Part 1 out of 4
This etext is in German.
The other three are in Dutch/Flemish.
This etext was produced by Amy Coulter, tandem@well.com.
Das ist der alte M�hrchenwald!
Es duftet die Lindenbl�te!
Der wunderbare Mondenglanz
Bezaubert mein Gem�te.
Ich ging f�rba�, und wie ich ging,
Erklang es in der H�he.
Das ist die Nachtigall, sie singt
Von Lieb' und Liebeswehe.
Sie singt von Lieb' und Liebesweh,
Von Tr�nen und von Lachen,
Sie jubelt so traurig, sie schluchzet so froh,
vergessene Tr�ume erwachen. --
Ich ging f�rba�, und wie ich ging,
Da sah ich vor mir liegen,
Auf freiem Platz, ein gro�es Schlo�,
Die Giebel hoch aufstiegen.
Verschlossene Fenster, �berall
Ein Schweigen und ein Trauern;
Es schien als wohne der stille Tod
In diesen �den Mauern.
Dort vor dem Tor lag eine Sphinx,
Ein Zwitter von Schrecken und L�sten,
Der Leib und die Tatzen wie ein L�w,
Ein Weib an Haupt und Br�sten.
Ein sch�nes Weib! Der wei�e Blick,
Er sprach von wildem Begehren.
Die stummen Lippen w�lbten sich
Und l�chelten stilles Gew�hren.
Die Nachtigall, sie sang so s�� --
Ich konnt nicht widerstehen --
Und als ich k��te das holde Gesicht,
Da war's um mich geschehen.
Lebendig ward das Marmorbild,
Der Stein begann zu �chzen --
Sie trank meiner K�sse lodernde Glut,
Mit D�rsten und mit Lechzen.
Sie trank mir fast den Odem aus --
Und endlich, wollustheischend,
Umschlang sie mich, meinen armen Leib
Mit den L�wentatzen zerfleischend.
Entz�ckende Marter und wonniges Weh!
Der Schmerz wie die Lust unerme�lich!
Derweilen des Mundes Ku� mich begl�ckt,
Verwunden die Tatzen mich gr��lich.
Die Nachtigall sang: "O sch�ne Sphinx!
O Liebe! was soll es bedeuten,
Da� du vermischest mit Todesqual
All deine Seligkeiten?
"O sch�ne Sphinx! O l�se mir
Das R�tsel, das wunderbare!
Ich hab' dar�ber nachgedacht
Schon manche tausend Jahre."
Das h�tte ich alles sehr gut in guter Prosa sagen k�nnen ...
Wenn man aber die alten Gedichte wieder durchliest, um ihnen,
behufs eines erneuerten Abdrucks, einige Nachfeile zu erteilen,
dann �berschleicht einen unversehens die klingelnde Gewohnheit
des Reims und Silbenfans, und siehe! es sind Verse womit ich
diese dritte Auflage des Buchs der Lieder er�ffne. O Ph�bus
Apollo! sind diese Verse schlecht, so wirst du mir gern
verzeihen ... Denn du bist ein allwissender Gott, und du wei�t
sehr gut, warum ich mich seit so vielen Jahren nicht mehr
vorzugsweise mit Ma� und Gleichklang der W�rter besch�ftigen
konnte ... Du wei�t warum die Flamme, die einst in brillanten
Feuerwerkspielen die Welt erg�tzte, pl�tzlich zu weit ernsteren
Br�nden verwendet werden mu�te ... Du wei�t warum sie jetzt in
schweigender Glut mein Herz verzehrt ... Du verstehst mich, gro�er
sch�ner Gott, der du ebenfalls die goldene Leier zuweilen
vertauschtest mit dem starken Bogen und den t�dlichen Pfeilen ...
Erinnerst du dich auch noch des Marsyas, den du lebendig geschunden?
Es ist schon lange her, und ein �hnliches Beispiel t�t wieder Not ...
Du l�chelst, o mein ewiger Vater!
Geschrieben zu Paris den 20. Februar 1839.
Heinrich Heine.
Mir tr�umte einst von wildem Liebesgl�hn,
Von h�bschen Locken, Myrten und Resede,
Von s��en Lippen und von bittrer Rede,
Von d�strer Lieder d�stern Melodien.
Verblichen und verweht sind l�ngst die Tr�ume,
Verweht ist gar mein liebstes Traumgebild!
Geblieben ist mir nur, was glutenwild
Ich einst gegossen hab in weiche Reime.
Du bliebst, verwaistes Lied! Verweh jetzt auch,
Und such das Traumbild, das mir l�ngst entschwunden,
Und gr�� es mir, wenn du es aufgefunden --
Dem luftgen Schatten send ich luftgen Hauch.
Ein Traum, gar seltsam schauerlich,
Erg�tzte und erschreckte mich.
Noch schwebt mir vor mach grausig Bild,
Und in dem Herzen wogt es wild.
Das war ein Garten, wundersch�n,
Da wollte ich lustig mich ergehn;
Viel sch�ne Blumen sahn mich an,
Ich hatte meine Freude dran.
Es zwitscherten die V�gelein
Viel muntre Liebesmelodein;
Die Sonne rot, von Gold umstrahlt,
Die Blumen lustig bunt bemalt.
Viel Balsamduft aus Kr�utern rinnt,
Die L�fte wehen lieb und lind;
Und alles schimmert, alles lacht,
Und zeigt mir freundlich seine Pracht.
Inmitten in dem Blumenland
Ein klarer Marmorbrunnen stand;
Da schaut ich eine sch�ne Maid,
Die emsig wusch ein wei�es Kleid.
Die W�nglein s��, die �uglein mild,
Ein blondgelocktes Heilgenbild;
Und wie ich schau, die Maid ich fand
So fremd und doch so wohlbekannt.
Die sch�ne Maid, die sputet sich,
Sie summt ein Lied gar wunderlich;
"Rinne, rinne, W�sserlein,
Wasche mir das Linnen rein."
Ich ging und nahete mich ihr,
Und fl�sterte: O sage mir,
Du wundersch�ne, s��e Maid,
F�r wen ist dieses wei�e Kleid?
Da sprach sie schnell: "Sei bald bereit,
Ich wasche dir dein Totenkleid!"
Und als sie dies gesprochen kaum,
Zerflo� das ganze Bild, wie Schaum. --
Und fortgezaubert stand ich bald
In einem d�stern, wilden Wald.
Die B�ume ragten himmelan;
Ich stand erstaunt und sann und sann.
Und horch! Welch dumpfer Widerhall!
Wie ferner �xtenschl�ge Schall;
Ich eil durch Busch und Wildnis fort,
Und komm an einen freien Ort.
Inmitten in dem gr�nen Raum,
Da stand ein gro�er Eichenbaum;
Und sieh! mein M�gdlein wundersam
Haut mit dem Beil den Eichenstamm.
Und Schlag auf Schlag, und sonder Weil,
Summt sie ein Lied und schwingt das Beil:
"Eisen blink, Eisen blank,
Zimmre hurtig Eichenschrank."
Ich ging und nahete mich ihr,
Und fl�sterte: O sage mir,
Du wunders��es M�gdelein,
Wem zimmerst du den Eichenschrein?
Da sprach sie schnell: "Die Zeit ist karg,
Ich zimmre deinen Totensarg!"
Und als sie dies gesprochen kaum,
Zerflo� das ganze Bild, wie Schaum. --
Es lag so bleich, es lag so weit
Ringsum nur kahle, kahle Heid;
Ich wu�te nicht, wie mir geschah,
Und heimlich schaudernd stand ich da.
Und nun ich eben f�rder schweif,
Gewahr ich einen wei�en Streif;
Ich eilt drauf zu, und eilt und stand,
Und sieh! die sch�ne Maid ich fand.
Auf weiter Heid stand wei�e Maid,
Grub tief die Erd mit Grabescheit.
Kaum wagt ich noch sie anzuschaun,
Sie war so sch�n und doch ein Graun.
Die sch�ne Maid, die sputet sich,
Sie summt ein Lied gar wunderlich:
"Spaten, Spaten, scharf und breit,
Schaufle Grube tief und weit."
Ich ging und nahete mich ihr,
Und fl�sterte: O sage mir,
Du wundersch�ne, s��e Maid,
Was diese Grube hier bedeut't?
