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Gockel, Hinkel und Gackeleia by Clemens Brentano

Part 3 out of 4

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"--Da eilten sie vors Schlo�, wo bereits Frau Hinkel breit in der
Barutsche sa�, die mit sechs Schimmeln bespannt war, auf welchen
sechs Postillone das Oratorium bliesen. Die Signora Agatha Gaddi
gieng, die Fuge Solo singend, mit einem Teller unter den versammelten
B�ckern und Metzgern herum und nahm Heller und Pfennige ein, als sie
aber Gockel kommen sah, legte sie ein variirtes Hahnengeschrei in
ihre Partie ein, und Gockel warf ihr eine brilliantene Repetir-Uhr
mit Schnupftabackdosen von Lava besetzt, worauf der Adler des Gesangs,
den Ganymed des Gef�hls zum Himmel hinrei�end, in Stein gehauen war,
in die Sch�rze, dabei rief er: "bravissimo! da capissimo! cito
citissimo!"--hob Gackeleia in die Barutsche und sprang mit gleichen
Beinen hinter ihr drein; Alles das zugleich, und die Postillone
knallten ein Finale mit den Peitschen, und sie kamen gerade auf der
Eierburg an, als die Signora ihren Danktriller geendet, der bis zum
Pfarrthurm hinauf stieg. Wir haben es aus seinem Munde vernommen.
--Das hei�e ich mir gefahren!--Bei der Eierburg waren viele Menschen
auf einer gr�nen Wiese versammelt, wo getanzt und gespielt wurde um
Eier; denn es war Ostern, und das gro�e Ordensfest des
Ostereierordens. Man lief und sprang um die Wette nach aufgestellten
Eiern, man warf mit Eiern nach Eiern, man stie� mit Eiern gegen Eier,
und wessen Ei eingeknickt wurde, der hatte verloren. Die Kinder von
ganz Gelnhausen suchten Eier, welche der gro�e k�nigliche geheime
Oberhof-Osterhaas in versteckten Winkeln ins hohe Gras gelegt hatte;
kurz die Freude war allgemein. Bei Gockels Ankunft war das Volk in
einem weiten Kreis unter dem Baume versammelt, auf welchem die
k�niglichen Hofmusikanten und die Gelnhausener Stadtpfeifer einen
herrlichen Tanz aufspielten, n�mlich den Eiertanz, den die k�nigliche
Familie mit der Raugr�flichen in h�chsteigener Person tanzen wollte.
Auf einem k�stlichen Teppich wurden hundert vergoldete Pfaueneier,
immer zehn und zehn, in Reihen gelegt. Nun trat die K�nigin Eilegia
zu Gockel und verband ihm die Augen mit einem seidenen Tuch, und er
that ihr dasselbe; eben so verbanden der K�nig Eifrasius und Frau
Hinkel, und der Prinz Kronovus und Gackeleia sich die Augen und
wurden nun von den Hofmarsch�llen auf den Eierteppich gef�hrt, auf
welchem sie mit den zierlichsten Schritten, Spr�ngen und Wendungen
zwischen den Eiern herumtanzen mu�ten, ohne auch nur Eines mit den
F��en zu ber�hren. Die Zuschauer sahen mit gespannter Aufmerksamkeit
ganz stille zu, und bewunderten die erstaunliche Agilit�t der hohen
Herrschaften.

Aber nicht weit davon in einem Geb�sche sa�en ein paar alte M�nner,
die hatten keine Freude an dem Tanz und guckten mit unabgewendeten
Augen nach dem Fu�steige, der aus der Stadt herlief, ob ihr Geselle,
der dritte, nicht bald komme, und ehe sie sichs versahen, stand er
mitten unter ihnen. "Hast du, hast du?" schrieen sie dem
Neuangekommenen entgegen und machten Finger so spitz wie Krallen
gegen seine festgeschlossene Faust, und er erwiederte: "Ja ich habe
gl�cklich den Ring durch Gackeleia's Puppensucht ertappt, ich habe
ihr einen ganz �hnlichen mit einem falschen gr�nen Glasstein gegeben,
welchen Gockel jetzt am Finger hat. Jetzt k�nnen wir uns an ihm
r�chen, da� er uns bei dem Hahnenkauf betrogen und uns in die
Wolfsgrube hat fallen lassen, wo wir elend verhungert w�ren, wenn uns
die Bauern nicht herausgeholten h�tten."

So sprachen die drei alten morgenl�ndischen Petschierstecher, die
Gockel hatten anf�hren wollen, und die er angef�hrt hatte. Sie
hatten sich doch durch ihre List in den Besitz des Ringes gebracht
und wollten jetzt gleich seine Wunderkraft versuchen. Sie fa�ten
alle drei an den Ring und sprachen zu gleicher Zeit die Worte:

"Salomon du weiser K�nig,
Dem die Geister unterth�nig,
Mach' den Gockel wieder alt,
Zumpig, lumpig, mi�gestalt,
Mach' Frau Hinkel wieder h��lich,
Z�nkisch, r�nkisch, griesgram, gr��lich,
Mach' die Gackeleia schmutzig,
Ruppig, stuppig, zuppig, trutzig.
Nehme ihnen Gut und Geld,
Schlo� und Ro� und Hof und Feld,
Jag' sie wieder Knall und Fall
In den alten H�hnerstall.
Aber uns drei Petschaftstechern,
Bau' ein Haus mit goldnen D�chern,
Mache uns zu Hofagenten,
Hoffactoren, Consulenten,
Rittern und Kommerzienr�then,
Commiss�ren und Propheten.
Gieb uns Gold und Geld und Glanz,
Stell' uns hoch in der Finanz,
Mach' uns sch�n wie Davids Sohn,
Den scharmanten Absalon,
Mach' uns gl�cklich ganz enorm,
Orden gieb und Uniform!
Ringlein, Ringlein dreh' dich um,
Mach' es sch�n, wir bitten drum.

W�hrend sie so am Ring drehten, entstand lautes Murren und Lachen und
Schimpfen unter dem versammelten Volk. "Ei, seht den alten Bettler,
die alte schmutzige Bettlerin, das schmutzige freche Kind, nein das
ist unversch�mt; jagt sie fort, pratsch, pratsch, wie sie die Eier
zertreten!"--und bald ward das Geschrei und Get�mmel so allgemein,
da� der K�nig Eifrasius und die K�nigin Eilegia und der Prinz
Kronovus ihre Binden von den Augen rissen, und wie erstaunten sie
nicht, als sie den Raugrafen Gockel und die Frau Hinkel und Fr�ulein
Gackeleia, die vorher so sch�n und jung, und pr�chtig gekleidet
gewesen waren, in eine alte, h��liche, zerrissene Bettlerfamilie
verwandelt sahen, welche alle Eier auf dem k�stlichen Teppich
zertreten hatten; auf ihr unwilliges Geschrei rissen nun auch diese
Ungl�cklichen die Binden von den Augen, und fiengen an, bitterlich zu
weinen und zu klagen �ber ihren verwandelten Zustand, denn sie
erkannten sich kaum mehr wieder. Gockel griff nach seinem Ring
Salomonis und drehte, aber der falsche verwechselte Ring vermochte
nichts; da sah er den Ring an und erkannte, da� er ausgetauscht war,
und schrie laut aus: "o weh mir! ich bin verloren, ich bin um den
Ring betrogen!"

Er wollte eben dem K�nig Eifrasius zu F��en fallen und ihm sein
Ungl�ck klagen, aber dieser stie� ihn zur�ck, zog sein Schwert und
stie� einen Schwur aus, auf welchen seine Adjutanten, ihn in jedem
Falle zur�ckzuhalten, perennirenden Befehl hatten, damit er nicht das
Aller�u�erste thue. Die K�nigin Eilegia war so entsetzt, da� sie
unter Glucksen und Schluchsen in Nerven-Zuund Umst�nde und in die
Arme der Ober--und Unter-Eiermarschallin ohnm�chtig sank. Gockel und
Hinkel welche diese Erscheinungen theils aus fr�herer Erfahrung,
theils aus den Annalen der leidenden Menschheit kannten, nahmen die
Beine auf die Schultern und liefen davon, um so mehr und schneller
aber, als die Mitglieder der k. Hofkapelle erstaunliche Leistungen,
mit Eiern nach ihnen werfend, gegen sie zu Stande brachten, worin sie
von der hochl�blichen Gelnhausener b�rgerlichen
Scharfsch�tzen-Compagnie patriotisch unterst�tzt wurden, nachdem der
wachsame Stadth�rmer zu H�lfe geblasen hatte.

Das hoffnungsvolle Prinzchen Kronovus allein statuirte abermals ein
Exempel seines standhaften Charakters. Als Gackeleia die Eltern alt,
h��lich und verlumpt fliehen und sich selbst schmutzig und zerri�en
sah, schrie sie weinend: "ach Kronovus, ach wie bin ich so schmutzig
und wa wa geworden! wer hat mich so schmutzig gemacht?" da reichte
mit sch�ner Fassung ihr Kronovus sein Schnupftuch mit den Worten: "da
Gackeleia wische dich sch�n ab und putze dir die Nase t�chtig, so--so,
das ist brav, da hast du auch dein K�rbchen, ich hab dirs beim
Tanzen aufgehoben."--dann warf er ihr noch einen Thaler in die
Sch�rze--"da hast du mein Taschengeld. Samstag Abends hinten am
Entenpfuhl, wo die Vergi�meinnicht stehen, sollst du immer ein Ei
finden, worauf Vivat Gackeleia steht, und worin mein Taschengeld
steckt, das hole dir!"--dann zog er eine Bretzel hervor und sagte:

"ziehe!"--da zogen sie, und jedes ri� ein St�ck davon;--und einen
Bubenschenkel und sprach: "rei�e!" und jedes ri� die H�lfte davon;
dann sprach er: "jedes von uns bewahre seinen Theil, und wenn wir uns
wieder sehen und jeder bringt seinen Theil wieder, und die St�cke
passen noch h�bsch zusammen, dann sind wir recht brave, treue
Spielkameraden gewesen, und ich schw�re dir, wie du mir, bei dem Grab
des alten Urgockels, von dem du mir erz�hlet hast, da� wir dann immer
beisammen bleiben wollen!"--da hoben sie beide die H�nde auf und
schworen.--Gackeleia weinte in dem feierlichen Momente und wollte
Kronovus umarmen, da rief Gockel: "Gackeleia tummle dich geschwind,
der Bettelvogt k�mmt!"--worauf Kronovus diesem zurief: "halte er sich
zur�ck, Meister Schelm, ich werde das Comte�chen selbst fortf�hren";
in demselben Augenblicke kam aber ein Adjutant des Eifrasius,
forderte dem Prinzchen seinen Degen ab und f�hrte ihn fort in das
k�nigliche Oberhof-Ofenloch. Kronovus aber sagte vorher noch dem
Bettelvogt: "da� er sich nicht untersteht, meine liebe Spielkamer�din,
das Comte�chen anzur�hren!" reichte ihr die Hand und sprach: "leide
geduldig, aber jetzt laufe, was du kannst!" da lief Gackeleia, was
giebst du, was hast du? ihren Eltern mit ihrem K�rbchen nach, und der
Bettelvogt begleitete die ungl�ckliche Familie, mehr um sie mit
seinem ausgespannten Regenschirm gegen den Regen von Eiern zu
sch�tzen, welchen die unartigen Gassenbuben auf sie schleuderten, als
da� er sie fortgetrieben h�tte. Auf dem Eiercirkus war gro�e
Verwirrung eingetreten; der K�nig Eifrasius war allzusehr au�er sich,
die K�nigin Eilegia allzusehr inner sich gekommen. Eifrasius hatte
sein Schwert gezogen, er wollte dem Gockel ans Leben, er strampelte
mit allen vier F��en, da er aber den allerh�chsten Familienschwur
ausstie�: "in Kraft sechzig destillirter Eierschn�pse, ich fresse den
Kerl auf einem Butterbrod!" so fa�ten ihn der Kommandant der
Leibgarde unter den Armen und der Obrist des Garde-Zwergen-Korps
hielt ihm ein Bein fest, bis die erste Courage beruhiget und die
Au�ersichkeit wieder nach Haus gekommen war. Die K�nigin Eilegia
forderte noch gr��ere Anstrengung, um sie aus ihrer Innerlichkeit
wieder ans Tageslicht zu bringen; sie war in sich selbst, wie in
einen tiefen Ziehbrunnen, vor Schrecken hinabgest�rzt. Die Nerven,
an welchen bekanntlich der goldene Eimer h�ngt, in dem die Seele des
Menschen sitzt, waren bei Eilegia von so gro�er Zartheit und Feinheit,
da� sie vor Schrecken zerrissen und die hehre Seele mit sammt dem
goldenen Eimer tief, tief, tief in ihr sch�nes Gem�th hinunter
plumps'te. Eilegia war unter einem lauten Schrei: "horreur! welche
Bettelbagage!" der Oberhof-Eiermarschallin ohnm�chtig in die Arme
gesunken. Nur den vereinten Anstrengungen der Akademie der
Rettungswissenschaften f�r Verungl�ckte, welche sogleich eine
au�erordentliche Sitzung hielt, gelang es, die theure Innige wieder
zur�ckzurufen; die geheime Kammer-Schn�rdame schn�rte sie auf, um
ihrem hehren Gem�the mehr Luft zu geben; der so ganz f�rs Vaterland
gl�hende Oberhof-Osterhaas legte sinnig in k�rzester B�lde ein
frisches Osterei mit der Inschrift: "Vivat Eilegia!", mit welchem die
Ohnm�chtige angestrichen ward; und der f�r das Be�te der leidenden
Menschheit immer auf dem Sprung stehende Leibchirurg und
Aderla�schnepper rief die Seele der edeln, sinnigen, innigen Eilegia
durch eine, mit eben so viel Geschmack, als Wirkung, mit eben so viel
Grazie als Pr�zision geleistete Blutentlassung wieder aus der innern
Tiefe ihres herrlichen Gem�thes auf ihr edles Antlitz zur�ck--ach!
--und ihr erstes sch�nes Thun war, ihre geliebten Gelnhausener
anzul�cheln. Die Hofkapelle spielte eine patriotische Dankgallopade,
unter welcher Eifrasius und Eilegia in zwei Portchaisen sitzend in
die Eierburg zur�ckwalzten, um sich ganz zu erholen; Prinz Kronovus
aber mu�te die Nacht im Oberhof-Ofenloch bei Bisquit-Torte und s��em
Wein einen strengen Arrest aushalten.

Alles Volk zog nach Gelnhausen l�rmend zur�ck, um Gockels Palast zu
pl�ndern und dem Boden gleich zu machen, aber sie kehrten unterwegs
so oft in den Wirthsh�usern ein, da� sie erst in tiefer Nacht auf dem
Markte ankamen, wo ihnen der Nachtw�chter entgegen sang:

"H�rt ihr Herrn und la�t euch sagen,
Die Glocke hat zw�lf Uhr geschlagen,
Aber das ist noch gar nicht viel
Gegen ein Schlo�, das in Staub zerfiel;
Hier hat's gestanden lang und breit,
Wir leben in wunderbarer Zeit;
Der Markt ist leer als wie zuvor,
Die Kuh steht wieder vor dem alten Thor,
Schaut an ihr Herren dieses Wunder
Gieng schnell, wie es entstanden, unter;
Bewahrt das Feuer und das Licht,
Da� nicht der Stadt selbst Ungl�ck g'schiecht,
Und lobet Gott den Herrn."

