Part 3 out of 4
Die machen Gold und lehren
Mir das Geheimnis gern.
Die Mutter wirft ihm die Bibel
Ins magere Gesicht hinein:
So willst du, Gottverfluchter,
Ein Stra�enr�uber sein!
Sie h�ren pochen ans Fenster,
Und sehn eine winkende Hand;
Der tote Vater steht drau�en
Im schwarzen Predgergewand.
Das ist ein schlechtes Wetter,
Es regnet und st�rmt und schneit;
Ich sitze am Fenster und schaue
Hinaus in die Dunkelheit.
Da schimmert ein einsames Lichtchen,
Das wandelt langsam fort;
Ein M�tterchen mit dem Laternchen
Wankt �ber die Stra�e dort.
Ich glaube, Mehl und Eier
Und Butter kaufte sie ein;
Sie will einen Kuchen backen
F�rs gro�e T�chterlein.
Die liegt zu Haus im Lehnstuhl,
Und blinzelt schl�frig ins Licht;
Die goldenen Locken wallen
�ber das s��e Gesicht.
Man glaubt, da� ich mich gr�me
In bitterm Liebesleid,
Und endlich glaub ich es selber,
So gut wie andre Leut.
Du Kleine mit gro�en Augen,
Ich hab es dir immer gesagt,
Da� ich dich uns�glich liebe,
Da� Liebe mein Herz zernagt.
Doch nur in einsamer Kammer
Sprach ich auf solche Art,
Und ach! ich hab immer geschwiegen
In deiner Gegenwart.
Da gab es b�se Engel,
Die hielten mir zu den Mund;
Und ach! durch b�se Engel
Bin ich so elend jetzund.
Deine wei�en Lilienfinger,
K�nnt ich sie noch einmal k�ssen,
Und sie dr�cken an mein Herz,
Und vergehn in stillem Weinen!
Deine klaren Veilchenaugen
Schweben vor mir Tag und Nacht,
Und mich qu�lt es: Was bedeuten
Diese s��en, blauen R�tsel?
"Hat sie sich denn nie ge�u�ert
�ber dein verliebtes Wesen?
Konntest du in ihren Augen
Niemals Gegenliebe lesen?
"Konntest du in ihren Augen
Niemals bis zur Seele dringen?
Und du bist ja sonst kein Esel,
Teurer Freund, in solchen Dingen."
Sie liebten sich beide, doch keiner
Wollt es dem andern gestehn;
Sie sahen sich an so feindlich,
Und wollten vor Liebe vergehn.
Sie trennten sich endlich und sahn sich
Nur noch zuweilen im Traum;
Sie waren l�ngst gestorben,
Und wu�ten es selber kaum.
Und als ich euch meine Schmerzen geklagt,
Da habt ihr geg�hnt und nichts gesagt;
Doch als ich sie zierlich in Verse gebracht,
Da habt ihr mir gro�e Elogen gemacht.
Ich rief den Teufel und er kam,
Und ich sah ihn mit Verwundrung an.
Er ist nicht h��lich und ist nicht lahm,
Er ist ein lieber, scharmanter Mann,
Ein Mann in seinen besten Jahren,
Verbindlich und h�flich und welterfahren.
Er ist ein gescheuter Diplomat,
Und spricht recht sch�n �ber Kirch und Staat.
Bla� ist er etwas, doch ist es kein Wunder,
Sanskrit und Hegel studiert er jetzunder.
Sein Lieblingspoet ist noch immer Fouque'.
Doch will er nicht mehr mit Kritik sich befassen,
Die hat er jetzt g�nzlich �berlassen
Der teuren Gro�mutter Hekate.
Er lobte mein juristisches Streben,
Hat fr�her sich auch damit abgegeben.
Er sagte, meine Freundschaft sei
Ihm nicht zu teuer, und nickte dabei,
Und frug: ob wir uns fr�her nicht
Schon einmal gesehn beim spanschen Gesandten?
Und als ich recht besah sein Gesicht,
Fand ich in ihm einen alten Bekannten.
Mensch, verspotte nicht den Teufel,
Kurz ist ja die Lebensbahn,
Und die ewige Verdammnis
Ist kein blo�er P�belwahn.
Mensch, bezahle deine Schulden,
Lang ist ja die Lebensbahn,
Und du mu�t noch manchmal borgen,
Wie du es so oft getan.
Die heilgen drei K�nige aus Morgenland,
Sie frugen in jedem St�dtchen:
Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und M�dchen?
Die Jungen und Alten, sie wu�ten es nicht.
Die K�nige zogen weiter;
Sie folgten einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.
Der Stern blieb stehn �ber Josephs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das �chslein br�llte, das Kindlein schrie,
Die heilgen drei K�nige sangen.
Mein Kind, wir waren Kinder,
Zwei Kinder, klein und froh;
Wir krochen ins H�hnerh�uschen,
Versteckten uns unter das Stroh.
Wir kr�hten wie die H�hne,
Und kamen Leute vorbei --
Kikerek�h! sie glaubten,
Es w�re Hahnengeschrei.
Die Kisten auf unserem Hofe
Die tapezierten wir aus,
Und wohnten drin beisammen,
Und machten ein vornehmes Haus.
Des Nachbars alte Katze
Kam �fters zum Besuch;
Wir machten ihr B�ckling und Knickse
Und Komplimente genug.
Wir haben nach ihrem Befinden
Besorglich und freundlich gefragt;
Wir haben seitdem dasselbe
Mancher alten Katze gesagt.
Wir sa�en auch oft und sprachen
Vern�nftig, wie alte Leut,
Und klagten, wie alles besser
Gewesen zu unserer Zeit;
Wie Lieb und Treu und Glauben
Verschwunden aus der Welt,
Und wie so teuer der Kaffee,
Und wie so rar das Geld! --
Vorbei sind die Kinderspiele,
Und alles rollt vorbei --
Das Geld und die Welt und die Zeiten,
Und Glauben und Lieb und Treu.
Das Herz ist mir bedr�ckt, und sehnlich
Gedenke ich der alten Zeit;
Die Welt war damals noch so w�hnlich,
Und ruhig lebten hin die Leut.
Doch jetzt ist alles wie verschoben,
Das ist ein Dr�ngen! eine Not!
Gestorben ist der Herrgott oben,
Und unten ist der Teufel tot.
Und alles schaut so gr�mlich tr�be,
So krausverwirrt und morsch und kalt,
Und w�re nicht das bi�chen Liebe,
So g�b es nirgends einen Halt.
Wie der Mond sich leuchtend dr�nge
Durch den dunklen Wolkenflor,
Also taucht aus dunkeln Zeiten
Mir ein lichtes Bild hervor.
Sa�en all auf dem Verdecke,
Fuhren stolz hinab den Rhein.
Und die sommergr�nen Ufer
Gl�hn im Abendsonnenschein.
Sinnend sa� ich zu den F��en
Einer Dame, sch�n und hold;
In ihr liebes, bleiches Antlitz
Spielt' das rote Sonnengold.
Lauten klangen, Buben sangen,
Wunderbare Fr�hlichkeit!
Und der Himmel wurde blauer,
Und die Seele wurde weit.
M�rchenhaft vor�berzogen
Berg und Burgen, Wald und Au; --
Und das alles sah ich gl�nzen
In dem Aug der sch�nen Frau.
Im Traum sah ich die Geliebte,
Ein banges, bek�mmertes Weib,
Verwelkt und abgefallen
Der sonst so bl�hende Leib.
Ein Kind trug sie auf dem Arme,
Ein andres f�hrt sie an der Hand,
Und sichtbar ist Armut und Tr�bsal
Am Gang und Blick und Gewand.
Sie schwankte �ber den Marktplatz,
Und da begegnet sie mir,
Und sieht mich an, und ruhig
Und schmerzlich sag ich zu ihr:
Komm mit nach meinem Hause,
Denn du bist bla� und krank;
Ich will durch Flei� und Arbeit
Dir schaffen Speis und Trank.