Da sprach sie schnell: "Sei still, ich hab
Geschaufelt dir ein k�hles Grab."
Und als so sprach die sch�ne Maid,
Da �ffnet sich die Grube weit;
Und als ich in die Grube schaut,
Ein kalter Schauer mich durchgraut;
Und in die dunkle Grabesnacht
St�rzt ich hinein -- und bin erwacht.
Im n�chtgen Traum hab ich mich selbst geschaut,
In schwarzem Galafrack und seidner Weste,
Manschetten an der Hand, als ging's zum Feste,
Und vor mir stand mein Liebchen, s�� und traut.
Ich beugte mich und sagte: "Sind Sie Braut?
Ei! ei! so gratulier ich, meine Beste!"
Doch fast die Kehle mir zusammenpre�te
Der langgezogne, vornehm kalte Laut.
Und bittre Tr�nen pl�tzlich sich ergossen
Aus Liebchens Augen, und in Tr�nenwogen
Ist mir das holde Bildnis fast zerflossen.
O s��e Augen, fromme Liebessterne,
Obschon ihr mir im Wachen oft gelogen,
Und auch im Traum, glaub ich euch dennoch gerne.
Im Traum sah ich ein M�nnchen klein und putzig,
Das ging auf Stelzen, Schritte ellenweit,
Trug wei�e W�sche und ein feines Kleid,
Inwendig aber war es grob und schmutzig.
Inwendig war es j�mmerlich, nichtsnutzig,
Jedoch von au�en voller W�rdigkeit;
Von der Courage sprach es lang und breit,
Und tat sogar recht trutzig und recht stutzig.
"Und wei�t Du, wer das ist, Komm her und schau!"
So sprach der Traumgott, und er zeigt' mir schlau
Die Bilderflut in eines Spiegels Rahmen.
Vor einem Altar stand das M�nnchen da,
Mein Lieb daneben, beide sprachen: Ja!
Und tausend Teufel riefen lachend: Amen!
Was treibt und tobt mein tolles Blut?
Was flammt mein Herz in wilder Glut?
Es kocht mein Blut und sch�umt und g�rt,
Und grimme Wut mein Herz verzehrt.
Das Blut ist toll, und g�rt und sch�umt,
Weil ich den b�sen Traum getr�umt;
Es kam der finstre Sohn der Nacht,
Und hat mich keuchend fortgebracht.
Er bracht mich in ein helles Haus,
Wo Harfenklang und Saus und Braus
Und Fackelglanz und Kerzenschein;
Ich kam zum Saal, ich trat hinein.
Das war ein lustig Hochzeitfest;
Zu Tafel sa�en froh die G�st.
Und wie ich nach dem Brautpaar schaut --
O weh! mein Liebchen war die Braut.
Das war mein Liebchen wunnesam,
Ein fremder Mann war Br�utigam;
Dicht hinterm Ehrenstuhl der Braut,
Da blieb ich stehn, gab keinen Laut.
Es rauscht Musik -- gar still stand ich;
Der Freudenl�rm betr�bte mich.
Die Braut, sie blickt so hochbegl�ckt,
Der Br�utigam ihre H�nde dr�ckt.
Der Br�utigam f�llt den Becher sein,
Und trinkt daraus, und reicht gar fein
Der Braut ihn hin; sie l�chelt Dank --
O weh! mein rotes Blut sie trank.
Die Braut ein h�bsches �pflein nahm,
Und reicht es hin dem Br�utigam.
Der nahm sein Messer, schnitt hinein --
O weh! das war das Herze mein.
Sie �ugeln s��, sie �ugeln lang,
Der Br�utigam k�hn die Braut umschlang,
Und k��t sie auf die Wangen rot --
O weh! mich k��t der kalte Tod.
Wie Blei lag meine Zung im Mund,
Da� ich kein W�rtlein sprechen kunt.
Da rauscht es auf, der Tanz begann;
Das schmucke Brautpaar tanzt voran.
Und wie ich stand so leichenstumm,
Die T�nzer schweben flink herum; --
Ein leises Wort der Br�utigam spricht,
Die Braut wird rot, doch z�rnt sie nicht. --
Im s��en Traum, bei stiller Nacht
Da kam zu mir, mit Zaubermacht,
Mit Zaubermacht, die Liebste mein,
Sie kam zu mir ins K�mmerlein.
Ich schau sie an, das holde Bild!
Ich schau sie an, sie l�chelt mild,
Und l�chelt, bis das Herz mir schwoll,
Und st�rmisch k�hn das Wort entquoll:
"Nimm hin, nimm alles was ich hab,
Mein Liebstes tret ich gern dir ab,
D�rft ich daf�r dein Buhle sein,
Von Mitternacht bis Hahnenschrein."
Da staunt' mich an gar seltsamlich,
So lieb, so weh und inniglich,
Und sprach zu mir die sch�ne Maid:
O, gib mir deine Seligkeit!
"Mein Leben s��, mein junges Blut,
G�b ich, mit Freud und wohlgemut,
F�r dich, o M�dchen engelgleich --
Doch nimmermehr das Himmelreich."
Wohl braust hervor mein rasches Wort,
Doch bl�het sch�ner immerfort,
Und immer spricht die sch�ne Maid:
O, gib mir deine Seligkeit!
Dumpf dr�hnt dies Wort mir ins Geh�r
Und schleudert mir ein Glutenmeer
Wohl in der Seele tiefsten Raum;
Ich atme schwer, ich atme kaum. --
Das waren wei�e Engelein,
Umgl�nzt von goldnem Glorienschein;
Nun aber st�rmte wild herauf
Ein greulich schwarzer Koboldhauf.
Die rangen mit den Engelein,
Und dr�ngten fort die Engelein;
Und endlich auch die schwarze Schar
In Nebelduft zerronnen war. --
Ich aber wollt in Lust vergehn,
Ich hielt im Arm mein Liebchen sch�n;
Sie schmiegt sich an mich wie ein Reh,
Doch weint sie auch mit bitterm Weh.
Feins Liebchen weint; ich wei� warum,
Und k��t ihr Rosenm�ndlein stumm. --
"O still feins Lieb, die Tr�nenflut,
Ergib dich meiner Liebesglut!"
"Ergib dich meiner Liebesglut --"
Da pl�tzlich starrt zu Eis mein Blut;
Laut bebet auf der Erde Grund,
Und �ffnet g�hnend sich ein Schlund.
Und aus dem schwarzen Schlunde steigt
Die schwarze Schar; -- feins Lieb erbleicht!
Aus meinen Armen schwand feins Lieb;
Ich ganz alleine stehen blieb.
Da tanzt im Kreise wunderbar,
Um mich herum, die schwarze Schar,
Und dr�ngt heran, erfa�t mich bald,
Und gellend Hohngel�chter schallt.
Und immer enger wird der Kreis,
Und immer summt die Schauerweis:
Du gabest hin die Seligkeit,
Geh�rst uns nun in Ewigkeit!
Nun hast du das Kaufgeld, nun z�gerst du doch?
Blutfinstrer Gesell, was z�gerst du noch?
Schon sitze ich harrend im K�mmerlein traut,
Und Mitternacht naht schon -- es fehlt nur die Braut.
Viel schauernde L�ftchen vom Kirchhofe wehn; --
Ihr L�ftchen! habt ihr mein Br�utchen gesehn?
Viel blasse Larven gestalten sich da,
Umknicksen mich grinsend und nicken: O ja!
Pack aus, was bringst du f�r Botschafterei,
Du schwarzer Schlingel in Feuerlivrei?
"Die gn�dige Herrschaft meldet sich an,
Gleich kommt sie gefahren im Drachengespann."
Du lieb grau M�nnchen, was ist dein Begehr?
Mein toter Magister, was treibt dich her?
Er schaut mich mit schweigend tr�bseligem Blick,
Und sch�ttelt das Haupt, und wandelt zur�ck.
Was winselt und wedelt der zottge Gesell?
Was glimmert schwarz Katers Auge so hell?
Was heulen die Weiber mit fliegendem Haar?
Was lullt mir Frau Amme mein Wiegenlied gar?
Frau Amme, bleib heut mit dem Singsang zu Haus,
Das Eiapopeia ist lange schon aus;
Ich feire ja heute mein Hochzeitsfest --
Da schau mal, dort kommen schon zierliche G�st.
Da schau mal! Ihr Herren, das nenn ich galant!
