Part 2 out of 4
Gib her die Larv, ich will mich jetzt maskieren
In einen Lumpenkerl, damit Halunken,
Die pr�chtig in Charaktermasken prunken,
Nicht w�hnen, Ich sei einer von den Ihren.
Gib her gemeine Worte und Manieren,
Ich zeige mich in P�belart versunken,
Verleugne all die sch�nen Geistesfunken,
Womit jetzt fade Schlingel kokettieren.
So tanz ich auf dem gro�en Maskenballe,
Umschw�rmt von deutschen Rittern, M�nchen, K�n'gen,
Von Harlekin gegr��t, erkannt von wen'gen.
Mit ihrem Holzschwert pr�geln sie mich alle.
Das ist der Spa�. Denn wollt ich mich entmummen,
So m��te all das Galgenpack verstummen.
Ich lache ob den abgeschmackten Laffen,
Die mich anglotzen mit den Bocksgesichtern;
Ich lache ob den F�chsen, die so n�chtern
Und h�misch mich beschn�ffeln und begaffen.
Ich lache ob den hochgelahrten Affen,
Die sich aufbl�hn zu stolzen Geistesrichtern;
Ich lache ob den feigen B�sewichtern,
Die mich bedrohn mit giftgetr�nkten Waffen.
Denn wenn des Gl�ckes h�bsche Siebensachen
Uns von des Schicksals H�nden sind zerbrochen,
Und so zu unsern F��en hingeschmissen;
Und wenn das Herz im Leibe ist zerrissen,
Zerrissen, und zerschnitten, und zerstochen --
Dann bleibt uns doch das sch�ne gelle Lachen.
Im Hirn spukt mir ein M�rchen wunderfein,
Und in dem M�rchen klingt ein feines Lied,
Und in dem Liede lebt und webt und bl�ht
Ein wundersch�nes, zartes M�gdelein.
Und in dem M�gdelein wohnt ein Herzchen klein,
Doch in dem Herzchen keine Liebe gl�ht;
In dieses lieblos frostige Gem�t
Kam Hochmut nur und �bermut hinein.
H�rst du, wie mir im Kopf das M�rchen klinget?
Und wie das Liedchen summet ernst und schaurig?
Und wie das M�gdelein kichert, leise, leise?
Ich f�rchte nur, da� mir der Kopf zerspringet --
Und, ach! da w�r's doch gar entsetzlich traurig,
K�m der Verstand mir aus dem alten Gleise.
In stiller, wehmutweicher Abendstunde
Umklingen mich die l�ngst verschollnen Lieder,
Und Tr�nen flie�en von der Wange nieder,
Und Blut entquillt der alten Herzenswunde.
Und wie in eines Zauberspiegels Grunde
Seh ich das Bildnis meiner Liebsten wieder;
Sie sitzt am Arbeitstisch, im roten Mieder,
Und Stille herrscht in ihrer selgen Runde.
Doch pl�tzlich springt sie auf vom Stuhl und schneidet
Von ihrem Haupt die sch�nste aller Locken,
Und gibt sie mir -- vor Freud bin ich erschrocken!
Mephisto hat die Freude mir verleidet.
Er spann ein festes Seil von jenen Haaren,
Und schleift mich dran herum seit vielen Jahren.
"Als ich vor einem Jahr dich wiederblickte,
K��test du mich nicht in der Willkommstund."
So sprach ich, und der Liebsten roter Mund
Den sch�nsten Ku� auf meine Lippen dr�ckte.
Und l�chelnd s�� ein Myrtenreis sie pfl�ckte
Vom Myrtenstrauche, der am Fenster stund:
"Nimm hin, und pflanz dies Reis in frischen Grund,
Und stell ein Glas darauf", sprach sie und nickte. --
Schon lang ists her. Es starb das Reis im Topf.
Sie selbst hab ich seit Jahren nicht gesehn;
Doch brennt der Ku� mir immer noch im Kopf.
Und aus der Ferne triebs mich j�ngst zum Ort,
Wo Liebchen wohnt. Vorm Hause blieb ich stehn
Die ganze Nacht, ging erst am Morgen fort.
H�t dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen,
Doch schlimmer sind die sanften Engelsfr�tzchen.
Ein solches bot mir einst ein s��es Schm�tzchen,
Doch wie ich kam, da f�hlt ich scharfe Tatzen.
H�t dich, mein Freund, vor schwarzen, alten Katzen,
Doch schlimmer sind die wei�en, jungen K�tzchen.
Ein solches macht ich einst zu meinem Sch�tzchen,
Doch t�t mein Sch�tzchen mir das Herz zerkratzen.
O s��es Fr�tzchen, wunders��es M�dchen!
Wie konnte mich dein klares �uglein t�uschen?
Wie konnt dein Pf�tchen mir das Herz zerfleischen?
O meines K�tzchens wunderzartes Pf�tchen!
K�nnt ich dich an die gl�hnden Lippen pressen,
Und k�nnt mein Herz verbluten unterdessen!
Du sahst mich oft im Kampf mit jenen Schlingeln
Geschminkten Katzen und bebrillten Pudeln,
Die mir den blanken Namen gern besudeln
Und mich so gerne ins Verderben z�ngeln.
Du sahest oft, wie mich Pedanten hudeln,
Wie Schellenkappentr�ger mich umklingeln,
Wie giftge Schlangen um mein Herz sich ringeln;
Du sahst mein Blut aus tausend Wunden sprudeln.
Du aber standest fest gleich einem Turme;
Ein Leuchtturm war dein Kopf mir in dem Sturme,
Dein treues Herz war mir ein guter Hafen.
Wohl wogt um jenen Hafen wilde Brandung,
Nur wen'ge Schiff erringen dort die Landung;
Doch ist man dort, so kann man sicher schlafen.
Ich m�chte weinen, doch ich kann es nicht;
Ich m�cht mich r�stig in die H�he heben,
Doch kann ich's nicht; am Boden mu� ich kleben,
Umkr�chzt, umzischt von eklem Wurmgez�cht.
Ich m�chte gern mein heitres Lebenslicht,
Mein sch�nes Lieb, all�berall umschweben,
In ihrem selig s��en Hauche leben --
Doch kann ich's nicht, mein krankes Herze bricht.
Aus dem gebrochnen Herzen f�hl ich flie�en
Mein hei�es Blut, ich f�hle mich ermatten,
Und vor den Augen wird's mir tr�b und tr�ber.
Und heimlich schauernd sehn ich mich hin�ber
Nach jenem Nebelreich, wo stille Schatten
Mit weichen Armen liebend mich umschlie�en.
Es war mal ein Ritter, tr�bselig und stumm,
Mit hohlen, schneewei�en Wangen;
Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,
In dumpfen Tr�umen befangen.
Er war so h�lzern, so t�ppisch, so links,
Die Bl�mlein und M�gdlein die kicherten rings,
Wenn er stolpernd vorbeigegangen.
Oft sa� er im finstersten Winkel zu Haus;
Er hatt sich vor Menschen verkrochen.
Da streckte er sehnend die Arme aus,
Doch hat er kein W�rtlein gesprochen.
Kam aber die Mitternachtsstunde heran,
Ein seltsames Singen und Klingen begann --
An die T�re da h�rt er es pochen.