Wirklich war auch das herrliche Schlo� Gockels und alle seine G�rten
und Alles, was darin war, mit Mann und Maus verschwunden; auf dem
Markte pl�tscherte der alte Stadtbrunnen, als wenn er gar nichts
w��te. Die guten B�rger giengen nach Hause, nachdem sie lange in die
leere Luft geschaut hatten, und �berlegten, wo sie mit allen ihren
Semmeln und Braten hin sollten, da der gro�e Hofstaat Gockels nicht
mehr bei ihnen einkaufen w�rde.--Die guten Gelnhausener konnten aber
doch nicht viel schlafen, denn der B�rgermeister hatte von der
Eierburg bis auf das Rathhaus eine lange Reihe von Nachtw�chtern
aufgestellt, welche sich einander zubliesen, wie Eifrasius und
Eilegia sich bef�nden, was der Leibarzt alle Viertelstunden auf der
Schlo�wache melden lie�, und was die Nachtsw�chter sich in der ganzen
Stadt wieder zufl�sterten, wozu die unz�hligen Metzgerhunde bellten
und heulten und alle H�hne kr�hten. Es war eine beispiellos
angestrengte, theilnahmvolle, schlaflose, patriotische Nacht f�r
Gelnhausen. Kaum hatten die B�rger die Schlafkappen aufgesetzt, als
pl�tzlich alle Nachtw�chter an den Fensterladen pochten und ausriefen:

"Patriotisches Gelnhausen jubilire,
Deine Fenster gleich all' illuminire,
Hochl�bliche st�dtische Metzgerschaft
Beurkunde jetzt deiner Treue Kraft;
Liefre Schweinsblasen viel und billig,
Zeig' edles Gelnhausen dich willig,
Lass' donnern den hehren Feierknall,
Erf�lle die Nacht mit Freudenschall;
Eifrasius und Eilegia theuer
Geruhen harmonisch ungeheuer
Zu ruhen, zu schlafen und zu schnarchen,
Wer kanns ihnen unterth�nigst verargen?
Es war ja, was ich schier heiser sag,
Wohl gestern f�rwahr ein hei�er Tag.
Prinz Kronovus im Oberhof-Ofenloch
Ist ganz wohl auf und singt munter noch:
"Gackeleia, liebste Gackeleia mein,
"Wann werden wir wieder beisammen seyn."
Postskriptum.
"Jetzt allgemeine Illumination,
Nebst gro�er Blasendetonation;
Morgen fr�h vor dem Hanauerthor
Gro�e Parade vom Nachtw�chterchor,
Dann nach Eierburg Deputation
Vom wei�gekleideten Bataillon
Der M�dchen, Blumen zu streuen,
Sie k�nnen heute Nacht noch heuen
Im Mondschein auf st�dtischer Weide;
Da� keinen Schaden doch leide
Die Au b�rgermeisterlicher Schafe
Wird geboten bei f�nf Gulden Strafe."

Auf diese Bekanntmachung hatten schon mehrere B�rger ihre
Nachtlichter ans Fenster gestellt, da kam ein anderer Befehl:

"Der Patriotismus soll sich noch fassen
Und alles Obige unterlassen;
Nach einem �rztlichen Consulte
Sind zu vermeiden alle Tumulte.
Ein Genesungsfest in leisester Stille
Ist Eifrasii allerweisester Wille."

Die guten B�rger waren so m�d und schl�frig, da� sie ihren
Patriotismus diesmal beruhigen lie�en, und ganz Gelnhausen in das
tiefe Schnarchen der Eierburger einstimmte.--Auf dem Markt am
folgenden Tag stieg der Eierpreis um 3 und 7/87 Procent. Der arme
Gockel, die arme Frau Hinkel, die arme Gackeleia zogen wieder wie
ehedem durch den wilden Wald nach dem alten Schlo�; aber sie waren
viel trauriger und redeten kein Wort, ja Frau Hinkel hatte gar die
Sch�rze �ber den Kopf geh�ngt, weil sie sich sch�mte, so h��lich
geworden zu seyn. Als sie auf einer H�he angekommen waren, wo man
Gelnhausen noch einmal sehen konnte, drehte sich Gockel um, und
sprach: "unseliger Ort, wo ich um den k�stlichen Ring Salomonis
betrogen ward; abscheulicher, undankbarer Eifrasius, wie sch�ndlich
hast du mich in meinem Ungl�ck versto�en, und hast nicht daran
gedacht, mir die hundert St�ck neue Gockeld'ors wieder zu geben, die
du in gl�cklicher Zeit von mir geborgt." Frau Hinkel aber rief aus:
"o K�nigin Eilegia! wie manches indianische Vogelnest sammt den Eiern
habe ich dir zum Geschenk gemacht, wie viele Eierspeisen habe ich
dich bereiten gelehrt, wie viel hundert Ostereier habe ich dir mit
sch�nen Blumen und Bl�ttern bunt gesotten, die sch�nsten Muster zu
Hauben und Garnituren a l'�ff de Puffpuff habe ich dir mitgetheilt,
und nun, da wir den Ring verloren und arm geworden, l�ssest du
Undankbare mich zerlumpt und hungernd �ber die Gr�nze f�hren!"--Nun
erhob auch Gackeleia ihre Stimme und sprach: "Ach du herzliebes
Prinzchen Kronovus, du bist doch der Beste von Allen, du hast mir
deinen Thaler geschenkt und dein Taschentuch gereicht, da� ich mich
abwischen konnte; du willst mir dein Taschengeld alle Sonnabend am
Entenpfuhl bei den Vergi�meinnicht in ein Ei verstecken; ach, du bist
doch mein guter Kronovus geblieben und hast die arme, schmutzige
Gackeleia nicht von dir weggesto�en. Ach, es thut mir recht leid,
da� ich in der Angst vergessen, dir meine herrliche Puppe zum
Andenken zu schenken."

Kaum hatte Gackeleia das Wort Puppe ausgesprochen, als Gockel zornig
nach ihr blickte und sprach: "du unseliges Kind! du hast eine Puppe?
welche Puppe? woher hast du die Puppe? wei�t du nicht mehr das
Urtheil bei dem hochnothpeinlichen Halsgericht wegen der Ermordung
Gallina's, da� du von nun an und nimmermehr keine Puppe haben darfst!
--ach, ich ahnde die Ursache meines Verderbens!" Und da er hierauf
die kleine Gackeleia ergreifen wollte, lief sie vor dem erz�rnten
Vater nach dem �u�ersten Rande eines Felsens hin, der �ber einen
schroffen Abhang hinausragte. Frau Hinkel schrie: "um Gotteswillen,
das Kind f�llt sich zu Tode!" und hielt Gockel beim Arme zur�ck.
Gackeleia aber kniete auf dem �u�ersten Rande des Felsens, breitete
ihre Aermchen gegen den Vater aus und sprach:

"Vater Gockel ach verzeih',
Mutter Hinkel steh' mir bei,
Oder Gackeleia klein
Springt und bricht sich Hals und Bein!"

Da bat die Frau Hinkel den Gockel sehr, er solle dem Kind verzeihen,
und Gockel sagte: sie solle nur Alles erz�hlen, was sie angestellt,
er werde sie nicht umbringen. "Erz�hle Gackeleia", sagte die Mutter,
"wo hast du eine Puppe herbekommen?" Da war Gackeleia in gro�er
Angst, denn der Vater ri� w�hrend der Erz�hlung an einer Birke, die
bei dem Felsen stand, dann und wann ein Zweiglein ab, und es sah so
ziemlich aus, als wenn er, wo nicht einen Besen, doch wenigstens eine
Ruthe binden wolle; aber was half Alles, das Kind mu�te sprechen und
sprach:

"An mein G�rtchen kam heut Morgen
Ein alt M�nnchen ganz voll Sorgen,
Lie� vor mir im Tanz sich drehn
Ach! ein P�ppchen, wundersch�n."

"Da haben wir es", rief Gockel und ri� ein starkes Birkenreis ab, "da
haben wir die saubere Bescheerung, eine Puppe, o es ist
himmelschreiend!" Gackeleia aber sagte geschwind:
"
Keine Puppe, es ist nur
Eine sch�ne Kunstfigur,
Eine kleine G�rtnerin,
Lehrerin und T�nzerin,
Wirthin, Hirtin und so weiter,
Jede hat besondre Kleider."

"Abscheulich, abscheulich!" sagte Gockel, aber Gackeleia fuhr fort:

"Allerliebst, kaum auszusprechen,
Mir wollt' schier das Herz zerbrechen
Nach dem sch�nen Wunderding;
Als es an zu laufen fieng,
Als die R�der in ihm knarrten,
Wollt' es zu mir in den Garten,
Lief am Gitter hin und her,
Als ob es lebendig w�r'.
Und ich glaubt' des Alten Schwur,
Da� es eine Kunstfigur,
Da� es keine Puppe sey,
Dacht' nichts Arges mir dabei."

"Sch�ne Ausreden", sagte Gockel unwillig und ri� wieder ein
Birkenreis ab; Gackeleia gefiel das gar nicht, und sie sagte:

"Vater, bitte, bitte sch�n,
La� das Birkenreis doch stehn,
Ach ich sorg' vor Angst verwirrt,
Da� es eine Ruthe wird."

Da sprach Gockel ernsthaft:

"Gackeleia glaub' du nur,
Da� es eine Kunstfigur,
Da� es keine Ruthe sey,
Denk' nichts Arges dir dabei."

Da sagte Gackeleia:

"Kunstfigur von Birkenreis?
Ach du machst mir gar zu hei�!"

Und Gockel sagte:

"Kunstfigur f�r Kunstfigur,
Ruthe f�r die Puppe nur."

Da ward Gackeleia wieder sehr betr�bt und schrie wieder ganz
erb�rmlich:

"Vater Gockel ach verzeih',
Mutter Hinkel steh' mir bei,
Oder Gackeleia klein,
Springt und bricht sich Hals und Bein!"

Frau Hinkel bat sehr, und Gockel sagte: "ich werde sie nicht
umbringen, sie soll nur erz�hlen, was der Alte weiter gesagt hat, und
was sie ihm f�r die Kunstfigur gegeben hat." Da fuhr Gackeleia fort:

"Ach der Alte weinte sehr,
H�tt' nicht Vater, Mutter mehr,
Bruder nicht, noch Schwesterlein,
Keinen Sohn, kein T�chterlein,
Keinen Vetter, keine Base,
Nichts als eine lange Nase,
Einen Bart ganz wei� und lang,
War betr�bt und angst und bang."

"Der alte Schelm", rief da Frau Hinkel aus und ri� nun auch ein
starkes Birkenreis ab, "der alte Schelm ist schuld, da� ich auch
wieder eine so h��liche lange Nase habe." Und Gockel sagte: "Schau,
Frau Hinkel, jetzt merkst du auch, was wir ihm zu danken haben, du
die Nase und ich den Bart. O ungl�ckselige Kunstfigur, was sind wir
f�r abscheuliche Figuren durch dich geworden. Aber erz�hle weiter
Gackeleia, was wollte er f�r die Puppe"? Da erwiederte Gackeleia mit
gro�er Angst:

"F�r die sch�ne Kunstfigur
Wollt' in deinen Ring er nur
Einmal ein klein bischen blicken,
Seinen Kummer zu erquicken."

"O du abgefeimter Gaudieb", rief Gockel aus, "o du unseliges,
leichtsinniges, spiels�chtiges Kind!--und da zogst du mir den Ring im
Schlafe ab, und gabst dem Schelmen den Ring, sprich, sprich, hast du
das gethan? sprich gleich, oder ich werfe dich auf der Stelle vom
Felsen hinab." Da rief Gackeleia wieder in gro�er Angst:

"Vater Gockel ach verzeih',
Mutter Hinkel steh' mir bei;
Ja als Vater Gockel schlief,
Mit dem Ring ich zu ihm lief,
Doch er sah nicht lang hinein,
Gab zur�ck den Edelstein,
Den ich schnell zur�ckgebracht,
Eh' der Vater aufgewacht.
Ach ich will's nicht wieder thun,
Einmal ist das Ungl�ck nun
Durch mich b�ses Kind geschehn.
Werdet ihr die Puppe sehn--
Nein nicht Puppe, es ist nur
Eine sch�ne Kunstfigur,
Ganz nat�rlich nach dem Leben--
Ach ihr m��t mir dann vergeben."

Und nun nahm sie die Puppe aus ihrem K�rbchen, das sie am Arm h�ngen
hatte, zog das Uhrwerk auf, und die kleine Reisende schnurrte so
artig zwischen dem Thymian auf dem Felsen herum, da� Gackeleia ihr,
in die H�nde patschend, nachlief. Da erwischte der alte Gockel das
Kind beim Arm und sagte: "Nun habe ich dich, habe ich dir nicht
tausendmal verboten, meinen Ring ohne meine Erlaubni� anzur�hren? Du
hast ihn aber dem alten Betr�ger gegeben, und der hat ihn mit einem
andern vertauscht, der keinen Heller werth ist, und so hast du deine
Eltern und dich in Schande und Armuth gebracht durch deine Begierde
nach einer elenden Puppe". Da schrie Gackeleia ganz erb�rmlich:

"Keine Puppe, es ist nur
Eine sch�ne Kunstfigur.
Vater, Vater la� mich los!
Ach sie l�uft durch Stein und Moos
Von dem Fels in vollem Lauf,
Mutter Hinkel halt' sie auf!
Da� sie nicht den Hals zerbricht;
Denn sie kennt die Wege nicht."

Die kleine Puppe lief auch ganz wie toll den Felsen hinunter, und
Frau Hinkel wollte sie aufhalten, aber glitt auf dem glatten Rasen
aus und rutschte ein ziemlich St�ck Weg hinab. Dar�ber wurde der
alte Gockel noch viel ungeduldiger und sagte: "nun sieh, das Ungl�ck,
deine Mutter bricht noch schier ein Bein �ber der abscheulichen Puppe.
Recht mu� seyn, du hast unverzeihlich gefehlt; jetzt w�hle
Gackeleia: entweder kriegst du hier recht t�chtig die Ruthe, oder du
l��t die Puppe laufen", und da Gackeleia wieder schrie:

"Keine Puppe, es ist nur
Eine sch�ne Kunstfigur,
Nach der Uhr und nach der Schnur,
Und ein M�uschen von Natur."-legte Gockel sie �ber das Knie und gab
ihr t�chtig die Ruthe mit den Worten:

"Keine Ruthe, es ist nur
Eine Birken-Kunstfigur,
Und du kriegst sie nach der Schnur,
O du Nichtsnutz von Natur!"

Und Gackeleia schrie:

"Mutter halt', o Jemine!
Halt' sie auf, sie thut sich weh."

Und Gockel schlug immer zu und schrie:

"Fitze, fitze, Domine
Thut die ganze Woche weh!"

Er h�tte auch noch l�nger zugeschlagen, aber Frau Hinkel schrie so
erb�rmlich, sie k�nne nicht wieder herauf, da� Gockel das Kind los
lie� und hinabgieng, ihr zu helfen. Kaum aber war Gackeleia los, so
r�ttelte und sch�ttelte sie sich �ber die fatale Kunstfigur, die sie
empfunden hatte, und lief ihrer fl�chtig gewordenen sch�nen
Kunstfigur nach, die sie eben unten im Thale �ber den Steg eines
Baches laufen sah; die Puppe lief, als ob sie vier Beine h�tte, �ber
den Steg und links um und in den Wald hinein und Gackeleia immer
hinter ihr drein.

Gockel hatte indessen Frau Hinkel durch einen Umweg wieder auf die
H�he hinauf gebracht, und sie klagten sich unterwegs einander, wie
der Schelm, der sie durch Gackeleia's Spielsucht um den k�stlichen
Ring Salomonis gebracht, gewi� einer von den alten Petschierstechern
sey, die ihn einst um den Hahn Alektryo hatten betr�gen wollen. Als
sie unter solchen Reden auf den Fels zur�ckkamen und die Gackeleia
nicht mehr sahen, riefen sie nach allen Seiten nach dem Kinde, aber
nirgends h�rten und sahen sie etwas von ihr. Da ward ihr Kummer um
allen ihren Verlust in eine gro�e Sorge um ihr Kind verwandelt, sie
liefen hin und her und schrieen durch den Wald: "Gackeleia, Gackeleia!"
und wenn das Echo wieder rief. Eia, Eia! glaubten sie, das Kind
antworte, und so verirrten sie sich immer tiefer in der Wildni�, bis
sie endlich beide, ach aber ohne Gackeleia, sich bei ihrem
Stammschlosse wieder fanden. Die V�gel wachten alle auf und flogen
wie alte Bekannte um sie her und gr��ten sie, aber Gockel und Hinkel
riefen immer in alle B�sche hinein:

"Gackeleia, komm doch nur,
S'ist ja eine Kunstfigur,
Komm' es soll dir nichts geschehn,
Wenn wir dich nur wieder sehn."