Ihr tragt, statt der H�te, die K�pf in der Hand!
Ihr Zappelbeinleutchen im Galgenornat,
Der Wind ist still, was kommt ihr so spat?
Da kommt auch alt Besenstielm�tterchen schon.
Ach segne mich, M�tterchen, bin ja dein Sohn.
Da zittert der Mund im wei�en Gesicht:
"In Ewigkeit Amen!" das M�tterchen spricht.
Zw�lf windd�rre Musiker schlendern herein;
Blind Fiedelweib holpert wohl hintendrein.
Da schleppt der Hanswurst, in buntscheckiger Jack,
Den Totengr�ber huckepack.
Es tanzen zw�lf Klosterjungfrauen herein;
Die schielende Kupplerin f�hret den Reihn.
Es folgen zw�lf l�sterne Pf�ffelein schon,
Und pfeifen ein Schandlied im Kirchenton.
Herr Tr�dler, o schrei dir nicht blau das Gesicht,
Im Fegfeuer n�tzt mir dein Pelzr�ckel nicht;
Dort heizet man gratis jahraus, jahrein,
Statt mit Holz, mit F�rsten- und Bettlergebein.
Die Blumenm�dchen sind bucklicht und krumm,
Und purzeln kopf�ber im Zimmer herum.
Ihr Eulengesichter mit Heuschreckenbein,
Hei! la�t mir das Rippengeklapper nur sein!
Die s�mtliche H�ll ist los f�rwahr,
Und l�rmet und schw�rmet in wachsender Schar.
Sogar der Verdammniswalzer erschallt --
Still, still! nun kommt mein feins Liebchen auch bald.
Gesindel, sei still, oder trolle dich fort!
Ich h�re kaum selber mein leibliches Wort --
Ei, rasselt nicht eben ein Wagen vor?
Frau K�chin! wo bist du? Schnell �ffne das Tor!
Willkommen, feins Liebchen, wie geht's dir, mein Schatz?
Willkommen, Herr Pastor, ach nehmen Sie Platz!
Herr Pastor mit Pferdefu� und Schwanz,
Ich bin Eur Ehrw�rden Diensteigener ganz!
Lieb Br�utchen, was stehst du so stumm und bleich?
Der Herr Pastor schreitet zur Trauung sogleich;
Wohl zahl ich ihm teure, blutteure Geb�hr,
Doch dich zu besitzen gilts Kinderspiel mir.
Knie nieder, s�� Br�utchen, knie hin mir zur Seit! --
Da kniet sie, da sinkt sie -- o selige Freud! --
Sie sinkt mir ans Herz, an die schwellende Brust,
Ich halt sie umschlungen mit schauernder Lust.
Die Goldlockenwellen umspielen uns beid:
An mein Herze pocht das Herze der Maid.
Sie pochen wohl beide vor Lust und vor Weh,
Und schweben hinauf in die Himmelsh�h.
Die Herzlein schwimmen im Freudensee,
Dort oben in Gottes heilger H�h;
Doch auf den H�uptern, wie Grausen und Brand,
Da hat die H�lle gelegt die Hand.
Das ist der finstre Sohn der Nacht,
Der hier den segnenden Priester macht;
Er murmelt die Formel aus blutigem Buch,
Sein Beten ist L�stern, sein Segnen ist Fluch.
Und es kr�chzet und zischet und heulet toll,
Wie Wogengebrause, wie Donnergroll; --
Da blitzet auf einmal ein bl�uliches Licht --
"In Ewigkeit Amen!" das M�tterchen spricht.
Ich kam von meiner Herrin Haus
Und wandelt in Wahnsinn und Mitternachtgraus.
Und wie ich am Kirchhof vor�bergehn will,
Da winken die Gr�ber ernst und still.
Da winkts von des Spielmanns Leichenstein;
Das war der flimmernde Mondesschein.
Da lispelts: Lieb Bruder, ich komme gleich!
Da steigts aus dem Grabe nebelbleich.
Der Spielmann war's, der entstiegen jetzt,
Und hoch auf den Leichenstein sich setzt.
In die Saiten der Zither greift er schnell,
Und singt dabei recht hohl und grell:
Ei! kennt ihr noch das alte Lied,
Das einst so wild die Brust durchgl�ht,
Ihr Saiten dumpf und tr�be?
Die Engel, die nennen es Himmelsfreud,
Die Teufel, die nennen es H�llenleid,
Die Menschen, die nennen es: Liebe!
Kaum t�nte des letzten Wortes Schall,
Da taten sich auf die Gr�ber all;
Viel Luftgestalten dringen hervor,
Umschweben den Spielmann und schrillen im Chor:
Liebe! Liebe! deine Macht
Hat uns hier zu Bett gebracht
Und die Augen zugemacht --
Ei, was rufst du in der Nacht?
So heult es verworren, und �chzet und girrt,
Und brauset und sauset, und kr�chzet und klirrt;
Und der tolle Schwarm den Spielmann umschweift,
Und der Spielmann wild in die Saiten greift:
Bravo! bravo! immer toll!
Seid willkommen!
Habt vernommen,
Da� mein Zauberwort erscholl!
Liegt man doch jahraus, jahrein
M�uschenstill im K�mmerlein;
La�t uns heute lustig sein!
Mit Vergunst --
Seht erst zu, sind wir allein? --
Narren waren wir im Leben
Und mit toller Wut ergeben
Einer tollen Liebesbrunst.
Kurzweil kann uns heut nicht fehlen,
Jeder soll hier treu erz�hlen,
Was ihn weiland hergebracht,
Wie gehetzt,
Wie zerfetzt
Ihn die tolle Liebesjagd.
Da h�pft aus dem Kreise, so leicht wie der Wind,
Ein mageres Wesen, das summend beginnt:
Ich war ein Schneidergeselle
Mit Nadel und mit Scher;
Ich war so flink und schnelle
Mit Nadel und mit Scher;
Da kam die Meisterstochter
Mit Nadel und mit Scher;
Und hat mir ins Herz gestochen
Mit Nadel und mit Scher.
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Ein Zweiter trat still und ernst hervor:
Den Rinaldo Rinaldini,
Schinderhanno, Orlandini,
Und besonders Carlo Moor
Nahm ich mir als Muster vor.
Auch verliebt -- mit Ehr zu melden --
Hab ich mich, wie jene Helden,
Und das sch�nste Frauenbild
Spukte mir im Kopfe wild.
Und ich seufzte auch und girrte;
Und wenn Liebe mich verwirrte,
Stecht ich meine Finger rasch
In des Herren Nachbars Tasch.
Doch der Gassenvogt mir grollte,
Da� ich Sehnsuchtstr�nen wollte
Trocknen mit dem Taschentuch,
Das mein Nachbar bei sich trug.
Und nach frommer H�schersitte
Nahm man still mich in die Mitte,
Und das Zuchthaus, heilig gro�,
Schlo� mir auf den Mutterscho�.
Schwelgend s�� in Liebessinnen,
Sa� ich dort beim Wollespinnen,
Bis Rinaldos Schatten kam
Und die Seele mit sich nahm.
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Geschminkt und geputzt trat ein Dritter hervor:
Ich war ein K�nig der Bretter
Und spielte das Liebhaberfach,
Ich br�llte manch wildes: Ihr G�tter!
Ich seufzte manch z�rtliches: Ach!
Den Mortimer spielt ich am besten,
Maria war immer so sch�n!
Doch trotz der nat�rlichsten Gesten,
Sie wollte mich nimmer verstehn. --
Einst, als ich verzweifelnd am Ende:
"Maria, du Heilige!" rief,
Da nahm ich den Dolch behende --
Und stach mich in bi�chen zu tief.
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Im wei�en Flausch trat ein Vierter hervor:
Vom Katheder schwatzte herab der Professor,
Er schwatzte, und ich schlief gut dabei ein;
Doch h�tt mirs behagt noch tausendmal besser
Bei seinem holdseligen T�chterlein.
Sie hat mir oft z�rtlich am Fenster genicket,
Die Blume der Blumen, mein Lebenslicht!
Doch die Blume der Blumen ward endlich gepfl�cket
Vom d�rren Philister, dem reichen Wicht.
Da flucht ich den Weibern und reichen Halunken,
Und mischte mir Teufelskraut in den Wein,
Und hab mit dem Tode Smollis getrunken, --
Der sprach: Fiduzit, ich hei�e Freund Hein!