Da kommt seine Liebste geschlichen herein,
Im rauschenden Wellenschaumkleide.
Sie bl�ht und gl�ht, wie ein R�selein,
Ihr Schleier ist eitel Geschmeide.
Goldlocken umspielen die schlanke Gestalt,
Die �uglein gr��en mit s��er Gewalt --
In die Arme sinken sich beide.
Der Ritter umschlingt sie mit Liebesmacht,
Der H�lzerne steht jetzt in Feuer,
Der Blasse err�tet, der Tr�umer erwacht,
Der Bl�de wird freier und freier.
Sie aber, sie hat ihn gar schalkhaft geneckt,
Sie hat ihm ganz leise den Kopf bedeckt
Mit dem wei�en, demantenen Schleier.
In einen kristallenen Wasserpalast
Ist pl�tzlich gezaubert der Ritter.
Er staunt, und die Augen erblinden ihm fast
Vor alle dem Glanz und Geflitter.
Doch h�lt ihn die Nixe umarmet gar traut,
Der Ritter ist Br�utgam, die Nixe ist Braut;
Ihre Jungfraun spielen die Zither.
Sie spielen und singen, und singen so sch�n,
Und heben zum Tanze die F��e;
Dem Ritter, dem wollen die Sinne vergehn,
Und fester umschlie�t er die S��e --
Da l�schen auf einmal die Lichter aus,
Der Ritter sitzt wieder ganz einsam zu Haus,
In dem d�stern Poetenst�bchen.
Im wundersch�nen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.
Im wundersch�nen Monat Mai,
Als alle V�gel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.
Aus meinen Tr�nen sprie�en
Viel bl�hende Blumen hervor,
Und meine Seufzer werden
Ein Nachtigallenchor.
Und wenn du mich lieb hast, Kindchen
Schenk ich dir die Blumen all,
Und vor deinem Fenster soll klingen
Das Lied der Nachtigall.
Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne,
Die liebt ich einst alle in Liebeswonne.
Ich lieb sie nicht mehr, ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
Sie selber, aller Liebe Bronne,
Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.
Wenn ich in deine Augen seh,
So schwindet all mein Leid und Weh;
Doch wenn ich k�sse deinen Mund,
So werd ich ganz und gar gesund.
Wenn ich mich lehn an deine Brust.
Kommts �ber mich wie Himmelslust;
Doch wenn du sprichst: Ich liebe dich!
So mu� ich weinen bitterlich.
Dein Angesicht so lieb und sch�n,
Das hab ich j�ngst im Traum gesehn,
Es ist so mild und engelgleich,
Und doch so bleich, so schmerzenbleich.
Und nur die Lippen, die sind rot;
Bald aber k��t sie bleich der Tod.
Erl�schen wird das Himmelslicht,
Das aus den frommen Augen bricht.
Lehn deine Wang an meine Wang,
Dann flie�en die Tr�nen zusammen;
Und an mein Herz dr�ck fest dein Herz,
Dann schlagen zusammen die Flammen!
Und wenn in die gro�e Flamme flie�t
Der Strom von unsern Tr�nen,
Und wenn dich mein Arm gewaltig umschlie�t --
Sterb ich vor Liebessehnen!
Ich will meine Seele tauchen
In den Kelch der Lilie hinein;
Die Lilie soll klingend hauchen
Ein Lied von der Liebsten mein.
Das Lied soll schauern und beben,
Wie der Ku� von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar s��er Stund.
Es stehen unbeweglich
Die Sterne in der H�h,
Viel tausend Jahr, und schauen
Sich an mit Liebesweh.
Sie sprechen eine Sprache,
Die ist so reich, so sch�n;
Doch keiner der Philologen
Kann diese Sprache verstehn.
Ich aber hab sie gelernet,
Und ich vergesse sie nicht;
Mir diente als Grammatik
Der Herzallerliebsten Gesicht.
Auf Fl�geln des Gesanges,
Herzliebchen, trag ich dich fort,
Fort nach den Fluren des Ganges,
Dort wei� ich den sch�nsten Ort.
Dort liegt ein rotbl�hender Garten
Im stillen Mondenschein;
Die Lotosblumen erwarten
Ihr trautes Schwesterlein.
Die Veilchen kichern und kosen
Und schaun nach den Sternen empor;
Heimlich erz�hlen die Rosen
Sich duftende M�rchen ins Ohr.
Es h�pfen herbei und lauschen
Die frommen, klugen Gazelln;
Und in der Ferne rauschen
Des heiligen Stromes Welln.
Dort wollen wir niedersinken
Unter dem Palmenbaum,
Und Liebe und Ruhe trinken,
Und tr�umen seligen Traum.
Die Lotosblume �ngstigt
Sich vor der Sonne Pracht,
Und mit gesenktem Haupte
Erwartet sie tr�umend die Nacht.
Der Mond, der ist ihr Buhle,
Er weckt sie mit seinem Licht,
Und ihm entschleiert sie freundlich
Ihr frommes Blumengesicht.
Sie bl�ht und gl�ht und leuchtet,
Und starret stumm in die H�h;
Sie duftet und weinet und zittert
Vor Liebe und Liebesweh.
Im Rhein, im sch�nen Strome,
Da spiegelt sich in den Welln,
Mit seinem gro�en Dome,
Das gro�e, heilige K�ln.
Im Dom da steht ein Bildnis,
Auf goldenem Leder gemalt;
In meines Lebens Wildnis
Hat's freundlich hineingestrahlt.
Es schweben Blumen und Englein
Um unsre liebe Frau;
Die Augen, die Lippen, die W�nglein,
Die gleichen der Liebsten genau.
Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht,
Das k�mmert mich gar wenig;
Schau ich dir nur ins Angesicht,
So bin ich froh wie 'n K�nig.
Du hassest, hassest mich sogar,
So spricht dein rotes M�ndchen;
Reich mir es nur zum K�ssen dar,
So tr�st ich mich, mein Kindchen.
O schw�re nicht und k�sse nur,
Ich glaube keinem Weiberschwur!
Dein Wort ist s��, doch s��er ist
Der Ku�, den ich dir abgek��t!
Den hab ich, und dran glaub ich auch,
Das Wort ist eitel Dunst und Hauch.
O schw�re, Liebchen, immerfort,
Ich glaube dir aufs blo�e Wort!
An deinen Busen sink ich hin,
Und glaube, da� ich selig bin;
Ich glaube, Liebchen, ewiglich,
Und noch viel l�nger liebst du mich.
Auf meiner Herzliebsten �ugelein
Mach ich die sch�nsten Kanzonen.
Auf meiner Herzliebsten M�ndchen klein
Mach ich die besten Terzinen.
Auf meiner Herzliebsten W�ngelein
Mach ich die herrlichsten Stanzen.
Und wenn meine Liebste ein Herzchen h�tt,
Ich machte darauf ein h�bsches Sonett.
Die Welt ist dumm, die Welt ist blind,
Wird t�glich abgeschmackter!
Sie spricht von dir, mein sch�nes Kind,
Du hast keinen guten Charakter.
Die Welt ist dumm, die Welt ist blind.
Und dich wird sie immer verkennen;
Sie wei� nicht, wie s�� deine K�sse sind,
Und wie sie beseligend brennen.