Ich will auch pflegen und warten
Die Kinder, die bei dir sind,
Vor allem aber dich selber,
Du armes, ungl�ckliches Kind.
Ich will dir nie erz�hlen,
Da� ich dich geliebet hab,
Und wenn du stirbst, so will ich
Weinen auf deinem Grab.
"Teurer Freund! Was soll es n�tzen,
Stets das alte Lied zu leiern?
Willst du ewig br�tend sitzen
Auf den alten Liebes-Eiern?
"Ach! das ist ein ewig Gattern,
Aus den Schalen kriechen K�chlein,
Und sie piepsen und sie flattern,
Und du sperrst sie in ein B�chlein."
Werdet nur nicht ungeduldig,
Wenn von alten Leidenskl�ngen
Manche noch vernehmlich t�nen
In den neuesten Ges�ngen.
Wartet nur, es wird verhallen
Dieses Echo meiner Schmerzen,
Und ein neuer Liederfr�hling
Sprie�t aus dem geheilten Herzen.
Nun ist es Zeit, da� ich mit Verstand
Mich aller Torheit entledge;
Ich hab so lang als ein Kom�diant
Mit dir gespielt die Kom�die.
Die pr�chtgen Kulissen, sie waren bemalt
Im hochromantischen Stile,
Mein Rittermantel hat goldig gestrahlt,
Ich f�hlte die feinsten Gef�hle.
Und nun ich mich gar s�uberlich
Des tollen Tands entledge,
Noch immer elend f�hl ich mich,
Als spielt ich noch immer Kom�die.
Ach Gott! Im Scherz und unbewu�t
Sprach ich, was ich gef�hlet;
Ich hab mit dem Tod in der eignen Brust
Den sterbenden Fechter gespielet.
Den K�nig Wiswamitra,
Den treibts ohne Rast und Ruh,
Er will durch Kampf und B��ung
Erwerben Wasischtas Kuh.
O, K�nig Wiswamitra,
O, welch ein Ochs bist du,
Da� du so viel k�mpfest und b��est,
Und alles f�r eine Kuh!
Herz, mein Herz, sei nicht beklommen,
Und ertrage dein Geschick,
Neuer Fr�hling gibt zur�ck,
Was der Winter dir genommen.
Und wieviel ist dir geblieben!
Und wie sch�n ist noch die Welt!
Und, mein Herz, was dir gef�llt,
Alles, alles darfst du lieben!
Du bist wie eine Blume,
So hold und sch�n und rein;
Ich schau dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.
Mir ist, als ob ich die H�nde
Aufs Haupt dir legen sollt,
Betend, da� Gott dich erhalte
So rein und sch�n und hold.
Kind! Es w�re dein Verderben,
Und ich geb mir selber M�he,
Da� dein liebes Herz in Liebe
Nimmermehr f�r mich ergl�he.
Nur da� mirs so leicht gelinget,
Will mich dennoch fast betr�ben,
Und ich denke manchmal dennoch:
M�chtest du mich dennoch lieben!
Wenn ich auf dem Lager liege,
In Nacht und Kissen geh�llt,
So schwebt mir vor ein s��es,
Anmutig liebes Bild.
Wenn mir der stille Schlummer
Geschlossen die Augen kaum,
So schleicht das Bild sich leise
Hinein in meinen Traum.
Doch mit dem Traum des Morgens
Zerrinnt es nimmermehr;
Dann trag ich es im Herzen
Den ganzen Tag umher.
M�dchen mit dem roten M�ndchen,
Mit den �uglein s�� und klar,
Du mein liebes, kleines M�dchen,
Deiner denk ich immerdar.
Lang ist heut der Winterabend,
Und ich m�chte bei dir sein,
Bei dir sitzen, mit dir schwatzen
Im vertrauten K�mmerlein.
An die Lippen wollt ich pressen
Deine kleine, wei�e Hand,
Und mit Tr�nen sie benetzen,
Deine kleine, wei�e Hand.
Mag da drau�en Schnee sich t�rmen,
Mag es hageln, mag es st�rmen,
Klirrend mir ans Fenster schlagen,
Nimmer will ich mich beklagen,
Denn ich trage in der Brust
Liebchens Bild und Fr�hlingslust.
Andre beten zur Madonne,
Andre auch zu Paul und Peter;
Ich jedoch, ich will nur beten,
Nur zu dir, du sch�ne Sonne.
Gib mir K�sse, gib mir Wonne,
Sei mir g�tig, sei mir gn�dig,
Sch�nste Sonne unter den M�dchen,
Sch�nstes M�dchen unter der Sonne!
Verriet mein blasses Angesicht
Dir nicht mein Liebeswehe?
Und willst du, da� der stolze Mund
Das Bettelwort gestehe?
O, dieser Mund ist viel zu stolz,
Und kann nur k�ssen und scherzen;
Er spr�che vielleicht ein h�hnisches Wort.
W�hrend ich sterbe vor Schmerzen.
Teurer Freund, du bist verliebt,
Und dich qu�len neue Schmerzen;
Dunkler wird es dir im Kopf,
Heller wird es dir im Herzen.
Teurer Freund, du bist verliebt,
Und du willst es nicht bekennen,
Und ich seh des Herzens Glut
Schon durch deine Weste brennen.
Ich wollte bei dir weilen
Und an deiner Seite ruhn;
Du mu�test von mir eilen;
Du hattest viel zu tun.
Ich sagte, da� meine Seele
Dir g�nzlich ergeben sei;
Du lachtest aus voller Kehle,
Und machtest 'nen Knicks dabei.
Du hast noch mehr gesteigert
Mir meinen Liebesverdru�,
Und hast mir sogar verweigert
Am Ende den Abschiedsku�.
Glaub nicht, da� ich mich erschie�e,
Wie schlimm auch die Sachen stehn!
Das alles, meine S��e,
Ist mir schon einmal geschehn.
Saphire sind die Augen dein,
Die lieblichen, die s��en.
O, dreimal gl�cklich ist der Mann,
Den sie mit Liebe gr��en.
Dein Herz, es ist ein Diamant,
Der edle Lichter spr�het.
O, dreimal gl�cklich ist der Mann,
F�r den es liebend gl�het.
Rubinen sind die Lippen dein,
Man kann nicht sch�nre sehen.
O, dreimal gl�cklich ist der Mann,
Dem sie die Liebe gestehen.
O, kennt ich nur den gl�cklichen Mann,
O, da� ich ihn nur f�nde,
So recht allein im gr�nen Wald,
Sein Gl�ck h�tt bald ein Ende.
Habe mich mit Liebesreden
Festgelogen an dein Herz,
Und, verstrickt in eignen F�den,
Wird zum Ernste mir mein Scherz.
Wenn du dich, mit vollem Rechte,
Scherzend nun von mir entfernst,
Nahn sich mir die H�llenm�chte,
Und ich schie� mich tot im Ernst.
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben!
Ich will mich zum deutschen Professor begeben.
Der wei� das Leben zusammenzusetzen,
Und er macht ein verst�ndlich System daraus;
Mit seinen Nachtm�tzen und Schlafrockfetzen
Stopft er die L�cken des Weltenbaus.
Ich hab mir lang den Kopf zerbrochen,
Mit Denken und Sinnen, Tag und Nacht,
Doch deine liebensw�rdigen Augen,
Sie haben mich zum Entschlu� gebracht.
Jetzt bleib ich, wo deine Augen leuchten,
In ihrer s��en, klugen Pracht --
Da� ich noch einmal w�rde lieben,
Ich h�tt es nimmermehr gedacht.
Sie haben heut abend Gesellschaft,
Und das Haus ist lichterf�llt.
Dort oben am hellen Fenster
Bewegt sich ein Schattenbild.
Du schaust mich nicht, im Dunkeln
Steh ich hier unten allein;
Noch wen'ger kannst du schauen
In mein dunkles Herz hinein.