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Einen Strick um den Hals, trat ein F�nfter hervor:
Es prunkte und prahlte der Graf beim Wein
Mit dem T�chterchen sein und dem Edelgestein.
Was schert mich, du Gr�flein, dein Edelgestein?
Mir mundet weit besser dein T�chterlein.
Sie lagen wohl beid unter Riegel und Schlo�,
Und der Graf besold'te viel Dienertro�.
Was scheren mich Diener und Riegel und Schlo�? --
Ich stieg getrost auf die Leiterspro�.
An Liebchens Fensterlein klettr ich getrost,
Da h�r ich es unten fluchen erbost:
"Fein sachte, mein B�bchen, mu� auch dabei sein,
Ich liebe ja auch das Edelgestein."
So sp�ttelt der Graf und erfa�t mich gar,
Und jauchzend umringt mich die Dienerschar.
"Zum Teufel, Gesindel! ich bin ja kein Dieb;
Ich wollte nur stehlen mein trautes Lieb!"
Da half kein Gerede, da half kein Rat,
Da machte man hurtig die Stricke parat;
Wie die Sonne kam, da wundert sie sich,
Am hellen Galgen fand sie mich.
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Den Kopf in der Hand, trat ein Sechster hervor:
Zum Weidwerk trieb mich Liebesharm;
Ich schlich umher, die B�chs im Arm.
Da schnarrets hohl vom Baum herab,
Der Rabe rief: Kopf -- ab! Kopf -- ab!
O, sp�rt ich doch ein T�ubchen aus,
Ich br�cht es meinem Lieb nach Haus!
So dacht ich, und in Busch und Strauch
Sp�ht ringsumher mein J�geraug.
Was koset dort? was schn�belt fein?
Zwei Turtelt�ubchen m�gens sein.
Ich schleich herbei, -- den Hahn gespannt, --
Sieh da! mein eignes Lieb ich fand.
Das war mein T�ubchen, meine Braut,
Ein fremder Mann umarmt sie traut --
Nun, alter Sch�tze, treffe gut!
Da lag der fremde Mann im Blut.
Bald drauf ein Zug mit Henkersfron --
Ich selbst dabei als Hauptperson --
Den Wald durchzog. Vom Baum herab
Der Rabe rief: Kopf -- ab! Kopf -- ab!
Da lachten die Geister im lustigen Chor;
Da trat der Spielmann selber hervor:
Ich hab mal ein Liedchen gesungen,
Das sch�ne Lied ist aus;
Wenn das Herz im Leibe zersprungen,
Dann gehen die Lieder nach Haus!
Und das tolle Gel�chter sich doppelt erhebt,
Und die bleiche Schar im Kreise schwebt.
Da scholl vom Kirchturm "Eins" herab,
Da st�rzten die Geister sich heulend ins Grab.
Ich lag und schlief, und schlief recht mild,
Verscheucht war Gram und Leid;
Da kam zu mir ein Traumgebild,
Die allersch�nste Maid.
Sie war wie Marmelstein so bleich,
Und heimlich wunderbar;
Im Auge schwamm es perlengleich,
Gar seltsam wallt' ihr Haar.
Und leise, leise sich bewegt
Die marmorblasse Maid,
Und an mein Herz sich niederlegt
Die marmorblasse Maid.
Wie bebt und pocht vor Weh und Lust
Mein Herz, und brennet hei�!
Nicht bebt, nicht pocht der Sch�nen Brust,
Die ist so kalt wie Eis.
"Nicht bebt, nicht pocht wohl meine Brust,
Die ist wie Eis so kalt;
Doch kenn auch ich der Liebe Lust,
Der Liebe Allgewalt.
"Mir bl�ht kein Rot auf Mund und Wang,
Mein Herz durchstr�mt kein Blut;
Doch str�ube dich nicht schaudernd bang,
Ich bin dir hold und gut."
Und wilder noch umschlang sie mich,
Und tat mir fast ein Leid;
Da kr�ht der Hahn -- und stumm entwich
Die marmorblasse Maid.
Da hab ich viel blasse Leichen
Beschworen mit Wortesmacht;
Die wollen nun nicht mehr weichen
Zur�ck in die alte Nacht.
Das z�hmende Spr�chlein vom Meister
Verga� ich vor Schauer und Graus;
Nun ziehn die eignen Geister
Mich selber ins neblichte Haus.
La�t ab, ihr finstren D�monen!
La�t ab, und dr�ngt mich nicht!
Noch manche Freude mag wohnen
Hier oben im Rosenlicht.
Ich mu� ja immer streben
Nach der Blume wunderhold;
Was bedeutet' mein ganzes Leben,
Wenn ich sie nicht lieben sollt?
Ich m�cht sie nur einmal umfangen
Und pressen ans gl�hende Herz!
Nur einmal auf Lippen und Wangen
K�ssen den seligsten Schmerz!
Nur einmal aus ihrem Munde
M�cht ich h�ren ein liebendes Wort --
Alsdann wollt ich folgen zur Stunde
Euch, Geister, zum finsteren Ort.
Die Geister habens vernommen,
Und nicken schauerlich.
Feins Liebchen, nun bin ich gekommen;
Feins Liebchen, liebst du mich?
Morgens steh ich auf und frage:
Kommt feins Liebchen heut?
Abends sink ich hin und klage:
Aus blieb sie auch heut.
In der Nacht mit meinem Kummer
Lieg ich schlaflos, wach;
Tr�umend, wie im halben Schlummer,
Wandle ich bei Tag.
Es treibt mich hin, es treibt mich her!
Noch wenige Stunden, dann soll ich sie schauen,
Sie selber, die Sch�nste der sch�nen Jungfrauen; --
Du treues Herz, was pochst du so schwer!
Die Stunden sind aber ein faules Volk!
Schleppen sich behaglich tr�ge,
Schleichen g�hnend ihre Wege; --
Tummle dich, du faules Volk!
Tobende Eile mich treibend erfa�t!
Aber wohl niemals liebten die Horen; --
Heimlich im grausamen Bunde verschworen,
Spotten sie t�ckisch der Liebenden Hast.
Ich wandelte unter den B�umen
Mit meinem Gram allein;
Da kam das alte Tr�umen,
Und schlich mir ins Herz hinein.
Wer hat euch dies W�rtlein gelehret,
Ihr V�glein in luftiger H�h?
Schweigt still! wenn mein Herz es h�ret,
Dann tut es noch einmal so weh.
"Es kam ein Jungfr�ulein gegangen,
Die sang es immerfort,
Da haben wir V�glein gefangen
Das h�bsche, goldne Wort."
Das sollt ihr mir nicht mehr erz�hlen,
Ihr V�glein wunderschlau;
Ihr wollt meinen Kummer mir stehlen,
Ich aber niemanden trau.
Lieb Liebchen, leg's H�ndchen aufs Herze mein; --
Ach, h�rst du, wie's pochet im K�mmerlein,
Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg,
Der zimmert mir einen Totensarg.
Es h�mmert und klopfet bei Tag und bei Nacht;
Es hat mich schon l�ngst um den Schlaf gebracht.
Ach! sputet Euch, Meister Zimmermann,
Damit ich balde schlafen kann.
Sch�ne Wiege meiner Leiden,
Sch�nes Grabmal meiner Ruh,
Sch�ne Stadt, wir m�ssen scheiden, --
Lebe wohl! ruf ich dir zu.
Lebe wohl, du heilge Schwelle,
Wo da wandelt Liebchen traut;
Lebe wohl! du heilge Stelle,
Wo ich sie zuerst geschaut.
H�tt ich dich doch nie gesehen,
Sch�ne Herzensk�nigin!
Nimmer w�r es dann geschehen,
Da� ich jetzt so elend bin.
Nie wollt ich dein Herze r�hren,
Liebe hab ich nie erfleht;
Nur ein stilles Leben f�hren
Wollt ich, wo dein Odem weht.
Doch du dr�ngst mich selbst von hinnen,
Bittre Worte spricht dein Mund;
Wahnsinn w�hlt in meinen Sinnen,
Und mein Herz ist krank und wund.
Und die Glieder matt und tr�ge
Schlepp ich fort am Wanderstab,
Bis mein m�des Haupt ich lege
Ferne in ein k�hles Grab.