Liebste, sollst mir heute sagen:
Bist du nicht ein Traumgebild,
Wie's in schw�len Sommertagen
Aus dem Hirn des Dichters quillt?
Aber nein, ein solches M�ndchen,
Solcher Augen Zauberlicht,
Solch ein liebes, s��es Kindchen,
Das erschafft der Dichter nicht.
Basilisken und Vampire,
Lindenw�rm und Ungeheur,
Solche schlimme Fabeltiere,
Die erschafft des Dichters Feur.
Aber dich und deine T�cke,
Und dein holdes Angesicht,
Und die falschen frommen Blicke --
Das erschafft der Dichter nicht.
Wie die Wellenschaumgeborene
Strahlt mein Lieb in Sch�nheitsglanz,
Denn sie ist das auserkorene
Br�utchen eines fremden Manns.
Herz, mein Herz, du vielgeduldiges,
Grolle nicht ob dem Verrat;
Trag es, trag es, und entschuldig es,
Was die holde T�rin tat.
Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht.
Ewig verlornes Lieb! ich grolle nicht.
Wie du auch strahlst in Diamantenpracht,
Es f�llt kein Strahl in deines Herzens Nacht.
Das wei� ich l�ngst. Ich sah dich ja im Traum,
Und sah die Nacht in deines Herzens Raum,
Und sah die Schlang, die dir am Herzen fri�t, --
Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.
Ja, du bist elend, und ich grolle nicht; --
Mein Lieb, wir sollen beide elend sein!
Bis uns der Tod das kranke Herze bricht,
Mein Lieb, wir sollen beide elend sein!
Wohl seh ich Spott, der deinen Mund umschwebt,
Und seh dein Auge blitzen trotziglich,
Und seh den Stolz, der deinen Busen hebt, --
Und elend bist du doch, elend wie ich.
Unsichtbar zuckt auch Schmerz um deinen Mund,
Verborgne Tr�ne tr�bt des Auges Schein,
Der stolze Busen hegt geheime Wund --
Mein Lieb, wir sollen beide elend sein.
Das ist ein Fl�ten und Geigen,
Trompeten schmettern drein;
Da tanzt den Hochzeitreigen
Die Herzallerliebste mein.
Das ist ein Klingen und Dr�hnen
Von Pauken und Schalmein;
Dazwischen schluchzen und st�hnen
Die guten Engelein.
So hast du ganz und gar vergessen,
Da� ich so lang dein Herz besessen
Dein Herzchen so s�� und so falsch und so klein,
Es kann nirgend was S��res und Falscheres sein.
So hast du die Lieb und das Leid vergessen,
Die das Herz mir t�ten zusammenpressen.
Ich wei� nicht, war Liebe gr��er als Leid?
Ich wei� nur, sie waren gro� alle beid!
Und w��tens, die Blumen, die kleinen,
Wie tief verwundet mein Herz,
Sie w�rden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.
Und w��tens die Nachtigallen,
Wie ich so traurig und krank,
Sie lie�en fr�hlich erschallen
Erquickenden Gesang.
Und w��ten sie mein Wehe,
Die goldnen Sternelein,
Sie k�men aus ihrer H�he,
Und spr�chen Trost mir ein.
Die alle k�nnens nicht wissen,
Nur Eine kennt meinen Schmerz:
Sie hat ja selbst zerrissen,
Zerrissen mir das Herz.
Warum sind denn die Rosen so bla�,
O sprich, mein Lieb, warum?
Warum sind denn im gr�nen Gras
Die blauen Veilchen so stumm?
Warum singt denn mit so kl�glichem Laut
Die Lerche in der Luft?
Warum steigt denn aus dem Balsamkraut
Hervor ein Leichenduft?
Warum scheint denn die Sonn auf die Au
So kalt und verdrie�lich herab?
Warum ist denn die Erde so grau
Und �de wie ein Grab?
Warum bin ich selbst so krank und so tr�b,
Mein liebes Liebchen, sprich?
O sprich, mein herzallerliebstes Lieb,
Warum verlie�est du mich?
Sie haben dir viel erz�hlet,
Und haben viel geklagt;
Doch was meine Seele gequ�let,
Das haben sie nicht gesagt.
Sie machten ein gro�es Wesen
Und sch�ttelten kl�glich das Haupt;
Sie nannten mich den B�sen,
Und du hast alles geglaubt.
Jedoch das Allerschlimmste,
Das haben sie nicht gewu�t;
Das Schlimmste und das D�mmste,
Das trug ich geheim in der Brust.
Die Linde bl�hte, die Nachtigall sang,
Die Sonne lachte mit freundlicher Lust;
Da k��test du mich, und dein Arm mich umschlang,
Da pre�test du mich an die schwellende Brust.
Die Bl�tter fielen, der Rabe schrie hohl,
Die Sonne gr��te verdrossenen Blicks;
Da sagten wir frostig einander: "Lebwohl!"
Da knickstest du h�flich den h�flichsten Knicks.
Wir haben viel f�reinander gef�hlt,
Und dennoch uns gar vortrefflich vertragen.
Wir haben oft "Mann und Frau" gespielt,
Und dennoch uns nicht gerauft und geschlagen
Wir haben zusammen gejauchzt und gescherzt,
Und z�rtlich uns gek��t und geherzt.
Wir haben am Ende, aus kindischer Lust,
"Verstecken" gespielt in W�ldern und Gr�nden,
Und haben uns so zu verstecken gewu�t,
Da� wir uns nimmermehr wiederfinden.
Du bliebest mir treu am l�ngsten,
Und hast dich f�r mich verwendet
Und hast mir Trost gespendet
In meinen N�ten und �ngsten.
Du gabest mir Trank und Speise
Und hast mir Geld geborget,
Und hast mich mit W�sche versorget,
Und mit dem Pa� f�r die Reise.
Mein Liebchen! da� Gott dich beh�te,
Noch lange, vor Hitz und vor K�lte,
Und da� er dir nimmer vergelte
Die mir erwiesene G�te!
Die Erde war so lange geizig,
Da kam der Mai, und sie ward spendabel,
Und alles lacht, und jauchzt, und freut sich,
Ich aber bin nicht zu lachen kapabel.
Die Blumen sprie�en, die Gl�cklein schallen.
Die V�gel sprechen wie in der Fabel;
Mir aber will das Gespr�ch nicht gefallen,
Ich finde alles miserabel.
Das Menschenvolk mich ennuyieret,
Sogar der Freund, der sonst passabel; --
Das k�mmt, weil man Madame titulieret
Mein s��es Liebchen, so s�� und aimabel.
Und als ich so lange, so lange ges�umt,
In fremden Landen geschw�rmt und getr�umt:
Da ward meiner Liebsten zu lang die Zeit,
Und sie n�hete sich ein Hochzeitskleid,
Und hat mit z�rtlichen Armen umschlungen,
Als Br�utgam, den d�mmsten der dummen Jungen.
Mein Liebchen ist so sch�n und mild,
Noch schwebt mir vor ihr s��es Bild;
Die Veilchenaugen, die Rosenw�nglein,
Die gl�hen und bl�hen, jahraus, jahrein.