Mein dunkles Herze liebt dich,
Es liebt dich und es bricht,
Und bricht und zuckt und verblutet,
Aber du siehst es nicht.
Ich wollt, meine Schmerzen erg�ssen
Sich all in ein einziges Wort,
Das g�b ich den lustigen Winden,
Die tr�gen es lustig fort.
Sie tragen zu dir, Geliebte,
Das schmerzerf�llte Wort;
Du h�rst es zu jeder Stunde,
Du h�rst es an jedem Ort.
Und hast du zum n�chtlichen Schlummer
Geschlossen die Augen kaum,
So wird dich mein Wort verfolgen
Bis in den tiefsten Traum.
Du hast Diamanten und Perlen,
Hast alles, was Menschenbegehr,
Und hast die sch�nsten Augen --
Mein Liebchen, was willst du mehr?
Auf deine sch�nen Augen
Hab ich ein ganzes Heer
Von ewigen Liedern gedichtet --
Mein Liebchen, was willst du mehr?
Mit deinen sch�nen Augen
Hast du mich gequ�lt so sehr,
Und hast mich zugrunde gerichtet --
Mein Liebchen, was willst du mehr?
Wer zum ersten Male liebt,
Seis auch gl�cklos, ist ein Gott;
Aber wer zum zweiten Male
Gl�cklos liebt, der ist ein Narr.
Ich, ein solcher Narr, ich liebe
Wieder ohne Gegenliebe!
Sonne, Mond und Sterne lachen,
Und ich lache mit -- und sterbe.
Gaben mir Rat und gute Lehren,
�bersch�tteten mich mit Ehren,
Sagten, da� ich nur warten sollt,
Haben mich protegieren gewollt.
Aber bei all ihrem Protegieren
H�tte ich k�nnen vor Hunger krepieren,
W�r nicht gekommen ein braver Mann,
Wacker nahm er sich meiner an.
Braver Mann! Er schafft mir zu essen!
Will es ihm nie und nimmer vergessen!
Schade, da� ich ihn nicht k�ssen kann!
Denn ich bin selbst dieser brave Mann.
Diesen liebensw�rdgen J�ngling
Kann man nicht genug verehren;
Oft traktiert er mich mit Austern,
Und mit Rheinwein und Lik�ren.
Zierlich sitzt ihm Rock und H�schen,
Doch noch zierlicher die Binde,
Und so kommt er jeden Morgen,
Fragt, ob ich mich wohlbefinde;
Spricht von meinem weiten Ruhme,
Meiner Anmut, meinen Witzen;
Eifrig und gesch�ftig ist er
Mir zu dienen, mir zu n�tzen.
Und des Abends, in Gesellschaft,
Mit begeistertem Gesichte,
Deklamiert er vor den Damen
Meine g�ttlichen Gedichte.
O, wie ist es hoch erfreulich,
Solchen J�ngling noch zu finden,
Jetzt in unsrer Zeit, wo t�glich
Mehr und mehr die Bessern schwinden.
Mir tr�umt': ich bin der liebe Gott
Und sitz im Himmel droben,
Und Englein sitzen um mich her,
Die meine Verse loben.
Und Kuchen e� ich und Konfekt
F�r manchen lieben Gulden,
Und Kardinal trink ich dabei,
Und habe keine Schulden.
Doch Langeweile plagt mich sehr,
Ich wollt, ich w�r auf Erden,
Und w�r ich nicht der liebe Gott,
Ich k�nnt des Teufels werden.
Du langer Engel Gabriel,
Geh, mach dich auf die Sohlen,
Und meinen teuren Freund Eugen
Sollst du herauf mir holen.
Such ihn nicht im Kollegium,
Such ihn beim Glas Tokaier;
Such ihn nicht in der Hedwigskirch,
Such ihn bei Mamsell Meyer.
Da breitet aus sein Fl�gelpaar
Und fliegt herab der Engel,
Und packt ihn auf, und bringt herauf
Den Freund, den lieben Bengel.
Ja, Jung, ich bin der liebe Gott,
Und ich regier die Erde!
Ich habs ja immer dir gesagt,
Da� ich was Rechts noch werde.
Und Wunder tu ich alle Tag,
Die sollen dich entz�cken,
Und dir zum Spa�e will ich heut
Die Stadt Berlin begl�cken.
Die Pflastersteine auf der Stra�,
Die sollen jetzt sich spalten,
Und eine Auster, frisch und klar,
Soll jeder Stein enthalten.
Ein Regen von Zitronensaft
Soll tauig sie begie�en,
Und in den Stra�eng�ssen soll
Der beste Rheinwein flie�en.
Wie freuen die Berliner sich,
Sie gehen schon ans Fressen;
Die Herren von dem Landgericht,
Die saufen aus den G�ssen.
Wie freuen die Poeten sich
Bei solchem G�tterfra�e!
Die Leutnants und die F�hnderichs,
Die lecken ab die Stra�e.
Die Leutnants und die F�hnderichs,
Das sind die kl�gsten Leute,
Sie denken, alle Tag geschieht
Kein Wunder so wie heute.
Ich hab euch im besten Juli verlassen,
Und find euch wieder im Januar;
Ihr sa�et damals so recht in der Hitze,
Jetzt seid ihr gek�hlt und kalt sogar.
Bald scheid ich nochmals, und komm ich einst wieder,
Dann seid ihr weder warm noch kalt,
Und �ber eure Gr�ber schreit ich,
Und das eigne Herz ist arm und alt.
Von sch�nen Lippen fortgedr�ngt, getrieben
Aus sch�nen Armen, die uns fest umschlossen!
Ich w�re gern noch einen Tag geblieben,
Da kam der Schwager schon mit seinen Rossen.
Das ist das Leben, Kind! Ein ewig Jammern,
Ein ewig Abschiednehmen, ewges Trennen!
Konnt denn dein Herz das mein'ge nicht umklammern?
Hat selbst dein Auge mich nicht halten k�nnen?
Wir fuhren allein im dunkeln
Postwagen die ganze Nacht;
Wir ruhten einander am Herzen,
Wir haben gescherzt und gelacht.
Doch als es morgens tagte,
Mein Kind, wie staunten wir!
Denn zwischen uns sa� Amor,
Der blinde Passagier,
Das wei� Gott, wo sich die tolle
Dirne einquartieret hat;
Fluchend, in dem Regenwetter,
Lauf ich durch die ganze Stadt.
Bin ich doch von einem Gasthof
Nach dem andern hingerannt,
Und an jeden groben Kellner
Hab ich mich umsonst gewandt.
Da erblick ich sie am Fenster,
Und sie winkt und kichert hell.
K�nnt ich wissen, du bewohntest,
M�dchen, solches Prachthotel!
Wie dunkle Tr�ume stehen
Die H�user in langer Reih;
Tief eingeh�llt im Mantel,
Schreite ich schweigend vorbei.
Der Turm der Kathedrale
Verk�ndet die zw�lfte Stund;
Mit ihren Reizen und K�ssen
Erwartet mich Liebchen jetzund.
Der Mond ist mein Begleiter,
Er leuchtet mir freundlich vor;
Da bin ich an ihrem Hause,
Und freudig ruf ich empor:
Ich danke dir, alter Vertrauter,
Da� du meinen Weg erhellt;
Jetzt will ich dich entlassen,
Jetzt leuchte der �brigen Welt!
Und findest du einen Verliebten,
Der einsam klagt sein Leid,
So tr�st ihn, wie du mich selber
Getr�stet in alter Zeit.
Und bist du erst mein ehlich Weib,
Dann bist du zu beneiden,
Dann lebst du in lauter Zeitvertreib,
In lauter Pl�sier und Freuden.
Und wenn du schiltst und wenn du tobst,
Ich werd es geduldig leiden;
Doch wenn du meine Verse nicht lobst,
La� ich mich von dir scheiden.
An deine schneewei�e Schulter
Hab ich mein Haupt gelehnt,
Und heimlich kann ich behorchen,
Wonach dein Herz sich sehnt.