Warte, warte, wilder Schiffsmann,
Gleich folg ich zum Hafen dir;
Von zwei Jungfraun nehm ich Abschied,
Von Europa und von Ihr.
Blutquell, rinn aus meinen Augen,
Blutquell, brich aus meinem Leib,
Da� ich mit dem hei�en Blute
Meine Schmerzen niederschreib.
Ei, mein Lieb, warum just heute
Schauderst du, mein Blut zu sehn?
Sahst mich bleich und herzeblutend
Lange Jahre vor dir stehn!
Kennst du noch das alte Liedchen
Von der Schlang im Paradies,
Die durch schlimme Apfelgabe
Unsern Ahn ins Elend stie�?
Alles Unheil brachten �pfel!
Eva bracht damit den Tod,
Eris brachte Trojas Flammen,
Du brachtst beides, Flamm und Tod.
Berg und Burgen schaun herunter
In den spiegelhellen Rhein,
Und mein Schifflein segelt munter,
Rings umgl�nzt von Sonnenschein.
Ruhig seh ich zu dem Spiele
Goldner Wellen, kraus bewegt;
Still erwachen die Gef�hle,
Die ich tief im Busen hegt.
Freundlich gr��end und verhei�end
Lockt hinab des Stromes Pracht;
Doch ich kenn ihn, oben glei�end,
Birgt sein Innres Tod und Nacht.
Oben Lust, im Busen T�cken,
Strom, du bist der Liebsten Bild!
Die kann auch so freundlich nicken,
L�chelt auch so fromm und mild.
Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich tr�g es nie;
Und ich hab es doch getragen --
Aber fragt mich nur nicht, wie?
Mit Rosen, Zypressen und Flittergold
M�cht ich verzieren, lieblich und hold,
Dies Buch wie einen Totenschrein,
Und sargen meine Lieder hinein.
O k�nnt ich die Liebe sargen hinzu!
Am Grabe der Liebe w�chst Bl�mlein der Ruh,
Da bl�ht es hervor, da pfl�ckt man es ab --
Doch mir bl�hts nur, wenn ich selber im Grab.
Hier sind nun die Lieder, die einst so wild,
Wie ein Lavastrom, der dem �tna entquillt,
Hervorgest�rzt aus dem tiefsten Gem�t,
Und rings viel blitzende Funken verspr�ht!
Nun liegen sie stumm und Toten gleich,
Nun starren sie kalt und nebelbleich.
Doch aufs neu die alte Glut sie belebt,
Wenn der Liebe Geist einst �ber sie schwebt.
Und es wird mir im Herzen viel Ahnung laut:
Der Liebe Geist einst �ber sie taut;
Einst kommt dies Buch in deine Hand,
Du s��es Lieb im fernen Land.
Dann l�st sich des Liedes Zauberbann,
Die blassen Buchstaben schaun dich an,
Sie schauen dir flehend ins sch�ne Aug,
Und fl�stern mit Wehmut und Liebeshauch.
Allen tut es weh im Herzen,
Die den bleichen Knaben sehn,
Dem die Leiden, dem die Schmerzen
Aufs Gesicht geschrieben stehn.
Mitleidvolle L�fte f�cheln
K�hlung seiner hei�en Stirn;
Labung m�cht ins Herz ihm l�cheln
Manche sonst so spr�de Dirn.
Aus dem wilden L�rm der St�dter
Fl�chtet er sich nach dem Wald.
Lustig rauschen dort die Bl�tter,
Lustger Vogelsang erschallt.
Doch der Sang verstummet balde,
Traurig rauschet Baum und Blatt,
Wenn der Traurige dem Walde
Langsam sich gen�hert hat.
Ein Reiter durch das Bergtal zieht,
Im traurig stillen Trab:
Ach! zieh ich jetzt wohl in Liebchens Arm,
Oder zieh ich ins dunkle Grab?
Die Bergstimm Antwort gab:
Ins dunkle Grab!
Und weiter reitet der Reitersmann,
Und seufzet schwer dazu:
So zieh ich denn hin ins Grab so fr�h --
Wohlan, im Grab ist Ruh.
Die Stimme sprach dazu:
Im Grab ist Ruh!
Dem Reitersmann eine Trane (Tr�ne) rollt
Von der Wange kummervoll:
Und ist nur im Grabe die Ruhe f�r mich --
So ist mir im Grabe wohl.
Die Stimm erwidert hohl:
Im Grabe wohl!
Oben auf der Bergesspitze
Liegt das Schlo� in Nacht geh�llt;
Doch im Tale leuchten Blitze,
Helle Schwerter klirren wild.
Das sind Br�der, die dort fechten
Grimmen Zweikampf, wutentbrannt.
Sprich, warum die Br�der rechten
Mit dem Schwerte in der Hand?
Gr�fin Lauras Augenfunken
Z�ndeten den Br�derstreit.
Beide gl�hen liebestrunken
F�r die adlig holde Maid.
Welchem aber von den beiden
Wendet sich ihr Herze zu?
Kein Ergr�beln kann's entscheiden --
Schwert heraus, entscheide du!
Und sie fechten k�hn verwegen,
Hieb auf Hiebe niederkrachts.
H�tet euch, ihr wilden Degen,
B�ses Blendwerk schleicht des Nachts.
Wehe! Wehe! blutge Br�der!
Wehe! Wehe! blutges Tal!
Beide K�mpfer st�rzen nieder,
Einer in des andern Stahl. --
Viel Jahrhunderte verwehen,
Viel Geschlechter deckt das Grab;
Traurig von des Berges H�hen
Schaut das �de Schlo� herab.
Aber nachts, im Talesgrunde,
Wandelts heimlich, wunderbar;
Wenn da kommt die zw�lfte Stunde,
K�mpfet dort das Br�derpaar.
Der Hans und die Grete tanzen herum,
Und jauchzen vor lauter Freude.
Der Peter steht so still und stumm,
Und ist so bla� wie Kreide.
Der Hans und die Grete sind Br�utgam und Braut,
Und blitzen im Hochzeitgeschmeide.
Der arme Peter die N�gel kaut
Und geht im Werkeltagskleide.
Der Peter spricht leise vor sich her,
Und schaut betr�bet auf beide:
Ach! wenn ich nicht gar zu vern�nftig w�r,
Ich t�te mir was zuleide.
"In meiner Brust, da sitzt ein Weh,
Das will die Brust zersprengen;
Und wo ich steh und wo ich geh,
Will's mich von hinnen dr�ngen."
"Es treibt mich nach der Liebsten N�h,
Als k�nnts die Grete heilen;
Doch wenn ich der ins Auge seh,
Mu� ich von hinnen eilen."
"Ich steig hinauf des Berges H�h,
Dort ist man doch alleine;
Und wenn ich still dort oben steh,
Dann steh ich still und weine."
Der arme Peter wankt vorbei,
Gar langsam, leichenbla� und scheu.
Es bleiben fast, wenn sie ihn sehn,
Die Leute auf der Stra�e stehn.
Die Madchen fl�stern sich ins Ohr:
"Der stieg wohl aus dem Grab hervor."
Ach nein, ihr lieben Jungfr�ulein,
Der legt sich erst ins Grab hinein.
Er hat verloren seinen Schatz,
Drum ist das Grab der beste Platz,
Wo er am besten liegen mag
Und schlafen bis zum J�ngsten Tag.
Als meine Gro�mutter die Lise behext,
Da wollten die Leut sie verbrennen.
Schon hatte der Amtmann viel Tinte verkleckst,
Doch wollte sie nicht bekennen.
Und als man sie in den Kessel schob,
Da schrie sie Mord und Wehe;
Und als sich der schwarze Qualm erhob,
Da flog sie als Rab in die H�he.
Mein schwarzes, gefiedertes Gro�m�tterlein!
O komm mich im Turme besuchen!
Komm, fliege geschwind durchs Gitter herein,
Und bringe mir K�se und Kuchen.
Mein schwarzes, gefiedertes Gro�m�tterlein!
O m�chtest du nur sorgen,
Da� die Muhme nicht auspickt die Augen mein,
Wenn ich luftig schwebe morgen.
Nach Frankreich zogen zwei Grenadier,
Die waren in Ru�land gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,
Sie lie�en die K�pfe hangen.
Da h�rten sie beide die traurige M�r:
Da� Frankreich verloren gegangen,
Besiegt und zerschlagen das gro�e Heer --
Und der Kaiser, der Kaiser gefangen.