Da� ich von solchem Lieb konnt weichen,
War der d�mmste von meinen dummen Streichen
Die blauen Veilchen der �ugelein,
Die roten Rosen der W�ngelein,
Die wei�en Lilien der H�ndchen klein,
Die bl�hen und bl�hen noch immerfort,
Und nur das Herzchen ist verdorrt.
Die Welt ist so sch�n und der Himmel so blau,
Und die L�fte die wehen so lind und so lau,
Und die Blumen winken auf bl�hender Au,
Und funkeln und glitzern im Morgentau,
Und die Menschen jubeln, wohin ich schau, --
Und doch m�cht ich im Grabe liegen,
Und mich an ein totes Liebchen schmiegen.
Mein s��es Lieb, wenn du im Grab,
Im dunklen Grab wirst liegen,
Dann will ich steigen zu dir hinab,
Und will mich an dich schmiegen.
Ich k�sse, umschlinge und presse dich wild
Du Stille, du Kalte, du Bleiche!
Ich jauchze, ich zittre, ich weine mild,
Ich werde selber zur Leiche.
Die Toten stehn auf, die Mitternacht ruft,
Sie tanzen im luftigen Schwarme;
Wir beide bleiben in der Gruft,
Ich liege in deinem Arme.
Die Toten stehn auf, der Tag des Gerichts
Ruft sie zu Qual und Vergn�gen;
Wir beide bek�mmern uns um nichts,
Und bleiben umschlungen liegen.
Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler H�h.
Ihn schl�fert; mit wei�er Decke
Umh�llen ihn Eis und Schnee.
Er tr�umt von einer Palme,
Die, fern im Morgenland,
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.
Ach, wenn ich nur der Schemel w�r.
Worauf der Liebsten F��e ruhn!
Und stampfte sie mich noch so sehr,
Ich wollte doch nicht klagen tun.
Ach, wenn ich nur das Ki�chen w�r,
Wo sie die Nadeln steckt hinein!
Und st�che sie mich noch so sehr,
Ich wollte mich der Stiche freun.
Ach, w�r ich nur das St�ck Papier,
Das sie als Papillote braucht!
Ich wollte heimlich fl�stern ihr
Ins Ohr, was in mir lebt und haucht.
Seit die Liebste war entfernt,
Hatt ich's Lachen ganz verlernt.
Schlechten Witz ri� mancher Wicht,
Aber lachen konnt ich nicht.
Seit ich sie verloren hab,
Schafft ich auch das Weinen ab;
Fast vor Weh das Herz mir bricht,
Aber weinen kann ich nicht.
Aus meinen gro�en Schmerzen
Mach ich die kleinen Lieder;
Die heben ihr klingend Gefieder
Und flattern nach ihrem Herzen.
Sie fanden den Weg zu Trauten,
Doch kommen sie wieder und klagen,
Und klagen, und wollen nicht sagen,
Was sie im Herzen schauten.
Philister im Sonntagsr�cklein
Spazieren durch Wald und Flur;
Sie jauchzen, sie h�pfen wie B�cklein,
Begr��en die sch�ne Natur.
Betrachten mit blinzelnden Augen,
Wie alles romantisch bl�ht;
Mit langen Ohren saugen
Sie ein der Spatzen Lied.
Ich aber verh�nge die Fenster
Des Zimmers mit schwarzem Tuch;
Es machen mir meine Gespenster
Sogar einen Tagesbesuch.
Die alte Liebe erscheinet,
Sie stieg aus dem Totenreich,
Sie setzt sich zu mir und weinet,
Und macht das Herz mir weich.
Manch Bild vergessener Zeiten
Steigt auf aus seinem Grab,
Und zeigt, wie in deiner N�he
Ich einst gelebet hab.
Am Tage schwankte ich tr�umend
Durch alle Stra�en herum;
Die Leute verwundert mich ansahn,
Ich war so traurig und stumm.
Des Nachts da war es besser,
Da waren die Stra�en leer;
Ich und mein Schatten selbander,
Wir wandelten schweigend einher.
Mit widerhallendem Fu�tritt
Wandelt ich �ber die Br�ck;
Der Mond brach aus den Wolken,
Und gr��te mit ernstem Blick.
Stehn blieb ich vor deinem Hause
Und starrte in die H�h,
Und starrte nach deinem Fenster --
Das Herz tat mir so weh.
Ich wei�, du hast aus dem Fenster
Gar oft herabgesehn,
Und sahst mich im Mondenlichte
Wie eine S�ule stehn.
Ein J�ngling liebt ein M�dchen,
Die hat einen andern erw�hlt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser verm�hlt.
Das M�dchen heiratet aus �rger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der J�ngling ist �bel dran.
Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.
H�r ich das Liedchen klingen,
Das einst die Liebste sang,
So will mir die Brust zerspringen
Vor wildem Schmerzendrang.
Es treibt mich ein dunkles Sehnen
Hinauf zur Waldesh�h,
Dort l�st sich auf in Tr�nen
Mein �bergro�es Weh.
Mir tr�umte von einem K�nigskind,
Mit nassen, blassen Wangen;
Wir sa�en unter der gr�nen Lind,
Und hielten uns liebumfangen.
"Ich will nicht deines Vaters Thron,
Und nicht sein Zepter von Golde,
Ich will nicht seine demantene Kron,
Ich will dich selber, du Holde!"
Das kann nicht sein, sprach sie zu mir,
Ich liege ja im Grabe,
Und nur des Nachts komm ich zu dir,
Weil ich so lieb dich habe.
Mein Liebchen, wir sa�en beisammen,
Traulich im leichten Kahn.
Die Nacht war still, und wir schwammen
Auf weiter Wasserbahn.
Die Geisterinsel, die sch�ne,
Lag d�mmrig im Mondenglanz;
Dort klangen liebe T�ne,
Und wogte der Nebeltanz.
Dort klang es lieb und lieber,
Und wogt' es hin und her;
Wir aber schwammen vor�ber,
Trostlos auf weitem Meer.
Aus alten M�rchen winkt es
Hervor mit wei�er Hand,
Da singt es und da klingt es
Von einem Zauberland:
Wo gro�e Blumen schmachten
Im goldnen Abendlicht,
Und z�rtlich sich betrachten
Mit br�utlichem Gesicht; --
Wo alle B�ume sprechen
Und singen, wie ein Chor,
Und laute Quellen brechen
Wie Tanzmusik hervor;--
Und Liebesweisen t�nen,
Wie du sie nie geh�rt,
Bis wunders��es Sehnen
Dich wunders�� bet�rt!
Ach, k�nnt ich dorthin kommen,
Und dort mein Herz erfreun,
Und aller Qual entnommen,
Und frei und selig sein!
Ach! jenes Land der Wonne,
Das seh ich oft im Traum;
Doch kommt die Morgensonne,
Zerflie�t's wie eitel Schaum.
Ich hab dich geliebet und liebe dich noch!
Und fiele die Welt zusammen,
Aus ihren Tr�mmern stiegen doch
Hervor meiner Liebe Flammen.
Am leuchtenden Sommermorgen
Geh ich im Garten herum.
Es fl�stern und sprechen die Blumen,
Ich aber, ich wandle stumm.
Es fl�stern und sprechen die Blumen,
Und schaun mitleidig mich an:
Sei unserer Schwester nicht b�se,
Du trauriger, blasser Mann!