Aber keine Antwort von keiner Seite. Da sa�en die zwei armen Eltern
auf der Schwelle des alten H�hnerstalles nieder und weinten die ganze
Nacht bitterlich, und alle V�gelein weinten mit. Am Morgen aber
schnitt sich Gockel einen t�chtigen Knotenstock und gab auch der Frau
Hinkel einen und sagte: "Liebe Frau! wir sind arme Leute geworden;
aber es geb�hrt einem Raugrafen Gockel von Hanau und einer Raugr�fin
Hinkel von Hennegau nicht, im Ungl�cke zu verzweifeln; la� uns auf
Gott vertrauen und unser Fr�ulein Tochter Gackeleia durch die weite
Welt suchen, und sollten wir unterwegs Hungers sterben. Geh' du
links, und ich geh' rechts. Alle Monate kommen wir hier wieder
zusammen und sagen uns einander, was wir entdeckt haben, dabei k�nnen
wir zugleich dem Dieb unsers Ringes nachforschen." Frau Hinkel war
das zufrieden, sie umarmten sich beide unter bitteren Thr�nen und
wanderten dann auf getrennten Wegen, Herr Gockel rechts, Frau Hinkel
links. Und wenn sie in die D�rfer oder St�dte kamen, sangen sie vor
allen Th�ren:

"Habt ihr nicht ein Kind gesehn?
Ein klein M�gdlein wundersch�n,
Blaue Augen, rothe Backen,
Z�hnchen wei� zum N�sseknacken,
Einen rothen Kirschenmund,
Frisch und froh und dick und rund,
Gl�nzend wie ein Mandelkern,
H�pft und spielt und singt so gern.
Es hat einen blonden Zopf,
Einen Strohhut auf dem Kopf,
Tr�gt auch eine alte Juppe
Und l�uft hinter einer Puppe
Her und schreit, es sey ja nur
Eine sch�ne Kunstfigur.
Barfu� l�uft es ohne Schuh,
Fragt man es, wie hei�est du?
Sagt es gleich ganz freundlich: "Eja
Ich bin Gockels Gackeleia."
Ach das Kind hab' ich verloren
Und hab' einen Eid geschworen,
Nicht zu ruhn, bis ich das Kind
Gackeleia wieder find'!"

Aber immer sagten die Leute:

"Wir haben so kein Kind gesehn,
Ihr armer Mensch m��t weiter gehn;
Da habet ihr ein St�cklein Brod,
Gott helfe euch in eurer Noth!"

Da nahmen sie dann das Brod, die armen Eltern, und assen es mit
Thr�nen und setzten ihren Stab traurig weiter.

So waren sie schon dreimal wieder in dem alten Schlo�e ohne Gackeleia
zusammen gekommen, hatten mit gro�em Jammer im alten H�hnerstall
geschlafen, und sich ihre vergeblichen Nachforschungen einander
mitgetheilt. "Ach Gott", sagte Frau Hinkel, "das arme Kind ist gewi�
umgekommen, h�ttest du es doch nicht so hart wegen der Puppe
behandelt." Da erwiederte Gockel: "Und h�ttest du besser auf sie
Acht gegeben, so h�tten wir den Ring und das Kind nicht verloren;
nichts ist leichter zu sagen, als--h�ttest du. Lasse uns lieber auf
dem Grabe des Alektryo in der Kapelle recht herzlich beten, da� wir
das Kind morgen zum viertenmale nicht vergebens suchen m�gen."
Hierauf giengen sie nach der Kapelle und beteten recht eifrig, legten
sich dann auf ihr Mooslager und schliefen einen gar s��en Schlaf und
tr�umten von Gackeleia.

Gegen Morgen h�rte Gockel noch halb im Schlafe etwas um sich her
rasseln, es war noch sehr dunkel in dem Stalle; aber er sah etwas an
der Erde hinlaufen und verschwinden, er stie� Frau Hinkel und sagte:
"Mir war gerade, als wenn die fatale Puppe der Gackeleia vor�ber
gelaufen w�re." Da sprach eine Stimme:

"Keine Puppe, es ist nur
Eine sch�ne Kunstfigur."

Gockel meinte, Frau Hinkel habe das gesagt, und verwies ihr, da� auch
sie so eigensinnig wie Gackeleia spreche. Frau Hinkel hatte
schlaftrunken die Worte geh�rt und behauptete, er habe es selbst
gesagt. Sie wollten eben zu zanken anfangen, als sie leise an der
Th�re pochen h�rten. Sie fuhren ordentlich vor Schrecken zusammen,
wer das wohl seyn k�nne, der in dem w�sten zerst�rten Schlosse so
leise anpoche. Da es aber zum drittenmale pochte, fragte Gockel laut:
"Wer ist draus?" und es antwortete eine m�nnliche Stimme: "ich bitte
allerunterth�nigst um Verzeihung, Herr Graf, da� ich so fr�h st�re,
aber die Eseltreiber lassen mir keine Ruhe; sie sagen, da� ich ihnen
drei Zentner K�se aus der gr�flichen K�sefabrik auf ihre Thiere
packen soll, nun wollte ich doch den Befehl des Herrn Grafen selbst
abholen."

Gockel wu�te auf diese Rede gar nicht, wo ihm der Kopf stand; "drei
Zentner K�se", sagte er, "aus der gr�flichen K�sefabrik, hast du
geh�rt Hinkel?" "Ja", sagte Frau Hinkel, "was kann das seyn? ich
wei� nicht, ob ich tr�ume oder wache." Da der Mann aber immer von
neuem pochte und um die Erlaubni� bat, die K�se abzuliefern, schrie
Gockel heftig: "bist du, der da pochet, toll oder ein Sp�tter, der
einen armen Greis zum Narren haben will? so nehme dich in Acht, oder
ich komme mit dem Knotenstock �ber dich. Wo habe ich denn K�se oder
eine K�sefabrik? Gehe von dannen und g�nne den Armen ihr einziges
Gut: die Ruhe und den Schlaf." Da antwortete die Stimme wieder:
"Gn�digster Graf, vergebet mir, da� ich euch erweckte, ich sehe wohl,
da� ihr den Leuten die K�se nicht abliefern lassen wollet, ich werde
sie abweisen!"

Nun h�rte Gockel drau�en auf dem Hofe sprechen und hin und wieder
gehen, und seine Verwunderung, was das zu bedeuten habe, wuchs immer
mehr. "Ach", sagte er zu seiner Frau, "ich f�rchte fast, es ist
irgend eine Nachstellung von unsern Feinden aus Gelnhausen, die uns
ermorden wollen." "Das w�re entsetzlich", erwiederte Frau Hinkel und
dr�ckte sich in der Angst dicht an ihn. Da pochte es wieder an der
Th�re, und Gockel rief zwar erschrocken, aber doch ziemlich laut:
"Wer da?" Da antwortete eine andere Stimme: "Eurer Hochgr�flichen
Gnaden unterth�nigster K�chenmeister fragt an, ob er einen Zentner
Schinken aus der gr�flichen Rauchkammer abliefern darf, welche auf
den drei Eseln, die vom K�nig Sissi angekommen sind, abgeholt werden
sollen?" Gockel, dem bei diesen Reden zu Muthe ward, wie einem Hahn
ohne Kopf, rief aus: "Warte, ich will dir Schinken geben, du
nichtsw�rdiger Sp�tter!" indem er aufsprang und nach seinem Stocke
suchte. Als er aber ganz klar und deutlich drei Esel vor der Th�re
schreien h�rte, rief er und Frau Hinkel zugleich: "Herr Jemine, die
Esel sind wirklich da." Es war noch dunkel in dem Stalle, der kein
Fenster hatte, und dessen verschlossene Th�re nur durch einen Spalt
einen Schimmer des Tages hereinfallen lie�. Gockel tappte an der
Wand nach seinem Knotenstock herum, und pl�tzlich wurde er von ein
paar zarten Armen herzlich umschlossen, so da� er laut aufschrie: "um
Gotteswillen, wer ist das?" Aber die Unbekannte h�rte nicht auf, ihn
mit den z�rtlichsten K�ssen zu bedecken, und als Frau Hinkel auch
dazu kam, gieng es derselben nicht besser; und da sie sich in diese
Liebkosungen gar nicht finden konnten, sagte endlich das unbekannte
Wesen mit einer wohlbekannten Stimme zu ihnen: "Ach! kennt ihr denn
euer T�chterlein Gackeleia gar nicht mehr?"-"Du, Gackeleia?" riefen
Beide aus, "nein das ist nicht m�glich, du bist ja eine erwachsene
Jungfrau."--"Ach, gro� oder klein", antwortete es, "ich bin doch eure
Gackeleia", und da ri� sie die Th�re auf, und es fiel zu gleicher
Zeit so viel Fremdes und Wunderbares in die Augen des alten Gockels
und der Frau Hinkel, da� sie sich einander in die Arme sanken und
weinen mu�ten.

Erstens sahen sie wirklich die ganze Gackeleia vor sich, aber nicht
mehr als ein kleines M�dchen, sondern als eine bl�hende, wundersch�ne,
allerliebst geputzte Jungfrau; und zweitens sahen sie sich selbst
beide nicht mehr alt und in Lumpen, sondern als zwei sch�ne
wohlbekleidete Leute in den besten Jahren; und drittens sahen sie
durch die Th�re nicht mehr in einen verfallenen, mit Schutt und
wildem Unkraut bewachsenen Burghof hinaus, sondern in einen sch�n
gepflasterten, reinlichen Hof von sch�nen Schlo�geb�uden, St�llen,
G�rten und Terrassen umgeben; in der Mitte des Hofes aber, an einem
pl�tschernden Springbrunnen, sahen sie drei verdrie�liche alte Esel
mit langen Ohren angebunden, welche die K�pfe zusammendr�ckten, als
ob sie sich sch�mten. Auch sahen sie allerlei Bediente in sch�nen
Livreen gesch�ftig auf und niedergehen, die immer, so oft sie am
H�hnerstall vor�ber kamen, tiefe Verbeugungen machten und sch�nen
guten Morgen w�nschten.

"Ach, was ist das, es ist nicht m�glich, woher alle diese Wunder?"
rief Gockel aus; da reichte Gackeleia ihm ihre sch�ne Hand und sah
ihm freundlich l�chelnd in die Augen, und Gockel schrie mit lautem
Jubel aus: "ach der Ring, der k�stliche Ring Salomonis ist wieder da,
den du durch die Puppe verloren!" Da sagte aber Gackeleia gleich
wieder:

"Keine Puppe, es ist nur Eine sch�ne Kunstfigur",

und Gockel sagte: "meinetwegen, ich will dir die Ruthe nicht mehr
geben, du bist auch zu gro� dazu, und Alles ist ja wieder gut."
"Aber wie hast du nur Alles angefangen?" sagte Frau Hinkel, welche
immer um die sch�ne, pr�chtige Jungfrau herumgegangen war, sie zu
betrachten und zu k��en und zu dr�cken, "um Gotteswillen,
Herz-Wunder-Gackeleia, erz�hle!" "Ja, erz�hle", rief Gockel und
dr�ckte sie herzlich an seine Brust. Gackeleia aber erwiederte:
"lobet mich nicht zu sehr, geliebter Vater, denn all unser neues
Gl�ck haben wir allein Euch selbst zu verdanken." "Mir?" fragte
Gockel, "das m��te seltsam zugehen; ach ich habe ja nichts thun
k�nnen, als vor den H�usern nach dir suchend herumbetteln." Da sagte
Gackeleia: "schon gut, Ihr sollt Alles h�ren; folgt mir nur an einen
andern Ort, wir wollen das wieder hergestellte Stammschlo� unsrer
lieben Vorfahren einmal ein wenig durchmustern, wir werden gewi� ein
Pl�tzchen finden, wo es uns besser gef�llt, als in dem alten
H�hnerstall, in dem wir ohnedie� dem Federvieh Platz machen wollen,
das gleich wieder hinein mu�." Da drehte Gackeleia den Ring und
sprach:

"Salomon, du weiser K�nig,
Dem die Geister unterth�nig,
F�lle gleich den H�hnerstall,
Lass' die bunten H�hner all'
Gackeln, scharren, glucken, br�ten,
Und vom hohen Hahn beh�ten;
Alle soll er �bersehen,
Stolz mit Spornen einhergehen,
Kamm und Sichelschweif hoch tragen,
Streitbar mit den Fl�geln schlagen;
Kr�hen wie ein Hoftrompeter,
Da� bei seinem Anblick jeder
Ganz mit Wahrheit sagen kann:
"Das ist recht ein Rittersmann."
Bringe uns auch sch�ne Pfauen,
Die bei ihren grauen Frauen
Gold'ne Augenr�der schlagen,
Abends nach der Sonne klagen.
Gieb uns dann auch w�lsche Hahnen,
Zornig schwarze Indianen,
Solch' hoff�rtige Gesellen,
Denen roth die H�lse schwellen,
Die sich kollernd neidisch bl�hen,
Wenn sie rothe Farben sehen,
Aufgespreitzt mit Hofmanieren
Um die Hennen her turniren.
Schenk' uns Enten bunt und pr�chtig,
Wei�e G�nse, die bed�chtig
Nach dem Wolkenhimmel sehn
Und auf einem Beine stehn,
Oder auf der Wiese gackeln,
Bis sie in das Wasser wackeln.
Lasse auch schneewei�e Schw�ne,
Rein, wie blanke Silberk�hne,
Ernst und klar mit edlem Schweigen
Schwimmen in den Spiegelteichen.
Auf dem Dache lass' sich drehen
Tauben, schimmernd anzusehen,
Um den Hals mit gold'nen Strahlen,
Sch�ner, als man sie kann malen.
Alles sey recht auserlesen,
Wie's im Paradies gewesen.
Ringlein, Ringlein dreh' dich um,
Mach's recht sch�n ich bitt' dich drum."

Kaum hatte Gackeleia dieses gesagt, als aus dem H�hnerstalle, den sie
verlassen hatten, ihnen eine Schaar der buntesten H�hner, Pfauen,
Puter, Enten, G�nse und Schw�ne nachstr�mte, und auf dem Dache Alles
von Tauben wimmelte. Gockel und Hinkel hatten die gr��te Freude an
dem herrlichen Federgeviehzel und folgten, nachdem sie Alles einzeln
bewundert hatten, der Gackeleia in das Schlo�. Freudig und neugierig
betrachteten sie eine Reihe von Gem�chern und S�len, welche alle mit
dem pr�chtigsten alten Hausrath versehen waren, und traten endlich
oben auf einer Terrasse heraus, von welcher sie herab in den
H�hnerhof. links auf das Schlo� und vor sich hin G�rten und Wald in
die Ferne bis nach Gelnhausen und Hanau sahen.

"Hier ist es gar sch�n", sagte Gackeleia, "seht wie die sch�nen
Tauben neben uns schweben, und der Pfau sieht auf der Spitze des
Thurmes der Sonne entgegen; hier will ich Euch Alles erz�hlen, wie
ich den Ring wieder erhalten habe, aber wir wollen auch etwas
fr�hst�cken." Kaum hatte sie dieses gesagt, als ein alter Diener
einen gro�en Pr�sentirteller mit Fr�chten und kaltem Fleischwerk und
feinem Gebackenem und Wein und Milch �ber die Treppe heraufbrachte,
und als er Alles vor sie niedergesetzt hatte, nochmals fragte:
"sollen die drei Esel mit dem K�se und den Schinken bepackt werden!"
"Ja", sagte Gackeleia, "und da� nur Alles recht gut und ausgesucht
sey; ich werde hernach das Weitere selbst befehlen." Gockel und
Hinkel waren sehr begierig nach ihrer Erz�hlung und baten sie zu
beginnen. Da erz�hlte sie Folgendes:

"Lieber Vater, als meine Puppe--nein, meine sch�ne Kunstfigur--so
weit vor mir vorausgelaufen und eure Ruthe--nein, eure h��liche
Kunstfigur--so dicht hinter mir her war, zappelte ich mit H�nden und
F��en, von euerm Knie herunter auf die Beine zu kommen, um meinem
lieben Klandestinchen nachzueilen, welche bergab lief, wie sie noch
nie gelaufen war; da lie�est du mich los und eiltest den Felsen hinab
der Mutter zu H�lfe, ich aber raffte mein K�rbchen auf und rannte
�ber Hals und Kopf der Kunstfigur nach, die einen guten Vorsprung
hatte. Da wir aber in den dichten Wald kamen, hinderten sie �fter
Gras und Gestr�uch im Lauf, und ich war ihr endlich so nah, da� ich
die Hand ausstreckte, sie zu ergreifen, aber in demselben Augenblick
entschl�pfte sie zwischen zwei Felsst�cken in eine kleine H�hle.--Ich
war in der gr��ten Betr�bni�, ich konnte ihr nicht nach; ich kniete
vor der Oeffnung nieder und rief zu ihr hinein: "Klandestinchen,
Klandestinchen! wie handelst du so undankbar gegen mich, ich habe
dich so lieb, so lieb, da� ich lieber die schimpflichste Strafe �ber
mich ergehen lie�, als dich zu verlassen, und jetzt versteckst du
dich vor mir, als wenn ich deine �rgste Feindin w�re."