Es blasen die blauen Husaren,
Und reiten zum Tor herein,
Und morgen will mich verlassen
Die Herzallerliebste mein.
Und willst du mich morgen verlassen,
So bist du doch heute noch mein,
Und in deinen sch�nen Armen
Will ich doppelt selig sein.
Es blasen die blauen Husaren,
Und reiten zum Tor hinaus;
Da komm ich, Geliebte, und bringe
Dir einen Rosenstrau�.
Das war eine wilde Wirtschaft!
Kriegsvolk und Landesplag!
Sogar in deinem Herzchen
Viel Einquartierung lag.
Habe auch, in jungen Jahren,
Manches bittre Leid erfahren
Von der Liebe Glut.
Doch das Holz ist gar zu teuer,
Und erl�schen will das Feuer,
Ma foi! und das ist gut.
Das bedenke, junge Sch�ne,
Schicke fort die dumme Tr�ne,
Und den dummen Liebesharm.
Ist das Leben dir geblieben,
So vergi� das alte Lieben,
Ma foi! in meinem Arm.
Bist du wirklich mir so feindlich,
Bist du wirklich ganz verwandelt?
Aller Welt will ich es klagen,
Da� du mich so schlecht behandelt.
O ihr undankbaren Lippen,
Sagt, wie k�nnt ihr Schlimmes sagen
Von dem Manne, der so liebend
Euch gek��t, in sch�nen Tagen?
Ach, die Augen sind es wieder,
Die mich einst so lieblich gr��ten,
Und es sind die Lippen wieder,
Die das Leben mir vers��ten!
Auch die Stimme ist es wieder,
Die ich einst so gern geh�ret!
Nur ich selber bin's nicht wieder,
Bin ver�ndert heimgekehret.
Von den wei�en, sch�nen Armen
Fest und liebevoll umschlossen,
Lieg ich jetzt an ihrem Herzen,
Dumpfen Sinnes und verdrossen.
Selten habt ihr mich verstanden,
Selten auch verstand ich Euch,
Nur wenn wir im Kot uns fanden,
So verstanden wir uns gleich.
Doch die Kastraten klagten,
Als ich meine Stimm erhob;
Sie klagten und sie sagten:
Ich s�nge viel zu grob.
Und lieblich erhoben sie alle
Die kleinen Stimmelein,
Die Trillerchen, wie Kristalle,
Sie klangen so fein und rein.
Sie sangen von Liebessehnen,
Von Liebe und Liebesergu�;
Die Damen schwammen in Tr�nen
Bei solchem Kunstgenu�.
Auf den W�llen Salamankas
Sind die L�fte lind und labend;
Dort, mit meiner holden Donna,
Wandle ich am Sommerabend.
Um den schlanken Leib der Sch�nen
Hab ich meinen Arm gebogen,
Und mit selgem Finger f�hl ich
Ihres Busens stolzes Wogen.
Doch ein �ngstliches Gefl�ster
Zieht sich durch die Lindenb�ume,
Und der dunkle M�hlbach unten
Murmelt b�se, bange Tr�ume.
"Ach, Sennora, Ahnung sagt mir:
Einst wird man mich relegieren,
Und auf Salamankas W�llen
Gehn wir nimmermehr spazieren."
Neben mir wohnt Don Henriques,
Den man auch den Sch�nen nennet;
Nachbarlich sind unsre Zimmer
Nur von d�nner Wand getrennet.
Salamankas Damen gl�hen,
Wenn er durch die Stra�en schreitet,
Sporenklirrend, schnurrbartkr�uselnd,
Und von Hunden stets begleitet.
Doch in stiller Abendstunde
Sitzt er ganz allein daheime,
In den H�nden die Gitarre,
In der Seele s��e Tr�ume.
In die Saiten greift er bebend
Und beginnt zu phantasieren, --
Ach! wie Katzenjammer qu�lt mich
Sein Geschnarr und Quinquilieren.
Kaum sahen wir uns, und an Augen und Stimme
Merkt ich, da� du mir gewogen bist;
Stand nicht dabei die Mutter, die schlimme,
Ich glaube, wir h�tten uns gleich gek��t.
Und morgen verlasse ich wieder das St�dtchen,
Und eile fort im alten Lauf;
Dann lauert am Fenster mein blondes M�dchen,
Und freundliche Gr��e werf ich hinauf.
�ber die Berge steigt schon die Sonne,
Die L�mmerherde l�utet fern;
Mein Liebchen, mein Lamm, meine Sonne und Wonne,
Noch einmal sah ich dich gar zu gern!
Ich schaue hinauf, mit sp�hender Miene --
Leb wohl, mein Kind, ich wandre von hier!
Vergebens! Es regt sich keine Gardine;
Sie liegt noch und schl�ft -- und tr�umt von mir?
Zu Halle auf dem Markt,
Da stehn zwei gro�e L�wen.
Ei, du hallischer L�wentrotz,
Wie hat man dich gez�hmet!
Zu Halle auf dem Markt,
Da steht ein gro�er Riese.
Er hat ein Schwert und regt sich nicht,
Er ist vor Schreck versteinert.
Zu Halle auf dem Markt,
Da steht eine gro�e Kirche.
Die Burschenschaft und die Landsmannschaft,
Die haben dort Platz zum Beten.
D�mmernd liegt der Sommerabend
�ber Wald und gr�nen Wiesen;
Goldner Mond, im blauen Himmel,
Strahlt herunter, duftig labend.
An dem Bache zirpt die Grille,
Und es regt sich in dem Wasser,
Und der Wandrer h�rt ein Pl�tschern
Und ein Atmen in der Stille.
Dorten, an dem Bach alleine,
Badet sich die sch�ne Elfe;
Arm und Nacken, wei� und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.
Nacht liegt auf den fremden Wegen,
Krankes Herz und m�de Glieder; --
Ach, da flie�t, wie stiller Segen,
S��er Mond, dein Licht hernieder.
S��er Mond, mit deinen Strahlen
Scheuchest du das n�chtge Grauen;
Es zerrinnen meine Qualen,
Und die Augen �bertauen.
Der Tod, das ist die k�hle Nacht,
Das Leben ist der schw�le Tag.
Es dunkelt schon, mich schl�fert,
Der Tag hat mich m�d gemacht.
�ber mein Bett erhebt sich ein Baum,
Drin singt die junge Nachtigall;
Sie singt von lauter Liebe,
Ich h�r es sogar im Traum.
"Sag, wo ist dein sch�nes Liebchen,
Das du einst so sch�n besungen,
Als die zauberm�chtgen Flammen
Wunderbar dein Herz durchdrungen?"
Jene Flammen sind erloschen,
Und mein Herz ist kalt und tr�be,
Und dies B�chlein ist die Urne
Mit der Asche meiner Liebe.
Der Mai ist da mit seinen goldnen Lichtern
Und seidnen L�ften und gew�rzten D�ften,
Und freundlich lockt er mit den wei�en Bl�ten,
Und gr��t aus tausend blauen Veilchenaugen,
Und breitet aus den blumreich gr�nen Teppich,
Durchwebt mit Sonnenschein und Morgentau,
Und ruft herbei die lieben Menschenkinder.
Das bl�de Volk gehorcht dem ersten Ruf.
Die M�nner ziehn die Nankinhosen an
Und Sonntagsr�ck mit goldnen Spiegelkn�pfen;
Die Frauen kleiden sich in Unschuldwei�;
J�nglinge kr�useln sich den Fr�hlingsschnurrbart
Jungfrauen lassen ihre Busen wallen;
Die Stadtpoeten stecken in die Tasche
Papier und Bleistift und Lorgnett; -- und jubelnd
Zieht nach dem Tor die krausbewegte Schar,
Und lagert drau�en sich auf gr�nem Rasen,
Bewundert, wie die B�ume flei�ig wachsen,
Spielt mit den bunten, zarten Bl�melein,
Horcht auf den Sang der lustgen V�gelein,
Und jauchzt hinauf zum blauen Himmelszelt.