Da weinten zusammen die Grenadier
Wohl ob der kl�glichen Kunde.
Der eine sprach: Wie weh wird mir,
Wie brennt meine alte Wunde!
Der andre sprach: Das Lied ist aus,
Auch ich m�cht mit dir sterben,
Doch hab ich Weib und Kind zu Haus,
Die ohne mich verderben.
Was schert mich Weib, was schert mich Kind,
Ich trage weit be�res Verlangen;
La� sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind --
Mein Kaiser, mein Kaiser gefangen!
Gewahr mir, Bruder, eine Bitt:
Wenn ich jetzt sterben werde,
So nimm meine Leiche nach Frankreich mit,
Begrab mich in Frankreichs Erde.
Das Ehrenkreuz am roten Band
Sollst du aufs Herz mir legen;
Die Flinte gib mir in die Hand,
Und g�rt mir um den Degen.
So will ich liegen und horchen still,
Wie eine Schildwach, im Grabe,
Bis einst ich h�re Kanonengebr�ll
Und wiehernder Rosse Getrabe.
Dann reitet mein Kaiser wohl �ber mein Grab,
Viel Schwerter klirren und blitzen;
Dann steig ich gewaffnet hervor aus dem Grab
Den Kaiser, den Kaiser zu sch�tzen.
Mein Knecht! steh auf und sattle schnell,
Und wirf dich auf dein Ro�,
Und jage rasch durch Wald und Feld
Nach K�nig Dunkans Schlo�.
Dort schleiche in den Stall, und wart,
Bis dich der Stallbub schaut.
Den forsch mir aus: Sprich, welche ist
Von Dunkans T�chtern Braut?
Und spricht der Bub: "Die Braune ist's",
So bring mir schnell die M�r.
Doch spricht der Bub: "Die Blonde ist's",
So eilt das nicht so sehr.
Dann geh zum Meister Seiler hin,
Und kauf mir einen Strick,
Und reite langsam, sprich kein Wort,
Und bring mir den zur�ck.
Ich geh nicht allein, mein feines Lieb,
Du mu�t mit mir wandern
Nach der lieben, alten, schaurigen Klause,
In dem tr�ben, kalten, traurigen Hause,
Wo meine Mutter am Eingang kaurt
Und auf des Sohnes Heimkehr laurt.
"La� ab von mir, du finstrer Mann!
Wer hat dich gerufen?
Dein Odem gl�ht, deine Hand ist Eis,
Dein Auge spr�ht, deine Wang ist wei�; --
Ich aber will mich lustig freun
An Rosenduft und Sonnenschein."
La� duften die Rosen, la� scheinen die Sonn,
Mein s��es Liebchen!
Wirf um den weiten, wei�wallenden Schleier,
Und greif in die Saiten der schallenden Leier,
Und singe ein Hochzeitlied dabei;
Der Nachtwind pfeift die Melodei.
"Donna Clara! Donna Clara!
Hei�geliebte langer Jahre!
Hast beschlossen mein Verderben,
Und beschlossen ohn Erbarmen.
"Donna Clara! Donna Clara!
Ist doch s�� die Lebensgabe!
Aber unten ist es grausig,
In dem dunkeln, kalten Grabe.
"Donna Clara! Freu dich, morgen
Wird Fernando, am Altare,
Dich als Ehgemahl begr��en --
Wirst du mich zur Hochzeit laden?"
""Don Ramiro! Don Ramiro!
Deine Worte treffen bitter,
Bittrer als der Spruch der Sterne,
Die da spotten meines Willens.
""Don Ramiro! Don Ramiro!
R�ttle ab den dumpfen Tr�bsinn;
M�dchen gibt es viel auf Erden,
Aber uns hat Gott geschieden.
""Don Ramiro, der du mutig
So viel Mohren �berwunden,
�berwinde nun dich selber --
Komm auf meine Hochzeit morgen.""
"Donna Clara! Donna Clara!
Ja, ich schw�r es, ja, ich komme!
Will mit dir den Reihen tanzen; --
Gute Nacht, ich komme morgen."
""Gute Nacht!"" -- Das Fenster klirrte.
Seufzend stand Ramiro unten,
Stand noch lange wie versteinert;
Endlich schwand er fort im Dunkeln. --
Endlich auch, nach langem Ringen,
Mu� die Nacht dem Tage weichen;
Wie ein bunter Blumengarten
Liegt Toledo ausgebreitet.
Prachtgeb�ude und Pal�ste
Schimmern hell im Glanz der Sonne;
Und der Kirchen hohe Kuppeln
Leuchten stattlich, wie vergoldet.
Summend, wie ein Schwarm von Bienen,
Klingt der Glocken Festgel�ute,
Lieblich steigen Betges�nge
Aus den frommen Gottesh�usern.
Aber dorten, siehe! siehe!
Dorten aus der Marktkapelle,
Im Gewimmel und Gewoge,
Str�mt des Volkes bunte Menge.
Blanke Ritter, schmucke Frauen,
Hofgesinde, festlich blinkend,
Und die hellen Glocken l�uten,
Und die Orgel rauscht dazwischen.
Doch, mit Ehrfurcht ausgewichen,
In des Volkes Mitte wandelt
Das geschm�ckte junge Ehpaar,
Donna Clara, Don Fernando.
Bis an Br�utigams Palasttor
W�lzet sich das Volksgew�hle;
Dort beginnt die Hochzeitfeier,
Prunkhaft und nach alter Sitte.
Ritterspiel und frohe Tafel
Wechseln unter lautem Jubel;
Rauschend schnell entfliehn die Stunden,
Bis die Nacht herabgesunken.
Und zum Tanze sich versammeln
In dem Saal die Hochzeitsg�ste;
In dem Glanz der Lichter funkeln
Ihre bunten Prachtgew�nder.
Auf erhobne St�hle lie�en
Braut und Br�utigam sich nieder,
Donna Clara, Don Fernando,
Und sie tauschen s��e Reden.
Und im Saale wogen heiter
Die geschm�ckten Menschenwellen,
Und die lauten Pauken wirbeln,
Und es schmettern die Trommeten.
"Doch warum, o sch�ne Herrin,
Sind gerichtet deine Blicke
Dorthin nach der Saalesecke?"
So verwundert sprach der Ritter.
"Siehst du denn nicht, Don Fernando,
Dort den Mann im schwarzen Mantel?"
Und der Ritter l�chelt freundlich:
"Ach! das ist ja nur ein Schatten."
Doch es n�hert sich der Schatten,
Und es war ein Mann im Mantel;
Und Ramiro schnell erkennend,
Gr��t ihn Clara, glutbefangen.
Und der Tanz hat schon begonnen,
Munter drehen sich die T�nzer
In des Walzers wilden Kreisen,
Und der Boden dr�hnt und bebet.
"Wahrlich gerne, Don Ramiro,
Will ich dir zum Tanze folgen,
Doch im n�chtlich schwarzen Mantel
H�ttest du nicht kommen sollen."
Mit durchbohrend stieren Augen
Schaut Ramiro auf die Holde,
Sie umschlingend spricht er d�ster:
"Sprachest ja, ich sollte kommen!"
Und ins wirre Tanzget�mmel
Dr�ngen sich die beiden T�nzer;
Und die lauten Pauken wirbeln,
Und es schmettern die Trommeten.
"Sind ja schneewei� deine Wangen!"
Fl�stert Clara, heimlich zitternd.
"Sprachest ja, ich sollte kommen!"
Schallet dumpf Ramiros Stimme.
Und im Saal die Kerzen blinzeln
Durch das flutende Gedr�nge;
Und die lauten Pauken wirbeln,
Und es schmettern die Trommeten.
"Sind ja eiskalt deine H�nde!"
Fl�stert Clara, schauerzuckend.
"Sprachest ja, ich sollte kommen!"
Und sie treiben fort im Strudel.
"La� mich, la� mich! Don Ramiro!
Leichenduft ist ja dein Odem!"
Wiederum die dunklen Worte:
"Sprachest ja, ich sollte kommen!"
Und der Boden raucht und gl�het,
Lustig t�net Geig und Bratsche;
Wie ein tolles Zauberweben,
Schwindelt alles in dem Saale.
"La� mich, la� mich! Don Ramiro!"
Wimmerts immer im Gewoge.