"Als ich diese Worte gesprochen hatte, fiel mir auch erst ein, wie
sehr weit ich von Euch, liebe Aeltern, fortgelaufen war; ich sah die
Sonne bereits sinken und war au�er allem Weg und Steg. Weinend schrie
ich in den Wald hinein: "Vater Gockel, Mutter Hinkel!" aber Alles war
vergebens, nur das Echo antwortete mir. Dann fiel mir ein, da� jetzt
die Stunde sey, wo der alte Mann gesagt, da� die Puppe etwas m�sse zu
knuppern haben; ich holte etwas Zuckerbrod aus meinem K�rbchen und
legte es auf ein reines Blatt vor die kleine H�hle und f�llte meinen
Fingerhut in einem nahen Quell und stellte ihn aufrecht in den
feuchten Sand gedr�ckt darneben, dann rief ich in das H�hlchen hinein:
"Klandestinchen, wenn's gef�llig ist, es ist servirt."--Ich dachte,
der Alte hat von ihrem guten Appetit gesprochen, sie hat Bewegung
genug gehabt, es sollte ihr wohl schmecken, wenn sie merkt, da�
aufgetragen ist. Ich selbst hatte Hunger, und nahm ein St�ck hartes
Brod aus meinem Bettelsack, tauchte es ins Wasser und a� in einiger
Entfernung, weil ich geh�rt hatte, da� sie sich nicht gern beim Essen
zusehen lasse.--Ach ich war so m�d, so m�d, H�nde und F��e zuckten
mir, ich lag im Gras, der Schlaf krabbelte mir den R�cken herauf und
machte mir die Augendeckelchen zu, denn das Sandm�nnchen kam und
wollte mir Sand hinein streuen, und das w�re nicht gut gewesen, aber
ich raffte mich noch einmahl auf und wusch mich ein bischen am Bach,
weil ich so viel Staub und Schmutz im Gesicht und an H�nden und F��en
hatte, denn ich habe nie vergessen, was die Mutter mich gelehrt, man
soll nie ungewaschen und ungebetet zu Tische gehen, aufstehen und
schlafen gehen.--Ich setzte mich also ins weiche Moos, und war so m�d,
so m�d und wu�te nicht, sollte ich mich rechts, sollte ich mich
links legen, und sagte alle meine Kindergebetchen durch einander her:

"Guten Abend, gute Nacht,
Von Sternen bedacht,
Vom Mond angelacht,
Von Engeln bewacht,
Von Blumen umbaut,
Von Rosen beschaut,
Von Lilien bethaut,
Den Veilchen vertraut;
Schlupf' unter die Deck'
Dich reck' und dich streck',
Schlaf' fromm und schlaf' still,
Wenns Herrgottchen will,
Fr�h Morgen ohn Sorgen
Das Schw�lbchen dich weck'!"

Unter diesen Gebetchen kehrte ich mich nach einer Seite, zuckte noch
einige Male und schlief ein.

Da tr�umte mir, ich sehe Clandestinchen die sch�ne Kunstfigur aus der
H�hle kommen, sie verzehrte das Zuckerbrod, sie trank aus dem
Fingerhut, und kam nachher zu meinem Bettchen und sagte: "Herzkind,
Gackeleia, schlaf nur s�� fort, denn nur im Schlaf kannst du mich
verstehen; sag, s�� Lieb! darf ich wohl ein bischen zu dir kommen? o
nimm dein P�ppchen in den Arm an dein lieb Herzchen, meine F��chen
sind ganz wund vom vielen Laufen, auch ist mir gar nicht wohl, ich
mu� mich verk�ltet haben, ach Kind nimm die Puppe zu dir"--da sagte
ich ganz erschrocken:

Darf nicht, darf nicht, denn ich schwur,
Keine Puppe, sondern nur
Eine sch�ne Kunstfigur,
Nach der Uhr und nach der Schnur
Und ein M�uschen von Natur.

"Ach Gackeleia", sprach sie, "das bin ich alles, und noch mehr, ich
wei� kaum mehr, was ich bin, ich will dir ja Alles erz�hlen, nimm
mich doch, ich bin ja gewi� keine Puppe."--Hierauf schlupfte sie zu
mir und ich hielt sie schlummernd im Arm an meinem Herzen, wobei ich
sagte:

Zu Bett, zu Bett,
Die ein P�ppchen h�tt,
Die keines h�tt',
Mu� auch zu Bett!

Und da ich mein Sch�rzchen uns Beiden gegen den Nachtthau �bers
Gesicht deckte, ward mir ganz weich ums Herz und ich wiegte das
Klandestinchen ein bischen, da� es schlafen sollte, und sprach:

Eia popeia popolen!
Unser Herr Gottchen mag uns nur holen,
Kommt er mit dem goldenen L�dchen,
Legt uns hinunter ins Gr�bchen,
Ueber mich Kr�uterlein,
Ueber dich Bl�melein,
Bis wir beisammen im Himmelreich sein.

Da sagte die Figur: " Das ist alles gar sch�n, und man mag die Puppe
und die Kunstfigur nach der Uhr und nach der Schnur in einem goldenen
L�dchen immer ins Grab legen, nur das M�uschen von Natur, mu� ich
bitten, damit zu verschonen, denn es mu� f�r Gatte und Familie, f�r
Volk und Vaterland noch lange leben; drum Gackeleia bitte ich dich um
Gotteswillen, mache mir das fatale Drathg�rtelchen los, womit mich
der b�se Alte unter die verschraubte Kunstfigur festgeschn�rt hat,
ich habe solches Leibschneiden, ich hab' mich �berlaufen, ich hab'
mich �bergessen, es ist mir zum Sterben, geschwind, geschwind hilf
dem M�uschen von Natur, denn ich bin keine Puppe, keine Kunstfigur,
ich bin die ungl�ckliche M�use-Prinzessin Sissi von Mandelbi�, der
dein Vater einmal das Leben gerettet hat." Da sah ich gleich nach
und fand wirklich das sch�nste wei�e M�uschen von Natur mit einem
Drath zwischen kleine R�der befestigt, die an den F��chen der Puppe
angebracht waren, ich machte die arme Prinzessin los, die mir freudig
dankte und sagte: "Schlaf fort Herz-Gackeleia, gleich komm ich wieder,
ich mu� mich nothwendig ein bischen bewegen und durch das thauichte
Gras laufen, um mich zu waschen und zu erfrischen, gleich komme ich
wieder zu dir"--und husch war sie fort."

So weit hatte Gackeleia erz�hlt, da sah Gockel nach den beiden M�usen,
die sich in ein St�ck Kuchen eingefressen hatten und ruhig darin
schliefen, und sprach: "Es ist doch eine kuriose Theater-Prinzessin,
die Sissi von Mandelbi�; wo die �berall herum k�mmt, die kann auch
mehr als Brod essen! Aber erz�hle weiter, wie ist sie nur mit der
Kunstfigur zusammengekommen?"

Da fuhr Gackeleia fort: "Als Sissi wieder kam, schlupfte sie mir
dicht ans Ohr, versteckte sich warm in meine Haarlocken und erz�hlte
mir alles ganz ausf�hrlich, und ich war so neugierig, da� ich sie nie
unterbrach. Sie sagte: "dein Vater Gockel hat mich und meinen Gemahl
Prinz Pfiffi von Speckelfleck vor der Katze Schurrimurri gerettet und
uns wieder nach Haus bef�rdert; der Mord der Gallina durch dieselbe
Katze und die Hinrichtung der Katze und der edle Tod Alektryos ward
uns durch Musterreiter unsers Volkes erz�hlet, wir wollten Gallina
und Alektryo ein Mausoleum auf dem Mauskirchhof setzen lassen, und da
ich mit Prinz Speckelfleck wegen unserer Rettung eine Wahlfahrt nach
dem Mausthurm bei Bingen gelobt hatte, gedachten wir damit eine
Kunstreise zu verbinden und uns mit den sch�nsten Mausoleen in
Kirchen und auf Kirchh�fen bekannt zu machen. Prinz Speckelfleck
meinte, wir m��ten incognito wie gemeine M�use nur in geringen
H�usern einkehren;--ich folgte, aber nie thue ichs wieder, denn was
man da erwischen kann, ist nichts werth, und am Ende wird man noch
selbst erwischt.--So waren wir in Friedberg neben drei alten
schmutzigen M�nnern mit langen B�rten im Stroh eingekehrt. Pfiffi
schlupfte zur Th�re hinaus, mir etwas zu essen zu suchen, und ich war
so unbesonnen dem Geruch von gebranntem Speck in meiner N�he nach zu
gehen, ach schon nagte ich ein bischen--klapp that es einen Schlag,
die Falle schlo� sich zu, und ich war gefangen. Meine Verzweiflung
kannst du dir denken.--Der Schlag der Falle hatte die drei Alten auf
dem Stroh erweckt; sie liefen mit der Falle ans Fenster, der Tag
brach schon an. "Da haben wir, was wir brauchen", sagte der eine,
"eine sch�ne, gro�e wei�e Maus hat sich gefangen; die befestige ich
mit einem Drathg�rtel unter der Kunstfigur, die wir in N�rnberg
gekauft haben; das R�derwerk ist zu schwach, die Puppe kann nicht
lang laufen, da kann die Maus als Vorspann dienen, damit sie von der
Stelle k�mmt. Geschwind z�nde ein Licht an, sagte er zu dem Andern,
ich will mich gleich an die Arbeit machen." Da schlug der Andere
Licht, und der Alte hatte mich bald mit einem Drath an die kleine
Puppe befestigt, die er aus seinem Schnappsack holte; dann zog er das
Uhrwerk in der Puppe auf und setzte sie an den Boden, und ich lief
von dem Saum des seidenen Puppenkleides bedeckt an der Erde in gro�er
Angst umher; da ich aber aus Begierde zu entfliehen, in allen Ecken
anstie�, ergriff er mich mit der Puppe und sagte mit einem
widerlichen Zorn zu mir: "ich mu� andre Saiten mit dir aufspannen,
h�re Madame wei�e Maus, wenn du mir so toll herum rennst, lasse ich
dich hungern, da� du schwarz wirst, oder ich gebe dich der Katze, die
soll dich besser tanzen lehren."--Vor dieser Drohung hatte ich einen
solchen Respekt, da� ich mir vornahm, Alles zu thun, was der Alte nur
wollte. Er sprach aber noch allerlei wunderliche Worte Abracadabra
�ber ein St�ckchen harten Kuchen, das er mich zu essen zwang, es mu�
das ein Zauberwerk gewesen seyn; denn nun mu�te ich Alles thun, was
er nur wollte, bald laufen, bald h�pfen, bald so, bald so, wie er
verlangte, und auf alle Namen, die er mir gab, h�rte ich, wie ein gut
abgerichtetes H�ndchen.--"Nun", sagte er zu den Andern, "reisen wir
nach Gelnhausen, ich zeige die Puppe der kleinen Gackeleia und
schw�tze ihr leicht den Ring Gockels daf�r ab; ich habe schon einen
�hnlichen nachmachen lassen, und haben wir den Ring, so haben wir f�r
nichts mehr zu sorgen."--Nach diesen Worten steckte er mich mit der
Puppe in seinen G�rtel, und sie zogen nach Gelnhausen. O ich war
froh, zu dir, Gackeleia, zu kommen, ich machte die artigsten Spr�nge
vor dir, ich dachte, wenn du schlafen w�rdest, dir Alles zu sagen,
und durch die Gro�muth deines Vaters nochmals gerettet zu werden;
--das Uebrige wei�t du, liebste Herzgackeleia!--Jetzt aber werde ich
dich bald aufwecken, wir sind nicht weit von der Residenz meines
Herrn Vaters, Alles ist gewi� noch in gro�er Trauer um meinen Verlust,
du sollst die Freude sehen, wenn ich wieder komme. Ich mu� dir nur
noch sagen, da� unsre Stadt nicht ist wie eure St�dte, Alles ist
l�ndlich, sittlich; du k�nntest nicht bequem bei uns wohnen, es ist
alles zu eng.--Sieh unsre Stadt ist gegr�ndet worden auf einem
ehemaligen Schlachtfeld; der Proviantwagen der Marketenderin und
allerlei andere Bagage wurden zerschlagen und gepl�ndert, und das
zwar in einer einsamen unwegsamen Gegend. Meine Vor�ltern waren als
freiwillige M�use mit den Proviantwagen gezogen, und da nun alles
zerst�rt und die Soldaten fort waren, lie�en sie sich dort nieder,
sammelten noch andere edle M�use, richteten Alles in eine vollkommene
Stadt ein, und es wird jetzt von dort aus ein gro�es M�usereich
regiert. Du wirst dein blaues Wunder an den herrlichen,
geschmackvollen Anlagen sehen. Sobald wir dort sind, lasse ich dir
ein Blumenbettchen auf unserm Maifeld machen, da legst du dich gleich
nieder und schl�fst und kannst dann Alles verstehen, was ich sagen
und thun werde, um deinem Vater Gockel den Ring Salomonis wieder zu
verschaffen.--Jetzt erschrick nicht, ich bei�e dich ein bischen ins
Ohr, damit du aufwachst; dann nehme ich einen leuchtenden
Johanniswurm in den Mund und laufe vor dir her nach meiner Heimath,
da folgst du mir, wie einer Fackeltr�gerin. Gl�ck auf Gackeleia!"
Nun bi� die Prinzessin Mandelbi� mich ins Ohrl�ppchen, und ich
erwachte.

Schnell packte ich die Kunstfigur und alles Andre wieder in mein
K�rbchen und r�stete mich zum Abmarsch. Die M�useprinzessin machte
die lustigsten Freudenspr�nge mit dem leuchtenden Johannisw�rmchen
vor mir her durch das Gras, was gut war; denn da der Mond noch nicht
aufgegangen, so war es im dichten Wald noch sehr dunkel und ich wu�te
weder Weg, noch Steg. Ich folgte dem Lichte; aber sie eilte so sehr,
da� ich sie oft aus dem Gesichte verlor. Wenn ich dann �ngstlich
rief: "Mandelbi�chen, la� mich nicht im Stiche!" pfiff sie laut und
sprang mit dem Lichtchen vor mir hoch aus dem Gras auf, wodurch ich
mich wieder zurecht fand.

Als wir ungef�hr eine halbe Stunde gegangen waren, h�rte ich ein
gro�es Gepfeife und sah um einen H�gel herum die Residenz des
M�usek�nigs im Sternenschein liegen, die ich euch gleich beschreiben
will. Kaum hatte die Prinzessin sich am Thore der Stadt gezeigt, als
es weit aufflog, und ein freudiges Gepfeife durch die ganze Stadt und
das oben liegende Schlo� sich verbreitete, aus welchem viele wei�e
M�use ihr entgegenst�rzten und sie mit gro�em Jubel empfingen. Sie
wollte aber nicht in das Schlo� hinein, sondern drehte sich
abwechselnd gegen mich und die Ihrigen, welchen sie von mir zu
erz�hlen schien, so, da� alle die M�use bald ihre K�pfchen gegen mich
aufhoben und allerlei pfiffen, was ich nicht verstand. Da sagte ich
zu ihnen: "ihr lieben M�use, gleich will ich mich schlafen legen,
damit ich eure Gespr�che verstehen kann," und kaum hatte ich das
gesagt, als sie auch zu Tausenden anstr�mten und das zarteste Moos an
einem reinen Pl�tzchen zwischen Blumen zusammen trugen. Ich sah wohl,
das die� ein Bettchen f�r mich werden sollte, und betrachtete
unterdessen die sch�ne M�use-Stadt. Oben auf dem H�gel lag das
k�nigliche Schlo�, von grossen holl�ndischen K�sen erbaut, die alle
auf das reinlichste ausgenagt waren. Alle Th�ren und Fenster waren
zwar etwas nach altem Geschmack, und nicht ganz gleichf�rmig
vertheilt; doch hatte die Burg ein sehr ehrw�rdiges Ansehen; sie war
pyramidalisch im perspektivischen Stile erbaut, und ich kann noch
nicht begreifen, wie es M�use-m�glich war, ein so k�hnes Werk zu
Stande zu bringen.