Zu mir kam auch der Mai. Er klopfte dreimal
An meine T�r und rief: Ich bin der Mai,
Du bleicher Tr�umer, komm, ich will dich k�ssen!
Ich hielt verriegelt meine T�r, und rief:
Vergebens lockst du mich, du schlimmer Gast!
Ich habe dich durchschaut, ich hab durchschaut
Den Bau der Welt, und hab zu viel geschaut,
Und viel zu tief, und hin ist alle Freude,
Und ewge Qualen zogen in mein Herz.
Ich schaue durch die steinern harten Rinden
Der Menschenh�user und der Menschenherzen,
Und schau in beiden Lug und Trug und Elend.
Auf den Gesichtern les ich die Gedanken,
Viel schlimme. In der Jungfrau Schamerr�ten
Seh ich geheime Lust begehrlich zittern;
Auf dem begeistert stolzen J�nglingshaupt
Seh ich die lachend bunte Schellenkappe;
Und Fratzenbilder nur und sieche Schatten
Seh ich auf dieser Erde, und ich wei� nicht,
Ist sie ein Tollhaus oder Krankenhaus.
Ich sehe durch den Grund der alten Erde,
Als sei sie von Kristall, und seh das Grausen,
Das mit dem freudgen Gr�ne zu bedecken
Der Mai vergeblich strebt. Ich seh die Toten;
Sie liegen unten in den schmalen S�rgen,
Die H�nd gefaltet und die Augen offen,
Wei� das Gewand und wei� das Angesicht,
Und durch die Lippen kriechen gelbe W�rmer.
Ich seh, der Sohn setzt sich mit seiner Buhle
Zur Kurzweil nieder auf des Vaters Grab; --
Spottlieder singen rings die Nachtigallen; --
Die sanften Wiesenbl�mchen lachen h�misch; --
Der tote Vater regt sich in dem Grab; --
Und schmerzhaft zuckt die alte Mutter Erde.
Du arme Erde, deine Schmerzen kenn ich!
Ich seh die Glut in deinem Busen w�hlen,
Und deine tausend Adern seh ich bluten,
Und seh, wie deine Wunde klaffend aufrei�t
und wild hervorstr�mt Flamm und Rauch und Blut.
Ich sehe deine trotzgen Riesens�hne,
Uralte Brut, aus dunkeln Schl�nden steigend,
Und rote Fackeln in den H�nden schwingend; --
Sie legen ihre Eisenleiter an,
Und st�rmen wild hinauf zur Himmelsfeste; --
Und schwarze Zwerge klettern nach; -- und knisternd
Zerstieben droben alle goldnen Sterne.
Mit frecher Hand rei�t man den goldnen Vorhang
Vom Zelte Gottes, heulend st�rzen nieder,
Aufs Angesicht, die frommen Engelscharen.
Auf seinem Throne sitzt der bleiche Gott,
Rei�t sich vom Haupt die Kr�n, zerrauft sein Haar --
Und n�her dr�ngt heran die wilde Rotte.
Die Riesen werfen ihre roten Fackeln
Ins weite Himmelreich, die Zwerge schlagen
Mit Flammengei�eln auf der Englein R�cken; --
Die winden sich und kr�mmen sich vor Qualen,
Und werden bei den Haaren fortgeschleudert; --
Und meinen eignen Engel seh ich dort,
Mit seinen blonden Locken, s��en Z�gen,
Und mit der ewgen Liebe um den Mund,
Und mit der Seligkeit im blauen Auge --
Und ein entsetzlich h��lich schwarzer Kobold
Rei�t ihn vom Boden, meinen bleichen Engel,
Be�ugelt grinsend seine edlen Glieder,
Umschlingt ihn fest mit z�rtlicher Umschlingung --
Und gellend dr�hnt ein Schrei durchs ganze Weltall,
Die S�ulen brechen, Erd und Himmel st�rzen
Zusammen, und es herrscht die alte Nacht.
Der Traumgott brachte mich in eine Landschaft,
Wo Trauerweiden mir "Willkommen" winkten
Mit ihren langen, gr�nen Armen, wo die Blumen
Mit klugen Schwesteraugen still mich ansahn,
Wo mir vertraulich klang der V�gel Zwitschern,
Wo gar der Hunde Bellen mir bekannt schien,
Und Stimmen und Gestalten mich begr��ten
Wie einen alten Freund, und wo doch alles
So fremd mir schien, so wunderseltsam fremd.
Vor einem l�ndlich schmucken Hause stand ich,
In meiner Brust bewegte sich's, im Kopfe
War's ruhig, ruhig sch�ttelte ich ab
Den Staub von meinen Reisekleidern,
Grell klang die Klingel, und die T�r ging auf.
Da waren M�nner, Frauen, viel bekannte
Gesichter. Stiller Kummer lag auf allen
Und heimlich scheue Angst. Seltsam verst�rt,
Mit Beileidsmienen fast, sahn sie mich an,
Da� es mir selber durch die Seele schauert',
Wie Ahnung eines unbekannten Unheils.
Die alte Margret hab ich gleich erkannt;
Ich sah sie forschend an, jedoch sie sprach nicht.
"Wo ist Maria?" fragt ich, doch sie sprach nicht.
Griff leise meine Hand und f�hrte mich
Durch viele lange, leuchtende Gem�cher,
Wo Prunk und Pracht und Totenstille herrschte,
Und f�hrt' mich endlich in ein d�mmernd Zimmer
Und zeigt', mit abgewandtem Angesicht,
Nach der Gestalt, die auf dem Sofa sa�.
"Sind Sie Maria?" fragt ich. Innerlich
Erstaunt ich selber ob der Festigkeit,
Womit ich sprach. Und steinern und metallos
Scholl eine Stimm: "So nennen mich die Leute."
Ein schneidend Weh durchfr�stelte mich da,
Denn jener hohle, kalte Ton war doch
Die einst so s��e Stimme von Maria!
Und jenes Weib im fahlen Lilakleid,
Nachl�ssig angezogen, Busen schlotternd,
Die Augen gl�sern starr, die Wangenmuskeln
Des wei�en Angesichtes lederschlaff --
Ach, jenes Weib war doch die einst so sch�ne,
Die bl�hend holde liebliche Maria!
"Sie waren lang auf Reisen!" sprach sie laut,
Mit kalt unheimlicher Vertraulichkeit,
"Sie schaun nicht mehr so schmachtend, liebster Freund,
Sie sind gesund, und pralle Lend und Wade
Bezeugt Solidit�t." Ein s��lich L�cheln
Umzitterte den gelblich blassen Mund.
In der Verwirrung sprachs aus mir hervor:
"Man sagte mir. Sie haben sich verm�hlt?"
"Ach ja!" sprach sie gleichg�ltig laut und lachend,
"Hab einen Stock von Holz, der �berzogen
Mit Leder ist, Gemahl sich nennt; doch Holz
Ist Holz!" Und klanglos widrig lachte sie,
Da� kalte Angst durch meine Seele rann,
Und Zweifel mich ergriff: -- sind das die keuschen,
Die blumenkeuschen Lippen von Maria?
Sie aber hob sich in die H�h, nahm rasch
Vom Stuhl den Kaschemir, warf ihn
Um ihren Hals, hing sich an meinen Arm,
Zog mich von hinnen, durch die offne Haust�r,
Und zog mich fort durch Feld und Busch und Au.
Die gl�hend rote Sonnenscheibe schwebte
Schon niedrig, und ihr Purpur �berstrahlte
Die B�ume und die Blumen und den Strom,
Der in der Ferne majest�tisch flo�.
"Sehn Sie das gro�e goldne Auge schwimmen
Im blauen Wasser?" rief Maria hastig.
"Still, armes Wesen!" sprach ich, und ich schaute
Im D�mmerlicht ein m�rchenhaftes Weben.