Es leuchtet meine Liebe,
In ihrer dunkeln Pracht,
Wie'n M�rchen traurig und tr�be,
Erz�hlt in der Sommernacht.
"Im Zaubergarten wallen
Zwei Buhlen, stumm und allein;
Es singen die Nachtigallen,
Es flimmert der Mondenschein.
"Die Jungfrau steht still wie ein Bildnis,
Der Ritter vor ihr kniet.
Da kommt der Riese der Wildnis,
Die bange Jungfrau flieht.
"Der Ritter sinkt blutend zur Erde,
Es stolpert der Riese nach Haus --"
Wenn ich begraben werde,
Dann ist das M�rchen aus.
Sie haben mich gequ�let,
Ge�rgert blau und bla�.
Die einen mit ihrer Liebe,
Die andern mit ihrem Ha�.
Sie haben das Brot mir vergiftet,
Sie gossen mir Gift ins Glas,
Die einen mit ihrer Liebe,
Die andern mit ihrem Ha�.
Doch sie, die mich am meisten
Gequ�lt, ge�rgert, betr�bt,
Die hat mich nie gehasset
Und hat mich nie geliebt.
Es liegt der hei�e Sommer
Auf deinen W�ngelein;
Es liegt der Winter, der kalte,
In deinem Herzchen klein.
Das wird sich bei dir �ndern,
Du Vielgeliebte mein!
Der Winter wird auf den Wangen,
Der Sommer im Herzen sein.
Wenn zwei voneinander scheiden,
So geben sie sich die H�nd
Und fangen an zu weinen,
Und seufzen ohne End.
Wir haben nicht geweinet,
Wir seufzten nicht Weh und Ach!
Die Tr�nen und die Seufzer,
Die kamen hintennach.
Sie sa�en und tranken am Teetisch,
Und sprachen von Liebe viel.
Die Herren die waren �sthetisch,
Die Damen von zartem Gef�hl.
Die Liebe mu� sein platonisch,
Der d�rre Hofrat sprach.
Die Hofr�tin l�chelt ironisch,
Und dennoch seufzet sie: Ach!
Der Domherr �ffnet den Mund weit:
Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.
Das Fr�ulein lispelt: Wie so?
Die Gr�fin spricht wehm�tig:
Die Liebe ist eine Passion!
Und pr�sentieret g�tig
Die Tasse dem Herren Baron.
Am Tische war noch ein Pl�tzchen;
Mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du h�ttest so h�bsch, mein Sch�tzchen,
Von deiner Liebe erz�hlt.
Vergiftet sind meine Lieder; --
Wie k�nnt es anders sein?
Du hast mir ja Gift gegossen
Ins bl�hende Leben hinein.
Vergiftet sind meine Lieder; --
Wie k�nnt es anders sein?
Ich trage im Herzen viel Schlangen,
Und dich, Geliebte mein.
Mir tr�umte wieder der alte Traum:
Es war eine Nacht im Maie,
Wir sa�en unter dem Lindenbaum,
Und schwuren uns ewige Treue.
Das war ein Schw�ren und Schw�ren aufs neu,
Ein Kichern, ein Kosen, ein K�ssen;
Da� ich gedenk des Schwures sei,
Hast du in die Hand mich gebissen.
O Liebchen mit den �uglein klar!
O Liebchen sch�n und bissig!
Das Schw�ren in der Ordnung war,
Das Bei�en war �berfl�ssig.
Ich steh auf des Berges Spitze,
Und werde sentimental.
"Wenn ich ein V�glein w�re!"
Seufz ich viel tausendmal.
Wenn ich eine Schwalbe w�re,
So fl�g ich zu dir, mein Kind,
Und baute mir mein Nestchen,
Wo deine Fenster sind.
Wenn ich eine Nachtigall w�re,
So fl�g ich zu dir, mein Kind,
Und s�nge dir nachts meine Lieder
Herab von der gr�nen Lind.
Wenn ich ein Gimpel w�re,
So fl�g ich gleich an dein Herz;
Du bist ja hold den Gimpeln,
Und heilest Gimpelschmerz.
Mein Wagen rollet langsam
Durch lustiges Waldesgr�n,
Durch blumige T�ler, die zaubrisch
Im Sonnenglanze bl�hn.
Ich sitze und sinne und tr�ume,
Und denk an die Liebste mein;
Da gr��en drei Schattengestalten
Kopfnickend zum Wagen herein.
Sie h�pfen und schneiden Gesichter,
So sp�ttisch und doch so scheu,
Und quirlen wie Nebel zusammen,
Und kichern und huschen vorbei.
Ich hab im Traum geweinet,
Mir tr�umte, du l�gest im Grab.
Ich wachte auf, und die Tr�ne
Flo� noch von der Wange herab.
Ich hab im Traum geweinet,
Mir tr�umt', du verlie�est mich.
Ich wachte auf, und ich weinte
Noch lange bitterlich.
Ich hab im Traum geweinet,
Mir tr�umte, du bliebest mir gut.
Ich wachte auf, und noch immer
Str�mt meine Tr�nenflut.
Alln�chtlich im Traume seh ich dich,
Und sehe dich freundlich gr��en,
Und lautaufweinend st�rz ich mich
Zu deinen s��en F��en.
Du siehst mich an wehm�tiglich,
Und sch�ttelst das blonde K�pfchen;
Aus deinen Augen schleichen sich
Die Perlentr�nentr�pfchen.
Du sagst mir heimlich ein leises Wort,
Und gibst mir den Strau� von Zypressen.
Ich wache auf, und der Strau� ist fort,
Und das Wort hab ich vergessen.
Das ist ein Brausen und Heulen,
Herbstnacht und Regen und Wind;
Wo mag wohl jetzo weilen
Mein armes, banges Kind?
Ich seh sie am Fenster lehnen,
Im einsamen K�mmerlein;
Das Auge gef�llt mit Tr�nen,
Starrt sie in die Nacht hinein.
Der Herbstwind r�ttelt die B�ume,
Die Nacht ist feucht und kalt;
Geh�llt im grauen Mantel,
Reite ich einsam im Wald.
Und wie ich reite, so reiten
Mir die Gedanken voraus;
Sie tragen mich leicht und luftig
Nach meiner Liebsten Haus.
Die Hunde bellen, die Diener
Erscheinen mit Kerzengeflirr;
Die Wendeltreppe st�rm ich
Hinauf mit Sporengeklirr.
Im leuchtenden Teppichgemache,
Da ist es so duftig und warm,
Da harret meiner die Holde --
Ich fliege in ihren Arm.
Es s�uselt der Wind in den Bl�ttern
Es spricht der Eichenbaum:
Was willst du, t�richter Reiter,
Mit deinem t�richten Traum?
Es f�llt ein Stern herunter
Aus seiner funkelnden H�h!
Das ist der Stern der Liebe,
Den ich dort fallen seh.
Es fallen vom Apfelbaume
Der Bl�ten und Bl�tter viel!
Es kommen die neckenden L�fte
Und treiben damit ihr Spiel.
Es singt der Schwan im Weiher,
Und rudert auf und ab,
Und immer leiser singend,
Taucht er ins Flutengrab.
Es ist so still und dunkel!
Verweht ist Blatt und Bl�t,
Der Stern ist knisternd zerstoben,
Verklungen das Schwanenlied.