Rings um das Schlo� her und selbst auf seinen D�chern waren die
sch�nsten G�rten von Schimmel angelegt, den ich nie h�her und
feuchter gesehen habe. Th�rme von ausgeh�hlten Commisbroden, mit
Kuppeln von Flaschen-K�rbissen schm�ckten das mit Bretzeln und
dergleichen verzierte Schlo�. Die neuern H�user der Unterthanen
bestanden aus hohlen K�rbissen und Melonen, die sie fr�her selbst mit
M�he herangew�ltzt, in der neuern Zeit aber, bei zunehmender Bildung
und Industrie, an den Stellen gepflanzt und, wenn sie gro� waren,
ausgeh�hlt hatten. Aeltere adelige und Patrizier-Geschlechter
bewohnten alte Reiterstiefel, Patrontaschen, Tornister,
Pistolenhulfter, Mantels�cke, Filzh�te und Lederhelme und was auf dem
Schlachtfelde liegen geblieben war; jedoch schienen diese Geb�ude der
Reparatur zu bed�rfen. Einen alten Reutersattel sah ich als Thor
oder Triumphbogen zwei Stadttheile verbinden. Alle Geb�ude der etwas
sehr unregelm��igen Stadt wurden durch gr��ere und kleinere Anlagen
von Schimmel, Pilzen und vielerlei andern Pflanzen umher versch�nert.
Auch bemerkte ich viele H�hlen in die Erde hinein, die theils Keller
und Vorrathskammern waren, theils von einem eigenen Stamm der
Feldm�use bewohnt wurden.

Das Sch�nste aber von allem war Folgendes: herrlich und kunstreich
schaute von einer H�he eine gro�e gothische Kirche auf die ganze
Stadt wie ein Hirt auf seine Heerde herab; ihr Schiff bestand aus
einem gro�en alten Koffer, wor�ber ein zerrissener Flaschenkorb stand,
die beiden Th�rme waren aber zwei wei�gebleichte Pferdesch�del,
welche das Gebi� noch im Maule hatten. Leider war, wie bei den
meisten solchen Werken der Stil nicht ganz gleichartig, denn das eine
Gebi� war eine Trense das andre eine Stange. Die Thurmspitzen selbst
waren mit tausend kleinen Knochensplittern verziert und verspitzt; um
die Kirche her breitete sich der Kirchhof aus, Grab an Grab sch�n
geordnet, und mitten darauf ein Beinhaus von lauter M�usegerippen und
Beinchen, wei� wie Elfenbein, in sch�nster Ordnung zusammengelegt.
Etwas tiefer als die Kirche lag ein Bauwerk, das zu den sieben
Wundern der Welt gez�hlt wird, es bestand aus einem Trinkhumpen, der
gekr�nt von einem Reuterhelm in einer Trommel stand. Man nannte es
das Mausoleum, denn hier ist der erste K�nig dieses Volkes Namens
Mausolus I. begraben, und seine Gattin Artemisia I. hat es ihm
errichtet. Alles das konnte ich nicht genug bewundern, und der Mond
schien so hell in die kleine wimmelnde Welt, da� es eine Lust war
hinein zu schauen.

W�hrend dem hatten die M�uschen mein Bettchen und neben mir eines f�r
die Kunstfigur von dem weichsten Moose zwischen Blumen fertig gemacht.
Die meisten giengen ihrer Wege, einige konnten aber gar nicht
fertig werden, mir gute Nacht zu sagen, und ich war doch von den
vielen Anstrengungen so m�de, da� ich schier vergessen h�tte, wie ich
hier bei weltfremden Leuten war; ja, lieber Vater! ich war so in der
Empfindung des Schlafes, da� ich glaubte, ich sey bei Mutter Hinkel
in Gelnhausen, und ich rieb mir die Augen und hatte schon angefangen,
mit weinerlicher Stimme zu sagen: "Mutter, Mutter, Gackeleia ins
Bettchen legen, Gackeleia ist m�d, m�d!"--Da ich aber die Worte der
Mutter nicht h�rte:

"ja, schlafen gehen, das Kind ist m�de, das Sandm�nnchen k�mmt
angeschlichen", besann ich mich und schaute um mich, und sprach mit
majest�tischer Stimme: "Ich habe die Ehre, Ihnen s�mmtlich eine
geruhsame Nacht zu w�nschen, lassen Sie sich etwas recht Sch�nes
tr�umen. Sie w�rden mich unendlich verbinden, wenn Sie sich
zur�ckziehen wollten, damit ich mich schlafen legen kann." Da aber
die dummen M�use immer noch verwundert da standen, jagte ich sie
endlich mit meiner Sch�rze nach Haus. Es ist mir nichts Peinlicher,
als das lange unentschiedene Zaudern, und doch war ich nun, da ich
mich zum Schlafen niederlegte, l�ngere Zeit beunruhiget, da� ich die
armen Schelmen so hart angefahren hatte und bat sie in meinem Innern
herzlich um Verzeihung. Kaum war ich entschlafen, so versammelte
sich die k�nigliche M�usefamilie mit ihrem Ministerium um mich her,
und ich h�rte alle die sch�nen Reden, die sie hielten, an denen
nichts auszusetzen war, als da� die kurzen zu langweilig und die
langen zu kurzweilig waren. Die Hauptsache war, wie sie der
Raugr�flich Gockelschen Familie nun schon zweimalige Rettung
verdankten. Prinz Pfiffi sagte, als seine Gemahlin in die
Gefangenschaft unter die Kunstfigur gekommen, sey er den drei
Petschierstechern gefolgt, habe gesehen, wie sie sich den Ring
verschafft und sich zu vornehmen, sch�nen, jungen Leuten gemacht, den
Graf Gockel und seine Familie aber in arme Bettler verw�nscht h�tten.
Kurz er wu�te Alles, und wollte morgen allein ausziehen, mir den
Ring wieder zu verschaffen, was ihm wegen der Uneinigkeit der
Besitzer sehr leicht schien. "Nein, nein" rief da die Prinze� Sissi,
"ich will dabei seyn, du bist viel zu ungest�m, wir wollen es
zusammen versuchen, und Gackeleia soll auch mitgehn." Da sprach ich:
ja, ja, das wollen wir, und ich verspreche euren k�niglichen Eltern,
wenn ich den Ring wieder erhalte, einen Zentner der sch�nsten
holl�ndischen K�se und einen Sack der besten Knackmandeln, um ihre
Residenz neu erbauen zu k�nnen, und dazu noch einen Zentner der
be�ten Schinken zur allgemeinen Belustigung der Nation, und sonst
Alles, was dem edeln Volk der M�use lieb und angenehm seyn kann.
"--"Ach", rief der alte K�nig aus, "meine liebe Gemahlin sagt mir so
eben, da� sie vor ihr Leben gerne einmal K�nigsberger Marzipan und
Thornischen Pfefferkuchen und Jauersche Bratw�rste und Spandauer
Zimmtbretzeln und N�rnberger Honigkuchen und Frankfurter Brenten und
Sachsenhauser Kugelhupfen und Mainzer Vitzen und Gelnhauser
Bubenschenkel und Koblenzer Todtenbeinchen und Liestaller Leckerli
und Botzner Zelten und dergleichen patriotische Kuchen essen m�ge."

"Alles das sollt ihr im Ueberflu�e erhalten", sagte ich, "sobald ich
den Ring besitze."--"Wohlan", sprach der K�nig, "so m�gt ihr morgen
mit Tagesanbruch auf das Abentheuer ausziehen. Jetzt aber soll
gleich, sobald unsre Rathsitzung geschlossen ist, in die Kirche
gezogen werden, um den Segen des Himmels zu erflehen; die fliegende
Gensdarmerie soll gleich die n�thigen Anstalten treffen."--Nach
diesen Worten des K�nigs Mausolus VIII. sah ich viele Flederm�use
gesch�ftig durch die Stadt hin- und wiederfliegen.

Jetzt trat noch ein fataler Schmeichelredner auf, um den Muth
herauszustreichen, mit welchem ich die Ruthe f�r Prinzessin Sissi
ertragen h�tte. Ein alter Pair aber unterbrach ihn mit den Worten:
"Ehre, dem Ehre, Ruthe, dem Ruthe geb�hrt! Sie litt nicht weil sie
eine M�usefreundin, sondern eine Spielratze und einst eine
Katzenfreundin war; wer wei�, ob sie nicht noch jetzt deren Spionin
ist"--dieser Verdacht schnitt mir durchs Herz, so da� ich im Schlafe
wie eine Katze zu miauen begann, worauf dem Redner das Wort in der
Kehle stecken blieb, und das ganze Parlament �ber Hals und Kopf
auseinanderlief und sich in alle m�gliche Wohnungen und L�cher
verkroch.

Die Prinzessin von Mandelbi� hatte nach ihrem Zartgef�hl mich wohl
verstanden, sie blieb bei mir und sagte: "liebe Gackeleia, du hast
die Sitzung etwas schnell aufgehoben, aber ich h�tte es an deiner
Stelle auch gethan; jetzt will ich gleich verk�nden lassen, woher das
Katzengeschrei kam, dann f�llt Alles auf den undelikaten Redner.
Vorher mu� ich dich bitten, mir die Kunstfigur als K�nigin gekleidet
aufzubinden, denn ich will mit derselben die Prozession begleiten,
das wird eine so gro�e Wirkung thun, als das Trojanische Pferd;--ich
bringe sie dir nachher wieder, wenn wir nach der Feierlichkeit auf
die Eroberung des Ringes ausziehen." Schnell kleidete ich die Figur
nach ihrem Verlangen, heftete sie ihr wieder auf den R�cken und zog
die Uhr in ihr auf. Da lief sie so schnell durch die Gassen hin, da�
die M�usekinder, welche sich schon vor der Th�re des Schulmeisters
zur Prozession versammelt hatten, nicht wenig �ber sie erschracken.

Ich war froh, endlich ein wenig Ruhe zu haben, und kauerte mich recht
auf meinem Lager zusammen; aber es dauerte nicht lange, da gieng
wieder was Neues los. Die Kirchenm�use liefen auf die Th�rme der
Kirche und riefen das Volk zum Gebet; sie hatten keine Glocken, und
ich glaube darum, da� sie eine Art t�rkischer Religion haben. Die
Flederm�use, eine Art fliegender Nachtw�chter-Gensdarmerie, schwebten
�ber der Stadt hin und wieder und verk�ndeten, das geh�rte
Katzengeschrei sey nur im Traume geschehen, die Prozession finde
Statt, Prinze� Mandelbi� trage die sch�ne Kunstfigur als K�nigin
dabei durch die Strassen u.s.w. Nun h�rte ich ein fernes Singen
immer n�her und n�her kommen; endlich verweilte der Gesang in der
N�he meines Lagers, und ich h�rte, da� Prinz Speckelfleck ausrief:
"hier wird das ganze Lied sanft wiederholt, um der Comtesse Gackeleia
den Schlaf zu vers��en."--Ich h�rte nun das folgende Lied, welches
von Zeit zu Zeit von dem Chor der vor�berziehenden M�useprozession
unterbrochen ward.

Kein Thierlein ist auf Erden
Dir lieber Gott zu klein,
Du lie�t sie alle werden,
Und alle sind sie dein.
####Zu dir, zu dir
####Ruft Mensch und Thier;
####Der Vogel dir singt,
####Das Fischlein dir springt,
####Die Biene dir brummt,
####Der K�fer dir summt,
####Auch pfeifet dir das M�uslein klein:
####Herr, Gott, du sollst gelobet seyn.
Das V�glein in den L�ften
Singt dir aus voller Brust,
Die Schlange in den Kl�ften
Zischt dir in Lebenslust.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Die Fischlein, die da schwimmen,
Sind, Herr, vor dir nicht stumm,
Du h�rest ihre Stimmen,
Vor dir k�mmt Keines um.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Vor dir tanzt in der Sonne
Der kleinen M�cken Schwarm,
Zum Dank f�r Lebenswonne
Ist Keins zu klein und arm.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Sonn, Mond geh'n auf und unter
In deinem Gnadenreich,
Und alle deine Wunder
Sind sich an Gr��e gleich.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Zu dir mu� Jedes ringen,
Wenn es in N�then schwebt,
Nur du kannst H�lfe bringen,
Durch den das Ganze lebt.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
In starker Hand die Erde
Tr�gst du mit Mann und Maus,
Es ruft dein Odem: "werde",
Und bl�st das Lichtlein aus.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Kein Sperling f�llt vom Dache
Ohn' dich, vom Haupt kein Haar,
O theurer Vater wache
Bei uns in der Gefahr!
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Beh�t' uns vor der Falle
Und vor dem s��en Gift
Und vor der Katzenkralle,
Die gar unfehlbar trifft.
####Zu dir, zu dir u.s.w.
Da� unsre Fahrt gelinge,
Sch�tz' uns vor aller Noth,
Und hilf uns zu dem Ringe
Und zu dem Zuckerbrod.
####Zu dir, zu dir u.s.w.

Nach diesem frommen Gesang hielten sie eine kleine Pause, dann
stimmten sie in einem rascheren Takt folgende drei Verse an:

Vivat! beim h�chsten Schwure
Nicht Puppe, sondern nur
Nach Uhr und nach der Schnure
Die sch�ne Kunstfigur!
####Von ihrer Zier
####Spricht Mensch und Thier
####Das V�gelein singt,
####Das Fischelein springt,
####Das Bienelein summt,
####Das K�ferlein brummt,
####Auch pfeifen alle M�uselein:
####Die Kunstfigur ist sch�n allein.
Vivat! du feine gute
Prinzessin Mandelbi�,
Die sich mit Heldenmuthe
Aus schlimmem Handel ri�.
####Von ihr, von ihr
####Spricht Mensch und Thier
####Das V�gelein singt,
####Das Fischelein springt,
####Das Bienelein brummt,
####Das K�ferlein summt,
####Auch pfeifen alle M�uselein:
####Prinze� Sissi ist superfein.
Vivat! hoch Gackeleia,
Singt ihr ein Wiegenlied,
Singt Heia und Popeia,
Das Kind ist m�d, so m�d!
####Von ihr, von ihr
####Spricht Mensch und Thier,
####Das V�gelein singt,
####Das Fischelein springt,
####Das Bienelein brummt,
####Das K�ferlein summt,
####Auch pfeifen alle M�uselein:
####Schlaf' Gackeleia popeia ein!