Es stiegen Nebelbilder aus den Feldern,
Umschlangen sich mit wei�en, weichen Armen;
Die Veilchen sahn sich z�rtlich an, sehns�chtig
Zusammenbeugten sich die Lilienkelche;
Aus allen Rosen gl�hten Wollustgluten;
Die Nelken wollten sich im Hauch entz�nden;
In selgen D�ften schwelgten alle Blumen,
Und alle weinten stille Wonnetr�nen,
Und alle jauchzten: Liebe! Liebe! Liebe!
Die Schmetterlinge flatterten, die hellen
Goldk�fer summten feine Elfenliedchen,
Die Abendwinde fl�sterten, es rauschten
Die Eichen, schmelzend sang die Nachtigall --
Und zwischen all dem Fl�stern, Rauschen, Singen
Schwatzte mit blechern klanglos kalter Stimme
Das welke Weib, das mir am Arme hing:
"Ich kenn Ihr n�chtlich Treiben auf dem Schlo�;
Der lange Schatten ist ein guter Tropf,
Er nickt und winkt zu allem, was man will;
Der Blaurock ist ein Engel; doch der Rote,
Mit blankem Schwert, ist Ihnen spinnefeind."
Und noch viel buntre, wunderliche Reden
Schwatzt' sie in einem fort, und setzte sich,
Erm�det, mit mir nieder auf die Moosbank,
Die unterm alten Eichenbaume steht.
Da sa�en wir beisammen, still und traurig,
Und sahn uns an, und wurden immer traurger.
Die Eiche s�uselte wie Sterbeseufzer,
Tiefschmerzlich sang die Nachtigall herab.
Doch rote Lichter drangen durch die Bl�tter,
Umflimmerten Marias wei�es Antlitz
Und lockten Glut aus ihren starren Augen,
Und mit der alten, s��en Stimme sprach sie:
"Wie wu�test du, da� ich so elend bin?
Ich las es j�ngst in deinen wilden Liedern."
Eiskalt durchzogs mir da die Brust, mir grauste
Ob meinem eignen Wahnsinn, der die Zukunft
Geschaut, es zuckte dunkel durch mein Hirn,
Und vor Entsetzen bin ich aufgewacht.
In dem abendlichen Garten
Wandelt des Alkaden Tochter;
Pauken- und Trommetenjubel
Klingt herunter von dem Schlosse.
"L�stig werden mir die T�nze
Und die s��en Schmeichelworte,
Und die Ritter, die so zierlich
Mich vergleichen mit der Sonne.
"�berl�stig wird mir alles,
Seit ich sah, beim Strahl des Mondes,
Jenen Ritter, dessen Laute
N�chtens mich ans Fenster lockte.
"Wie er stand so schlank und mutig,
Und die Augen leuchtend schossen
Aus dem edelblassen Antlitz,
Glich er wahrlich Sankt Georgen."
Also dachte Donna Clara,
Und sie schaute auf den Boden;
Wie sie aufblickt, steht der sch�ne,
Unbekannte Ritter vor ihr.
H�ndedr�ckend, liebefl�sternd
Wandeln sie umher im Mondschein,
Und der Zephir schmeichelt freundlich,
M�rchenartig gr��en Rosen.
M�rchenartig gr��en Rosen,
Und sie gl�hn wie Liebesboten. --
Aber sage mir, Geliebte,
Warum du so pl�tzlich rot wirst?
"M�cken stachen mich. Geliebter,
Und die M�cken sind, im Sommer,
Mir so tief verha�t, als w�rens
Langenasge Judenrotten."
La� die M�cken und die Juden,
Spricht der Ritter, freundlich kosend.
Von den Mandelb�umen fallen
Tausend wei�e Bl�tenflocken.
Tausend wei�e Bl�tenflocken
Haben ihren Duft ergossen. --
Aber sage mir, Geliebte,
Ist dein Herz mir ganz gewogen?
"Ja, ich liebe dich, Geliebter,
Bei dem Heiland sei's geschworen,
Den die gottverfluchten Juden
Boshaft t�ckisch einst ermordet."
La� den Heiland und die Juden,
Spricht der Ritter, freundlich kosend.
In der Ferne schwanken traumhaft
Wei�e Lilien, lichtumflossen.
Wei�e Lilien, lichtumflossen,
Blicken nach den Sternen droben. --
Aber sage mir. Geliebte,
Hast du auch nicht falsch geschworen?
"Falsch ist nicht in mir, Geliebter,
Wie in meiner Brust kein Tropfen
Blut ist von dem Blut der Mohren
Und des schmutzgen Judenvolkes."
La� die Mohren und die Juden,
Spricht der Ritter, freundlich kosend;
Und nach einer Myrtenlaube
F�hrt er die Alkadentochter.
Mit den weichen Liebesnetzen
Hat er heimlich sie umflochten;
Kurze Worte, lange K�sse,
Und die Herzen �berfl�ssen.
Wie ein schmelzend s��es Brautlied
Singt die Nachtigall, die holde;
Wie zum Fackeltanze h�pfen
Feuerw�rmchen auf dem Boden.
In der Laube wird es stiller,
Und man h�rt nur, wie verstohlen,
Das Gefl�ster kluger Myrten
Und der Blumen Atemholen.
Aber Pauken und Trommeten
Schallen pl�tzlich aus dem Schlosse,
Und erwachend hat sich Clara
Aus des Ritters Arm gezogen.
"Horch! da ruft es mich. Geliebter;
Doch, bevor wir scheiden, sollst du
Nennen deinen lieben Namen,
Den du mir so lang verborgen."
Und der Ritter, heiter l�chelnd,
K��t die Finger seiner Donna,
K��t die Lippen und die Stirne,
Und er spricht zuletzt die Worte:
Ich, Sennora, Eur Geliebter,
Bin der Sohn des vielbelobten,
Gro�en, schriftgelehrten Rabbi
Israel von Saragossa.
In dem Dome zu Corduva
Stehen S�ulen, dreizehnhundert,
Dreizehnhundert Riesens�ulen
Tragen die gewaltge Kuppel.
Und auf S�ulen, Kuppel, W�nden
Ziehn von oben sich bis unten
Des Korans arabsche Spr�che,
Klug und blumenhaft verschlungen.
Mohrenk�n'ge bauten weiland
Dieses Haus zu Allahs Ruhme,
Doch hat vieles sich verwandelt
In der Zeiten dunkelm Strudel.
Auf dem Turme, wo der T�rmer
Zum Gebete aufgerufen,
T�net jetzt der Christenglocken
Melancholisches Gesumme.
Auf den Stufen, wo die Gl�ubgen
Das Prophetenwort gesungen,
Zeigen jetzt die Glatzenpf�fflein
Ihrer Messe fades Wunder.
Und das ist ein Drehn und Winden
Vor den buntbemalten Puppen,
Und das bl�kt und dampft und klingelt,
Und die dummen Kerzen funkeln.
In dem Dome zu Corduva
Steht Almansor ben Abdullah,
All die S�ulen still betrachtend,
Und die stillen Worte murmelnd:
"O, ihr S�ulen, stark und riesig,
Einst geschm�ckt zu Allahs Ruhme,
Jetzo m��t ihr dienend huldgen
Dem verha�ten Christentume!
"Ihr bequemt euch in die Zeiten,
Und ihr tragt die Last geduldig; --
Ei, da mu� ja wohl der Schw�chre
Noch viel leichter sich beruhgen!"
Und sein Haupt, mit heiterm Antlitz,
Beugt Almansor ben Abdullah
�ber den gezierten Taufstein,
In dem Dome zu Corduva.
Hastig schritt er aus dem Dome,
Jagte fort auf wildem Rappen,
Da� im Wind die feuchten Locken
Und des Hutes Federn wallen.
Auf dem Weg nach Alkolea,
Dem Guadalquivir entlange,
Wo die wei�en Mandeln bl�hen,
Und die duftgen Goldorangen;
Dorten jagt der lustge Ritter,
Pfeift und singt, und lacht behaglich,
Und es stimmen ein die V�gel
Und des Stromes laute Wasser.
In dem Schlo� zu Alkolea
Wohnet Clara de Alvares,
In Navarra k�mpft ihr Vater,
Und sie freut sich mindern Zwanges.
Und Almansor h�rt schon ferne
Pauken und Trommeten schallen,
Und er sieht des Schlosses Lichter
Blitzen durch der B�ume Schatten.
In dem Schlo� zu Alkolea
Tanzen zw�lf geschm�ckte Damen,
Tanzen zw�lf geschm�ckte Ritter,
Doch am sch�nsten tanzt Almansor.
Wie beschwingt von muntrer Laune,
Flattert er herum im Saale,
Und er wei� den Damen allen
S��e Schmeichelein zu sagen.
Isabellens sch�ne H�nde
K��t er rasch, und springt von dannen;
Und er setzt sich vor Elviren,
Und er schaut ihr froh ins Antlitz.
Lachend fragt er Leonoren:
Ob er heute ihr gefalle?
Und er zeigt die goldnen Kreuze
Eingestickt in seinen Mantel.
Er versichert jeder Dame:
Da� er sie im Herzen trage;
Und "so wahr ich Christ bin!" schw�rt er
Drei�igmal an jenem Abend.
In dem Schlo� zu Alkolea
Ist verschollen Lust und Klingen,
Herrn und Damen sind verschwunden,
Und erloschen sind die Lichter.
Donna Clara und Almansor
Sind allein im Saal geblieben;
Einsam streut die letzte Lampe
�ber beide ihren Schimmer.
Auf dem Sessel sitzt die Dame,
Auf dem Schemel sitzt der Ritter,
Und sein Haupt, das schlummerm�de
Ruht auf den geliebten Knieen.
Rosen�l, aus goldnem Fl�schchen,
Gie�t die Dame, sorgsam sinnend,
Auf Almansors braune Locken --
Und er seufzt aus Herzenstiefe.
S��en Ku�, mit sanftem Munde,
Dr�ckt die Dame, sorgsam sinnend,
Auf Almansors braune Locken --
Und es w�lkt sich seine Stirne.
Tr�nenflut, aus lichten Augen,
Weint die Dame, sorgsam sinnend,
Auf Almansors braune Locken --
Und es zuckt um seine Lippen.
Und er tr�umt: er stehe wieder,
Tief das Haupt gebeugt und triefend,
In dem Dome zu Corduva,
Und er h�rt viel dunkle Stimmen.
All die hohen Riesens�ulen
H�rt er murmeln unmutgrimmig,
L�nger wollen sie's nicht tragen,
Und sie wanken und sie zittern; --
Und sie brechen wild zusammen,
Es erbleichen Volk und Priester,
Krachend st�rzt herab die Kuppel,
Und die Christeng�tter wimmern.
Am Fenster stand die Mutter,
Im Bette lag der Sohn.
"Willst du nicht aufstehn, Wilhelm,
Zu schaun die Prozession?"
"Ich bin so krank, o Mutter,
Da� ich nicht h�r und seh;
Ich denk an das tote Gretchen,
Da tut das Herz mir weh." --
"Steh auf, wir wollen nach Kevlaar,
Nimm Buch und Rosenkranz;
Die Mutter Gottes heilt dir
Dein krankes Herze ganz."
Es flattern die Kirchenfahnen,
Es singt im Kirchenton;
Das ist zu K�llen am Rheine,
Da geht die Prozession.
Die Mutter folgt der Menge,
Den Sohn, den f�hret sie,
Sie singen beide im Chore:
Gelobt seist du, Marie!
Die Mutter Gottes zu Kevlaar
Tr�gt heut ihr bestes Kleid;
Heut hat sie viel zu schaffen,
Es kommen viel kranke Leut.
Die kranken Leute bringen
Ihr dar, als Opferspend,
Aus Wachs gebildete Glieder,
Viel w�chserne F�� und H�nd.
Und wer eine Wachshand opfert,
Dem heilt an der Hand die Wund;
Und wer einen Wachsfu� opfert,
Dem wird der Fu� gesund.
Nach Kevlaar ging mancher auf Kr�cken,
Der jetzo tanzt auf dem Seil,
Gar mancher spielt jetzt die Bratsche,
Dem dort kein Finger war heil.
Die Mutter nahm ein Wachslicht,
Und bildete draus ein Herz.
"Bring das der Mutter Gottes,
Dann heilt sie deinen Schmerz."
Der Sohn nahm seufzend das Wachsherz,
Ging seufzend zum Heiligenbild;
Die Tr�ne quillt aus dem Auge,
Das Wort aus dem Herzen quillt:
"Du Hochgebenedeite,
Du reine Gottesmagd,
Du K�nigin des Himmels,
Dir sei mein Leid geklagt!
"Ich wohnte mit meiner Mutter
Zu K�llen in der Stadt,
Der Stadt, die viele hundert
Kapellen und Kirchen hat.
"Und neben uns wohnte Gretchen,
Doch die ist tot jetzund --
Marie, dir bring ich ein Wachsherz,
Heil du meine Herzenswund.
"Heil du mein krankes Herze --
Ich will auch sp�t und fr�h
Inbr�nstiglich beten und singen:
Gelobt seist du, Marie!"
Der kranke Sohn und die Mutter,
Die schliefen im K�mmerlein;
Da kam die Mutter Gottes
Ganz leise geschritten herein.
Sie beugte sich �ber den Kranken
Und legte ihre Hand
Ganz leise auf sein Herze,
Und l�chelte mild und schwand.
Die Mutter schaut alles im Traume
Und hat noch mehr geschaut;
Sie erwachte aus dem Schlummer,
Die Hunde bellten so laut.
Da lag dahingestrecket
Ihr Sohn, und der war tot;
Es spielt auf den bleichen Wangen
Das lichte Morgenrot.
Die Mutter faltet die H�nde,
Ihr war, sie wu�te nicht wie;
And�chtig sang sie leise:
Gelobt seist du, Marie!
Schwarze R�cke, seidne Str�mpfe,
Wei�e, h�fliche Manschetten,
Sanfte Reden, Embrassieren --
Ach, wenn sie nur Herzen h�tten!
Herzen in der Brust, und Liebe,
Warme Liebe in dem Herzen --
Ach, mich t�tet ihr Gesinge
Von erlognen Liebesschmerzen.
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen H�tten stehen,
Wo die Brust sich frei erschlie�et
Und die freien L�fte wehen.
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunkeln Tannen ragen,
B�che rauschen, V�gel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.
Lebet wohl, ihr glatten S�le!
Glatte Herren, glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf euch niederschauen.
Auf dem Berge steht die H�tte,
Wo der alte Bergmann wohnt;
Dorten rauscht die gr�ne Tanne,
Und ergl�nzt der goldne Mond.
In der H�tte steht ein Lehnstuhl,
Ausgeschnitzelt wunderlich,
Der darauf sitzt, der ist gl�cklich,
Und der Gl�ckliche bin ich!
Auf dem Schemel sitzt die Kleine
St�tzt den Arm auf meinen Scho�;
�uglein wie zwei blaue Sterne,
M�ndlein wie die Purpurros.
Und die lieben, blauen Sterne
Schaun mich an so himmelgro�,
Und sie legt den Lilienfinger
Schalkhaft auf die Purpurros.
Nein, es sieht uns nicht die Mutter,
Denn sie spinnt mit gro�em Flei�
Und der Vater spielt die Zither,
Und er singt die alte Weis.
Und die Kleine fl�stert leise,
Leise, mit ged�mpftem Laut;
Manches wichtige Geheimnis
Hat sie mir schon anvertraut.
"Aber seit die Muhme tot ist,
K�nnen wir ja nicht mehr gehn
Nach dem Sch�tzenhof zu Goslar,
Dorten ist es gar zu sch�n.
"Hier dagegen ist es einsam,
Auf der kalten Bergesh�h,
Und des Winters sind wir g�nzlich
Wie begraben in dem Schnee.