Don Ramiro stets erwidert:
"Sprachest ja, ich sollte kommen!"
"Nun, so geh in Gottes Namen!"
Clara riefs mit fester Stimme;
Und dies Wort war kaum gesprochen,
Und verschwunden war Ramiro.
Clara starret, Tod im Antlitz,
Kaltumflirret, nachtumwoben;
Ohnmacht hat das lichte Bildnis
In ihr dunkles Reich gezogen.
Endlich weicht der Nebelschlummer,
Endlich schl�gt sie auf die Wimper;
Aber Staunen will aufs neue
Ihre holden Augen schlie�en.
Denn derweil der Tanz begonnen,
War sie nicht vom Sitz gewichen,
Und sie sitzt noch bei dem Br�utgam,
Und der Ritter sorgsam bittet:
"Sprich, was bleichet deine Wangen?
Warum wird dein Aug so dunkel? --"
"Und Ramiro?--" stottert Clara,
Und Entsetzen l�hmt die Zunge.
Doch mit tiefen, ernsten Falten
Furcht sich jetzt des Br�utgams Stirne:
"Herrin, forsch nicht blutge Kunde --
Heute mittag starb Ramiro."
Die Mitternacht zog n�her schon;
In stummer Ruh lag Babylon.
Nur oben in des K�nigs Schlo�,
Da flackerts, da l�rmt des K�nigs Tro�.
Dort oben, in dem K�nigssaal,
Belsazar hielt sein K�nigsmahl.
Die Knechte sa�en in schimmernden Reihn,
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.
Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem st�rrigen K�nige recht.
Des K�nigs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.
Und blindlings rei�t der Mut ihn fort;
Und er l�stert die Gottheit mit s�ndigem Wort.
Und er br�stet sich frech, und l�stert wild;
Die Knechtenschar ihm Beifall br�llt.
Der K�nig rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zur�ck.
Er trug viel g�lden Ger�t auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.
Und der K�nig ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gef�llt bis am Rand.
Und er leert ihn hastig bis auf den Grund,
Und rufet laut mit sch�umendem Mund:
Jehova! dir k�nd ich auf ewig Hohn --
Ich bin der K�nig von Babylon!
Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem K�nig wards heimlich im Busen bang.
Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.
Und sieh! und sieh! an wei�er Wand
Da kams hervor wie Menschenhand:
Und schrieb, und schrieb an wei�er Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.
Der K�nig stieren Blicks da sa�,
Mit schlotternden Knien und totenbla�.
Die Knechtenschar sa� kalt durchgraut,
Und sa� gar still, gab keinen Laut.
Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.
Zu dem Wettgesange schreiten
Minnes�nger jetzt herbei;
Ei, das gibt ein seltsam Streiten,
Ein gar seltsames Turnei!
Phantasie, die sch�umend wilde,
Ist des Minnes�ngers Pferd,
Und die Kunst dient ihm zum Schilde,
Und das Wort, das ist sein Schwert.
H�bsche Damen schauen munter
Vom beteppichten Balkon,
Doch die rechte ist nicht drunter
Mit der rechten Lorbeerkron.
Andre Leute, wenn sie springen
In die Schranken, sind gesund;
Doch wir Minnes�nger bringen
Dort schon mit die Todeswund.
Und wem dort am besten dringet
Liederblut aus Herzensgrund,
Der ist Sieger, der erringet
Bestes Lob aus sch�nstem Mund.
Der bleiche Heinrich ging vorbei,
Sch�n Hedwig lag am Fenster.
Sie sprach halblaut: Gott steh mir bei,
Der unten schaut bleich wie Gespenster!
Der unten erhub sein Aug in die H�h,
Hinschmachtend an Hedewigs Fenster.
Sch�n Hedwig ergriff es wie Liebesweh,
Auch sie ward bleich wie Gespenster.
Sch�n Hedwig stand nun mit Liebesharm
Tagt�glich lauernd am Fenster.
Bald aber lag sie in Heinrichs Arm,
Alln�chtlich zur Zeit der Gespenster.
Ich wei� eine alte Kunde,
Die hallet dumpf und tr�b:
Ein Ritter liegt liebeswunde,
Doch treulos ist sein Lieb.
Als treulos mu� er verachten
Die eigne Herzliebste sein,
Als schimpflich mu� er betrachten
Die eigne Liebespein.
Er m�cht in die Schranken reiten
Und rufen die Ritter zum Streit:
Der mag sich zum Kampfe bereiten,
Wer mein Lieb eines Makels zeiht!
Da w�rden wohl alle schweigen,
Nur nicht sein eigener Schmerz;
Da m��t er die Lanze neigen
Wider 's eigne klagende Herz.
Ich stand gelehnet an den Mast,
Und z�hlte jede Welle.
Ade! mein sch�nes Vaterland!
Mein Schiff, das segelt schnelle!
Ich kam sch�n Liebchens Haus vorbei,
Die Fensterscheiben blinken;
Ich guck mir fast die Augen aus,
Doch will mir niemand winken.
Ihr Tr�nen, bleibt mir aus dem Aug,
Da� ich nicht dunkel sehe.
Mein krankes Herze, brich mir nicht
Vor allzu gro�em Wehe.
Herr Ulrich reitet im gr�nen Wald,
Die Bl�tter lustig rauschen.
Er sieht eine holde M�dchengestalt
Durch Baumeszweige lauschen.
Der Junker spricht: Wohl kenne ich
Dies bl�hende, gl�hende Bildnis,
Verlockend stets umschwebt es mich
In Volksgew�hl und Wildnis.
Zwei R�slein sind die Lippen dort,
Die lieblichen, die frischen;
Doch manches h��lich bittre Wort
Schleicht t�ckisch oft dazwischen.
Drum gleicht dies M�ndlein gar genau
Den h�bschen Rosenb�schen,
Wo giftge Schlangen wunderschlau
Im dunklen Laube zischen.
Dort jenes Gr�bchen wunderlieb
In wunderlieben Wangen,
Das ist die Grube, worein mich trieb
Wahnsinniges Verlangen.
Dort seh ich ein sch�nes Lockenhaar
Vom sch�nsten K�pfchen hangen;
Das sind die Netze wunderbar,
Womit mich der B�se gefangen.
Und jenes blaue Auge dort,
So klar wie stille Welle,
Das hielt ich f�r des Himmels Pfort,
Doch war's die Pforte der H�lle. --
Herr Ulrich reitet weiter im Wald,
Die Bl�tter rauschen schaurig.
Da sieht er von fern eine zweite Gestalt,
Die ist so bleich, so traurig.
Der Junker spricht: O Mutter dort,
Die mich so m�tterlich liebte,
Der ich mit b�sem Tun und Wort
Das Leben bitterlich tr�bte!
O, k�nnt ich dir trocknen die Augen na�
Mit der Glut von meinen Schmerzen!
O, k�nnt ich dir r�ten die Wangen bla�
Mit dem Blut aus meinem Herzen!
Und weiter reitet Herr Ulerich,
Im Wald beginnt es zu d�stern,
Viel seltsame Stimmen regen sich,
Die Abendwinde fl�stern.
Der Junker h�rt die Worte sein
Gar vielfach widerklingen.
Das taten die sp�ttischen Waldv�gelein,
Die zwitschern laut und singen:
Herr Ulrich singt ein h�bsches Lied,
Das Liedchen von der Reue,
Und hat er zu Ende gesungen das Lied,
So singt er es wieder aufs neue.
An eine S�ngerin
Als sie eine alte Romanze sang
Ich denke noch der Zaubervollen,
Wie sie zuerst mein Auge sah!
Wie ihre T�ne lieblich klangen
Und heimlich s�� ins Herze drangen,
Entrollten Tr�nen meinen Wangen --
Ich wu�te nicht, wie mir geschah.
Ein Traum war �ber mich gekommen:
Mir war, als sei ich noch ein Kind,
Und s��e still, beim Lampenscheine,
In Mutters frommem K�mmerleine,
Und l�se M�rchen wunderfeine,
Derweilen drau�en Nacht und Wind.
Die M�rchen fangen an zu leben,
Die Ritter steigen aus der Gruft;
Bei Ronzisvall da gibts ein Streiten,
Da kommt Herr Roland herzureiten,
Viel k�hne Degen ihn begleiten,
Auch leider Ganelon, der Schuft.
Durch den wird Roland schlimm gebettet,
Er schwimmt in Blut, und atmet kaum:
Kaum mochte fern sein Jagdhornzeichen
Das Ohr des gro�en Karls erreichen,
Da mu� der Ritter schon erbleichen --
Und mit ihm stirbt zugleich mein Traum.
Das war ein laut verworrnes Schallen,
Das mich aus meinem Tr�umen rief.
Verklungen war jetzt die Legende,
Die Leute schlugen in die H�nde
Und riefen "Bravo!" ohne Ende;
Die S�ngerin verneigt sich tief.
Meine g�ldenen Dukaten,
Sagt, wo seid ihr hingeraten?
Seid ihr bei den g�ldnen Fischlein,
Die im Bache froh und munter
Tauchen auf und tauchen unter?
Seid ihr bei den g�ldnen Bl�mlein,
Die auf lieblich gr�ner Aue
Funkeln hell im Morgentaue?
Seid ihr bei den g�ldnen V�glein,
Die da schweifen glanzumwoben
In den blauen L�ften oben?
Seid ihr bei den g�ldnen Sternlein,
Die im leuchtenden Gewimmel
L�cheln jede Nacht am Himmel?
Ach! Ihr g�ldenen Dukaten
Schwimmt nicht in des Baches Well,
Funkelt nicht auf gr�ner Au,
Schwebet nicht in L�ften blau,
L�chelt nicht am Himmel hell --
Meine Manich�er, traun!
Halten euch in ihren Klaun.
Gespr�ch auf der Paderborner Heide
H�rst du nicht die fernen T�ne,
Wie von Brummba� und von Geigen?
Dorten tanzt wohl manche Sch�ne
Den gefl�gelt leichten Reigen.
"Ei, mein Freund, das nenn ich irren,
Von den Geigen h�r ich keine,
Nur die Ferklein h�r ich quirren,
Grunzen nur h�r ich die Schweine."
H�rst du nicht das Waldhorn blasen?
J�ger sich des Weidwerks freuen;
Fromme L�mmer seh ich grasen,
Sch�fer spielen auf Schalmeien.
"Ei, mein Freund, was du vernommen,
Ist kein Waldhorn, noch Schalmeie;
Nur den Sauhirt seh ich kommen,
Heimwarts treibt er seine S�ue."
H�rst du nicht das ferne Singen,
Wie von s��en Wettges�ngen?
Englein schlagen mit den Schwingen
Lauten Beifall solchen Kl�ngen.
"Ei, was dort so h�bsch geklungen,
Ist kein Wettgesang, mein Lieber!
Singend treiben G�nsejungen
Ihre G�nselein vor�ber."
H�rst du nicht die Glocken l�uten,
Wunderlieblich, wunderhelle?
Fromme Kircheng�nger schreiten
Andachtsvoll zur Dorfkapelle.
"Ei, mein Freund, das sind die Schellen
Von den Ochsen, von den K�hen,
Die nach ihren dunkeln St�llen
Mit gesenktem Kopfe ziehen."
Siehst du nicht den Schleier wehen?
Siehst du nicht das leise Nicken?
Dort seh ich die Liebste stehen,
Feuchte Wehmut in den Blicken.
"Ei, mein Freund, dort seh ich nicken
Nur das Waldweib, nur die Lise;
Bla� und hager an den Kr�cken
Hinkt sie weiter nach der Wiese."
Nun, mein Freund, so magst du lachen
�ber des Phantasten Frage!
Wirst du auch zur T�uschung machen,
Was ich fest im Busen trage?
Eine gro�e Landstra� ist unsere Erd,
Wir Menschen sind Passagiere;
Man rennet und jaget, zu Fu� und zu Pferd,
Wie L�ufer oder Kuriere.
Man f�hrt sich vor�ber, man nicket, man gr��t
Mit dem Taschentuch aus der Karosse;
Man h�tte sich gerne geherzt und gek��t,
Doch jagen von hinnen die Rosse.
Kaum trafen wir uns auf derselben Station,
Herzliebster Prinz Alexander,
Da bl�st schon zur Abfahrt der Postillon
Und bl�st uns schon auseinander.
Wenn der Fr�hling kommt mit dem Sonnenschein,
Dann knospen und bl�hen die Bl�mlein auf;
Wenn der Mond beginnt seinen Strahlenlauf,
Dann schwimmen die Sternlein hintendrein;
Wenn der S�nger zwei s��e �uglein sieht,
Dann quellen ihm Lieder aus tiefem Gem�t; --
Doch Lieder und Sterne und Bl�melein,
Und �uglein und Mondglanz und Sonnenschein,
Wie sehr das Zeug auch gef�llt,
So macht's doch noch lang keine Welt.
Im Reifrockputz, mit Blumen reich verzieret,
Sch�npfl�sterchen auf den geschminkten Wangen,
Mit Schnabelschuhn, mit Stickerein behangen,
Mit Turmfrisur, und wespengleich geschn�ret:
So war die Aftermuse ausstaffieret,
Als sie einst kam, dich liebend zu umfangen.
Du bist ihr aber aus dem Weg gegangen,
Und irrtest fort, von dunkeln Trieb gef�hret.
Da fandest du ein Schlo� in alter Wildnis,
Und drinnen lag, wie'n holdes Marmorbildnis,
Die sch�nste Maid in Zauberschlaf versunken.
Doch wich der Zauber bald, bei deinem Gru�e
Aufwachte l�chelnd Deutschlands echte Muse,
Und sank in deine Arme liebestrunken.
An meine Mutter, B. Heine,
geborene von Geldern
Ich bin's gewohnt, den Kopf recht hoch zu tragen,
Mein Sinn ist auch ein bi�chen starr und z�he;
Wenn selbst der K�nig mir ins Antlitz s�he,
Ich w�rde nicht die Augen niederschlagen.
Doch, liebe Mutter, offen will ich's sagen:
Wie m�chtig auch mein stolzer Mut sich bl�he,
In deiner selig s��en, trauten N�he
Ergreift mich oft ein demutvolles Zagen.
Ist es dein Geist, der heimlich mich bezwinget,
Dein hoher Geist, der alles k�hn durchdringet,
Und blitzend sich zum Himmelslichte schwinget
Qu�lt mich Erinnerung, da� ich ver�bet
So manche Tat, die dir das Herz betr�bet?
Das sch�ne Herz, das mich so sehr geliebet?
Im tollen Wahn hatt ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn, ob ich die Liebe f�nde,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder T�re streckt ich aus die H�nde,
Und bettelte um gringe Liebesspende --
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und tr�be.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug geschwommen,
Das war die s��e, langgesuchte Liebe.
Wie ich dein B�chlein hastig aufgeschlagen,
Da gr��en mir entgegen viel vertraute,
Viel goldne Bilder, die ich weiland schaute
Im Knabentraum und in den Kindertagen.
Ich sehe wieder stolz gen Himmel ragen
Den frommen Dom, den deutscher Glaube baute,
Ich h�r der Glocken und der Orgel Laute,
Dazwischen klingts wie s��e Liebesklagen.
Wohl seh ich auch, wie sie den Dom umklettern,
Die flinken Zwerglein, die sich dort erfrechen
Das h�bsche Blum- und Schnitzwerk abzubrechen.
Doch mag man immerhin die Eich entbl�ttern
Und sie des gr�nen Schmuckes rings berauben --
Kommt neuer Lenz, wird sie sich neu belauben.
Fresko-Sonette an Christian S.
Ich tanz nicht mit, ich r�uchre nicht den Kl�tzen,
Die au�en goldig sind, inwendig Sand;
Ich schlag nicht ein, reicht mir ein Bub die Hand,
Der heimlich mir den Namen will zerfetzen.
Ich beug mich nicht vor jenen h�bschen Metzen,
Die schamlos prunken mit der eignen Schand;
Ich zieh nicht mit, wenn sich der P�bel spannt
Vor Siegeswagen seiner eiteln G�tzen.
Ich wei� es wohl, die Eiche mu� erliegen,
Derweil das Rohr am Bach, durch schwankes Biegen,
In Wind und Wetter stehn bleibt, nach wie vor.
Doch sprich, wie weit bringts wohl am End solch Rohr?
Welch Gl�ck! als ein Spazierstock dients, dem Stutzer,
Als Kleiderklopfer dients dem Stiefelputzer.