Ich erwachte �ber dem sch�nen Gesang und hatte schon im Sinn
aufzustehen und f�r die Nachtmusik zu danken, aber ich f�rchtete,
dann m�chten sie kein Ende in ihren Gegenkomplimenten finden, und so
hielt ich mich dann m�uschenstille und schien wie eine Ratze zu
schlafen, bis die S�nger weiter gezogen waren; dann aber richtete ich
mich auf und sah die sch�nste Procession ein wenig an. An der Spitze
gieng die sch�ne Kunstfigur, umgeben von der k�niglichen Familie und
dem ganzen Hofstaat. Unter den Hoffr�ulein sah ich eine viel zu
gro�e, kuriose Person mitgehen, sie war wie eine Riesin unter ihnen,
tanzte mehr als sie gieng, und ihre Stimme pa�te gar nicht in den
Gesang. Hierauf folgten mehrere fremdartige M�use, sie unterschieden
sich nicht nur durch Gestalt, Gr��e und Farbe, sondern auch leider
meistens durch ihr nicht sehr erbauliches Betragen; sie guckten viel
umher und fl�sterten immer sehr angelegentlich unter einander. ich
erfuhr sp�ter, wer sie waren. Auf sie folgten alle adelichen
Geschlechter, worunter das sch�ne Geschlecht meistens aus wei�en
M�uschen von hoher Zartheit und Delikatesse bestand. Alle, von
welchen ich bis jetzt gesprochen, trugen Fackeln, aus leuchtenden
Johannisk�fern bestehend, welche ihnen die herumschweifenden
Flederm�use hatten einfangen m�ssen. Hierauf folgten nun die
B�rgerlichen und endlich die Landm�use, alle in ihren National--und
Naturalfarben; diese bedienten sich der Splitter von leuchtendem
faulem Holze als Fackeln, welche sie im Vor�bergehen an einem alten
Weidenstumpf abbissen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie feierlich
sich der Zug der vielen kleinen Lichter durch die Stra�en der
wunderlichen M�usestadt den H�gel hinan in den ehrw�rdigen Dom hinein
schl�ngelte--es war, als wenn die Funken an einem verglimmenden
Zunderlappen hinlaufen; wei�t du noch Vater, du sagtest mir manchmal
in Gelnhausen am Kamin, "das sind die Studentchen, die aus der Schule
laufen", ich dachte noch an diese deine Rede. Vor der Th�re der
Kirche empfieng eine sehr elegante Maus an der Spitze der andern
Kirchenm�use die sch�ne Kunstfigur und den Hof und geleitete sie in
den Dom, den ich nun aus allen seinen Oeffnungen erleuchtet sah; dann
vernahm ich einen sanft pfeifenden Gesang, worauf es m�uschenstille
ward.--Da nun Alles in der Kirche, und die ganze Stadt todt und
stille war, warf ich noch einen Blick auf die seltsamen Geb�ude im
Sternenlicht. Ach, da wuchs mir das Herz; die Welt ward zu enge,
weit ward es um die Seele, meine Locken schienen mir Gef�hle und
W�nsche, die sich sehnten, im Winde zu spielen, und ich gab sie ihm
hin; denn, horch', jetzt kam auch ein Wehen und regte die Wipfel des
Hains auf; sieh, und das Ebenbild unsrer Erde, der Mond, kam da
geheim nun auch; die schw�rmerische, die Nacht kam, trunken von
Sternen und wohl wenig bek�mmert um uns gl�nzte die Erstaunende dort,
die Fremdlingin unter den Menschen, �ber Gebirgsanh�hen traurig und
pr�chtig herauf!--Ach! da dachte ich nichts mehr, als w�re nur Vater
und Mutter hier, und wenn selbst nur Kronovus hier w�re, da� ich
mittheilen k�nnte, was ich f�hle!--ja liebe Eltern, es giebt
Eindr�cke, die ein armes Kind nicht allein fassen kann, wo es sich
anklammern m�chte an ein vertrautes festeres Wesen, wie an einen Fels,
einen Baum des Ufers, wenn der Strom der Empfindung anschwillt und
uns rei�end ins weite Meer der Begeisterung dahin tragen will!
--nirgends aber ist dieses mehr der Fall, als bei gro�er Architektur
im Mondschein"--da hielt Gackeleia ein wenig in der Erz�hlung ein,
Frau Hinkel schlo� sie ans Herz und sagte: "O das ist eine sehr
poetische Stelle, o das ist aus meinem Herzen, ja du bist mein Kind,
mein herz--und seelenvolles Kind, auch mich h�tte einst zu Gelnhausen
im Pallast Barbarossa's im Mondschein der Strom der Empfindung ins
Meer der Begeisterung rei�end dahin getragen,--aber Vater Gockel war
bei mir und so einerlei, da� ich nicht so allerlei empfinden konnte.
"-"Bleibe bei der Wahrheit", sagte Gockel, "du hast doch zweierlei
empfunden, du hast an die Fleischerladen und B�ckerladen gedacht und
den Schnupfen bekommen. Dir aber Gackeleia, sage ich: ich m��te mich
sehr irren, oder du bist eine Schw�rmerin mit deinen verschimmelten
K�sen, K�rbi�en, alten Reuterstiefeln, S�tteln, Patrontaschen und
gothischen Kirchen im Mondschein--auch finde ich deine Gef�hle im
Mondschein nicht kindlich genug ausgesprochen, w�rst du damals schon
so gro� gewesen, als jetzt, so w�ren dergleichen Redensarten zu
verzeihen, aber so warst du ja kaum vor einigen Stunden der Ruthe
entlaufen."--"Vater", erwiederte Gackeleia, "entschuldiget mich, ich
bin durch den Ring Salomonis jetzt wie eine erwachsene Jungfrau und
kann nicht mehr Alles so wie eine kleine Gackeleia vorbringen, ich
sage als Jungfrau, was ich als Kind gef�hlt, und gewi�, Vater, als
Kind habe ich nur anders gesprochen."

"Gott, lasse dich immer weise, immer ein Kind zugleich seyn," sagte
Gockel, "aber erz�hle weiter, damit wir aus der kuriosen Stadt
herauskommen--jetzt, wo du den Ring Salomonis hast, brauchst du in
dem sehns�chtigen Strom der Empfindung nicht mehr herum zu
patschen--jetzt hei�t es, dreh' den Ring, und du wirst so viel B�ume
am Ufer der Sehnsucht haben, da� du Kohlen daraus brennen kannst und
zuletzt ausrufen mu�t: "ach, es ist Alles, Alles einerlei! o
Eitelkeit der Eitelkeiten und Alles Eitelkeit, spricht der weise
Salomo selbst und sein Siegelring wird ihm nicht widersprechen"--aber
erz�hl weiter Herz Gackeleia!"

"Ja", fuhr Gackeleia fort, "wie ich mein Herz so gro�, meine Seele so
weit f�hlte, erkannte ich wohl, da� jedes Gesch�pf der Eitelkeit
unterworfen begehret und verlanget und immerfort seufzet und sich
qu�lt; so gieng ich umher und schaute in alle Winkel, ob gar kein
Wesen da sey, dem ich mein Herz auspacken k�nne, und sang dabei
stille vor mich hin:

"Mutter-seelig ganz allein,
Wie der stille Mondenschein
Schauet in die Stadt hinein,
Mu� die Gackeleia klein
In der weiten Welt noch seyn,
Wie ist Alles klar und rein,
Wie ist Alles licht und fein,
Wie ist Alles im Verein
Zwei und zwei, und mein und dein;
Aber ich, ich bin allein,
Mutterseelig ganz allein!"

Da h�rte ich einige Schritte von meinem Moosbettchen entfernt einen
dumpfen Ton, wie von leisem, verstecktem Katzengeschrei, was mich f�r
die frommen M�use sehr besorgt machte; ich schlich mich leise hinzu
und fand, von Distel und Dornen �berwachsen, eine alte, leere
Pulvertonne dort liegen, das Spundloch war gegen mich gekehrt, der
Mond schien hinein--ich guckte auch hinein--ach liebe Eltern! ich sah
etwas so Entsetzliches, da� mich der Schrecken wie mit einer
G�nsehaut �berzog; in der alten Pulvertonne, deren einer Boden fehlte,
sa�en f�nf junge Kater, in welchen ich zu meinem gr��ten
Schrecken--ach, sie waren mir nur zu bekannt geworden:--die f�nf
S�hne Schurrimurri's, Mack, Benack, Gog, Magog und Demagog, erkannte.
Sie waren also der Hinrichtung entgangen--ihre Mutter Schurrimurri
aber hatte ihre Strafe erlitten, denn sie sa�en um deren Todtenkopf
herum, der in einer alten Alongeper�cke lag.--Mack schien eine
heftige Rede zu halten, aber nur leise, leise, alle machten gro�e
Buckel, spreitzten die Haare, und schlugen einander den Pelz mit
ihren Schweifen, da� Feuerfunken umher flogen; manchmal konnten sie
ihren Grimm nicht ganz unterdr�cken und lie�en ein dumpfes Murren und
Wimmern, wie ein unterirdisches Erdbeben, h�ren, wobei sie ihre
weitvorgestreckten Krallen auf dem Todtenkopf, wie Dolche, wetzten.
Das Ganze hatte vom Monde im Fa� beleuchtet etwas h�chst Gr�uliches,
T�ckisches; mir war, als sehe ich in die H�lle, und unwillk�hrlich
kam mir in die Seele, das ist eine Verschw�rung, eine Meuterei, rette
deine Freunde, die frommen M�use! Diese Verbrecher sind schon
gerichtet, sie d�rfen ihrer Strafe nicht entgehen.--Ich besann mich
nicht lang, erwischte das F��chen beim hinteren Ende und stellte es
aufrecht, so da� es wie eine Glocke �ber der ganzen Verschw�rung
stand; das junge Katzenellenbogen war gefangen, und das Spundloch
stopfte ich mit einem St�ck Rasen zu. Ich legte noch soviel Steine
auf das Fa�, als ich in der Eile rings finden konnte, damit die
Gefangenen es nicht umwerfen m�chten, und begab mich mit dem Gef�hle,
eine edle Handlung gethan zu haben, nach meinem Moosbettchen; ich
horchte noch ein Bischen nach dem Fa�e hin, aber sie hielten sich
ganz stille, und so deckte ich mein Sch�rzchen �ber die Augen, zuckte
ein Bischen und schlief einen s��en Schlaf ein.

Nach einer Weile tr�umte mir, die Prinze� Mandelbi� komme wieder mit
der sch�nen Kunstfigur zu mir und sage mir ins Ohr: "Gackeleia, mache
mich los und lege die Kunstfigur neben dich in ihr Bettchen, sie wird
wohl so m�de seyn wie ich, ich will mich in deine Locken an dein
Oehrchen legen und dir alles erkl�ren, was du bei der sch�nen
Prozession gesehen hast und wie unser Hofredner Muskulus so herrlich
gesprochen hat."

Ich that halb tr�umend, wie sie verlangte, dann legte sie sich in
meine Locken und plauderte mir wie ein Schlafkamer�dchen ins Ohr; da
habe ich dann Alles folgende geh�rt: Die gro�e, seltsame Person, die
mir unter den Hoffr�ulein der Prinze� Sissi so sehr gefallen, war
eine vornehme Bergmaus, die Marquise Marmotte, welche, aus der
Gefangenschaft eines Savoyardenbuben entflohen, hier bei Hof eine
anst�ndige Gelegenheit abwartete, wieder in ihr Vaterland
zur�ckzureisen. Sissi war nicht gut auf sie zu sprechen, denn Prinz
Speckelfleck hatte sich zu oft nach ihr umgeschaut und sie allzusehr
gelobt, was sie bei keinem Menschen recht leiden konnte. Er
bewunderte ihren Tanz, ihre sch�nen Tr�ume und vor Allem ihre artigen
Vorderpf�tchen.--Sissi, blind f�r alle diese Vorz�ge, sagte:

"Vorderpf�tchen! es ist mir schier l�cherlich! in allen
Naturgeschichten steht von den Murmelthieren: ihre Vorderf��e haben
vier Zehen und einen sehr kurzen Daumen, die Hinterf��e f�nf; aber,
da� dieses sch�n sey, das steht nirgends!--Wie mag sie sich nur eine
Maus nennen? ihrer Gr��e nach k�nnte sie eben so gut Bergb�r als
Bergmaus hei�en; diese Marquise Marmotte hat einen gro�en, runden
Kopf, Nase und Lippen wie ein Hase, Haare und Klauen wie ein Dachs,
unbedeckte Z�hne wie ein Biber, einen Schnurrbart wie eine Katze,
Augen wie ein Siebenschl�fer, Pfoten wie ein B�r, einen kurzen
Schweif und gestutzte Ohren. Wenn man ihr sch�n thut, so knurrt sie
wie ein H�ndchen. Was ist Sch�nes hieran? ihr Tanzen und Purzeln ist
ihr von dem Savoyarden mit Hunger und Schl�gen eingequ�lt, und
schl�ft man, wie sie, vom Oktober bis in den April, so hat man
allerdings Zeit, sich etwas Sch�nes tr�umen zu lassen." Jene, welche
ich in der Prozession so viel umherschauen und untereinander plaudern
gesehen, waren die Abgesandten von mancherlei fremden und
ausl�ndischen M�usegeschlechtern und Arten, welche sich hier am Hofe
befinden, B�ndnisse abzuschlie�en, Gratulationen abzustatten und sich
Erfahrungen mitzutheilen, wie den Katzen, Eulen, Geiern und andern
M�usefeinden zu entgehen sey, auch theilten sie sich Warnungen vor
gelegtem Gift und Gegenmittel und Nachrichten von neu erfundenen
Mausfallen mit. Eine unter diesen Standespersonen hatte der Prinze�
Sissi ganz besonders gefallen, er war mit einem Schiffe �ber See sehr
weit her, von den Antillen gekommen, um zu hohen und allerh�chsten
wohlth�tigen Zwecken eine Collekte zu machen, er hatte die Gestalt
einer gro�en Ratte, trug einen schwarzen Frack und wei�e Unterkleider.
Er hie� Herr Piloris, und Sissi behauptete, er habe durch seinen
Moschusgeruch die ganze Prozession erbaut und sehr wohlth�tig auf
ihre schwachen Nerven gewirkt. Die �brigen Abgesandten waren von den
Spitzm�usen, Bergm�usen, Waldm�usen, Wurzelm�usen u. dgl. Sie
plauderten in der Kirche und bei der Prozession von der Rettung der
Prinze� Sissi und besonders von der Hinrichtung der Katze
Schurrimurri und ihrer Jungen, �u�erten sich alle aber sehr
bedenklich �ber ein umlaufendes Ger�cht, da� die f�nf verwegenen
S�hne der Schurrimurri der Hinrichtung durch Einverst�ndni� mit den
S�hnen des Scharfrichters entgangen seyn und unter dem Nahmen des
jungen Katzenellenbogens eine h�chst gef�hrliche Verschw�rung,
angeblich zur Rache ihrer Mutter, eingegangen haben sollten; ihre
Absicht aber sey eigentlich gegen das edle Mausgeschlecht, gegen
H�hner und V�gel; die Eulen seyen bereits f�r sie gewonnen, ebenso
die F�chse, mit den Wieseln unterhandelten sie, man m�sse sehr auf
seiner Hut seyn u.s.w.--Sissi erz�hlte mir dieses Gerede der
ausgezeichneten Staatsm�use mit gro�er Bangigkeit;--o wie froh war
ich, ihr versichern zu k�nnen, obgleich jenes Ger�cht gegr�ndet, sey
dennoch gar nichts von diesen Verschw�rern zu bef�rchten. Sissi
erz�hlte mir auch noch den Inhalt der Rede, welche der edle Hofredner
Muskulus im Dome gehalten. Er sprach �ber Mann und Maus, Menschheit
und Mausheit, Menschlichkeit und M�uslichkeit, Menschenm�glichkeit
und M�usem�glichkeit. Er erw�hnte den Verstand der M�use, welche
st�ts von jeder Speise das beste Theil erw�hlen; ihre Gro�muth, weil
sie trotz ihrer Bl�digkeit vor allen Thieren ein sehr gro�es Herz
haben; ihre Dankbarkeit, wie sie den L�wen aus dem Netze befreit;
ihren Heldenmuth, weil sich der Elephant f�rchtet, sie m�chten ihm in
den R�ssel schl�pfen; ihren prophetischen Geist, weil sie ein Haus
verlassen, ehe es zusammenst�rzt. Er sprach von der Ehrfurcht der
Ratzen gegen ihre Eltern, welche, wenn sie alt sind, von den Jungen
gef�ttert werden. Er erw�hnte die gro�e N�chstenliebe der M�use,
welche, wenn eine in eine Grube gefallen ist, sich einander in die
Schw�nze bei�end, eine Kette bilden, um ihre verungl�ckte Nebenmaus
aus der Grube zu ziehen. Er sagte, wie th�richt bei all diesen
gro�en Eigenschaften die Fabel sey: ein Berg habe geb�ren wollen, und
eine l�cherliche Maus sey hervorgekommen; er f�hrte die M�use als
Werkzeuge Gottes in den Aegyptischen Plagen, und bei dem geitzigen
Hatto von Mainz an, den sie gefressen, obschon er sich auf den
Mausthurm mitten in den Rhein gefl�chtet. Er sprach auch von der
Holdseligkeit der M�use, da� sogar die Menschen ihre artigsten Kinder:
"kleine Maus, liebes M�uschen," nennen. Er erw�hnte, da� die M�use
das feinste Geh�r au�er den Eseln haben. Aber auch vom Uebermuth der
M�use sprach der edle Muskulus, er sprach: wenn die Maus satt ist,
schmeckt ihr das Mehl bitter. Er sprach von gef�hrlichen Zeiten, und
da� die M�use, welche auf dem Tische herumtanzten, wenn die Katze
nicht zu Hause sey, sich nicht so mausig machen, sondern bedenken
sollten, da� die Katze das Mausen nicht lasse. Dann flehte er noch
den Segen des Himmels auf das edle Vorhaben der Prinzessin Mandelbi�
und des Prinzen Speckelfleck herab und forderte sie auf, das
Sprichwort wohl zu �berlegen:

"Zu bedauern ist die Maus,
Kennt sie nur ein Loch im Haus;
Aber ins Verderben rennt
Jene, die gar keines kennt,"

und nun setzte der gelehrte Muskulus hinzu, wie er bei seinen Studien
eine halbe Bibliothek durchfressen und wie trefflich ihm endlich die
sch�ne Stelle des heidnischen Kom�dienschreibers Plautus geschmeckt
habe:

"Bedenk' die Weisheit der kleinen Maus,
Sie hat viel Th�ren in ihrem Haus,
Sperrst du ihr einen Schlupfwinkel zu
Flieht sie zum andern und sitzt in Ruh'."