"Und ich bin ein banges M�dchen,
Und ich furcht mich wie ein Kind
Vor den b�sen Bergesgeistern,
Die des Nachts gesch�ftig sind."
Pl�tzlich schweigt die liebe Kleine,
Wie vom eignen Wort erschreckt,
Und sie hat mit beiden H�ndchen
Ihre �ugelein bedeckt.
Lauter rauscht die Tanne drau�en,
Und das Spinnrad schnurrt und brummt,
Und die Zither klingt dazwischen,
Und die alte Weise summt:
"F�rcht dich nicht, du liebes Kindchen,
Vor der b�sen Geister Macht;
Tag und Nacht, du liebes Kindchen,
Halten Englein bei dir Wacht!"
Tannenbaum, mit gr�nen Fingern
Pocht ans niedre Fensterlein,
Und der Mond, der stille Lauscher,
Wirft sein goldnes Licht herein.
Vater, Mutter schnarchen leise
In dem nahen Schlafgemach,
Doch wir beide, selig schwatzend,
Halten uns einander wach.
"Da� du gar zu oft gebetet,
Das zu glauben wird mir schwer,
Jenes Zucken deiner Lippen
Kommt wohl nicht vom Beten her.
"Jenes b�se, kalte Zucken,
Das erschreckt mich jedesmal,
Doch die dunkle Angst beschwichtigt
Deiner Augen frommer Strahl.
"Auch bezweifl ich, da� du glaubest,
Was so rechter Glauben hei�t --
Glaubst wohl nicht an Gott den Vater,
An den Sohn und Heilgen Geist?"
Ach, mein Kindchen, schon als Knabe
Als ich sa� auf Mutters Scho�,
Glaubte ich an Gott den Vater,
Der da waltet gut und gro�;
Der die sch�ne Erd erschaffen,
Und die sch�nen Menschen drauf,
Der den Sonnen, Monden, Sternen
Vorgezeichnet ihren Lauf.
Als ich gr��er wurde, Kindchen,
Noch viel mehr begriff ich schon,
Ich begriff, und ward vern�nftig,
Und ich glaub auch an den Sohn;
An den lieben Sohn, der liebend
Uns die Liebe offenbart
Und zum Lohne, wie gebr�uchlich,
Von dem Volk gekreuzigt ward.
Jetzo, da ich ausgewachsen,
Viel gelesen, viel gereist,
Schwillt mein Herz, und ganz von Herzen
Glaub ich an den Heilgen Geist.
Dieser tat die gr��ten Wunder,
Und viel gr��re tut er noch:
Er zerbrach die Zwingherrnburgen,
Und zerbrach des Knechtes Joch.
Alte Todeswunden heilt er,
Und erneut das alte Recht:
Alle Menschen, gleichgeboren,
Sind ein adliges Geschlecht.
Er verscheucht die b�sen Nebel
Und das dunkle Hirngespinst,
Das uns Lieb und Lust verleidet,
Tag und Nacht uns angegrinst.
Tausend Ritter, wohlgewappnet,
Hat der Heilge Geist erw�hlt,
Seinen Willen zu erf�llen,
Und er hat sie mutbeseelt.
Ihre teuern Schwerter blitzen,
Ihre guten Banner wehn!
Ei, du m�chtest wohl, mein Kindchen,
Solche stolze Ritter sehn?
Nun, so schau mich an, mein Kindchen,
K�sse mich und schaue dreist;
Denn ich selber bin ein solcher
Ritter von dem Heilgen Geist.
Still versteckt der Mond sich drau�en
Hinterm gr�nen Tannenbaum,
Und im Zimmer unsre Lampe
Flackert matt und leuchtet kaum.
Aber meine blauen Sterne
Strahlen auf in hellerm Licht,
Und es gl�hn die Purpurr�slein,
Und das liebe M�dchen spricht:
"Kleines V�lkchen, Wichtelm�nnchen,
Stehlen unser Brot und Speck,
Abends liegt es noch im Kasten,
Und des Morgens ist es weg.
"Kleines V�lkchen, unsre Sahne
Nascht es von der Milch, und l��t
unbedeckt die Sch�ssel stehen,
Und die Katze s�uft den Rest.
"Und die Katz ist eine Hexe,
Denn sie schleicht, bei Nacht und Sturm,
Dr�ben nach dem Geisterberge,
Nach dem altverfallnen Turm.
"Dort hat einst ein Schlo� gestanden,
Voller Lust und Waffenglanz;
Blanke Ritter, Fraun und Knappen
Schwangen sich im Fackeltanz.
"Da verw�nschte Schlo� und Leute
Eine b�se Zauberin;
Nur die Tr�mmer blieben stehen,
Und die Eulen nisten drin.
"Doch die selge Muhme sagte:
Wenn man spricht das rechte Wort,
N�chtlich zu der rechten Stunde,
Dr�ben an dem rechten Ort:
"So verwandeln sich die Tr�mmer
Wieder in ein heiles Schlo�,
Und es tanzen wieder lustig
Ritter, Fraun und Knappentro�;
"Und wer jenes Wort gesprochen,
Dem geh�ren Schlo� und Leut,
Pauken und Trompeten huldgen
Seiner jungen Herrlichkeit."
Also bl�hen M�rchenbilder
Aus des Mundes R�selein,
Und die Augen gie�en dr�ber
Ihren blauen Sternenschein.
Ihre goldnen Haare wickelt
Mir die Kleine um die H�nd,
Gibt den Fingern h�bsche Namen,
Lacht und k��t, und schweigt am End.
Und im stillen Zimmer alles
Blickt mich an so wohlvertraut;
Tisch und Schrank, mir ist, als h�tt ich
Sie schon fr�her mal geschaut.
Freundlich ernsthaft schwatzt die Wanduhr,
Und die Zither, h�rbar kaum,
F�ngt von selber an zu klingen,
Und ich sitze wie im Traum.
Jetzo ist die rechte Stunde,
Und es ist der rechte Ort;
Ja, ich glaube, von den Lippen
Gleitet mir das rechte Wort.
Siehst du, Kindchen, wie schon d�mmert
Und erbebt die Mitternacht!
Bach und Tannen brausen lauter,
Und der alte Berg erwacht.
Zitherklang und Zwergenlieder
T�nen aus des Berges Spalt,
Und es sprie�t, wie'n toller Fr�hling,
Draus hervor ein Blumenwald: --
Blumen, k�hne Wunderblumen,
Bl�tter, breit und fabelhaft,
Duftig bunt und hastig regsam,
Wie gedr�ngt von Leidenschaft.
Rosen, wild, wie rote Flammen,
Spr�hn aus dem Gew�hl hervor;
Lilien, wie kristallne Pfeiler,
Schie�en himmelhoch empor.
Und die Sterne, gro� wie Sonnen
Schaun herab mit Sehnsuchtglut;
In der Lilien Riesenkelche
Str�met ihre Strahlenflut.
Doch wir selber, s��es Kindchen,
Sind verwandelt noch viel mehr;
Fackelglanz und Gold und Seide
Schimmern lustig um uns her.
Du, du wurdest zur Prinzessin,
Diese H�tte ward zum Schlo�,
Und da jubeln und da tanzen
Ritter, Fraun und Knappentro�.
Aber ich, ich hab erworben
Dich und alles, Schlo� und Leut;
Pauken und Trompeten huldgen
Meiner jungen Herrlichkeit!
K�nig ist der Hirtenknabe,
Gr�ner H�gel ist sein Thron;
�ber seinem Haupt die Sonne
Ist die gro�e, goldne Kr�n.
Ihm zu F��en liegen Schafe,
Weiche Schmeichler, rotbekreuzt
Kavaliere sind die K�lber,
Und sie wandeln stolzgespreizt.
Hofschauspieler sind die B�cklein;
Und die V�gel und die K�h,
Mit den Fl�ten, mit den Gl�cklein,
Sind die Kammermusizi.
Und das klingt und singt so lieblich,
Und so lieblich rauschen drein