf seine Augen nieder.

24
Er schlummert ein, und schl�ft in Einem Zug
Noch immer fort, da schon des Sonnenwagens Flug
Den Himmel halb getheilt. Sein Alter ging indessen
Um von der Burg die Lage auszusp�hn,
Und zum Entf�hrungswerk das n�th'ge vorzusehn;
Derweil, am kleinen Herd, zu ihrem Mittagsessen
Die gute Wirthin Anstalt macht,
Halb m�rrisch, da� ihr Gast so lange nicht erwacht.

25
Sie schleicht zuletzt, um wieder durch die Spalten
Zu gucken, an die Th�r, und trifft (zu gutem Gl�ck
F�r ihren Vorwitz) just den ersten Augenblick,
Da H�ons Augen sich dem goldnen Tag entfalten.
Frisch, wie der junge May sich an den Reihen stellt
Wenn mit den Grazien die Nymfen T�nze halten,
Hebt sich mit halbem Leib empor der sch�ne Held,
Und rathet, was zuerst ihm in die Augen f�llt?

26
Ein Kaftan, wie ihn nur die h�chsten Emirn tragen,
Wenn sich der Hof zu einem Feste schm�ckt,
Auf goldbebl�mtem Grund mit Perlen reich gestickt,
Liegt schimmernd vor ihm da, um einen Stuhl geschlagen;
Ein Turban drauf, als wie aus Schnee gewebt,
Und, um ihn her, den Emir zu vollenden,
Ein diamantner Gurt, an dem ein S�bel schwebt,
So reich, da� Scheid' und Griff ihm fast die Augen blenden.

27
Zum ganzen Putz, von Fu� zu Haupt,
Den Stiefelchen aus �berg�ld'tem Leder
Bis zu dem Demantknopf der hohen Strau�enfeder
Am Turban, mangelt nichts. Der gute Ritter glaubt,
Ihm tr�ume noch. Woher kann solcher Staat ihm kommen?
Die Alte steht erstaunt. Das geht durch Zauberey,
Ruft sie; ich h�tte doch sonst was davon vernommen!
Der Zwerg, spricht Scherasmin, ist ganz gewi� dabey!

28
Der Ritter glaubt es auch, und denkt: Durch all' die Helden
Im Vorhof macht mir die� zum Hochzeitsahle Bahn.
Und flugs ist Kaftan, Gurt, und alles umgethan;
Die Wirthin spudet sich, ihn recht heraus zu kleiden.
"Allein was fangen wir mit diesem Turban an?
Das sch�ne gelbe Haar sein'twegen abzuschneiden?
Nicht um die Welt!--Doch still! es geht ja wohl hinein;
Er scheint ja recht mit Flei� dazu gew�lbt zu seyn!"

29
Herr H�on stand nunmehr, bis auf die lilienglatte
Bartlose Wange, wie ein wahrer Sultan da,
Indem das M�tterchen ihn um und um besah
Und immer noch an ihm zu putzen hatte.
Drauf, als der treue Scherasmin
Ihm was ins Ohr geraunt, beginnt er fortzugehen,
Reicht einen Beutel Gold der Wirthin freundlich hin,
Und nun, lebt wohl, auf Wiedersehen!

30
Nichts halb zu thun ist edler Geister Art.
Ein reich gez�umtes Ro� steht vor der Th�r der Alten,
Und neben ihm zwey Knaben, sch�n und zart,
In Silberst�ck, die ihm die goldnen Z�gel halten.
Herr H�on schwingt sich auf; die Knaben frisch voran,
Und f�hren ihn auf einem Seitenwege,
Am Strome hin, durch bl�hende Geh�ge,
Bis sie der hohen Burg sich gegen�ber sahn.

31
Schon ist er durch den ersten Hof gezogen,
Im zweyten steigt er ab, und geht zum dritten ein.
Er scheint ein Hochzeitgast vom ersten Rang zu seyn,
Und �berall, von diesem Schein betrogen,
Macht ihm die Wache Platz. Er schreitet frey und stolz
Daher, und n�hert sich dem Thor von Ebenholz.
Zw�lf Mohren, Riesen gleich, stehn mit gez�cktem Eisen
Die Unberechtigten vom Eingang abzuweisen.

32
Allein des Ritters Staat und k�niglicher Blick
Dr�ckt, wie er sich der hohen Pforte zeiget,
Die S�belspitzen schnell zur�ck,
Die fernher sich entgegen ihm geneiget.
Die Fl�gel rauschen auf. Hoch schl�gt sein Heldenherz,
Indem sie hinter ihm sich wieder wehend schlie�en.
Drauf f�hrt ein S�ulengang, an welchen G�rten stie�en,
Ihn noch zu einer Th�r von �berg�ld'tem Erz.

33
Ein gro�er Vorsahl war's, mit Sklaven aller Farben
Kombabischen Geschlechts erf�llt,
Die ewig hier am Quell der Freude darben,
Und, da ein Mann, von Emirsglanz umh�llt,
In ihre hohlen Augen schwillt,
Mit Blicken, die in Knechtsgef�hl erstarben,
Die Arme auf die Brust ins Kreuz gefaltet, stehn,
Und kaum so muthig sind ihm hintennach zu sehn.

34
Schon t�nen Cymbeln, Trommeln, Pfeifen,
Gesang und Saitenspiel vom Hochzeitsahle her;
Schon nickt des Sultans Haupt von Weindunst doppelt schwer,
Und freyer schon beginnt die Freude auszuschweifen;
Der Braut allein theilt sich die Lust nicht mit
Die in des Br�ut'gams Augen gl�het:
Als, eben da sie starr auf ihren Teller siehet,
Herr H�on in den Sahl mit edler Freyheit tritt.

35
Er naht der Tafel sich, und alle Augenbrauen
Ziehn sich erstaunt empor, den Fremden anzuschauen.
Die sch�ne Rezia, die ihre Tr�ume denkt,
H�lt auf den Teller noch den ernsten Blick gesenkt;
Auch der Kalif, den Becher just zu leeren
Besch�ftigt, l��t sich nichts in seinem Opfer st�ren:
Nur Babekan, den seines nahen Falls
Kein guter Geist verwarnt, dreht seinen langen Hals.