Als der Klingelbeutel in dem Dom herumgieng, hielt der edle Muskulus
noch eine r�hrende Auslegung des tiefsinnigen Wortes: "er ist so arm
wie eine Kirchenmaus," welche den ganzen Klingelbeutel mit
Waitzenk�rnern so reichlich f�llte, da� die Marquise Marmotte genug
zu thun hatte, ihn herum zu schleppen, wenn gleich der duftende Herr
Piloris ihr dabei den Arm gab.

So erz�hlte mir Prinze� Sissi Alles, da� ich es eben so gut wu�te,
als wenn ich in der Rede des edlen Muskulus geschlafen h�tte.--Ich
dankte ihr herzlich daf�r und sagte ihr: "Liebste Sissi, ich bin
gl�cklich, da� sich unsre Herzen gefunden haben und da� wir uns du
nennen--ach so kann ich auch alle meine Leiden in deinen
schwesterlichen Busen aussch�tten; ach ich mu� dir zu meiner gro�en
Besch�mung gestehen, es ist mir so sehns�chtig um's Herz, ich sehne
mich nach einem Gegenstand, den ich fre�lieb haben k�nnte, es ist mir
so leer, so leer, ich m�chte Alles verschlingen; ich m��te mich sehr
irren, oder ich habe einen ganz abscheulichen Hunger, denn seit ich
das Birkenreis geschmeckt, habe ich nichts mehr �ber mein Herz
gebracht, als einige Wald-Erdbeeren; Sissi, schaffe mir etwas zum
schnabelieren, oder ich sterbe aus Sehnsucht."--Da erwiederte Sissi:
"Herz Gackeleia! du hast ja noch eine halbe Bretzel und einen halben
Bubenschenkel in deinem K�rbchen;" aber ich entgegnete: "das sind
Dokumente, und ich wollte eher verhungern, als Dokumente essen."
"Wohlan," sagte Sissi, "ich will sehen, was ich dir auftreiben kann,"
da pfiff sie einige Mal, worauf eine Fledermaus zu ihr heranflog,
welcher sie den Auftrag gab: die reinsten Schulmauskinder sollten
augenblicklich Beeren pfl�cken und auf gr�nen Bl�ttern mir zu F��en
legen--eben so solle sie den anwesenden Gesch�ftstr�ger der
Haselm�use, den wohlriechenden Chevalier Muscardin in ihrem Namen um
eine Portion Haseln��e bitten und diese hieher besorgen, �berhaupt
m�ge sie Alles, was sie von menschlichen E�waaren auftreiben k�nne,
ohne gro�es Aufsehen zu machen, so schnell als m�glich herbeischaffen.
--Die Fledermaus machte ihr unterth�niges Kompliment und flog von
dannen.--Schon nach einigen Minuten bemerkte ich eine gro�e
Th�tigkeit: die M�use schleiften ein altes, rund genagtes Trommelfell
auf den Rasen in meine N�he und deckten mehrere gro�e Pilze, die wie
kleine Tische umherstanden, mit Bl�ttern und trugen allerlei E�waaren
darauf zusammen.

Nun sprach ich zu Sissi: "H�re mich an, du bist besonnen und klug,
was ich dir sage ist wahr, was ich verlange, mu�t du thun, sonst seyd
ihr Alle verloren, Aufsehen mu� vermieden werden, damit kein
unn�thiger Schrecken das sch�chterne Volk verwirrt. Sieh dort die
kleine Pulvertonne aufgerichtet und mit Steinen belegt: Mack, Benack,
Gog, Magog und Demagog, die f�nf R�delsf�hrer des jungen
Katzenellenbogens, welche darin in einer Alonge-Per�cke ihre Krallen
auf einem Todtenkopf zu eurem Untergange gewetzt haben, wurden von
mir darunter gefangen, ich habe ihre Loge gedeckt und die
Pulververschw�rung, das Spundloch der H�lle, verstopft. Gehe gleich
mit deinem Gatten, Prinz Speckelfleck, zu deinem k�niglichen Vater
Mausolus VIII., zeige es ihm an, und sage ihm, er solle eilend
befehlen, da� alle M�use und den M�usen Befreundete ohne Ausnahme
Lehm, Erde und Rasen zu dem Fasse hintragen und es rund damit umgeben,
bis es ganz ummauert eine Pyramide wird. So eingeschlossen werden
sie einander selbst zerrei�en und ihr werdet euch durch euer frommes
Gebet gerettet finden.--Dem Volke soll gesagt werden, das Ganze sey
ein Monument zum Andenken meiner Anwesenheit und deiner Rettung und
hei�e Gackeleioeum, ein Gegenst�ck zu dem Mausoleum. Er soll nur
sein Volk, aber keine Maurer daran arbeiten lassen, denn die da
drinnen d�rften nur einmal rufen: "Mack," und die drau�en antworten:

"Benack," so w�re Alles verrathen.--Eile, es ist keine Zeit zu
verlieren, der Bau mu� fertig seyn, wenn ich deinem Vater die
versprochenen patriotischen Backwerke schicke, welche bei der
Einweihung das Fest verherrlichen k�nnen. Mache deinen Bericht kurz
und kehre schnell mit Prinz Speckelfleck zur�ck, damit wir inkognito
fortreisen."

Ich bewunderte die Gem�thsfassung der hochherzigen Prinzessin Sissi:
ein Blick des Entsetzens gegen die Pulvertonne, ein Blick des Dankes
gegen mich, ein Blick der Hoffnung gegen den Himmel war alles, was
sie erwiederte, und sogleich lief sie in der gr��ten Eile zu dem
k�niglichen K�sepallast hinauf. Der Hunger weckte mich nun, ich
n�herte mich der von den M�usen zusammengetragenen Mahlzeit, da fand
ich auf dem Trommelfell eine kleine Melone, welche die Marquise
Marmotte selbst herangew�lzt hatte; der Chevalier Muskardin hatte
nicht nur ein halb Hundert der sch�nsten Haseln��e eigenmaulig
heraufgetragen, sondern auch aufgeknackt; die Schuljugend hatte einen
Haufen Erdbeeren und Heidelbeeren herbeigetragen und in Nu�schaalen
sehr artig angerichtet, eine Speckmaus hatte einen gewaltigen Flug
gethan und mir einen ganzen frischen Bubenschenkel aus einem
B�ckerladen und ein W�rstchen aus einem Fleischerrauchfang von
Gelnhausen gebracht, Dank dem edlen, biedern, deutschen Herzen! an
ihm wird die alle edlen Anstrengungen so sehr beachtende Familie der
Mausoleer das Sprichwort wahr machen: "dem Verdienste seine Kronen."
Ach! wie r�hrend war es, als nun noch ein gem�thvoller, junger Igel
von der sch�nsten Haltung zu mir heran rasselte, wie ein ganzer
R�stwagen; er hatte sich in einem benachbarten Ort unter den
Borstorfer Aepfelb�umen gew�lzt und alle herabgefallenen Aepfel auf
seinen Stacheln aufgespie�t, die ich ihm dankbar herabnahm, worauf er
sich schweigend empfahl. Er war etwas melancholisch, denn er war
verkannt, sein Geschlecht geh�rt zu den Feinden der M�use, aber er
hatte seine Natur besiegt und lebte in einsamer Betrachtung als
philosophischer Wohlth�ter und M�usefreund unter ihnen von dem
sch�nen Herzen der geistvollen Prinzessin Sissi gesch�tzt. Ich a�
nun im Zwielicht (denn der Mond war untergegangen und es d�mmerte im
Osten) ohne gro�e Wahl, was mir unter die Finger kam, lustig hinein,
Alles, Alles schmeckte k�stlich--o da kam erst das Beste!--ach es
raschelte etwas neben mir und es rollte etwas in mein Sch�rzchen, ich
f�hlte, es war ein Ei, ich hielt es neugierig dem ersten Strahle des
Tages entgegen--es war schwarz mit einem sch�nen Vergi�meinnicht
bemahlt, ringsum standen die Worte: "Vivat Gackeleia," ich sch�ttelte
es, ach es rasselte Geld darin; wie ein Blitzstrahl durchfuhr es
meine Seele: es ist das Ei meines lieben Kronovus, das er f�r mich
alle Wochen mit seinem Taschengeld hinten an den Entenpfuhl
verstecken wollte! meine Freude war unaussprechlich--aber wer ist der
wohlth�tige Sterbliche, der mir diese h�chste Freude gemacht? dachte
ich und sprang auf und rief aus: "o mein heimlicher Wohlth�ter
entziehe dich meinem Danke nicht!" aber ich h�rte es fern weg eilen,
und ein wunders��er Moschusgeruch drang mir entgegen. Da wurde es
mir klar, und ich rief ihm nach: "du bist es edler Piloris, fernher
pilgernden Menschenwohlbezwecker im schwarzen Frack und wei�en
Unterkleidern, der Wohlgeruch deiner sch�nen Handlungen verr�th dich!"

"Ja, liebe Eltern," unterbrach sich hier Gackeleia, "ich hatte mich
nicht geirrt, diese edle Moschusratte Piloris war es gewesen. Sissi,
der ich von dem Ei des Kronovus erz�hlte, hatte ihm schon in der
Kirche zugefl�stert, welche gro�e Freude es ihr machen w�rde, wenn
sie meine Wohlthaten gegen sie mit diesem Eie belohnen k�nnte.
Piloris, so hohes Interesse er auch an der Rede des edlen Muskulus
hatte, verlie� sogleich den Dom und eilte, ohne sich umzusehen, nach
der Eierburg an den Entenpfuhl und brachte dies Ei, welches Kronovus
seinen Worte getreu mit 1 Gulden 30 Kreuzer beschwert dort hin
versteckt hatte."

Gockel und Hinkel sahen das Ei mit gro�er R�hrung an, die beiden
M�uschen kamen herbeigelaufen und tanzten lustig umher, als g�ben sie
ihren Beifall. Frau Hinkel aber sagte: "erz�hle weiter Gackeleia,
damit du einmal von all dem Ungeziefer wegk�mmst" und Gackeleia fuhr
fort:

Gleich werde ich davon weg seyn, um zu noch viel �rgerm Ungeziefer zu
kommen. Ich hatte mich pumpsatt gegessen, ich packte die Puppe--nein
die nur eine sch�ne Kunstfigur--in mein K�rbchen, ich legte mein
liebes Ei, einige Aepfel und Haseln��e und den halben Bubenschenkel,
der noch �brig, hinein und auch das W�rstchen und von dem Moos meines
Lagers; kaum war ich fertig, da kam Prinz Speckelfleck und Prinze�
Mandelbi� und h�pften in das K�rbchen und pfifferten allerlei, was
ich nicht verstand--aber es mu�te wohl hei�en, da� meine Sendung
ausgerichtet sey, denn ich sah das Andringen von unz�hligen M�usen
mit Erde und Rasen durch alle Stra�en und Schluchten in solcher Menge,
da� ich mich auf die H�he vor den Dom retirirte, um keinen der
Arbeiter zu zertreten. Es war ein wunderbarer Anblick, viele
str�mten gegen die Pulvertonne hin und bissen die Dornen und Disteln
rings weg, andere w�hlten Erde und Lehm auf, andere benetzten sie und
machten Klumpen daraus, dann legten sich Ratzen und M�use auf den
R�cken und fa�ten die Erde mit den F��en, und die andern zogen sie
bei den Schweifen wie beladene Wagen fort. Vor allen zeichnete sich
die Marquise Marmotte aus, sie hatte einen Klumpen Rasen, gr��er als
ein Backstein, zwischen ihren Pfoten, der Chevalier Muskardin und der
edle Piloris spannten sich vor und zogen sie bis an die Pulvertonne;
der edle Igelj�ngling war auch mit Rasenst�cken bedeckt und trug sie
hinauf.--Ich segnete die liebe M�usestadt und eilte mit meinen zwei
M�uschen und sieben S�chelchen im Korbe dem Walde zu.

Ich zog �ber Berg und Thal und fragte vergebens nach euch, liebe
Eltern; manchmal lie� ich bei B�ckerl�den meine Kunstfigur vor den
Kindern herumtanzen und der B�cker gab mir gern ein Br�dchen zur
Belohnung. So fristete ich mein Leben. Wir zogen um Gelnhausen
herum, denn ich f�rchtete den Bettelvogt, Meister Schelm; da ich aber
die Hahnen dort kr�hen und auf den Thurmspitzen in die Ferne blinken
sah, ward mir es recht schwer ums Herz, und wenn etwas im Geb�sch
ra�elte, guckte ich um und meinte immer das Prinzchen Kronovus k�me
vielleicht auf seinem Schimmelchen zur Jagd geritten. Aber, wer
nicht kam, das war er. Da ich nun einige Stunden weiter, nahe bei
einer ganz herrlichen Stadt, reisem�d an einem B�chlein niedersa� und
mich im Wasser beschaute, mu�te ich mich recht sch�men, ich hatte
vergessen, mich am Morgen meiner Abreise und am folgenden Abend zu
waschen und sah nun, da� ich Mund und Nase ganz schwarz von den
vielen Heidelbeeren hatte, die ich in der M�usestadt im Dunkeln
gegessen hatte. Nun wu�te ich erst, warum die Kinder �berall mich
ausgelacht hatten, und ich war recht froh, da� Kronovus mich nicht so
schmutzig gesehen hatte. Geschwind wusch ich mich und erfrischte
mich durch und durch. Ich a� auch ein Bischen mit meinen M�uschen,
und da es sehr hei� gewesen, war ich schl�frig und legte mich vom
Geb�sch versteckt auf den weichen Rasen und schlief. Da kam Prinz
Speckelfleck an mein Ohr und sagte mir:"Wir sind am Ziel unserer
Reise, wir haben die herrliche Hauptstadt Urbs des Weltreichs Orbis
vor uns. Hier ist der Ring deines Vaters, hier wohnen die
morgenl�ndischen Petschierstecher; als sie mir Sissi entf�hrt, bin
ich ihnen bis hieher gefolgt, wo sie hingiengen, weil Alles, was Salz
lecken kann, hier frei und ungest�rt leben darf. Sie sind immer in
Angst vor allen Menschen und vor einander selbst. Sie f�rchten des
Ringes halber get�dtet zu werden; damit man nun nicht merken m�ge, wo
ihr gro�er Reichthum herk�mmt, haben sie hier die gro�en
Salzbergwerke gekauft und sind Salzverschw�rzer, Salzversilberer,
Salzjunker und endlich Salzgrafen geworden; sie haben sich einen
salzgr�flichen Pallast erbaut, sie sagen, da� sie Gold machen k�nnen;
aber Alles ist durch den Ring Salomonis. Trage mich und Sissi nur
gleich in die Kirche und bete einstweilen, da� Gott uns hilft, so
wollen wir den Ring bald erwischen. So gern ich und Sissi und alle
M�use Salz lecken, brauchen wir doch kein Scheffel Salz mit diesen
kuriosen Grafen zu essen, bis wir sie kennen lernen."