Der Traumgott bracht mich in ein Riesenschlo�,
Wo schw�ler Zauberduft und Lichterschimmer,
Und bunte Menschenwoge sich ergo�
Durch labyrinthisch vielverschlungne Zimmer.
Die Ausgangspforte sucht der bleiche Tro�,
Mit H�nderingen und mit Angstgewimmer.
Jungfraun und Ritter ragen aus der Menge,
Ich selbst bin fortgezogen im Gedr�nge.
Doch pl�tzlich steh ich ganz allein, und seh
Und staun, wie schnell die Menge konnt verschwinden,
Und wandre fort allein, und eil, und geh
Durch die Gem�cher, die sich seltsam winden.
Mein Fu� wird Blei, im Herzen Angst und Weh,
Verzweifl ich fast den Ausgang je zu finden.
Da komm ich endlich an das letzte Tor;
Ich will hinaus -- o Gott, wer steht davor!
Es war die Liebste, die am Tore stand,
Schmerz um die Lippen, Sorge auf der Stirne.
Ich soll zur�ckgehn, winkt sie mit der Hand;
Ich wei� nicht, ob sie warne oder z�rne.
Doch aus den Augen bricht ein s��er Brand,
Der mir durchzuckt das Herz und das Gehirne.
Wie sie mich ansah, streng und wunderlich,
Und doch so liebevoll, erwachte ich.
Die Mitternacht war kalt und stumm;
Ich irrte klagend im Wald herum.
Ich habe die B�um aus dem Schlaf ger�ttelt;
Sie haben mitleidig die K�pfe gesch�ttelt.
Am Kreuzweg wird begraben
Wer selber sich brachte um;
Dort w�chst eine blaue Blume,
Die Armes�nderblum.
Am Kreuzweg stand ich und seufzte;
Die Nacht war kalt und stumm.
Im Mondschein bewegte sich langsam
Die Armes�nderblum.
Wo ich bin, mich rings umdunkelt
Finsternis, so dumpf und dicht,
Seit mir nicht mehr leuchtend funkelt,
Liebste, deiner Augen Licht.
Mir erloschen ist der s��en
Liebessterne goldne Pracht,
Abgrund g�hnt zu meinen F��en --
Nimm mich auf, uralte Nacht!
Nacht lag auf meinen Augen,
Blei lag auf meinem Mund,
Mit starrem Hirn und Herzen
Lag ich im Grabesgrund.
Wie lang, kann ich nicht sagen,
Da� ich geschlafen hab;
Ich wachte auf und h�rte,
Wie's pochte an mein Grab.
"Willst du nicht aufstehn, Heinrich?
Der ewge Tag bricht an,
Die Toten sind erstanden,
Die ewge Lust begann."
Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn,
Bin ja noch immer blind;
Durch Weinen meine Augen
G�nzlich erloschen sind.
"Ich will dir k�ssen, Heinrich,
Vom Auge fort die Nacht;
Die Engel sollst du schauen,
Und auch des Himmels Pracht."
Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn,
Noch blutets immerfort,
Wo du ins Herz mich stachest
Mit einem spitzgen Wort.
"Ganz leise leg ich, Heinrich,
Dir meine Hand aufs Herz;
Dann wird es nicht mehr bluten,
Geheilt ist all sein Schmerz."
Mein Lieb, ich kann nicht aufstehn,
Es blutet auch mein Haupt;
Hab ja hineingeschossen,
Als du mir wurdest geraubt.
"Mit meinen Locken, Heinrich,
Stopf ich des Hauptes Wund,
Und dr�ng zur�ck den Blutstrom,
Und mache dein Haupt gesund."
Es bat so sanft, so lieblich,
Ich k�nnt nicht widerstehn;
Ich wollte mich erheben
Und zu der Liebsten gehn.
Da brachen auf die Wunden,
Da st�rzt' mit wilder Macht
Aus Kopf und Brust der Blutstrom,
Und sieh! -- ich bin erwacht.
Die alten, b�sen Lieder,
Die Tr�ume schlimm und arg,
Die la�t uns jetzt begraben,
Holt einen gro�en Sarg.
Hinein leg ich gar manches,
Doch sag ich noch nicht was;
Der Sarg mu� sein noch gr��er
Wie's Heidelberger Fa�.
Und holt eine Totenbahre,
Von Brettern fest und dick:
Auch mu� sie sein noch l�nger
Als wie zu Mainz die Br�ck.
Und holt mir auch zw�lf Riesen,
Die m�ssen noch st�rker sein
Als wie der heilge Christoph
Im Dom zu K�ln am Rhein.
Die sollen den Sarg forttragen
Und senken ins Meer hinab,
Denn solchem gro�en Sarge
Geb�hrt ein gro�es Grab.
Wi�t ihr, warum der Sarg wohl
So gro� und schwer mag sein?
Ich legt auch meine Liebe
Und meinen Schmerz hinein.
In mein gar zu dunkles Leben
Strahlte einst ein s��es Bild;
Nun das s��e Bild erblichen,
Bin ich g�nzlich nachtumh�llt.
Wenn die Kinder sind im Dunkeln,
Wird beklommen ihr Gem�t,
Und um ihre Angst zu bannen,
Singen sie ein lautes Lied.
Ich, ein tolles Kind, ich singe
Jetzo in der Dunkelheit;
Klingt das Lied auch nicht erg�tzlich,
Hats mich doch von Angst befreit.
Ich wei� nicht, was soll es bedeuten,
Da� ich so traurig bin;
Ein M�rchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist k�hl und es dunkelt,
Und ruhig flie�t der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.
Die sch�nste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie k�mmt ihr goldenes Haar.
Sie k�mmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die H�h.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Lei getan.
Mein Herz, mein Herz ist traurig,
Doch lustig leuchtet der Mai;
Ich stehe, gelehnt an der Linde,
Hoch auf der alten Bastei.
Da drunten flie�t der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh;
Ein Knabe f�hrt im Kahne,
Und angelt und pfeift dazu.
Jenseits erheben sich freundlich,
In winziger, bunter Gestalt,
Lusth�user, und G�rten, und Menschen.
Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.
Die M�gde bleichen W�sche,
Und springen im Gras herum;
Das M�hlrad st�ubt Diamanten,
Ich h�re sein fernes Gesumm.
Am alten grauen Turme
Ein Schilderh�uschen steht;
Ein rotger�ckter Bursche
Dort auf und nieder geht.
Er spielt mit seiner Flinte,
Die funkelt im Sonnenrot,
Er pr�sentiert und schultert --
Ich wollt, er sch�sse mich tot.
Im Walde wandl ich und weine,
Die Drossel sitzt in der H�h;
Sie springt und singt gar feine:
Warum ist dir so weh?
"Die Schwalben, deine Schwestern,
Die k�nnens dir sagen, mein Kind;
Sie wohnten in klugen Nestern,
Wo Liebchens Fenster sind."
Die Nacht ist feucht und st�rmisch,
Der Himmel sternenleer;
Im Wald, unter rauschenden B�umen,
Wandle ich schweigend einher.
Es flimmert fern ein Lichtchen
Aus dem einsamen J�gerhaus;
Es soll mich nicht hin verlocken,
Dort sieht es verdrie�lich aus.
Die blinde Gro�mutter sitzt ja
Im ledernen Lehnstuhl dort,
Unheimlich und starr, wie ein Steinbild,
Und spricht kein einziges Wort.
Fluchend geht auf und nieder
Des F�rsters rotk�pfiger Sohn,
Und wirft an die Wand die B�chse,
Und lacht vor Wut und Hohn.
Die sch�ne Spinnerin weinet
Und feuchtet mit Tr�nen den Flachs;
Wimmernd zu ihren F��en
Schmiegt sich des Vaters Dachs.
Als ich, auf der Reise, zuf�llig
Der Liebsten Familie fand,
Schwesterchen, Vater und Mutter,
Sie haben mich freudig erkannt.
Sie fragten nach meinem Befinden,
Und sagten selber sogleich:
Ich h�tte mich gar nicht ver�ndert,
Nur mein Gesicht sei bleich.
Ich fragte nach Muhmen und Basen,
Nach manchem langweilgen Geselln,
Und nach dem kleinen H�ndchen
Mit seinem sanften Belln.
Auch nach der verm�hlten Geliebten
Fragte ich nebenbei;
Und freundlich gab man zur Antwort:
Da� sie in den Wochen sei.
Und freundlich gratuliert ich,
Und lispelte liebevoll:
Da� man sie von mir recht herzlich
Viel tausendmal gr��en soll.
Schwesterchen rief dazwischen:
Das H�ndchen, sanft und klein,
Ist gro� und toll geworden,
Und ward ertr�nkt, im Rhein.
Die Kleine gleicht der Geliebten,
Besonders wenn sie lacht;
Sie hat dieselben Augen,
Die mich so elend gemacht.
Wir sa�en am Fischerhause,
Und schauten nach der See;
Die Abendnebel kamen,
Und stiegen in die H�h.
Im Leuchtturm wurden die Lichter
Allm�hlich angesteckt,
Und in der weiten Ferne
Ward noch ein Schiff entdeckt.
Wir sprachen von Sturm und Schiffbruch,
Vom Seemann, und wie er lebt
Und zwischen Himmel und Wasser,
Und Angst und Freude schwebt.
Wir sprachen von fernen K�sten,
Vom S�den und vom Nord,
Und von den seltsamen V�lkern
Und seltsamen Sitten dort.
Am Ganges duftets und leuchtets,
Und Riesenb�ume bl�hn,
Und sch�ne, stille Menschen
Vor Lotosblumen knien.
In Lappland sind schmutzige Leute,
Plattk�pfig, breitm�ulig und klein;
Sie kauern ums Feuer, und backen
Sich Fische, und qu�ken und schrein.
Die M�dchen horchten ernsthaft,
Und endlich sprach niemand mehr;
Das Schiff war nicht mehr sichtbar,
Es dunkelte gar zu sehr.
Du sch�nes Fischerm�dchen,
Treibe den Kahn ans Land;
Komm zu mir und setze dich nieder,
Wir kosen Hand in Hand.
Leg an mein Herz dein K�pfchen,
Und f�rchte dich nicht zu sehr,
Vertraust du dich doch sorglos
T�glich dem wilden Meer.
Mein Herz gleicht ganz dem Meere,
Hat Sturm und Ebb und Flut,
Und manche sch�ne Perle
In seiner Tiefe ruht.
Der Mond ist aufgegangen
Und �berstrahlt die Welln;
Ich halte mein Liebchen umfangen,
Und unsre Herzen schwelln.
Im Arm des holden Kindes
Ruh ich allein am Strand; --
Was horchst du beim Rauschen des Windes?
Was zuckt deine wei�e Hand?
"Das ist kein Rauschen des Windes,
Das ist der Seejungfern Gesang,
Und meine Schwestern sind es,
Die einst das Meer verschlang."
Der Wind zieht seine Hosen an,
Die wei�en Wasserhosen!
Er peitscht die Wellen, so stark er kann
Die heulen und brausen und tosen.
Aus dunkler H�h, mit wilder Macht,
Die Regeng�sse tr�ufen;
Es ist, als wollt die alte Nacht
Das alte Meer ers�ufen.
An den Mastbaum klammert die M�we sich
Mit heiserem Schrillen und Schreien;
Sie flattert und will gar �ngstiglich
Ein Ungl�ck prophezeien.
Der Sturm spielt auf zum Tanze,
Er pfeift und saust und br�llt;
Heisa! wie springt das Schifflein!
Die Nacht ist lustig und wild.
Ein lebendes Wassergebirge
Bildet die tosende See;
Hier g�hnt ein schwarzer Abgrund,
Dort t�rmt es sich wei� in die H�h.
Ein Fluchen, Erbrechen und Beten
Schallt aus der Kaj�te heraus;
Ich halte mich fest am Mastbaum
Und w�nsche: w�r ich zu Haus.
Der Abend kommt gezogen,
Der Nebel bedeckt die See;
Geheimnisvoll rauschen die Wogen,
Da steigt es wei� in die H�h.
Die Meerfrau steigt aus den Wellen,
Und setzt sich zu mir an den Strand;
Die wei�en Br�ste quellen
Hervor aus dem Schleiergewand.
Sie dr�ckt mich und sie pre�t mich,
Und tut mir fast ein Weh; --
Du dr�ckst ja viel zu fest mich,
Du sch�ne Wasserfee!
"Ich pre� dich in meinen Armen
Und dr�cke dich mit Gewalt;
Ich will bei dir erwarmen,
Der Abend ist gar zu kalt."
Der Mond schaut immer blasser
Aus d�mmriger Wolkenh�h; --
Dein Auge wird tr�ber und nasser,
Du sch�ne Wasserfee!
"Es wird nicht tr�ber und nasser,
Mein Aug ist na� und tr�b,
Weil, als ich stieg aus dem Wasser,
Ein Tropfen im Auge blieb."
Die M�wen schrillen kl�glich,
Es grollt und brandet die See; --
Dein Herz pocht wild beweglich,
Du sch�ne Wasserfee!
"Mein Herz pocht wild beweglich,
Es pocht beweglich wild,
Weil ich dich liebe uns�glich,
Du liebes Menschenbild!"
Wenn ich an deinem Hause
Des Morgens vor�ber geh,
So freuts mich, du liebe Kleine,
Wenn ich dich am Fenster seh.
Mit deinen schwarzbraunen Augen
Siehst du mich forschend an:
Wer bist du, und was fehlt dir,
Du fremder, kranker Mann?
"Ich bin ein deutscher Dichter,
Bekannt im deutschen Land;
Nennt man die besten Namen,
Wird auch der meine genannt.
"Und was mir fehlt, du Kleine,
Fehlt manchem im deutschen Land!
Nennt man die schlimmsten Schmerzen
So wird auch der meine genannt."
Das Meer ergl�nzte weit hinaus,
Im letzten Abendscheine;
Wir sa�en am einsamen Fischerhaus
Wir sa�en stumm und alleine.
Der Nebel stieg, das Wasser schwoll
Die M�we flog hin und wieder;
Aus deinen Augen, liebevoll,
Fielen die Tr�nen nieder.
Ich sah sie fallen auf deine Hand,
Ich bin aufs Knie gesunken;
Ich hab von deiner wei�en Hand
Die Tr�nen fortgetrunken.
Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,
Die Seele stirbt vor Sehnen; --
Mich hat das ungl�ckselige Weib
Vergiftet mit ihren Tr�nen.
Da droben auf jenem Berge,
Da steht ein feines Schlo�,
Da wohnen drei sch�ne Fr�ulein,
Von denen ich Liebe geno�.
Sonnabend k��te mich Jette,
Und Sonntag die Julia,
Und Montag die Kunigunde,
Die hat mich erdr�ckt beinah.
Doch Dienstag war eine Fete
Bei meinen drei Fr�ulein im Schlo�;
Die Nachbarschafts-Herren und Damen,
Die kamen zu Wagen und Ro�.
Ich aber war nicht geladen,
Und das habt ihr dumm gemacht!
Die zischelnden Muhmen und Basen,
Die merktens und haben gelacht.
Am fernen Horizonte
Erscheint, wie ein Nebelbild,
Die Stadt mit ihren T�rmen,
In Abendd�mmrung geh�llt.
Ein feuchter Windzug kr�uselt
Die graue Wasserbahn;
Mit traurigem Takte rudert
Der Schiffer in meinem Kahn.
Die Sonne hebt sich noch einmal
Leuchtend vom Boden empor,
Und zeigt mir jene Stelle,
Wo ich das Liebste verlor.
Sei mir gegr��t, du gro�e,
Geheimnisvolle Stadt,
Die einst in ihrem Scho�e
Mein Liebchen umschlossen hat.
Sagt an, ihr T�rme und Tore,
Wo ist die Liebste mein?
Euch hab ich sie anvertrauet,
Ihr solltet mir B�rge sein.
Unschuldig sind die T�rme,
Sie konnten nicht von der Stell,
Als Liebchen mit Koffern und Schachteln
Die Stadt verlassen so schnell.
Die Tore jedoch, die lie�en
Mein Liebchen entwischen gar still;
Ein Tor ist immer willig,
Wenn eine T�rin will.
So wandl ich wieder den alten Weg,
Die wohlbekannten Gassen;
Ich komme vor meiner Liebsten Haus,
Das steht so leer und verlassen.
Die Stra�en sind doch gar zu eng!
Das Pflaster ist unertr�glich!
Die H�user fallen mir auf den Kopf,
Ich eile soviel als m�glich!
Ich trat in jene Hallen,
Wo sie mir Treue versprochen;
Wo einst ihre Tr�nen gefallen,
Sind Schlangen hervorgekrochen.
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon l�ngst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.
Da steht auch ein Mensch und starrt in die H�he.
Und ringt die H�nde vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe --
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.
Du Doppelg�nger! du bleicher Geselle!
Was �ffst du nach mein Liebesleid,
Das mich gequ�lt auf dieser Stelle,
So manche Nacht, in alter Zeit?
Wie kannst du ruhig schlafen,
Und wei�t, ich lebe noch?
Der alte Zorn kommt wieder,
Und dann zerbrech ich mein Joch.
Kennst du das alte Liedchen:
Wie einst ein toter Knab
Um Mitternacht die Geliebte
Zu sich geholt ins Grab?
Glaub mir, du wundersch�nes,
Du wunderholdes Kind,
Ich lebe und bin noch st�rker
Als alle Toten sind!
"Die Jungfrau schl�ft in der Kammer,
Der Mond schaut zitternd hinein;
Da drau�en singt es und klingt es,
Wie Walzermelodein.
Ich will mal schaun aus dem Fenster,
Wer drunten st�rt meine Ruh.
Da steht ein Totengerippe,
Und fiedelt und singt dazu:
Hast einst mir den Tanz versprochen,
Und hast gebrochen dein Wort,
Und heut ist Ball auf dem Kirchhof,
Komm mit, wir tanzen dort.
Die Jungfrau ergreift es gewaltig,
Es lockt sie hervor aus dem Haus;
Sie folgt dem Gerippe, das singend
Und fiedelnd schreitet voraus.
Es fiedelt und t�nzelt und h�pfet,
Und klappert mit seinem Gebein,
Und nickt und nickt mit dem Sch�del
Unheimlich im Mondenschein."
Ich stand in dunkeln Tr�umen
Und starrte ihr Bildnis an,
Und das geliebte Antlitz
Heimlich zu leben begann.
Um ihre Lippen zog sich
Ein L�cheln wunderbar,
Und wie von Wehmutstr�nen
Ergl�nzte ihr Augenpaar.
Auch meine Tr�nen flossen
Mir von den Wangen herab --
Und ach, ich kann es nicht glauben,
Da� ich dich verloren hab!
Ich ungl�ckselger Atlas! eine Welt,
Die ganze Welt der Schmerzen, mu� ich tragen,
Ich trage Unertr�gliches, und brechen
Will mir das Herz im Leibe.
Du stolzes Herz! du hast es ja gewollt!
Du wolltest gl�cklich sein, unendlich gl�cklich
Oder unendlich elend, stolzes Herz,
Und jetzo bist du elend.
Die Jahre kommen und gehen,
Geschlechter steigen ins Grab,
Doch nimmer vergeht die Liebe,
Die ich im Herzen hab.
Nur einmal noch m�cht ich dich sehen,
Und sinken vor dir aufs Knie,
Und sterbend zu dir sprechen
Madame, ich liebe Sie!
Mir tr�umte: traurig schaute der Mond,
Und traurig schienen die Sterne;
Es trug mich zur Stadt, wo Liebchen wohnt,
Viel hundert Meilen ferne.
Es hat mich zu ihrem Hause gef�hrt,
Ich k��te die Steine der Treppe,
Die oft ihr kleiner Fu� ber�hrt
Und ihres Kleides Schleppe.
Die Nacht war lang, die Nacht war kalt,
Es waren so kalt die Steine;
Es lugt aus dem Fenster die blasse Gestalt,
Beleuchtet vom Mondenscheine.
Was will die einsame Tr�ne?
Sie tr�bt mir ja den Blick.
Sie blieb aus alten Zeiten
In meinem Auge zur�ck.
Sie hatte viel leuchtende Schwestern,
Die alle zerflossen sind,
Mit meinen Qualen und Freuden,
Zerflossen in Nacht und Wind.
Wie Nebel sind auch zerflossen
Die blauen Sternelein,
Die mir jene Freuden und Qualen
Gel�chelt ins Herz hinein.
Ach, meine Liebe selber
Zerflo� wie eitel Hauch!
Du alte, einsame Tr�ne,
Zerflie�e jetzunder auch!
Der bleiche, herbstliche Halbmond
Lugt aus den Wolken heraus;
Ganz einsam liegt auf dem Kirchhof
Das stille Pfarrerhaus.
Die Mutter liest in der Bibel,
Der Sohn, der starret ins Licht,
Schlaftrunken dehnt sich die �ltre,
Die j�ngere Tochter spricht:
Ach Gott, wie einem die Tage
Langweilig hier vergehn!
Nur wenn sie einen begraben,
Bekommen wir etwas zu sehn.
Die Mutter spricht zwischen dem Lesen:
Du irrst, es starben nur vier,
Seit man deinen Vater begraben,
Dort an der Kirchhofst�r.
Die �ltre Tochter g�hnet:
Ich will nicht verhungern bei euch,
Ich gehe morgen zum Grafen,
Und der ist verliebt und reich.