36
Sogleich erkennt der Held den losen Mann von gestern,
Der sich verma� der Christen Gott zu l�stern:
Er ist's, der links am goldnen Stuhle sitzt
Und seinen Nacken selbst der Straf' entgegen bieget.
Rasch, wie des Himmels Flamme, blitzt
Der reiche S�bel auf, der Kopf des Helden flieget,
Und hoch aufbrausend �berspritzt
Sein Blut den Tisch, und den, der ihm zur Seite lieget.

37
Wie der Gorgone furchtbars Haupt
In Perseus Faust den wild emp�rten Schaaren
Das Leben stracks durch seinen Anblick raubt;
Noch dampft die K�nigsburg, noch schwillt der Aufruhr, schnaubt
Die Mordlust ungez�hmt im Busen der Barbaren;
Doch Perseus sch�ttelt kaum den Kopf mit Schlangenhaaren,
So starrt der Dolch in jeder blut'gen Hand,
Und jeder M�rder steht zum Felsen hingebannt:

38
So stockt auch hier, beym Anblick solcher kecken
Verr�therischen That, des frohen Blutes Lauf
In jedem Gast. Sie fahren allzuhauf,
Als s�hn sie ein Gespenst, von ihren Sitzen auf,
Und greifen nach dem Schwert. Allein, gel�hmt vom Schrecken,
Erschlafft im Ziehn der Arm, und jedes Schwert blieb stecken;
Ohnm�cht'gen Grimm im starren Blick,
Sank sprachlos der Kalif in seinen Stuhl zur�ck.

39
Der Aufruhr, der den ganzen Sahl emp�ret,
Schreckt Rezien aus ihrer Tr�umerey:
Sie schaut best�rzt sich um, was dessen Ursach' sey;
Und, wie sie sich nach H�ons Seite kehret,
Wie wird ihm, da er sie erblickt!
Sie ist's, sie ist's ruft er, und l��t entz�ckt
Den blut'gen Stahl und seinen Turban fallen,
Und wird von ihr erkannt, wie seine Locken wallen.

40
Er ist's, beginnt auch sie zu rufen, doch die Scham
Erstickt den Ton in ihrem Rosenmunde.
Wie schlug das Herz ihr erst, da er geflogen kam,
Im Angesicht der ganzen Tafelrunde
Sie liebesk�hn in seine Arme nahm,
Und, da sie, gl�hend bald, bald bla� wie eine B�ste,
Sich zwischen Lieb' und jungferlichem Gram
In seinen Armen wand, sie auf die Lippen k��te!

41
Schon hatt' er sie zum zweyten Mahl gek��t;
Wo aber nun den Trauring her bekommen?
Zum Gl�cke, da� der Ring an seinem Finger ist,
Den er im Eisenthurm dem Riesen abgenommen.
Zwar, wenig noch mit dessen Werth vertraut,
Schien ihm, dem Ansehn nach, der schlecht'ste kaum geringer;
Doch steckt er ihn aus Noth itzt an des Fr�uleins Finger,
Und spricht: So eign' ich dich zu meiner lieben Braut!

42
Er k��t mit diesem Wort die sanft bezwungne Sch�ne
Zum dritten Mahl auf ihren holden Mund.
Ha! schreyt der Sultan auf, und knirscht und stampft den Grund
Vor Ungeduld, ihr leidet da� der Hund
Von einem Franken so mich h�hne?
Ergreift ihn! Zaudern ist Verrath!
Und, tropfenweis' erpre�t, vers�hne
Sein schwarzes Blut die ungeheure That!

43
Auf einmahl blitzen hundert Klingen
In H�ons Aug', und kaum erhascht er noch,
Eh' sie im Sturm auf ihn von allen Seiten dringen,
Sein hingeworfnes Schwert. Er schwingt es dr�uend. Doch
Die sch�ne Rezia, von Lieb' und Angst entgeistert,
Schlingt einen Arm um ihn, macht ihre Brust zum Schild
Der seinigen--der andre Arm bemeistert
Sich seines Schwerts. Zur�ck, Verwegne, schreyt sie wild.

44
Zur�ck! es ist kein Weg zu diesem Busen
Als mitten durch den meinen! ruft sie laut;
Und ihr, noch kaum so sanft wie Amors holde Braut,
Giebt die Verzweiflung itzt die Augen von Medusen.
Verme�ne, haltet ein, ruft sie den Emirn zu,
Zur�ck!--O schone sein, mein Vater! und, o du,
Den zum Gemahl das Schicksal mir gegeben,
O spart mein Blut in euer beider Leben!

45
Umsonst! des Sultans Wuth und Dr�un
Nimmt �berhand, die Heiden dringen ein.
Der Ritter l��t sein Schwert vergebens blitzen,
Noch h�lt ihm Rezia den Arm. Ihr �ngstlich Schreyn
Durchbohrt sein Herz. Was bleibt ihm sie zu sch�tzen
Noch �brig, als sein Horn von Elfenbein?
Er setzt es an den Mund, und zwingt mit sanftem Hauche
Den sch�nsten Ton aus seinem krummen Bauche.

46
Auf einmahl f�llt der hoch gez�ckte Stahl
Aus jeder Faust; in raschem Taumel schlingen
Der Emirn H�nde sich zu t�nzerischen Ringen;
Ein lautes Hussa schallt Bacchantisch durch den Sahl,
Und jung und Alt, was F��e hat, mu� springen;
Des Hornes Kraft l��t ihnen keine Wahl:
Nur Rezia, best�rzt die� Wunderwerk zu sehen,
Best�rzt und froh zugleich, bleibt neben H�on stehen.

47
Der ganze Divan dreht im Kreis
Sich schwindelnd um; die alten Bassen schnalzen
Den Takt dazu; und, wie auf glattem Eis,
Sieht man den Imam selbst mit einem H�mmling walzen.
Noch Stand noch Alter wird gespart;
Sogar der Sultan kann der Lust sich nicht erwehren,
Fa�t seinen Gro�wessir beym Bart,
Und will den alten Mann noch einen Bockssprung lehren.

48
Die nie erh�rte Schw�rmerey
Lockt bald aus jedem Vorgemache
Der K�mmerlinge Schaar herbey,
Sodann das Frauenvolk, und endlich gar die Wache.
Sie all' ergreift die lust'ge Raserey:
Der Zaubertaumel setzt den ganzen Harem frey;
Die G�rtner selbst in ihren bunten Sch�rzen
Sieht man sich in den Reihn mit jungen Nymfen st�rzen.

49
Als eine, die kaum ihren Augen glaubt,
Steht Rezia, des Athems fast beraubt.
Welch Wunder! ruft sie aus; und just in dem Momente,
Wo nichts als die� uns beide retten k�nnte!
Ein guter Genius ist mit uns, K�nigin,
Versetzt der Held. Indem kommt durch die Haufen
Der Tanzenden sein treuer Scherasmin
Mit Fatmen gegen sie gelaufen.

50
Kommt, keicht er, lieber Herr! Wir haben keine Zeit
Dem Tanzen zuzusehn; die Pferde stehn bereit,
Die ganze Burg ist toll, die Th�ren alle offen
Und unbewacht; was s�umen wir?
Auch hab' ich unterwegs Frau Fatmen angetroffen,
Zur Flucht bepackt als wie ein lastbar Thier.
Sey ruhig, spricht der Held, noch ist's nicht Zeit zu gehen,
Erst mu� das Schwerste noch geschehen.

51
Die sch�ne Rezia erbla�t bey diesem Wort;
Ihr �ngstlich Auge scheint zu fragen und zu bitten:
"Warum verziehn? warum am steilen Bord
Des Untergangs verziehn? O la� mit Fl�gelschritten
Uns eilen, eh' der Taumelgeist zerrinnt,
Der unsrer Feinde Sinne bind't!"
Doch H�on, unbewegt, begn�get sich, mit Blicken
Voll Liebe ihre Hand fest an sein Herz zu dr�cken.

52
Allm�hlich lie� nunmehr die Kraft des Hornes nach;
Die K�pfe schwindelten, die Beine wurden schwach,
Kein Faden war an allen T�nzern trocken,
Und, in der athemlosen Brust
Geschwellt, begann das dicke Blut zu stocken.
Zur Marter ward die unfreywill'ge Lust.
Durchn��t, als stieg' er gleich aus einer Badewanne,
Schwankt der Kalif auf seine Ottomanne.

53
Mit jedem Augenblick f�llt, starr und ohne Sinn,
Da, wo rings um die Wand sich Polster schwellend heben,
Ein T�nzer nach dem andern hin.
Emirn und Sklaven st�rzen zappelnd neben
G�ttinnen des Serai's, so wie's dem Zufall d�ucht,
Als ob ein Wirbelwind sie hingesch�ttelt h�tte,
So da� zugleich auf Einem Ruhebette
Der Stallknecht und die Favoritin keicht.

54
Herr H�on macht die Stille sich zu Nutze,
Die auf dem ganzen Sahle ruht;
L��t seine K�nigin, nah bey der Th�r, im Schutze
Des treuen Scherasmin, dem er auf seiner Hut
Zu seyn gebeut; giebt ihm auf alle F�lle
Das Horn von Elfenbein, und naht sodann der Stelle,
Wo der Kalif, vom Ball noch schwach und matt,
Auf einen Polsterthron sich hingeworfen hat.

55
In dumpfer Stille liegt mit ausgespannten Fl�geln
Leis' athmend die Erwartung rings umher.
Die T�nzer all', von Schlaf und Taumel schwer,
Bestreben sich die Augen aufzuriegeln,
Den Fremden anzusehn, der sich, nach solcher That,
Mit unbewehrter Hand und bittenden Geberden
Dem stutzenden Kalifen langsam naht.
Was, denkt man, wird aus diesem allen werden?

56
Er l��t sich auf ein Knie vor dem Monarchen hin,
Und mit dem sanften Ton und kalten Blick des Helden
Beginnt er. "Kaiser Karl, von dem ich Dienstmann bin,
L��t seinen Gru� dem Herrn der Morgenl�nder melden,
Und bittet dich--verzeih! mir f�llt's zu sagen hart!
Doch, meinem Herrn den Mund, so wie den Arm, zu lehnen,
Ist meine Pflicht--um vier von deinen Backenz�hnen
Und eine Hand voll Haar aus deinem Silberbart."

57
Er spricht's und schweigt, und steht gelassen
Des Sultans Antwort abzupassen.
Allein, wo nehm' ich Athem her, den Grimm
Des alten Herrn mit Worten euch zu schildern?
Wie seine Z�ge sich verwildern,
Wie seine Nase schnaubt? mit welchem Ungest�m
Er auf vom Throne springt? wie seine Augen klotzen,
Und wie vor Ungeduld ihm alle Adern strotzen?

58
Er starrt umher, will fluchen, und die Wuth
Bricht sch�umend jedes Wort an seinen blauen Lippen.
"Auf, Sklaven! rei�t das Herz ihm aus den Rippen!
Zerhackt ihn Glied f�r Glied! zapft sein verruchtes Blut
Mit Pfriemen ab! weg mit ihm in die Flammen!
Die Asche streut in alle Winde aus,
Und seinen Kaiser Karl, den m�ge Gott verdammen!
Was? Solchen Antrag? Mir? In meinem eignen Haus?

59
"Wer ist der Karl der gegen Mich sich br�stet?
Und warum kommt er nicht, wenn's ihn
So sehr nach meinem Bart und meinen Z�hnen l�stet,
Und wagt's, sie selber auszuziehn?"
Der Mensch mu� unter seiner M�tze
Nicht richtig seyn, versetzt ein alter Kan:
So etwas allenfalls begehrt man an der Spitze
Von dreymahl hundert tausend Mann.

60
Kalif von Bagdad, spricht der Ritter
Mit edlem Stolz, la� alles schweigen hier,
Und h�re mich! Es liegt schon lange schwer auf mir,
Karls Auftrag und mein Wort. Des Schicksals Zwang ist bitter:
Doch seiner Oberherrlichkeit
Sich zu entziehn, wo ist die Macht auf Erden?
Was es zu thun, zu leiden uns gebeut,
Das mu� gethan, das mu� gelitten werden.

61
Hier steh' ich, Herr, ein Sterblicher wie du,
Und steh' allein, mein Wort, trotz allen deinen Wachen,
Mit meinem Leben gut zu machen:
Doch l��t die Ehre mir noch einen Antrag zu.
Entschlie�e dich von Mahomed zu weichen,
Erh�h' das heil'ge Kreuz, das edle Christenzeichen,
In Babylon, und nimm den wahren Glauben an,
So hast du mehr, als Karl von dir begehrt, gethan.

62
Dann nehm' ich's auf mich selbst, dich v�llig los zu sprechen
Von jeder andern Forderung,
Und der soll mir zuvor den Nacken brechen,
Der mehr verlangt! So einzeln und so jung
Du hier mich siehst, was du bereits erfahren,
Verk�ndigt laut genug, da� einer mit mir ist
Der mehr vermag als alle deine Schaaren.
W�hl' itzt das beste Theil, wofern du weise bist!

63
Inde�, an Kraft und Sch�nheit einem Boten
Des Himmels gleich, der jugendliche Held,
Uneingedenk der Lanzen, die ihm drohten,
So mannhaft spricht, so muthig dar sich stellt:
Beugt Rezia von fern, mit gl�hend rothen
Entz�ckten Wangen, liebevoll
Den sch�nen Hals nach ihm, doch schaudernd, wie der Knoten
Von all' den Wundern sich zuletzt entwickeln soll.

64
Herr H�on hatte kaum das letzte Wort gesprochen,
So f�ngt der alte Schach wie ein Bese�ner an
Zu schrey'n, zu stampfen und zu pochen,
Und sein Verstand tritt g�nzlich aus der Bahn.
Die Helden all' in tollem Eifer springen
Von ihren Sitzen auf mit Schnauben und mit Dr�un,
Und Lanzen, S�bel, Dolche dringen
Auf Mahoms Feind von allen Seiten ein.

65
Doch H�on, eh' sie ihn erreichen, rei�t in Eile
Der M�nner einem rasch die Stange aus der Hand,
Schl�gt um sich her damit als wie mit einer Keule,
Und zieht, stets fechtend, sich allm�hlich an die Wand.
Ein gro�er goldner Napf, vom Schenktisch weggenommen,
Dient ihm zugleich als Schild und als Gewehr;
Schon zappeln viel am Boden um ihn her,
Die seinem Grimm zu nah gekommen.

66
Der gute Scherasmin, der an der Th�re fern
Zum Schutz der Sch�nen steht, glaubt seinen ersten Herrn
Im Schlachtgedr�ng zu sehn, und �berl��t voll Freude
Sich einen Augenblick der s��en Augenweide:
Doch bald zerstreut den angenehmen Wahn
Des Fr�uleins Angstgeschrey; er sieht der Helden Rasen,
Sieht seines Herrn Gefahr, setzt flugs das Hifthorn an
Und bl�st, als l�g' ihm ob die Todten aufzublasen.

67
Die ganze Burg erschallt davon und kracht;
Und stracks verschlingt den Tag die f�rchterlichste Nacht,
Gespenster lassen sich wie schnelle Blitze sehen,
Und unter stetem Donner schwankt
Des Schlosses Felsengrund. Der Heiden Herz erkrankt;
Sie taumeln Trunknen gleich, Geh�r, Gesicht vergehen,
Der schlaffen Hand entglitschen Schwert und Speer,
Und gruppenweis' liegt alles starr umher.

68
Der Sultan, �bert�ubt von so viel Wunderdingen,
Scheint mit dem Tod den letzten Kampf zu ringen;
Sein Arm ist nervenlos, sein Athem schwer,
Sein Puls schl�gt matt, und endlich gar nicht mehr.
Auf einmahl schweigt der Sturm; ein lieblich s�uselnd Wehen
Erf�llt den Sahl mit frischem Lilienduft,
Und, wie ein Engelsbild ob einer Todtengruft,
L��t Oberon sich itzt auf einem W�lkchen sehen.

69
Ein lauter Schrey des Schreckens und der Lust
Entf�hrt der Perserin; ein unfreywillig Grauen
Bek�mpft in ihr das sch�chterne Vertrauen.
Die Arme �ber ihre Brust
Gefaltet, steht sie gl�hend neben
Dem J�ngling da, dem sie ihr Herz gegeben,
Und wagt, der s��en Schuld jungfr�ulich sich bewu�t,
Zu ihrem Retter kaum die Augen aufzuheben.

70
Gut, H�on, spricht der Geist, du hast dein Ehrenwort
Gel�st, ich bin mit dir zufrieden.
Zum Ritterdank ist dir die� sch�ne Weib beschieden!
Doch, eh' ihr euch entfernt von diesem Ort,
Bedenke Rezia, wozu sie sich entschlie�et,
Eh' sie vielleicht mit unfruchtbarer Reu
Die rasche Wahl verf�hrter Augen b��et!
Zu bleiben oder gehn l��t ihr das Schicksal frey.

71
So vieler Herrlichkeit entsagen,
Verlassen Hof und Thron, dem sie geboren ward,
Um sich, auf ungewisse Fahrt,
Ins weite Meer der Welt mit einem Mann zu wagen;
Zu leben ihm allein, mit ihm den Unbestand
Des Erdengl�cks, mit ihm des Schicksals Schl�ge tragen,
(Und ach! oft kommt der Schlag von einer lieben Hand!)
Da lohnt sich's wohl, vorher sein Herz genau zu fragen.

72
Noch, Rezia, wenn dich die Wage schreckt,
Noch steht's bey dir den Wunsch der Liebe zu betr�gen.
Sie schlummern nur, die hier als wie im Grabe liegen;
Sie leben wieder auf, so bald mein Stab sie weckt.
Der Sultan wird dir gerne, was geschehen,
Verzeihn, trotz dem was er dabey verlor,
Und Rezia wird wieder wie zuvor
Von aller Welt sich angebetet sehen.

73
Hier schwieg der sch�ne Zwerg. Und, bleicher als der Tod,
Steht H�on da, das Urtheil zu empfangen,
Womit ihn Oberon, der Grausame! bedroht.
In Asche sinkt das Feuer seiner Wangen.
Zu edel oder stolz, vielleicht ein zweifelnd Herz
Mit Liebesworten zu bestechen,
Starrt er zur Erde hin mit tief verhaltnem Schmerz,
Und l��t nicht einen Blick zu seinem Vortheil sprechen.

74
Doch Rezia, durchgl�ht von seinem ersten Ku�,
Braucht keines Zunders mehr die Flamme zu erhitzen.
Wie wenig d�ucht ihr noch was sie verlassen mu�,
Um alles was sie liebt in H�on zu besitzen!
Von Scham und Liebe roth bis an die Fingerspitzen,
Verbirgt sie ihr Gesicht und einen Thr�nengu�
In seinem Arm, indem, hoch schlagend von Entz�cken,
Ihr Herz empor sich dr�ngt, an seines sich zu dr�cken.

75
Und Oberon bewegt den Lilienstab
Sanft gegen sie, als wollt' er seinen Segen
Auf ihrer Herzen B�ndni� legen,
Und eine Thr�ne f�llt aus seinem Aug' herab
Auf beider Stirn. So eil' auf Liebesschwingen,
Spricht er, du holdes Paar! Mein Wagen steht bereit,
Bevor das n�chste Licht der Schatten Heer zerstreut,
Euch sicher an den Strand von Askalon zu bringen.

76
Er sprach's, und eh' des letzten Wortes Laut
Verklungen war, entschwand er ihren Augen.
Wie einem Traum entwacht, steht H�ons sch�ne Braut,
Den s��en Duft begierig aufzusaugen,
Der noch die Luft erf�llt. Drauf sinkt ein scheuer Blick
Auf ihren Vater hin, der wie in Todesschlummer
Zu starren scheint. Sie seufzt, und wehmuthsvoller Kummer
Mischt Bitterkeit in ihres Herzens Gl�ck.

77
Sie h�llt sich ein. Herr H�on, dem die Liebe
Die Sinne sch�rft, sieht nicht so bald
Ihr Herz beklemmt, ihr sch�nes Auge tr�be,
So dr�ckt er sie mit z�rtlicher Gewalt,
Den rechten Arm um ihren Leib gewunden,
Zum Sahl hinaus.--Komm, spricht er, eh' die Nacht
Uns �berrascht, und jeder Arm erwacht,
Den, uns zu Lieb', der Geist mit Zauberschlaf gebunden.

78
Komm, la� uns fliehn, eh' uns den Weg zur Flucht
Ein neuer Feind vielleicht zu sperren sucht,
Und sey gewi�, sind wir nur erst geborgen,
Wird unser Sch�tzer auch f�r diese Schl�fer sorgen.
Die� sprechend tr�gt er sie mit jugendlicher Kraft
Die Marmortrepp' hinunter bis zum Wagen,
Den Oberon zu ihrer Flucht verschafft,
Und eine s��re Last hat nie ein Mann getragen.

79
Die ganze Burg ist furchtbar still und leer
Wie eine Gruft, und Leichen �hnlich liegen
In tiefem Schlaf die H�ter hin und her;
Nichts hemmt der Liebe Flucht; der Wagen wird bestiegen:
Doch traut das Fr�ulein sich dem Ritter nicht allein;
Mit Scherasmin steigt auch die Amme hastig ein.
Sie, die zum ersten Mahl so viele Wunder siehet,
Die arme Frau wei� nicht wie ihr geschiehet.

80
Wie wird ihr da sie r�ckw�rts schaut
Und sieht, an Pferde Statt, vier Schwanen vor dem Wagen,
Regiert von einem Kind!--Wie schaudert ihr die Haut,
Da sie empor gelupft und durch die Luft getragen
Sich f�hlt, und kaum zu athmen sich getraut,
Und nicht begreifen kann, wie, ohne umzuschlagen,
So schwer bepackt, der Wagen sich erhebt,
Und, steter als ein Kahn, auf leichten Wolken schwebt!

81
Als endlich gar die Nacht sie �berfiel,
Was Wunder, da� die Furcht zuletzt die Scham besiegte,
Und Fatme so gedrang an Scherasmin sich schmiegte,
Als wie zum Schlaf an ihren lieben Pf�hl!
Vermuthlich da� der Mann dazu sich willig f�gte;
In solchen F�llen mischt das Herz sich gern ins Spiel:
Jedoch gereicht zum Ruhm des wackern Alten,
Da� er wie reines Gold die� Feuer ausgehalten.

82
Ganz anders war das junge Paar gestimmt,
Das Amor itzt mit seiner Mutter Schwanen
Davon zu f�hren schien. Ob auf gewohnten Bahnen
Den Lauf ihr Zauberfuhrwerk nimmt,
Ob durch die Luft, ob's rollet oder schwimmt,
Ob langsam oder schnell, mit Pferden oder Schwanen,
Sanft oder hart, mit oder ohne Fahr,
Sie werden nichts von allem dem gewahr.

83
Ein neuer Wonnetraum, ein seliges Entz�cken
Ins Paradies, d�nkt sie ihr gegenw�rt'ger Stand;
Sie k�nnen nichts, als stumm, mit nimmer satten Blicken,
Sich anschaun, eins des andern warme Hand
Ans volle Herz in s��er Inbrunst dr�cken,
Und, w�hrend Himmel und Erd' aus ihren Augen schwand,
Und sie allein noch �brig waren, fragen:
Ist's, oder tr�umt uns noch? Sind wir in Einem Wagen?

84
"So war's kein Traum als ich im Traum dich sah?
(Rief jedes aus) So war es Rezia?
War's H�on? und ein Gott hat dich mich finden lassen?
Du mein?--ich dein?--Wer durft' es hoffen, wer?
So wundervoll vereint, uns nimmer nimmermehr
Zu trennen? Kann das Herz so viele Wonne fassen?"
Und dann von neuem stets einander angeblickt,
Von neuem Hand um Hand an Mund und Herz gedr�ckt!

85
Vergebens h�llt die Nacht mit dunstbeladnen Fl�geln
Den Luftkreis ein; die� hemmt der Liebe Sehkraft nicht:
Aus ihren Augen strahlt ein �berirdisch Licht,
Worin die Seelen selbst sich in einander spiegeln.
Nacht ist nicht Nacht f�r sie; Elysium
Und Himmelreich ist alles um und um;
Ihr Sonnenschein ergie�et sich von innen,
Und jeder Augenblick entfaltet neue Sinnen.

86
Allm�hlich wiegt die Wonnetrunkenheit
Das volle Herz in zauberischen Schlummer;
Die Augen sinken zu, die Sinne werden stummer,
Die Seele d�nkt vom Leibe sich befreyt,
In Ein Gef�hl beschr�nkt, so fest von ihm umschlungen!
So inniglich von ihm durchathmet und durchdrungen!
Beschr�nkt in Eins, in diesem Einen blo�
Sich f�hlend--Aber, o die� Eins, wie grenzenlos!


Sechster Gesang.

1
Kaum fing Aurora an die Schatten zu verjagen,
Und schlo� dem Tag mit ihrer Rosenhand
Die Pforten auf, so hielt der Schwanenwagen,
Nicht weit vom seebesp�lten Strand
Von Askalon, im Schirm von hohen Palmenb�umen,
Auf einmahl still. Ein sanfter Sto�
Weckt unser doppelt Paar, die� aus des Schlummers Schoo�,
Und jenes aus der Liebe wachen Tr�umen.

2
In s��em Schrecken bebt die Sultanstochter auf,
Indem zum ersten Mahl, vom Morgen angestrahlet,
Das Weltmeer grenzenlos sich in ihr Auge mahlet.
Voll Wunders schweift in ungehemmtem Lauf
Der ausgedehnte Blick auf diesen Wasserh�hen;
Die Unerme�lichkeit scheint vor ihr aufgethan:
Doch, mitten in der Lust kommt sie ein Schaudern an,
Im Unerme�lichen sich selbst so klein zu sehen.

3
Ein grauer Flor umnebelt ihren Blick.
Wo bin ich? ruft sie. Doch, Herr H�on, der am Wagen
Mit offnen Armen steht ins Gr�ne sie zu tragen,
Bringt den verschwebten Geist schnell zu sich selbst zur�ck.
Sey, spricht er, ohne Furcht, mein Leben,
(Indem er seinen Mund von Lieb' und Sehnsucht warm
Auf ihren Busen dr�ckt, den stille Seufzer heben)
Sey ohne Furcht, du bist in meinem Arm.

4
Mit Wonne f�hlt sie sich itzt wieder ganz umgeben
Von ihrer Liebe, ganz in seinen Arm versenkt,
Und junger Efeu kann am Stamm nicht br�nst'ger kleben
Als sie um seinen Leib die runden Arme schr�nkt.
So eilt er mit der s��en Beute
Den Palmen zu; setzt dann auf weiches Moos
Sie in den Schatten hin, sich selbst an ihre Seite,
Und tauschte seinen Platz um keines Sultans Loos.

5
Bald findet auch mit Fatme sich bey ihnen
Sein Alter ein, entschlossen, er und sie,
Bis auf den letzten Hauch dem lieben Paar zu dienen.
Kaum hatte Scherasmin im Gr�nen
Bey seinem Herrn, und Fatme nah am Knie
Der jungen Dame Platz genommen,
Schnell, wie ein Blitz der Fantasie,
Kam durch die Luft der sch�ne Zwerg geschwommen.

6
Aus seinen Augen brach durch sanft bew�lkten Gram
Der Freundschaft mildes Licht, und als er n�her kam,
Sahn sie ein K�stchen, dicht besetzt mit Edelsteinen,
In seinem linken Arm wie eine Sonne scheinen.
Freund H�on, sprach der Geist, nimm die� aus meiner Hand,
Wiewohl dich Karl dazu ausdr�cklich nicht verpflichtet:
Wenn du ihn wiedersiehst, so dien' es ihm zum Pfand,
Da� du, was er begehrt, buchst�blich ausgerichtet!

7
Ihr merkt, (wiewohl in Rezia's Gegenwart
Nicht schicklich war es laut zu offenbaren)
Da� des Kalifen Z�hn' und Bart,
In Baumwoll' eingepackt, in diesem K�stchen waren.
Es hatte, w�hrend da� der Sultan noch erstarrt
In seinem Lehnstuhl lag, von Oberons unsichtbaren
Trabanten einer sich behend ans Werk gemacht,
Und alles, ohne Scher' und Pelikan, vollbracht.

8
Eilt nun, so fuhr er fort, bevor euch nachzujagen
Der Sultan Zeit gewinnt! Dort auf der Rhede liegt
Ein Schiff, das ohne Harm in sechs bis sieben Tagen
Mit euch bis nach Lepanto fliegt;
Dort findet ihr, so bald ihr angekommen,
Ein andres schon bereit, das nach Salern euch bringt;
Und dann, so schnell als Lieb' und Sehnsucht euch beschwingt,
Geraden Wegs den Lauf nach Rom genommen!

9
Und tief, o H�on, sey's in deinen Sinn gepr�gt:
So lange bis der fromme Papst Sylvester
Auf eurer Herzen Bund des Himmels Weihung legt,
Betrachtet euch als Bruder und als Schwester.
Da� der verbotnen s��en Frucht
Euch ja nicht vor der Zeit gel�ste!
Denn wisset, da� im Nu, da ihr davon versucht,
Sich Oberon von euch auf ewig trennen m��te.

10
Er sagt's, und seufzt, und stiller Kummer schwillt
In seinem Aug'; er hei�et sie ihm nahen,
Und k��t sie auf die Stirn; und als sie aufw�rts sahen,
Zerflo� er wie ein Wolkenbild
Aus ihrem Blick. Der goldne Tag verh�llt
Sein Antlitz; traurig rauscht's, wie Seufzer, durch die Palmen,
Und Land und Meer scheint, dumpf und tief erstillt,
In tr�bem Duft gestaltlos zu verqualmen.

11
Ein seltsam Weh, ein stilles Bangen dr�ckt
Das holde Paar; sie sehn mit blassen Wangen
Einander an; im offnen Mund erstickt
Was jedes sprechen will; sie wollen sich umfangene
Und ein geheimes Grau'n h�lt ihren Arm. Allein
In einem Pulsschlag st�rzt der dumpfe Nebel nieder,
Lacht alles wie zuvor in goldnem Sonnenschein,
Und Muth und Freude kehrt in ihre Herzen wieder.

12
Sie eilen nach dem Schiff, und finden's, hoch erfreut,
Zur Reise schon versehn und zierlich eingerichtet
Durch ihres Sch�tzers G�tigkeit.
Ein frischer Landwind weht, der Anker wird gelichtet,
Das Seevolk jauchzt. Die Barke, vogelschnell,
Durchschneidet schon mit ausgespannten Fl�geln
Die blaue Flut; die Luft ist rein und hell,
Und glatt das Meer um sich darin zu spiegeln.

13
Sanft wiegend schwimmt, gleich einem stolzen Schwan,
Das Schiff dahin, zum Wunder aller S�hne
Des Oceans, auf kaum gefurchter Bahn.
So eine Fahrt hat noch kein Mensch gethan,
Rief jeder aus. Der Ritter und die Sch�ne
Stehn, Arm in Arm geschlungen, Stunden lang
Auf dem Verdeck, und schau'n; und jede neue Scene
Ist Opium f�r ihren Liebesdrang.

14
Und wenn sie in die unabsehbarn Fl�chen
Hinaus sehn, wo in Luft der Wellen Blau zerrinnt,
F�ngt H�on an von seinem Land zu sprechen,
Wie sch�n es ist, wie froh darin die Leute sind,
Und wie von Ost zum West die Sonne
Doch auf nichts holders scheinen kann
Als auf die Ufer der Garonne;
Und alles die� beschw�rt sein alter Lehensmann.

15
Dem h�pft das Herz, so oft er seinem lieben
Gaskogne Hymnen singen kann!
Die sch�ne Rezia, wiewohl ihr dann und wann
Viel Worte unverst�ndlich blieben,
Horcht unverwandt; denn das, wovon ihr nichts entgeht,
Was mit uns�glichem Behagen,
So neu ihr's ist, ihr Herz unendlich leicht versteht,
Ist--was ihr H�ons Augen sagen.

16
Ein sanfter Druck der warmen Hand,
Ein Seufzer, der das volle Herz entladet,
Ein leiser Ku�, der Rosenwang' entwandt,
Und, o ein Blick, in Amors Thau gebadet,
Was �berzeugt, gewinnt und r�hrt wie die�?
Was geht so schnell, trotz dem behendsten Pfeile,
Von Herz zu Herz, trifft so gewi�
Den Zweck, und macht so wenig lange Weile?

17
In Seelgespr�chen dieser Art
Verlor das Wortgespr�ch sich stets bey unsern beiden.
Oft schlichen sie, um Zeugen zu vermeiden,
In ihr Gemach, und standen da gepaart
Am offnen Fenster, oder sa�en
Auf ihrem Sofa. Doch, auch dann nicht ganz allein;
Die Amme wenigstens mu� stets zugegen seyn;
Denn H�on selber bat ihn nie allein zu lassen.

18
Noch immer wiederhallt der schreckenvolle Ton
Des strengen "la�t euch nicht gel�sten"
In seinem Ohr; denn wi�t, sprach Oberon,
Da� wir uns sonst auf ewig trennen m��ten.
Wie meinte das der Geist? Es war ein tiefer Sinn
In seinem Blick, der immer ernster, immer
Bew�lkter ward; ach! Thr�nen schwammen drin,
Und sein Gesicht verlor den sonst gewohnten Schimmer.

19
Die� schwellt mit Ahnungen des guten Ritters Herz.
Er traut sich selbst nicht mehr; der Liebe leichtster Scherz
Erweckt die Furcht, ob Oberon ihn verdamme.
Indessen fri�t die eingeschlo�ne Flamme
Sich immer tiefer ein. Die Luft, worin er lebt,
Ist Zauberluft, weil Rezia sie theilet;
Ihr Athem weht darin, ihr holder Schatten schwebt
Um jeden Gegenstand, auf dem sein Auge weilet.

20
Und, o Sie selbst gl�nzt ihn im Morgenlicht,
Im Abendroth, im sanften Schattentage
Des Mondes an. In welcher sch�nen Lage,
In welcher Stellung reitzt ihr Nymfenwuchs ihn nicht?
Der Schleier, der vor allen fremden Augen
Sie dicht umh�llt, f�llt im Gemach zur�ck,
Erlaubt sogar dem furchtsam k�hnen Blick
Sich, Bienen gleich, in Hals und Busen einzusaugen.

21
Er f�hlt die s��e Gefahr. O, soll es m�glich seyn,
Du Sch�nste, ruft er oft, bis Rom es auszuhalten,
So wickle dich in sieben Schleier ein!
Verstecke jeden Reitz in tausend kleine Falten;
La� �ber dieses Arms lebend'ges Elfenbein
Die weiten �rmel bis zur Fingerspitze fallen,
Und ach! Freund Oberon, vor allen
Verwandle bis dahin mein Herz in kalten Stein!

22
Es war, wiewohl ihm oft die Kr�fte schier versagen,
Des Ritters ganzer Ernst, den Sieg davon zu tragen
In diesem Kampf. Es d�ucht' ihn gro� und sch�n
Das schwerste Abenteu'r der Tugend anzugehn,
Schon gro� und sch�n, es nur zu wagen,
Und zehnfach sch�n und gro�, es r�hmlich zu bestehn.
Allein, die M�glichkeit so einen Feind zu d�mpfen,
Der immer st�rker wird, je mehr wir mit ihm k�mpfen?

23
Nichts ist, was diesem Feind so bald gewonnen giebt,
Als bey der Sch�nen, die man liebt,
Sich dem Gef�hl stillschweigend �berlassen.
Zum Gl�ck erinnert sich Herr H�on seiner Pflicht,
Nach ritterlichem Brauch, sich mit dem Unterricht
Der Sultanstochter zu befassen.
Denn ach! das arme Kind lag noch im Heidenthum,
Und glaubt' an Mahomed, unwissend zwar warum.

24
Der Ritter, sie von dieser Pest zu heilen,
Eilt was er kann, (die Liebe hie� ihn eilen)
Sein Bi�chen Christenthum der Holden mitzutheilen.
An Eifer gab er keinem M�rt'rer nach;
Er war an Glauben stark, wiewohl an Kenntni� schwach,
Und die Theologie war keineswegs sein Fach;
Sein Pater und sein Credo, ohne Glossen,
In diesen Kreis war all sein Wissen eingeschlossen.

25
Doch was vielleicht an Licht und Gr�ndlichkeit
Der Lehre fehlt, ersetzt des Lehrers Feuer:
Herr H�on, standsgem�� ein Feind von W�rterstreit,
Handhabt das Werk gleich einem Abenteuer,
Und was er glaubt, beschw�rt er hoch und theuer,
Erb�tig, dessen Richtigkeit
Dem ganzen Heidenthum mit seinem blanken Eisen
Zu Wasser und zu Land handgreiflich zu erweisen.

26
Gro� ist in des Geliebten Mund
Der Wahrheit Kraft; das Herz, voraus mit ihm in Bund,
Horcht ihm mit Lust und lehrbegier'gem Schweigen.
Was ist so leicht zu �berzeugen
Als Liebe? Ein Blick, ein Ku� ist ihr ein Glaubensgrund.
Die Sch�ne, ohne sich in Fragen zu versteigen,
Glaubt ihrem H�on nach, und macht in kurzer Zeit
Ihr Kreuz an Stirn und Brust mit vieler Fertigkeit.

27
Das heil'ge Bad der Christen zu empfangen
Stand nun (wie unser Held in seiner Einfalt meint)
Ihr weiter nichts im Weg. Ihr ist's, um vor Verlangen
Zu brennen, schon genug, da� er darnach zu bangen
Und jedes Augenblicks Verzug zu hassen scheint.
Ein J�nger Sankt Basils, ein gro�er Heidenfeind,
der sich im Schiffe fand, wird leicht gewonnen, ihnen
F�r die Geb�hr hierin mit seinem Amt zu dienen.

28
Die sch�ne Rezia, die nun Amanda hie�
Seitdem sie in den Christenorden
Getreten war, gewann nicht nur das Paradies,
Sie schien dadurch sogar noch eins so sch�n geworden.
Allein von H�on wich zur Stunde sichtbarlich
Sein guter Geist. Es war, im Taumel des Entz�ckens,
Des Herzens und des H�ndedr�ckens
Kein End'. Umsonst zerwinkt der treue Alte sich;

29
Vergebens stellt sich Fatme gegen�ber:
Der gute Paladin in seinem Seelenfieber
Vergi�t des Zwergs, der Warnung, der Gefahr.
Der Alte h�tte sich zu Tode winken k�nnen,
Die Wonn', in die er ganz versunken war,
Sie, deren Ku� nun Engel selbst ihm g�nnen,
Zu dr�cken an sein Herz, Amanda sie zu nennen,
Umnebelt seinen Blick, berauscht ihn ganz und gar.

30
Auch Rezia, seitdem sie von Amanden
Den Nahmen eingetauscht, glaubt freyer von den Banden
Des Zwangs zu seyn, ist nicht mehr Rezia, vergi�t
Nun desto leichter K�nigsw�rde,
Hof, Vaterland, und kurz, was nicht Amanda ist.
Die R�ckerinnerung, die sonst wie eine B�rde
Zuweilen noch an ihrem Nacken hing,
Fiel mit dem Nahmen ab, den sie im Tausch empfing.

31
Sie ist nun ganz f�r H�on neu geboren,
Gab alles, was sie war, f�r ihn,
Gab einen Thron um Liebe hin,
Und f�hlt' in seinem Arm, sie habe nichts verloren.
Sie gab sich weg, und ist Amande, nun
F�r Liebe nur, durch Liebe nur zu leben,
Hat in der Welt nichts andres mehr zu thun
Nichts andres zu empfangen noch zu geben.

32
Der wackre Scherasmin, der das verliebte Paar
In solcher Stimmung sieht, erschrickt vor ihren Blicken.
Er wird darin ich wei� nicht was gewahr,
Das l�stern ist verbotne Frucht zu pfl�cken.
Ein Zeuge dr�ckte sie, das sah er offenbar.
Sie k��ten sich, so bald er nur den R�cken
Ein wenig kehrt, so rasch, so durstiglich,
Und wurden roth, so bald sein Auge sie bestrich.

33
Im Spiegel seiner eignen Jugend
Sieht er nur allzu gut was beide nicht mehr sahn;
Sieht, einer Motte gleich, die unerfahrne Tugend
Sich ahnungslos der sch�nen Flamme nahn.
Wie lieblich zieht der Glanz, die sanfte W�rme an!
Durch ihre Unschuld selbst betrogen
Umtaumelt sie das Licht in immer kleinern Bogen,
Und pl�tzlich ach! verbrennt sie ihre Fl�gel dran.

34
In dieser Noth l��t der getreue Alte
(Mit Fatmen ingeheim zu diesem Zweck vereint)
Nichts unversucht, was ihm ein Mittel scheint,
Da� wenigstens bis Rom des Ritters Weisheit halte;
Ihm f�llt bald die� bald jenes ein,
Sie zu besch�ftigen, zu st�ren, zu zerstreun;
Zuletzt schl�gt er, da alle Mittel fehlen,
Zur Abendk�rzung vor, ein M�hrchen zu erz�hlen.

35
Ein M�hrchen nennt' er es, wiewohl es freylich mehr
Als M�hrchen war. Ihm hatt' es ein Kalender
Zu Basra einst erz�hlt, als er die Morgenl�nder
Nach seines Herren Tod durchirrte, lang' vorher,
Eh' in die Kluft des Libans aus den Wogen
Der st�rmevollen Welt er sich zur�ckgezogen:
Und da es itzt in ihm gar lebhaft sich erneut,
Glaubt er, es sey vielleicht ein Wort zu rechter Zeit.

36
Und so beginnt er denn: Vor etwa hundert Jahren
Lebt' an den Ufern des Tessin
Ein Edelmann, an Weisheit ziemlich gr�n,
Wiewohl sehr grau an Bart und Haaren;
Von Podagra und Gicht, der sp�ten bittern Frucht
Zu viel geno�ner Lust, fast t�glich heimgesucht;
Ein Hofmann �brigens, galant und wohl erfahren,
Und in der Kriegeskunst der Minne wohl versucht.

37
Dem war, nachdem er lang' sein s�ndliches Vergn�gen
Daran gehabt, im Hagestolzenstand
Auf Amors freyer B�rsch' Berg auf Berg ab im Land
Herum zu ziehn, und, wo er Eingang fand,
Bey seines N�chsten Weib zu liegen;
Ihm, sag' ich, war zuletzt der Einfall aufgestiegen,
Den steifen Hals, noch an des Lebens Rand,
Ins sanfte Joch der heil'gen Eh' zu schmiegen.

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Mit viel Geschmack und wohl verk�hltem Blut
Sucht er ein Kind sich aus, wie er's zu Tisch und Bette,
Zu Scherz und Ernst, gerade n�thig h�tte,
Zumahl zur Sicherheit; ein M�dchen, fromm und gut,
Unschuldig, sittsam, unerfahren,
Keusch wie der Mond und frey von aller eiteln Lust,
Jung �berdie�, pechschwarz von Aug' und Haaren,
Von Farbe rosenhaft, und rund von Arm und Brust.

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Von allen drey und drey�ig St�cken,
Womit ein sch�nes Weib, sagt man, versehen ist,
H�tt' er kein einzigs gern an seiner Braut vermi�t,
Am wenigsten das Aug', in dessen Feuerblicken

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