Nach diesen Worten wachte ich auf und trug die M�uschen geschwind,
geschwind in meinem Korb in die Kirche nach Urbs; der Gedanke, dem
lieben Ring so nah zu seyn, lehrte mich so schnelle zu laufen, als da
ich die Puppe und mich die Ruthe verfolgte.--O liebe Eltern, welche
Kirche! welches Wunder der Architekto-Nat�rlichkeit, der ungeheure
gro�e gothische S�ulenwald mit unz�hlichem Schnitz-, Spitz-, Glitz-,
Blitz-, Ritz-, Kritz--und Spritzwerk im vorgothischen und
hintergelnhausenschen Spitzbubenschenkel-Katzenellenbogen-Styl
�bertraf das Unerh�rte.--Alles, alles war von Salz, die Kirche war
ein Salzkrystall, die Fenster waren Salzscheiben, die Kanzel war ein
Salzfa�; das Merkw�rdigste aber war die Erbauung dieser Kirche: ein
eifriger Mann hatte hier vom Krystalismus predigend gesagt: wer die
Hand an den Pflug gelegt, der solle sich nicht mehr umschauen, die
Weiber sollten an Loths Weib denken, die durch das Umschauen in eine
Salzs�ule verwandelt worden; "ach!" rief er aus, "wollte Gott ein
Wunder zur Erbauung der Kirche thun, an eurem Umschauen fehlt es
nicht, so h�tten wir einen Wald von S�ulen, ehe man sich umsieht, um
eine Kirche darauf zu st�tzen." In demselben Augenblick kam die Frau
Salzinspektorin mit einem neuen Hut in die Kirche, da schauten sich
um alle Fr�ulen und dienten verwandelt in S�ulen zur allgemeinen
Erbauung der Kirche im gothischen Styl, denn in diesem Styl war der
Hut der Frau Inspektorin. So wurde die Kirche zwar sehr schnell,
aber doch nicht, ehe man sich umsah, erbaut. Als ich in das
Salzm�nster hineintrat, verlie� eben nach der Nachmittags-Predigt der
Redner die Kirche, aber ich vers�umte nichts, die Kirche ist
echoistisch gebaut, der Redner braucht nur ein paar Worte zu
verlieren, so werden sie sogleich von Frau Echo, der
unverbesserlichen Widerbellerin, aufgeschnappt und eine halbe Stunde
lang zwischen den S�ulen herumgehetzt und geschleudert, und so lief
auch jetzt zwischen allen Salzs�ulen die Rede umher: "so gut auch das
Salz sey, w�re es doch mi�lich, wenn es dumm werde, man habe Nichts,
um es zu salzen und es mache weder das Feld noch den Mist besser.
"--Ich kniete in ein Winkelchen und betete herzlich um die H�lfe
Gottes; nicht weit von mir kniete eine pr�chtig geputzte K�chin, und
neben ihr stand ein von Makaroninudeln geflochtener Gem�skorb, auf
welchem mit goldenen Buchstaben stand:
"salzgr�flich-Salomon-Salabonischer Salatkorb." Sissi und Pfiffi
merkten gleich, da� dieses die K�chin der drei morgenl�ndischen
Petschierstecher sey, sie schlupften in den Korb und lie�en sich von
ihr in den salzgr�flichen Pallast tragen. Als ich nun in der Kirche
einsam und allein war, vernahm ich durch das gesch�ftige Echo jedes
Gebet, jedes Fl�stern und Seufzen der Umherknieenden; der Eine betete:
"ach Gott! befreie uns von dem Hoffaktor Salzgraf Salathiel Salaboni,
er ist schuld, da� das Salz so dumm und theuer geworden;" der Andere:
"befreie uns von dem Commerzienrath, Salzgraf Salomon Salaboni, er
ist schuld, da� die Salzkukummern so k�mmerlich schmecken und so
klein sind;" der Dritte seufzte: "ach hilf uns aus dem Salz des
Elendes, befreie uns von dem Hoflieferanten, Salzgraf Salmanasser
Salaboni, er versalzt uns alles Leben, f�llt unsere Augen mit
gesalzenen Thr�nen und fegt unsre Beutel aus dem Salz!"--Da betete
ich dann auch so recht von Herzen, Gott m�ge mir wieder zu dem Ringe
helfen, weil die drei Morgenl�nder doch keinen Menschen damit
gl�cklich machten.--Da es aber in der Kirche so h�bsch stille und
k�hl war, �berfiel mich ein leiser Schlummer, und ich hatte schier so
lange geschlafen, da� mich der K�ster in die Kirche eingesperrt h�tte;
aber Sissi kam gerade zur rechten Zeit und fl�sterte mir in die
Ohren: "geschwind Gackeleia, geh mit mir aus der Kirche; h�rst du?
der K�ster rasselt schon mit den Schl�sseln; geh mit mir, du sollst
selbst sehen, wie wir den Ring erwischen, wir haben die beste
Hoffnung." Fr�hlich nahm ich nun die kleine Maus in mein K�rbchen
und gieng mit ihr nach dem Schlosse der Petschierstecher. Als wir an
die Gartenmauer kamen, sprang Sissi an die Erde und zeigte mir den
Weg. Die Sonne war im Begriff unterzugehen. Ich gelangte hinter ein
artiges Lusthaus, Krystalline genannt, wo ich auf den K�bel eines
Orangenbaumes stieg und durch eine Spalte im Fensterladen Alles sehen
und h�ren konnte, was im Gartenhaus vorgieng.

Die drei Salzgrafen sa�en jung und gl�nzend mit wohlakkomodirten
Per�cken in verschiedenen alamodischen kuriosen Uniformen um einen
Tisch, in dessen Mitte der k�stliche Ring Salomonis lag und stritten
miteinander, wer den Ring am Finger tragen und w�nschen sollte; sie
nannten sich Commerzienrath, Hoffaktor, Hoflieferant untereinander
und jeder wollte nicht mehr so hei�en, jeder wollte den
Salzgrafentitel haben; der Eine schrie: "einer mu� der Erste seyn,"
die Andern schrien: "das geht nicht, wir sind Drillinge, wir sind
eine gro�e Merkw�rdigkeit, keiner geht vor dem andern;" da schrie der
Eine wieder: "ich habe die Maus gefangen und unter die Puppe geheftet,
wodurch wir der Gackeleia den Ring abgelockt, ich mu� ihn haben, wem
ich was w�nschen soll, der bringt mir einen vollwichtigen Gockelsd'or,
da w�nsche ich ihm Etwas, wie gerade der Kurs steht."--"Wie k�mmst
du mir vor?" sprach der Andere, "habe ich doch den falschen Ring
gemacht, der f�r den �chten dem Gockel an den Finger gesteckt ward,
ich mu� den Ring haben!"--"Was soll mir das?" schrie der Dritte,
"habe ich doch die Puppe gekleidet und tanzen lassen und die gro�e
Arie gedichtet und abgesungen von der gro�en Garderobe, habe ich doch
der Spielratze die Puppe aufgeschw�tzt, den Ring abgeschw�tzt und
euch den Ring gebracht, mein mu� er seyn!" Da sie aber gar nicht
einig werden konnten und lange geschrieen und gezankt hatten, weil
immer der Eine f�rchtete, der Andere m�ge ihm den Tod anw�nschen,
wenn er den Ring am Finger habe, griff endlich der Eine mit solcher
Heftigkeit nach dem Ring, da� er den Tisch umstie�, und die� machte
sich der Andere zu Nutz und ertappte den an die Erde gefallenen Ring,
steckte ihn an den Finger und drehte und schrie:

"Salomon du weiser K�nig,
Dem die Geister unterth�nig,
Mach' zwei Esel aus den Beiden,
Die in diesem Garten weiden,
Ringlein, Ringlein dreh dich um,
Mach's geschwind, ich bitt dich d'rum."

W�hrend er dieses mit der gr��ten Eile hergeschnattert hatte, rissen
die Beiden Andern ihn hin und her; aber es w�hrte nicht lange, so
waren sie Beide zwei dicke, h��liche Esel, und er nahm einen Pr�gel
und trieb sie aus dem Gartenhaus hinaus, das er hinter ihnen
verschlo�. Sie schrieen und bissen sich unter einander noch eine
Weile, fiengen aber bald an, sich in ihre neue Natur zu schicken und
Trauben und Disteln durcheinander zu fressen.

Ich guckte wieder in das Gartenhaus, da wollte sich der, welcher den
Ring hatte, schier bucklicht lachen, weil er seine Gesellen endlich
so sauber angef�hrt. "Gott sey Dank," sagte er, "nun kann unser eins
doch einmal ruhig ausschlafen, ohne die Gefahr, da� der andre ihm den
Tod w�nscht." Nach diesen Worten schaute er sich lachend im Spiegel
an und h�ngte seinen Federhut auf die Spitze einer wunderbaren
Kaktuspflanze, die an der Wand bl�hte. Der Ankaufspreis stand auf
dem Topf. Die Per�cken und H�te der zwei andern lagen noch an der
Erde, wie auch ihre St�hle. Nun lehnte er sich breit in seinen
Prachtstuhl, stellte die F��e auf einen Schemel und sprach: "reich
zum zahlen, klug zum prahlen, sch�n zum malen--was fehlt mir noch,
ich will ber�hmt werden--da f�llt mir was ein--ich will den Namen
Pictus, Salzgraf von Orbis annehmen, und will einen neuen Orbis
Pictus herausgeben, da sollen alle unbefriedigten W�nsche der Welt
nach dem ABC darin abgemalt werden, und ich will sie mir alle mit dem
Ring befriedigen von A bis Z--aber Alles, Alles mit Geschmack und
Kunstgef�hl--poetisch, sympathetisch, magnetisch"--und nun fieng er
an, bald t�chtig zu schnarchen.

Nun ist es Zeit, dachten Pfiffi und Sissi und schlupften beide durch
ein Loch in das Gartenhaus. Ich wendete kein Auge von dem
Schlafenden und dem Ring an seinem Finger; ach, er hatte eine Faust
gemacht, und der Ring schien sehr schwer zu bekommen; aber Sissi
nahte sich seinem Ohr und sang mit der s��esten Stimme nichts als das
Verslein:

"Louisd'ore und Dukaten
Aechte Perlen, Diamant,
Ritterorden, Ihro Gnaden,
Hohe Bildung, Ordensband,
Witz und Wesen, scharf und zart,
G�nsefett und Backenbart."

Kaum hatte der Schlafende diesen Vers geh�rt, als er die Hand so
�ffnete, als wolle er nach all den sch�nen Sachen greifen. Nun bi�
ihn Prinz Pfiffi in den Ringfinger; er wachte auf und sagte: "ein
scharmanter Traum, aber der Ring dr�ckt mich und weckt mich auf, wer
kann ihn mir hier nehmen? die zwei Esel grasen drau�en nach dem
besten Appetit; was brauchen sie mehr? ungebildete Menschen kennen
keine h�heren Bed�rfnisse. Sie sollen nicht einmal die Ehre haben
unter den dreihundert wei�en Mauleseln zu seyn, die ich mir w�nschen
werde, um die Schl�ssel meiner Schatzkammer zu tragen. Ach, der
sch�ne Traum! ich will versuchen, ob ich ihn wieder tr�umen kann;
Psyche, das angenehmste Frauenzimmerchen aus der klassischen
Literatur, r�hrte mich an der Nase mit einer Blumenzwiebel an und
beleuchtete mit einer hetrurischen Lampe das Traumbild meiner
W�nsche--ich will nochmals ger�hrt werden, ich will ger�hrt seyn, der
Ring soll mich nicht wieder stechen, ich lege ihn, bis ich erwache,
auf den Tisch." Nun zog er den Ring ab und schlief wieder ein, indem
er fl�sterte:

"Psyche r�hr'! und nicht vergebens!
F�hr', was ich im Schilde f�hr',
F�hr' das Traumbild meines Lebens,
Mir empor dort an der Th�r!"

Kaum aber schnarchte er, als Sissi ihm wieder ins Ohr sang:

"Louisdore und Dukaten,
Aechte Perlen, Diamant,
Ritterorden, Ihro Gnaden,
Hohe Bildung und Verstand,
Witz und Wesen scharf und zart,
G�nsefett und Backenbart."

Da l�chelte er so s�� wie ein Topf voll saurer Milch und antwortete
mit schmachtender Stimme im Traume:

"Psyche r�hrt und nicht vergebens,
Seh' das Traumbild meines Lebens,
Seh', was ich im Schilde f�hr"
Ich im Wappen an der Th�r,
Von dem Goldsack blasonirt,
Mit Papieren kraus verziert,
Grand-Kordon und Lorbeerkron,
Huldigung, Dedikation,
Und weil ich gemalt seyn mu�,
Seh' ich dort mich als Modell
Vor dem k�hnsten Genius,
Der sein eigner Pegasus,
Der sein eigner Musenquell,
Sch�pfer schier, kaum Kreatur,
Alles lernte von Natur.
Ja, ein solcher Geist haucht nur
Treu in ganzer Positur
Und urspr�nglicher Figur
Meiner Grazie Formenzauber
Auf die Leinwand zart und sauber;
O wie duftig! wie moelleux!
Kunst, das ist die h�chste H�h!"

Hierauf breitete er die Arme mit gro�er Innigkeit aus und sprach:

"Seyd umschlungen Millionen,
Diesen Ku� der ganzen Welt!
Sch�nste Psyche, o verschonen
Sie doch mein, ich hab' kein Geld,
Bin ger�hrt und alterirt,
Denn die Schildwach' pr�sentirt!"

Da brachte mir Sissi den Ring Salomonis durch das Loch heraus, ich
steckte ihn in tausend Freuden an den Finger, drehte ihn und sagte
voll Neugier:

"Ringlein sag' mir unvers�umt,
Was der Petschaftstecher tr�umt!"

Und gleich sah ich, da� dem Petschierstecher Alles, was er im Schild
f�hrte, in einem pr�chtigen Wappen im Traume vorgestellt wurde. Ein
Geldsack war der Helm, allerlei Papiere und Wechselbriefe die
Helmzierde, er selbst stand voll Anstand in der Mitte, ein Genius
kr�nte ihn mit Lorbeern, ein Andrer reichte ihm ein Ordensband, einer
huldigte ihm mit Kleinodien, einer dedizirte ihm ein Buch; auch war
das Sinnbild der Sternsehenden Wachsamkeit eine fette Gans vor seinen
F�ssen. Ganz unten aber im Wappen malte der gefl�gelte Genius der
Kunst selbst den Sch�nsten der Sterblichen, denn ein Anderer h�tte
nie vermocht, einen so urspr�nglichen Menschen aufzufassen. Nun aber
�ffnete sich pl�tzlich der purpurfarbichte Sammetkelch einer
Kaktusbl�the und zwischen den wei�seidenen Staubf�den schwebte eine
feine Jungfer mit Schmetterlingsfl�geln hervor an die Seite des
Wappens hin; in der einen Hand hatte sie eine Zwiebelpflanze, mit der
sie die Nase des Gl�cklichen ber�hrte, in der andern trug sie eine
antike Lampe, womit sie das Wappen beleuchtete. Er nannte sie Psyche.
--An der andern Seite des Wappens erschien ein Grenadier, der das
Gewehr pr�sentirte.--Ach, der gute Salzgraf tr�umte so selig, da� er
mich schier dauerte; aber ich konnte ihm nicht helfen, ich mu�te ihm
aus dem Traum helfen;--ich drehte also den Ring mit den Worten:

"Salomon du weiser K�nig,
Dem die Geister unterth�nig,
Lasse diesen, wie die andern
Gleich als einen Esel wandern;
Schaff' auch einen Eseltreiber,
Der mir ihre faulen Leiber
Mit dem Pr�gel t�chtig r�hrt,
Und zum Vater Gockel f�hrt.
Ringlein, Ringlein dreh dich um,
Mach's recht schnell ich bitt' dich drum."

Und sieh da, gleich war der Esel fertig, und der Treiber stand schon
bei ihm, trieb ihn mit einem Pr�gel aus dem Gartenhaus hinaus und mit
den beiden Andern hieher. Ich aber drehte den Ring und w�nschte bei
euch zu seyn. Da war ich gleich hier in dem Hof und als ich euch in
dem alten H�hnerstall so klagen h�rte, w�nschte ich, da� das Schlo�
wieder seyn m�chte, wie es einst im h�chsten Glanze bei unsern
Vor�ltern gewesen; auch w�nschte ich euch als sch�ne Leute in den
besten Jahren und mich als eine sch�ne vern�nftige Jungfrau, �ber die
Puppen--wollt' ich sagen Kunstfiguren-Jahre hinaus zu sehen; z�rnet
nicht lieber Vater, aber der Gedanke an die Kunstfigur von Birkenreis
kann mich noch jetzt erbittern."--Gockel lachte und sagte: "Gackeleia
dreh' den Ring nur noch einmal, um verst�ndig zu werden, es steckt
noch viel vom eigensinnigen Kind in der erwachsenen Jungfrau, du
willst die Ruthe noch nicht k��en!"--da k��te Gackeleia ihm die Hand
und fuhr fort: "Als nun Alles nach meinem Wunsche geworden war,
schlich ich zu euch in den H�hnerstall und dr�ckte mich in einen
Winkel, um eure Ueberraschung recht zu genie�en. Sissi aber wollte
mit aller Gewalt unter die Puppe gebunden seyn, um euch zu wecken; da
lief sie �ber euer Stroh und als ihr aufriefet: "die Puppe! die Puppe!"
sagte ich:

"Keine Puppe, es ist nur
Eine sch�ne Kunstfigur."

"Das Andre wi�t ihr Alles."

Nach dieser Erz�hlung umarmten Gockel und Hinkel die Gackeleia unter
Freudenthr�nen und sagten: "Dank, tausend Dank, liebes Kind; du

Book of the day: